• Prüfungen,  Unterricht

    Von einer Episode aus dem Referendariat; Oder die Blogparade #refisbelike

    Bob Blume hat zu einer Blogparade aufgerufen, die es dieses Mal in sich hat. Denn sie führt uns Kollegen zur Quelle unseres professionellen Schaffens zurück. Auf eine Reise in unsere beruflichen, mittlerweile von Nostalgie verklärten Anfänge, als wir voll waren von Idealismus und gleichzeitig von Selbstzweifeln geplagt. Kurz und gut: Es geht unter dem Hashtag #refisbelike ums Referendariat *insertdramaticdrumrolls* . Für uns alle eine prägende Zeit, eine Erfahrung irgendwo auf der Skala zwischen Traum und Trauma. Ich persönlich bewege mich eher in positiven Gefühlsgefilden, weil ich dank meiner Ausbilder und Seminaristen tolle Leute um mich hatte, die einander unterstützten, statt sich in Ränkekämpfen zu erschöpfen. Auch mit den Schülern klappte es in der Regel ganz gut. Auch wenn es nicht immer danach aussah – und gelegentlich einer vermeintlichen Katastrophe glich. Genau davon soll meine heutige Episode handeln. Sie ist all den Referendarinnen und Referendaren gewidmet, die kurz vor ihrer praktischen Ausbildung stehen – oder sich schon mittendrin befinden und eventuell am Hadern sind. Vielleicht erkennt ihr euch ja wieder…
    Ich befand mich damals im letzten Ausbildungsabschnitt und erbte nach der Rückkehr an meine Seminarschule eine zehnte Klasse, die es in sich hatte. Es war eine der Klassen, die von Anfang an austestet. Die gleich in der ersten Stunde abklopft, wie sie sich zum Lehrer draußen am Pult positionieren wollte. Und das geschah in der Regel durch offensive Provokation. So wurde meine Mitreferendarin bei ihnen gleich in der ersten Stunde nach ihrer Körbchengröße gefragt. Meiner Vorgängerin aus dem letzten Jahr erging es sogar noch schlimmer. Sie hatte nach monatelangen Demütigungen und permanenten Entgleisungen von Schülerseite regelmäßig den Unterricht unter Tränen verlassen. Tja, und nun stand ich da. Mit all den Geschichten im Kopf, die mir im Vorfeld über die Klasse erzählt wurden. Die Übeltäter, die ich bis dahin nur vom Namen her kannte, bekamen beim Studieren des Sitzplans nun erstmalig ein Gesicht. Und das selbstgefällige Grinsen einiger Herrschaften in der Klasse ließ schon in den ersten Minuten nichts Gutes erahnen. Und so war es dann auch. Gleich nach meiner Vorstellung bekam ich vom Ryanädelsführer laut erklärt, dass ich von der Klasse nichts zu erwarten hätte. In Englisch seien sie grottenschlecht, da sie seit 3 Jahren nur Referendare gehabt hätten. Wie nett, dass ich auch einer davon war. Würde mir das heute passieren, hätte ich irgendeinen flapsigen Spruch drauf. Aber im Referendariat sollte über allem der Schein der Professionalität schweben. Deswegen tat ich das, was man uns beigebracht hatte: Nicht reagieren und weitermachen. So wie es halt alle anderen Refis tun. Und damit war ich so wie alle anderen. Und das ließen sie mich spüren.
    Die ersten Stunden verliefen sehr schleppend. Ein Teil war sehr willig, aber die Alpha-Wölfe waren permanent damit beschäftigt ihr Revier zu behaupten. Hausaufgaben wurden nicht gemacht, Arbeitsphasen im Unterricht boykottiert oder mit Zwischenrufen lahmgelegt. Immer wieder wurden aus Mäusen Elefanten gemacht und sinnlose Diskussionen vom Zaun gebrochen, um absichtlich Unterrichtszeit zu vergeuden. Ich kam mit meinem Stoff nicht durch. Und das setzte mich zunehmend unter Druck. Immerhin sollte ich in dieser Klasse meine letzte Lehrprobe abhalten. Dafür musste die Chemie zwischen mir und den Kindern einfach stimmen. Danach sah es aber zusehends nicht aus. Die Situation verschärfte sich von Stunde zu Stunde nur noch mehr. Die Alphawölfe forderten in jeder Stunde hartnäckig ihr Recht auf Rede- und Narrenfreiheit ein. Und ich konterte mit der typischen Beamtenkonsequenz eines Junglehrers: Ich schrieb – wie man’s halt so macht – Briefe an die Eltern, lud mir meine frechen Früchtchen zum Einzelgespräch nach der Stunde, formulierte meine Forderungen pädagogisch korrekt in Ich-Botschaften, die wir auf Seminartagen fleißig geübt hatten. Es nützte alles nichts. Auch Hinweise brachten nichts. Zu Nacharbeiten erschienen sie nicht. Verweise, die ich wegen groben Disziplinverstößen verschickte, kamen nie zurück, weil sie wohl in der Post “verloren gegangen” seien. Es sah nicht gut aus. Und meine Laune, mich für so eine Lerngruppe weiter zu verausgaben, die sowieso alles doof fand und hinterfragte, ging spürbar zurück.
    Und dann kam die Stunde, die auf einmal alles herumriss. Eigentlich war es eine Stunde wie jede andere auch: Thematisch nett, aber unaufregend: Unser Englischbuch hatte zum Thema Castingshows eine Doppelseite auf Lager und befasste sich mit der Frage, wie kurzlebig Stardom in Zeiten von DSDS und Popstars tatsächlich sein konnte – wie üblich aufgemacht mit dem stereotypischen Zeitungsartikel aus einer britischen Zeitung, zwei Bildchen aus American Idol und auf der rechten Seite zur Auflockerung des Themas dem Songtext von Money for Nothing der Dire Straits; ein Song, der Leuten, die außerhalb der 80er groß geworden sind, überhaupt nichts sagt. Also entschied ich mich, an das Thema anders heranzugehen. Ich wollte mir ältere Bilder von Stars zusammen suchen. Zum Einstieg ein paar, die den Kindern etwas sagen könnten, und auch ein paar unbekannte, um die Schüler ein bisschen in neue Gefilde zu führen und sie anhand des Bildes auf deren Vita schließen zu lassen. Eine kleine nette Übung, um die Schüler ein bisschen zum Reden zu bringen. Immerhin stand eine mündliche Schulaufgabe in ein paar Monaten auf dem Plan. Da kann man nicht früh genug mit dem Üben anfangen. Aber, oh Graus: Richtig gute Bilder fand ich online einfach nicht. Deswegen kramte ich meine gut sortierte 80er-Jahre-Schallplatten-Sammlung durch und packte vier Plattencover ein, auf denen die Sternchen meiner vergangenen Jugend in Großaufnahme zu sehen waren. Ich erinnere mich noch genau an das Quartett, das die Klasse in helle Aufregung versetzen sollte: Das Debütalbum von Kylie Minogue, Actually von den Pet Shop Boys, Das Best of von Wham! und dann – einfach weil es so furchtbar 80s war – You spin me round von Dead or Alive.

    the 80s in their full glory

    Es war vor allem dieses Cover mit Frontmann Pete Burns und seiner Pailetten-Augenklappe, das die Klasse in hellste Aufregung versetzte. Die Jungs waren völlig entsetzt ob der offensiven Androgynität seiner Person, die Mädels sichtlich

    beeindruckt von Frisur und Outfit. Und so entsponn sich in der Klasse während meiner geplanten Sprechübung eine riesige Debatte darüber, was für eine Vita so ein Mensch hinter sich haben muss, um sich für seine Debutplatte derartig ablichten zu lassen. Die einen vermuteten eine alien abduction, andere eine langjährige Karriere bei der Motorradgang der gay pirates. Andere dichteten ihm einen tragischen Unfall in seinem früheren Beruf als Torero an, bei der er sein rechtes Augenlicht verlor. Das Entsetzen steigerte sich, als ich zum Abschluss der Stunde noch das dazugehörige Musikvideo vorspielte, in dem Pete Burns mit Tanzmoves verstörte, die in jeder Disco zu wüsten Schlägereien führen würden. Er klapperte mit imaginären Kastagnetten, schüttelte einen Tadelfinger im Takt auf die verwunderten Zuschauer und kreiste lasziv mit seinen Hüften – komplett in einen fliederfarbenen Bademantel gehüllt. Die Klasse war… begeistert. Und wollte das Video nochmal sehen. Und nochmal. Sie verließen die Stunde mit den ersten Songzeilen auf den Lippen, googelten beim Herausgehen das Video mit ihren damals noch kaum internetfähigen iPhones 3S. Zurück blieb ich. Etwas erstaunt, wie gut das heute geklappt hatte. Ich hatte mit rein gar nichts gerechnet. Und das komplette Gegenteil bekommen. Das Eis war bestimmt noch nicht gebrochen. Aber es war geschmolzen. Und Pete Burns hatte den Anfang gemacht.
    Daher baute ich ihn in den nächsten Stunden immer wieder in den Unterricht ein. Wir recherchierten, was aus ihm und seiner Band geworden war (eine entsetzte 10A: Er hatte sich in eine Frau umoperieren lassen), ich erwähnte ihn in Übungen zu indirekter Rede und if clauses. Beim Lehrervortrag kopierte ich seine Moves, tadelte geschwätzige Schüler mit der Burnschen Discohand, verdeutlichte wichtige Regeln mit den imaginären Kastagnetten aus dem Video. Als die mündliche Schulaufgabe heranrückte und wir mit Mock Exams begannen, schmückte sein Konterfei die imaginäre Schuluniform, die die Schüler in einem Rollenspiel dem Direktor als offizielles Outfit der Schule anpreisen sollten. Es lief auf einmal wie am Schnürchen. Die Zwischenrufe waren verschwunden, Hausaufgaben wurden gemacht. In der Lehrprobe explodierten sie mit guten Einfällen und erarbeiteten meine Tafelbilder quasi im Alleingang. Als die Stunde vorbei, rief einer der Alpha-Jungs deutlich hörbar in Richtung Prüfungskommission: “Also wenn das keine Eins war, dann haben die Leute dahinten keine Ahnung, was geiler Unterricht ist.” Die Kommission verließ sichtbar verdattert das Klassenzimmer in Richtung Direktorat, um sich zu besprechen – und drei der Jungs folgten ihnen, um ihnen zu erklären, wie toll die Stunde für sie gewesen sei. Als ich dann tatsächlich die Eins in der nächsten Stunde verkündete, erhielt ich die ersten Standing Ovations meiner Lehrerlaufbahn. Ich war wirklich zu Tränen gerührt. Vor allem, da nun langsam das Ende meines Referendariats angekommen war und ich von der Klasse Abschied nehmen musste. Dabei hatten die Chancen so gut gestanden, dass ich von meiner Seminarschule ins Stammpersonal übernommen werde. Der Bedarf für meine Fächer hatte eine Planstelle nötig gemacht, ich war namentlich von meiner Schulleiterin angefordert worden. Aber es half nichts. Man schickte der Schule zwei Referendare – und ich war raus. Leider. So läuft nun mal das System. Und so konnten wir nichts weiter tun, als uns Mitte Februar zu verabschieden. Bei einer riesigen Karaoke-Party, für die ich mein komplettes XBox 360-Equipment in die Schule schleppte. Inklusive zweier Plastikgitarren, Mikro und Schlagzeug, mit denen wir bei selbst gemachtem Kuchen sangen, schrammelten und trommelten. Der Höhepunkt der Zeremonie war allerdings mein Abschiedsgeschenk, für das die Klasse komplett zusammengelegt hatte. Sie hatte die imaginäre “Schuluniform” aus dem Rollenspiel von vor ein paar Monaten kurzerhand in Eigenregie nachdesigned und in einem Laden

    nachdrucken lassen. Das T-Shirt habe ich heute noch. Einfach nur, um es gelegentlich hervorzuholen und mich noch einmal an diese Klasse und unseren Werdegang zu erinnern. Hinter das Geheimnis das Erfolgs in dieser Klasse bin ich bis heute nicht gekommen. Vielleicht habt ihr ja eine Idee. Am besten in den Kommentaren 🙂

    Dieses Video auf YouTube ansehen.
    Die Verbindung zu YouTube wird erst bei einem Klick auf den Screenshot hergestellt.

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    5
  • Technik,  Unterricht

    No strings attached: Neue Runde bei den Streaming Sticks

    Und da war es wieder, ein neues Kapitel der immer währenden Suche nach dem perfekten Medien-Setup im Unterricht. Nachdem der EZCast Pro durch ein Firmware Update nur noch über nervige, Zeit raubende Umwege zum Screen Mirroring zu bewegen war, ging das Forschen nach einem guten HDMI-Stick wieder von vorne los. Nach der kabelgebundenen Variante mit Hilfe eines Adapters, dem Samsung AllShare Cast-Dongle, dem EZCast und dem EZCast Pro war damit der Ring frei für Runde 5 (!!), um mir das Seelenheil wieder zu geben, das mir zwei Jahre mit der EZCast Pro-Lösung gegeben war.

    Ich hatte sie alle – meine Tablet-Beamerlösungen über die Jahre: kabelgebunden dank MHL-Adapter, Samsungs AllShare Cast Dongle, EZCast, EZCast Pro und jetzt der Wireless Display Adapter von Microsoft

    Zum Glück war wieder mal Verlass auf meine Kollegen bei Twitter, die mir auf mein Klagen sofort Antwort gaben. Und wieder war es Matthias Heil, der mir damals schon mit dem Tipp des Samsung All Share Cast-Dongle den Weg ins kabellose Arbeiten gezeigt hat. Auch dieses Mal hatte er einen Tipp auf Lager. Und der hieß Microsofts Wireless Display Adapter. Ich kannte die Dinger schon aus der Werbung, hatte sie aber nie wirklich als nennenswerte Alternative auf dem Schirm, da ich sie für ähnlich system-exklusiv gehalten habe wie Apple Produkte. Kommt ein Microsoft-Hardware-Dongle mit Android-Geräten aus? Die Frage ließ sich nur im Praxistest beantworten. Und nach der Zahlung von weiteren 45€, die das gute Stück gekostet hat.
    Der Adapter kommt im typisch kubischen Design daher, mit dem Microsoft schon seit ein paar Jahren seine Produkte und Logos ausstattet. Das hübsche Ding verfügt über zwei Anschlüsse: einmal einen HDMI-Anschluss, der an den Beamer kommt, und dann einen USB-Anschluss, über den der Dongle den nötigen Strom bezieht. Völlig ohne Kabel wie beim EZCast Pro, der dank MHL komplett ohne Strippensalat auskam, geht das also nicht vonstatten. Dafür ist das Kabel angenehm kurz und in den Adapter integriert. Das umständliche Herumschleppen von HDMI-, USB-Kabel und (schlimmstenfalls) Netzgerät entfällt also. Für den Fall, dass aber die Verbindung durch Kabelbruch irgendwann einmal beeinträchtigt wird, kann man den kompletten Dongle wegwerfen. Ärgerlich, aber von der Fertigung her macht der Adapter den Eindruck, als ob er schon ein paar Jährchen halten wird.
    Wichtiger ist für mich allerdings die Verlässlichkeit. Wie schnell verbindet sich der Stick mit einem mobilen Gerät? Verbindet er sich überhaupt? Und wie schnell lässt er sich wieder verbinden? In a nutshell? Schnell, ja, schnell.
    Im Vergleich mit allen anderen Lösungen, die ich bisher am Beamer benutzt habe, verbindet sich Microsofts Wireless Display Adapter tatsächlich am schnellsten. Bei mehreren Testläufen stand die Verbindung unterhalb einer Minute. Und zwar ausnahmslos. Verbindungsprobleme gab es beim Austesten nur ein einziges Mal mit einem Gerät, das auf der derzeit aktuellsten Android-Version (Nougat) läuft. Aber seit dem gibt es überhaupt kein Problem mehr. Mit keinem der Geräte. LG, Samsung, Huawei oder Medion – der Dongle zeigt sich erfreulich kontaktfreudig und schließt über Miracast-Standard in Windeseile Freundschaft, der in Android ab Version 4.2 ab Werk integriert ist bzw. war. Da war der EZCast Pro schon etwas wählerischer, der Samsung AllShare Cast Dongle natürlich auf hauseigene Produkte fixiert. Hat mich sehr gefreut. Ebenso wie die Möglichkeit der Wiederverbindung. War beim EZCast Pro das Verbinden mit dem Dongle nur für zwei Minuten möglich, ist der Microsoft Adapter permanent auf Brautschau. Will man sich im Unterricht also wieder mit dem Dongle verbinden, aktiviert man das Screen Mirroring/Smart View/Miracast auf dem Tablet und hat nach spätestens 10 Sekunden eine Verbindung.

    Dieses Video auf YouTube ansehen.
    Die Verbindung zu YouTube wird erst bei einem Klick auf den Screenshot hergestellt.

    Fazit: Sieht nach einer neuen wunderbaren Freundschaft aus. Der Wireless Display Adapter tut das, was er soll – unkompliziert, ohne zusätzliche Apps und Stolpersteine. Hoffen wir mal, dass nicht auch Microsoft sein Produkt mit einer neuen Firmware versaut.

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    0
  • Allgemeines,  blog,  Pädagogik,  Prüfungen,  Unterricht

    Die Hand-aufs-Herz-Blogparade

    Wenn ich mich an mein Referendariat zurückerinnere, gab es vor einer Lehrprobe immer diesen einen Moment, bei dem ich mich immer etwas schmutzig fühlte: Den schriftlichen Entwurf. Vor allem ein Kapitel war immer eine besonders heikle Angelegenheit: Die Beschreibung der Lerngruppe. Hier galt es, die Klasse, ihre Leistung und ihre Dynamik zueinander zu beschreiben – und natürlich auch das Verhältnis zum Lehrer, der da vorne am Pult steht. Als Junglehrer vor einer pubertären Klasse zu bestehen – das war nicht immer ein klebrig-süßes Zuckerschlecken. Vor allem als Referendar vor Kindern, die wussten, dass man in vier Monaten wieder irgendwo anders in bayerischen Landen unterrichten würde, und daher gerne ausprobieren wollten, wie weit man bei der jeweiligen Lehrkraft gehen konnte. Die Folge waren daher nicht selten Unruhe im Unterricht und  Disziplinlosigkeiten der eher geschmacklich fragwürdigen Sorte. Nur durfte von all dem nichts im Lehrprobenentwurf stehen. Stattdessen bemühte man sich um die berühmten blumigen Ausdrücke, um eventuelle Probleme zu kaschieren. Klassen waren auf einmal “aufgeweckt” statt “laut”, “dynamisch” statt “umtriebig”, “kommunikativ” statt “verquatscht”. Hauptsache den Schein wahren. Keine Fehler zeigen. Und dieses antrainierte Verhalten legen bis heute die meisten Kollegen an den Tag, wenn es um die Bewertung ihrer Arbeit im Unterricht geht…
    Egal, ob der Chef auf Unterrichtsbesuche kommt, man auf Fortbildungen von gelungenen Projekten berichtet, oder auf diversen Blogs seine Unterrichtsmethoden glorifiziert. Alles klappt wie am Schnürchen. Sollte man einem Großteil der Blogs glauben, herrscht in den Klassenzimmern, in der Organisation, in der Vorbereitung unverbesserliche Perfektion. Für Berufsanfänger, die auf der Suche nach Lösungen für Probleme in ihrem Unterricht gehen, ist dieses ständige Herumreiten auf seinen Vorzügen mitunter bestimmt abschreckend. Unsere neue Blogparade soll damit mal ein bisschen kritischer umgehen. Deshalb laden die Edupunks zu einer Hand-aufs-Herz-Blogparade ein, um auf bundesdeutschen Lehrerblogs für ein bisschen Ehrlichkeit werben und Lehrer aller Schulformen dazu ermutigen, zur Abwechslung auch mal zu ihren Schwächen zu stehen. Denn aus diesen kann man bekanntlich lernen. Mein Problem mit dem Nein-Sagen ist ja hinlänglich bekannt 😉 So, und jetzt ihr. Einfach bei den Edupunks vorbeischauen und dort alles weitere erfahren.

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    0
  • Allgemeines,  Technik,  Unterricht

    Webtipp: Break your own news dot com

    In meiner Oberstufe sind in Englisch News of the Week üblich. Jede Woche muss ein Schüler entweder aus den UK oder den USA ein Minimum an drei Nachrichten an den Kurs weitergeben, die in den vergangenen sieben Tagen passiert sind. Wie sie das tun, ist ihnen überlassen: Manche behelfen sich mit OHP-Folien, andere machen eine ganze Power Point Präsentation. Wieder andere beten minutenlang ihr Skript runter, ohne Augenkontakt zur Klasse zu halten. Furchtbar. Um die News of the Week aus diesem Grund ein bisschen mehr wie Nachrichten und nicht wie der Lokalsender von nebenan wirken zu lassen, bin ich ein bisschen auf die Suche gegangen und dabei auf breakyourownnews.com  gestoßen.

    News selbstgemacht

    Das Prinzip ist schnell erklärt: Auf der Seite lädt man ein aussagekräftiges Bild hoch, das man für die Präsentation mit einer Headline (hier grau unterlegt) und einem Ticket (gelb) unterlegen kann, und schwupps – hat man schon einen Eye Catcher im CNN-Look. Die Spielerei hat durchaus auch Sinn, weil die Schüler für die Be- und Untertitelung gezwungen sind, die vorliegende Nachricht in nur ein paar Zeichen auf ihren Kern zu reduzieren. Gar nicht so einfach. Und deshalb lohnenswert!
    Wenn ihr ähnliche Seiten gefunden habt, würde ich mich über eure Tipps in den Kommentaren freuen!

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    0
  • Allgemeines,  Alltag,  Latein,  Unterricht

    Die neue Riege

    Wenn man so die ersten Jahre als Lehrer hinter sich hat und die ersten Jahrgänge zum Abitur führt, geht es so langsam los mit den Wiederholungseffekten. Nicht nur, dass man die Lehrbücher irgendwann auswendig kennt und schon zwei Wochen vorher angesichts der drohenden Lektion mit den Augen rollt. Auch die Typen der Schüler beginnen sich ein bisschen zu wiederholen. Nicht nur im Aussehen, sondern auch in der Stimme, im Schriftbild oder den Gesten. Aber keiner meiner Schüler war jemals so wie der kleine Johnny in meiner neuen fünften Klasse. Er ist völlig anders als die anderen.
    Mit gerade mal acht Jahren ist er der absolut Jüngste in der Klasse. Mit seinen Beinen reicht er auf dem Stuhl sitzend noch nicht mal ansatzweise zum Boden und lässt sie munter in der Luft baumeln. Wenn er sich besonders wohlfühlt, hockt er sich in Kauerstellung auf die Sitzfläche verschränkt die Arme vor dem Gesicht und schaut listig darunter hervor. Er gibt kluge Antworten, keine Frage, aber jedes Mal hat man das Gefühl mit einem anderen Kind zu reden. Er spricht jedes Mal mit verstellter Stimme, verstelltem Akzent. Mal mit fiepsiger Fistelstimme, dann mit vermeintlich männlich sonoren Brustton. Hat er Material zu Hause vergessen, behauptet er eisern und mit verschwörerischer Miene, er wollte sein Lateinheft in der Frühe wecken, aber es hat einfach weitergeschlafen. Und da er es in einem Gnadenakt kurzerhand zuhause gelassen. Wie kann man da böse sein?
    Der Höhepunkt folgte letzte Woche, als ich krankheitsbedingt für zwei Tage ausfiel und der Klasse halb gesundet am Mittwoch die Türe zur ersten Stunde aufsperrte. ZACK! kam der Kleine mit einem Freudenschrei auf mich zugestürmt und umklammerte freudestrahlend mein Bein.
    Wenn sie doch nur immer so blieben 🙂

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    0
  • Technik,  Unterricht

    EZcast Pro II

    Der EZCast Pro ist bei mir im Unterricht nun seit geraumer Zeit erfolgreich im Einsatz und gehört neben Tablet und Beamer zum festen Bestandteil meines Hardware-Setups, das über die Jahre immer weiter verkleinert bzw. optimiert wurde. Da der erste Teil meines Testberichtes regelmäßig die Spitzenposition in den Besucherzahlen erreicht, wird es endlich mal Zeit für Teil 2 meines Reviews, das auf die Sonderfunktionen der “Profi”-Variante des EZCast eingeht. Denn das Streamen von Inhalten auf einen Beamer gehört zum Standard-Repertoire eines jedes EZCast-Sticks. Was ist denn so Pro an dem Gerät?
    Nun ja, eigentlich handelt es sich hier – neben den leicht verbesserten Hardware-Spezifikationen – nur um ein einziges wirklich nennenswertes Zusatz-Feature: Nämlich das gleichzeitige Darstellen von Bildschirminhalten verschiedener Geräte. Mal schauen, wie sehr sich diese Funktion für den Unterricht nutzen lässt.

    Kontaktaufnahme

    Wer mit dem EZCast schon mal gearbeitet hat, weiß um die verschiedenen Modi, in denen der Streaming-Stick operieren kann. Für mich hat es sich am praktikabelsten erwiesen, das Gerät im EZMirror-Modus hochfahren zu lassen, sodass ich beim Tablet oder Handy jeweils nur noch das Screen Mirroring bzw. Miracast aktivieren muss (siehe Teil 1 des Reviews). Das geht wirklich fix: Nach knapp einer Minute steht die Verbindung, ohne dass man sich umständlich über die EZCast App mit dem Stick verbinden muss. Will man die Bildschirmteilung des EZCast Pro nutzen, ist das aber leider unumgänglich, da diese Option nur in der App selbst angeboten wird. Direktes Streaming über Drop-Down-Menüs kann man also vergessen. Vielmehr muss man folgendermaßen vorgehen:

    • EZCast Pro am Beamer aktivieren
    • EZCast Pro App öffnen und auf eine Verbindung warten: Das kann mitunter schon ein bisschen dauern. Komischerweise habe ich es wirklich erlebt, dass die hauseigene App in Sachen Kontaktaufnahme deutlich unzuverlässiger arbeitet als wenn Tablet und EZCast Pro direkt miteinander kommunizieren. Zum Glück ist durch mehrere Firmware-Updates, die 2016 in regelmäßigen Abständen auf den Markt kamen, dieses Problem zu einem großen Teil in den Griff bekommen worden.
    • Auswählen des Mehrfach-ScreeningAuf dem Beamer erscheinen dann die verfügbaren Bildschirmabschnitte, die mit maximal drei weiteren Geräten (das Tablet besitzt als Host von Anfang an einen Bildschirmabschnitt) befüllt werden können. 
    • Verbindung weiterer Geräte mit dem EZCast Pro
      Wer mit seinem Mobilgerät einen der maximal drei Bildschirmausschnitte am Beamer ergattern will, muss sich zunächst mit dem EZCast Pro verbinden.  Auch hier führt kein Weg an der App vorbei, die auf jedem der zu verbindenden Geräte vorhanden sein muss. Leider. Für jeden Verbindungsversuch mit dem EZCast Pro bekommt der Host-Betreiber der Verbindung eine Benachrichtigung, die bestätigt werden muss, damit der Zugang gewährt werden kann.
    Jedes Gerät, das sich über die EZCast Pro-App mit dem Gerät verbinden will, muss beim Host-Gerät um Erlaubnis fragen.
    Die Bildschirmfläche lässt sich in maximal vier Abschnitte einteilen. Tätig ist in der Abbildung nur die Foto-Funktion im oberen rechten Abschnitt. Die unteren beiden warten noch auf zwei weitere Geräte, der Ausschnitt oben links ist mit einem Gerät verbunden, das allerdings noch keine Medien an den EZCast Pro geschickt hat.

    Anschließend teilt sich die Bildschirmfläche in bis zu vier Abschnitte.
    Danach kann man aus dem EZCast-Menü das Medium auswählen, das man an den Beamer schicken möchte. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Ab jetzt ausgeschaltet ist allerdings das Echtzeit-Streaming. Möglicherweise ist der EZCast Pro mit dem simultanen Streamen von maximal vier Geräten etwas überfordert.  Andererseits aber auch logisch: Mehrfach-Streaming macht natürlich nur mit “stummen” Medien Sinn, wo nicht vier Audioströme parallel vermischt werden, bis man gar nichts mehr versteht. Bei Bildern, Dokumenten, Web-Pages oder der Kamera funktioniert das allerdings wunderbar.  Schauen wir uns mal die interessantesten Einsatzmöglichkeiten an:
    Fotofunktion
    Fotos aus den Galerien lassen sich mühelos von einem Endgerät auf den EZCast Pro streamen. Dabei stehen zum Markieren rudimentäre Annotierungstools zur Verfügung, mit denen man zoomen, unterstreichen und markieren kann. Transparenz und Dicke der Pinselstriche lassen sich einstellen. Auch mit vier Bildausschnitten gleichzeitig.


    Neben dem bloßen Präsentieren sind so ein paar sehr pfiffige Möglichkeiten möglich: Man kann Zeichnungen aus vier Gruppen in vier Ausschnitten zu einer Bildergeschichte zusammenbauen lassen, Vokabeln darstellen, aus denen die Klasse eine Reizwortgeschichte erstellen soll oder simultan Montagsmaler im Fremdsprachenunterricht spielen. Natürlich funktioniert dieses Zuckerl nur, wenn die Klasse die EZCast Pro App auf ihrem Mobilgerät dabei hat. Ohne die läuft überhaupt nichts.
    Dokumentenfunktion
    In maximal vier Bildschirmen lassen sich Dokumente im PDF- oder Doc-Format an den EZCast Pro schicken und dem gespannten Publikum präsentieren. Wie schon bei Bildern lässt die App dabei rudimentäre Bearbeitungsfunktionen zu. So kann man mit einem digitalen Stift, den man in Farbe und Größe variieren kann, direkt in Dokumenten hineinschreiben und -malen; an sich ein nettes Feature, das aber an einem ziemlichen Manko krankt: Vor allem Schriftdokumente lassen sich in ihrer Originalgröße kaum entziffern, sodass die Dateien permanent in einer hohen Zoomstufe eingestellt sein müssen. So passiert es schnell, dass man hektisch Zeilen hin- und herzoomen und -schieben muss, um bei einer angenehmen Lesegröße jeweils das Ende einer Zeile erkennen zu können. Besonders im Split-Screen, wo man z.B. Schülerarbeiten parallel begutachten und analysieren könnte, ist das ein grobes Manko.

    Dokument im Quattro-Bildschirm-Modus oben links. Wer soll das lesen? Richtig. Keiner…

    Kamerafunktion
    Auch wenn es vermutlich die Hölle auf Erden für einen Streaming-Stick darstellt, parallel Bildsignale von vier Geräten zu verarbeiten, kommt der EZCast Pro damit erstaunlich gut klar. Vorausgesetzt, man lässt die Qualität der Kamera auf dem voreingestellten “Low Quality”, sonst wird die Darstellung eine arg ruckelige Angelegenheit. Alles andere klappt prima. Man kann mühelos von der Rück- zur Frontkamera wechseln, das Bildsignal zu Standbildern einfrieren und bearbeiten. Alles in Allem eine nette Spielerei, die man sich auch im Unterricht gut zunutze machen kann. 

    Mit der Live-Kamera können vier Geräte parallel filmen und die Bilder in Echtzeit auf den Bildschirm übertragen. Am oberen Rand die Optionen: Einstellen von Filmqualität und Wechseln von Kamera

    Musik- und Videofunktion
    Beide Funktionen sind für den Mehrfach-Betrieb ausgeschaltet. Und wer mal in einem Klassenzimmer mal 20 Handies gehört hat, die alle völlig verschiedene Songs aus ihren Dosenlautsprechern in den Raum plärren, weiß auch warum. In der Regel schaltet der EZCast Pro für diesen Modus aus dem Mehrfach-Screening um und spielt brav von dem einen der vier Geräte ab, das zuerst Daten abgefeuert hat. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
    Browser
    An sich klingt das ja ganz nett, parallel zu einem Thema im Netz suchen zu lassen und die Ergebnisse auf einem Beamer zu präsentieren. Leider ist der App-interne Browser nicht wirklich leistungsfähig. Der Aufbau einer Seite dauert ewig, in einem Großteil der Fälle konnten die Seiten noch nicht einmal komplett geladen werden. Damit ist diese Funktion der App im Mehrfach-Screening-Modus leider unbrauchbar. Das haben wohl auch die Macher des EZCast Pro eingesehen und diese Option in den jüngeren Versionen der App rausgeworfen. Gut so, die wird wirklich niemand vermissen. 

    In der neuen Version des EZCast Pro Software ist der vermaledeite Browser nicht mehr zu finden.

    Mein Fazit
    Wenn es jetzt speziell um die Sonderfunktionen geht, die der EZCast Pro der regulären Variante voraus hat, hat sich bei mir über die Monate eine gewisse Ernüchterung breit gemacht, weil das so hochgelobte Mehrfach-Screening nur für gewisse Funktionen (zufriedenstellend) läuft. Der Mehrwert, der dieses Feature für den Unterricht bringt, ist nett, aber nutzt sich in seiner Wirkung recht schnell ab. Vor allem, wenn der Stick in diesem Modus deutlich fehleranfälliger ist als im regulären Screen Mirroring und gerne mal ins Stottern oder gar in die Schockstarre gerät, wenn es ihm zu viel wird.
    Abraten würde ich von der Pro-Version dennoch nicht. Im regulären Betrieb ist er deutlich zuverlässiger als das ursprüngliche Modell, mit dem ich damals meinen Unterricht bestritten hatte. Und die Möglichkeit, den Stick ohne zusätzliche Stromkabel in Betrieb zu nehmen – MHL vorausgesetzt -, hält meine Tasche schön schmal.
     
     

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    0
  • Allgemeines,  Prüfungen,  Unterricht

    Von blankem Horror

    Es dürfte irgendwann um 1997 gewesen sein. So richtig kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber ich dürfte damals in der Oberstufe gewesen sein.  Ich spazierte damals vergnügt zur dritten Stunde in die Schule. Die ersten beiden Stunden waren ausgefallen, und mein Schultag würde so mit dem Leistungskurs Latein beginnen. Als ich den Raum betrete, scheint alles wie immer. Ich sehe die ganzen Leute vor mir, in eben der Sitzordnung, wie sie für unseren Kurs üblich war. Alle waren schon eingetrudelt und in aufgeregte Gespräche verwickelt. Mein bester Freund redete mit hochrotem Kopf auf seinen Vordermann ein, griff sich regelmäßig in die Haare, kritzelte auf einem Blatt Papier herum, radierte, murmelte. Ich nehme rechts von ihm Platz und entziffere aus dem Gekritzel mathematische Formeln, allem Anschein nach etwas zum Thema Kurvendiskussion. Zu Beginn kann ich mir einen amüsierten Kommentar nicht verkneifen. Ich ernte aber nur entgeisterte Blicke. “Unsere Matheklausur gerade war dermaßen schwer, ich kann da von Glück reden, wenn es noch vier Punkte werden”, zischt mir mein Freund entgegen, bevor er sich wieder seinem Vordermann zuwendet und hektisch Ergebnisse vergleicht. Im ersten Moment registriere ich das noch gelassen, bis ich von meinem Freund zugeraunt bekomme “Ich hoffe, eure Klausur war einfacher.”
    Unsere Klausur? Ich stutze. Ich habe heute keine Matheklausur geschrieben. Ich bin ja gerade erst in die Schule gekommen. Zur dritten Stunde. Die ersten beiden Stunden waren doch ausgefallen… oder? Ich werde etwas unruhig und schaue mich im Klassenraum nach Leuten um, die in meinem Mathekurs sitzen, um mich dessen zu vergewissern. Aber ich bin hier der einzige. Die nächsten 45 Minuten der Lateinstunde nehme ich nur physisch wahr. Im Kopf drehen sich Fragen über Fragen. Oder eher gesagt nur eine einzige: Habe ich etwa gerade eine Matheklausur verschlafen? Nein, das kann nicht sein, sowas passiert mir nicht. Die Termine sind Wochen vorher bekannt gegeben worden. Ich hätte mich hundertprozentig darauf vorbereitet. Andererseits ist es bei uns in der Oberstufe üblich, dass die Mathekurse am selben Tag parallel ihre Klausuren schreiben. Und neben mir wird gerade heftigst über eine eben geschriebene Mathearbeit diskutiert. Ich werde zunehmend unruhiger, rutsche auf meinem Stuhl hin und her und starre mit leerem Blick auf die Uhr, auf dass sie die 45 Minuten schneller vergehen lasse. Ich muss jemanden aus meinem Mathekurs finden und mir Klarheit verschaffen.
    Als der Gong ertönt, bin ich der erste, der wie von der Tarantel gestochen aufspringt und zur Klassenzimmertür hechtet. Im Gang schieben sich bereits Massen von Leuten durch die Schule. Unterstüfler, Mittelstüfler, ein paar Lehrer – und irgendwo mittendrin Manfred. Wir nannten ihn aufgrund seiner körperlichen Statur schlicht und ergreifend “Bäpf”. Er sitzt in meinem Mathekurs  zwei Reihen hinter mir und ist für die nächsten Sekunden der Mann, der diesen Tag in eine Katastrophe oder riesige Erleichterung verwandeln kann. “Bitte sag mir nicht, dass wir heute eine Matheklausur geschrieben haben”, keuche ich ihm entgegen, als ich mich durch die Schülermassen gewühlt habe und endlich bei ihm ankomme. Seinem Gesichtsausdruck kann ich die Antwort schon ablesen. “Sag mal, wo bist du denn gewesen? Wir haben alle auf dich gewartet! Hast du die Verlegung des Termins nicht mitbekommen” fragt Bäpf ungläubig. “Das wissen wir doch schon seit der ersten Woche des Schuljahres!”
    Und da merke ich, wie es mir den Boden unter den Füßen wegzieht. Da haben wir den Salat. Ich habe wirklich eine Klausur verpennt. Ich bin in der Kollegstufe eines Gymnasiums und habe eine der wichtigsten Prüfungen auf dem Weg zum Abitur schlichtweg vergessen. Unentschuldigt gefehlt am Tag einer angekündigten Prüfung bedeutet bei uns in Bayern automatisch 0 Punkte. Note 6. Damit setze ich meinen guten Abischnitt aufs Spiel. Nein. Falsch. Damit IST der gute Abischnitt aufs Spiel gesetzt. Die Sechs habe ich sicher. Mit pochendem Herzen und dem wohl tomatigsten Gesichtsrot, das es jemals an meiner Schule gegeben hat, begebe ich mich in das nächste Klassenzimmer, gehe im Kopf durch, wie ich das meinem Mathelehrer erklären soll, der ja ohnehin als ein harter Hund gilt. Oder meinen Eltern. Und vor allem mir selbst. So eine Kopflosigkeit kenne ich von mir überhaupt nicht. Wie konnte das passieren, dass mir diese Terminverlegung durch die Lappen gegangen ist? Ich bin so in Gedanken verloren, dass ich gar nicht registriere, in was für einem Unterricht ich überhaupt sitze. Ich suche im Raum nach dem Lehrer des Kurses, um zu sehen, ob ich nicht schon wieder etwas verschusselt habe und blicke Richtung des Lehrerpultes. Dort sitzt aber nicht einer meiner Lehrer. Dort sitzt einer meiner jetzigen Kollegen.
    Und dann wache ich auf. Jedes Mal. An genau dieser Stelle. Alle drei bis vier Monate kommt dieser Traum. Ich durchlebe jedes Mal die gesamte Achterbahn der Gefühle. Die Panik, als ich merke, was passiert ist, die Unruhe, meine Selbstgeißelungen. Und letztlich die endlose Erleichterung, wenn ich merke, dass ich im Jetzt des Jahres 2017 aufgewacht bin – mit einem Abi und zwei Staatsexamina in der Tasche. Warum es jedes Mal die Mathematik ist, die mir diesen Horror einbringt, kann ich nicht sagen. Ich war in Mathe immer solide. Nicht brilliant, aber passabel. Und trotzdem hat sich da bei mir irgendwie ein kleines Trauma festgesetzt, das mich viermal im Jahr um den Schlaf bringt.
    Verrückt, wie sich Schule auch noch nach Jahren bei uns festsetzen und wüten kann. Ich hoffe, dass keiner meiner Schüler wegen mir so etwas durchleben muss…

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    0
  • Allgemeines,  Alltag,  Buch,  Prüfungen,  Technik,  Unterricht

    Von Arbeitsblättern mit Format

    Wenn es auf diesem Blog einen Award für den oberflächlichsten Artikel überhaupt geben sollte, dann wäre dieser hier ein heißer Anwärter. Denn dieses Mal geht es ausschließlich ums Aussehen. Nämlich dem von Arbeitsblättern. Ich weiß, ich weiß, never judge a book by its cover, aber wie soll man ein Arbeitsblatt ernst nehmen, das vom Layout aussieht wie aus  Krusty’s Playhouse?
    Wenn man so all die Arbeitsblätter in der Schule vor seinem geistigen Auge Revue passieren lässt, muss ich schon eingestehen, dass es doch einige Kreationen gab, mit denen das Lernen nicht wirklich leichter wurde bzw. völlig unmöglich war; zum Beispiel die guten alten Blaupausen, mit denen ich noch bis Mitte der 90er als Schüler gequält wurde. Die Dinger waren auf mausgraues, seltsam glatt-glibberiges Papier gefertigt, auf das die Schreibmaschinenseite in blauen Buchstaben aufgedruckt wurde. Und das in der Regel entweder schief oder so verrückt, dass Buchstaben, Sätze, ja teilweise ganze Absätze fehlten. Oder die orgiastischen Schriftart-Experimente, als die PCs auf Lehrerschreibtischen Einzug hielten. Jede Überschrift in einem neuen Font oder gar Wordart in Bögen, Schlangenlinien, mehrfarbig, gespiegelt, geschraubt und darunter am besten ein Fließtext in Comic Sans. Das Worst Case Scenario, das wir sogar von Dozenten im Studium noch so präsentiert bekommen haben.
    Zum Glück hatte ich im Referendariat einen ganz wunderbaren Seminarlehrer, der uns in dieser Hinsicht schnell den Kopf zurecht gerückt hat: Das Arbeitsblatt ist die Visitenkarte eines Lehrers. Das Layout sollte in sich stimmig, schlicht und erkennbar sein. Ein Blick darauf und es ist klar: Das ist von Herrn/Frau Sowieso. Und darauf habe ich spätestens ab dem Zweigschuleinsatz geachtet. Mein Layout für Arbeitsblätter ist seitdem immer dasselbe. Und das erleichtert auch das Erstellen von neuen Arbeitsblättern ungemein.

    Die Qual der Wahl

    Das Auffinden von geeigneten Schriftarten ist eine sehr individuelle Sache, in die man auch Unmenge an Zeit versenken kann. Es geht ja nicht nur darum, schöne Fonts zu finden, sondern auch um das Zusammenspiel. Bilden die Schriftarten im Layout eine Einheit oder nicht? Zum Glück gibt es mittlerweile eine große Menge an Seiten im Netz, die bei der Suche entweder wertvolle Tipps geben oder sogar in ihren Augen gelungene Font-Ensembles vorstellen, von denen man sich inspirieren und im besten Fall sogar klauen kann, um sie für sich zu nutzen. Ich persönlich kann die Ensembles von canva sehr empfehlen, mit dem ich schon seit langer Zeit arbeite, wenn es um das Gestalten von Plakaten oder Flyern geht. Unter Layout und Text findet man dort verschiedene Zusammenstellungen von Schriftarten, die gut zusammenpassen.

    canva.com hat ein gutes Auge für schöne Fonts

    Diese Schriftarten lassen sich in der Regel auch im Netz als Font-Datei finden, installieren und künftig auch in eigenen Schriftdokumenten verwenden. Dass diese Zusammenstellungen selten mehr als drei Fonts beinhalten, ist gewollt. Denn zu viele Schriftstile zerschlagen den optischen Eindruck in Windeseile. Ich persönlich habe mir angewöhnt, für meine Arbeitsblätter immer ein Ensemble aus drei Schriften zu nutzen. Für die Kopfzeile, für die Überschrift und schließlich für den Fließtext mit der eigentlichen Information.

    meine verwendeten Fonts in Arbeitsblättern

    Handarbeit mit Formatvorlagen

    Diese Schriftarten speichere ich mir als Formatvorlage in einem Template, die Grundlage eines jeden Arbeitsblattes ist. In einem Fenster (Standardmäßig an der rechten Seite des Bildschirms oder unter “Eigenschaften” auf dem Icon oben rechts abrufbar) ist dort genau festgelegt, welche Schriftart, Größe, Farbe und Zeilenabstand genutzt werden soll, wenn ich im Dokument einen Text als Titel, als Fließtext oder Zwischenüberschrift definiere. Diese Vorlagen kann man sowohl bei Word als auch bei Open Office entweder neu definieren oder bestehende anpassen. Ich habe mich irgendwann für letzteres entschieden, damit die Anzahl der Formatvorlagen innerhalb eines Dokumentes übersichtlich bleibt.

    Über den markieren Button kann man sämtliche Parameter einer Vorlage neu definieren. Im Bild die Formatvorlage für Zitate in einem Dokument

    Formatvorlagen, die ich nicht benötige, wie zum Beispiel verschiedene Entwürfe für Überschriften (Open Office hat in der Standard-Vorlage bis zu zehn Formate für Überschriften) lösche ich oder verberge ich, soweit es die Textverarbeitung zulässt.

    Ungewollte Formatvorlagen kann man in der Regel mit einem Rechtsklick aus der Liste verschwinden lassen.

    Mein Template ist im Vergleich zu dem Standard-Template deutlich verschlankt und beinhaltet lediglich  Formatvorlagen für Kopfzeile, Fußzeile, Fußnote, Überschrift, Zwischenüberschrift und schließlich den Fließtext. Wer viel mit Abbildungen arbeitet, kann ebenso auch Vorlagen für Bildunterschriften hinzufügen. Ist man mit der fertigen Vorlage zufrieden, wird das Dokument einfach als Vorlage abgespeichert und ist ab jetzt jeder Zeit unter Vorlagen abrufbar (in Libre Office unter “Datei > Neu > Vorlage…”). Voilà!
    Wenn jemand hier noch ein paar nützliche Tipps zur Erstellung von Arbeitsblättern mit Hilfe von Formatvorlagen hat – seien es praktische Erfahrungen oder Literaturtipps in Form von Webseiten oder Büchern -, darf er/sie sich gerne in den Kommentaren verewigen.

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    0
  • Alltag,  Technik,  Unterricht

    Mein Hardware Setup 2016/17

    Da sich mal wieder die Fragen im Blog häufen, ob sich an meinem Technik-Setup etwas geändert hat, habe ich mich mal kurz zusammengesetzt, um über meine neuen-alten treuen Wegbegleiter zu sinnieren, mit denen ich täglich durch die Gänge unserer Schule stapfe. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich das eine oder andere getan, vieles ist aber auch absolut gleich geblieben – schon mal ein gutes Omen. 

    Das aktuelle Setup 2016/2017
    • Samsung Galaxy Note 8.0: Kaum zu glauben, dass das kleine Stift-Tablet im Oktober seit nunmehr vier Jahren mit mir tagtäglich auf Reisen geht und im Unterricht täglich 6-7 Zeitstunden präsentiert, abspielt, streamt, abspeichert, malt und dabei noch immer kein einziges Mal nennenswert kapituliert hat. Keine der Apps ist dem Tablet zu umfangreich oder zu rechenintensiv, der Akku hält nach wie vor knapp zwei Tage durch und die Geschwindigkeit passt für mich. Ich werde ein paar große Tränen vergießen, wenn das Note 8.0 das Zeitliche segnen sollte, weil Samsung bis heute keinen nennenswerten Nachfolger auf den Markt gebracht hat. Die stylus-fähigen Modelle wurden in die Tab S3-Serie verbannt, wo sie mehr als das Doppelte kosten als das Note 8.0 zu Hochzeiten. Schade…
    • Acer K-137: Auch schon seit fast zwei Jahren im Einsatz und bis heute ohne nennenswerte Probleme im Unterricht dabei. Sogar ein paar Stürze vom Pult hat die kleine Funzel hinnehmen müssen, die ihr aber nicht nennenswert geschadet haben. Von ein paar Macken an den Rändern mal abgesehen. Bis heute habe ich auch keinen LED-Beamer entdecken können, der eine ähnliche Lumen-Zahl bei so einem Preis zustande bekäme. Vielleicht habe ich aber auch noch nicht genug geschaut 🙂
    • EZCast Pro: Fast genauso lange wie der Beamer bei mir in der Tasche und von all den Streaming-Sticks, die ich bis jetzt im Einsatz hatte, mit Abstand der verlässlichste! Sogar der Dongle von Samsung hat deutlich mehr Abstürze oder Stotterer zu verzeichnen als das kleine Streaming-Wunder aus Fernost. Die Zusatzfeatures sind eine nette Dreingabe, aber für mich definitiv nicht ausschlaggebend. Viel wichtiger sind mir die Verlässlichkeit und die Möglichkeit, das gute Ding direkt mit dem Beamer zu verbinden, ohne auch nur ein einziges Kabel dafür zu benötigen!
    • Bamboo Stylus Feel: So nett das Note 8.0 auch ist, aber der Stylus war – was die Haptik anbelangt – eine Katastrophe. Permanent hatte man beim Schreiben das Gefühl, einen Zahnstocher in der Hand zu haben. Auch die größere Standalone-Version von Samsung war nicht nennenswert besser. Das Ding sieht zwar wie ein Stift aus, ist aber viel zu leicht. Der Stylus Feel von Bamboo ist da genau richtig. Ein schönes Gewicht, ein schönes Design. So was nehme ich zum Arbeiten gerne in die Hand.

    Man sieht: so richtig viel auf dem Gebiet hat sich nicht getan. Und das ist gut so. Die Langlebigkeit der Komponenten spricht definitiv für ihre Qualität. Ich habe nach langem Ausprobieren endlich ein Hardware Setup, mit dem ich restlos zufrieden bin. Hier zum Vergleich mal die Setups der letzten Jahre:

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    0
  • Buch,  Latein,  Unterricht

    Buchtipp: Kritzel dich durch die Geschichte

    Zur Abwechslung hab ich auch mal einen kleinen Literaturtipp für euch: Ein Schatzkästchen für die Unterstufe in Buchform. Antiquarisch und in Topzustand. Und viel zu schade, um das gute Stück unerwähnt in die Wellen der Vergessenheit abtreiben zu lassen. Andrew Pinders Kritzel dich durch die Geschichte ist für die kreative Vertiefung des Sachwissens für die kleinen Lateinschützen ideal.  Das Buch stellt chonologisch wichtige Episoden der Weltgeschichte dar und bietet ab 200.000 v. Chr. bis in die früheste Zeitgeschichte verschiedene angefangene Szenarien in Bildform, die der Besitzer vervollständigen muss. Pyramidenschmuck, viktorianische Haartracht, die chinesische Mauer oder der Sturm auf die Bastille – jedes der Szenarien ist mit einem kurzen Infotext versehen und einer kleinen Anweisung, die dem Maler erklärt, was zu tun ist. Das ist mal bezaubernd, öfter makaber (abgeschlagene Köpfe auf Speere malen; genau das Richtige für Jungs), aber immer unterhaltsam.
    Für die Altphilologen unter uns finden sich knapp 15 nette Anlässe, in denen die Schülerinnen und Schüler Sachwissen und Kreativität zusammenbringen können. Die sieben antiken Weltwunder sind hierbei ebenso Kritzelanlass wie der trojanische Krieg, antike Mythologie, Römerfeinde oder römisches Leben. Mal muss man das trojanische Pferd erschaffen, mal Soldaten einkleiden, dann römische Wandmalereien weiterführen, Hannibals Elefanterie (pun intended) auffüllen, Kerberus furchteinflößender machen oder ein Gladiatorenszenario vervollständigen. Ein sehr putzige Abwechslung, mit der man die berüchtigten Unterrichtsstunden nach Schulaufgaben oder vor Ferien nutzen kann.

     
     
     
     
     
     
     
    Erschienen ist Andrew Pinders “Kritzel dich durch die Geschichte” im Knesebeck Verlag. Das allerdings schon 2011. Deswegen wird man das eine oder andere Antiquariat bedienen müssen. Vielleicht ist das altbekannte zvab.com eine erste Anlaufstelle, wo man fündig werden könnte…

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    0