• Allgemeines,  Alltag,  Latein

    Von Kuschelkissen

    Was für ein scheußliches Wetter! Draußen hängt der Nebel dick über der Stadt, die Temperaturen krebsen um den Gefrierpunkt herum, die Sicht ist getrübt. Die Straßen zeigen sich menschenleer und lediglich von den tapfersten Recken bevölkert, die dem eisigen Wind trotzen und schnellstens einen Platz im Warmen suchen. Zum Beispiel in einem Café in der Münchner Innenstadt. Wie gemütlich das alles hier ist: Wohlige Wärme im ganzen Raum, der vom ruhigen Gemurmel tiefenentspannter Menschen erfüllt ist. Im Hintergrund surrt regelmäßig das wohl vertraute Geräusch einer Kaffeemaschine, der Geruch von Cappuccino und Earl Grey liegt in der Luft. An den Tischen leuchten Kerzen und flackern beruhigend vor sich hin. Da lässt man sich doch gerne nieder.

    Auf einer Bank zum Beispiel, die mit kuschligen Kissen zum Rasten und Ruhen einlädt. Und dann auch noch auf Latein! Nämlich mit den Anfangszeilen von Vergils Aeneis! In schönsten 08/15-Fonts prangen dort die Versstücke, die in die Weltliteratur eingingen. Hier ein bisschen Kalligraphieschrift, dort ein paar Serifen-Bögen. Ein bisschen Times New Roman, ein bisschen artsy Kursive. Wunderschön! Wie toll, dass kein Mensch den Sinn der Verse versteht, die dort zu lesen sind. Denn die Aeneis steht für alles – nur kein Wohlfühlkino: Irrfahrten, Weltuntergangsstimmung, Entfremdung vom eigenen Staat, Tod von Verwandten, Entzweiung von Familien, Hinraffen ganzer Städte durch eine Seuche… ähm… öhm… vielleicht doch nicht so unpassend…

    Arma virumque cano, Troiam qui primum ab oris…
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  • Allgemeines,  Alltag,  Unterricht

    Nikolo bum, bum 2021

    Nikolaustag ist bei uns an der Schule immer ein kleines Gemeinschaftsevent: Die fünften Klassen sind in heller Aufregung, weil sich das Gerücht hartnäckig hält, der Nikolaus gehe höchstpersönlich durch die Unterstufen. Und so ist es auch: Jedes Jahr schlüpft ein männlicher Kollege die Kutte unseres ehemaligen Schulpriesters, die er uns für diesen Zweck hinterlassen hat. Von Engeln aus der SMV flankiert und einem schaurig geschminkten Krampus aus der Oberstufe im Schlepptau geht er die einzelnen Räume ab, um den gespannten Klassen aus seinem berühmten goldenen Buch vorzulesen. Dort sind immer die guten und bösen Taten der Klasse verzeichnet, die die Klassleiter für diese Aktion traditionsgemäß in Versform einreichen.

    Die daraus resultierende Allwissenheit unseres Schulnikolaus ist für die Kinder immer wieder überraschend, aber auch gefürchtet. Denn bei zu viel Sünden wird der Krampus wild und darf in der Klasse ungezügelt wüten. Bis er vom Nikolaus wieder beruhigt werden kann, dauert das immer ein paar Minuten. Dann ist aber auch gut. Und die Engel dürfen zur Versöhnung Obst und Schokolade unter den Kindern verteilen.

     

    2021: Nikolo light

    Dieses Jahr ist das natürlich alles sehr verhalten. Pandemiebedingt kann man nicht einfach den Kindern Essen in die Hand drücken. Oder quer durch sämtliche Klassen als Krampus holzen. Komplett darauf verzichten wollten wir aber auch nicht. Denn die kleinen Rituale bringen uns ein Stück Normalität wieder, das wir im Trubel dieses Jahres viel zu häufig vermisst haben. Und so wird’s in der Schule ein Nikolaustag der leisen Töne. Der Nikolaus tritt auf, verzichtet aber auf das Vortragen von Gedichten. Der Krampus schaut grimmig drein, bleibt aber auf Abstand. Und Essen wird den Kindern nicht in die Hand gelegt, sondern fein säuberlich in Tüten verpackt und zum Entgegennehmen präsentiert. Alles etwas umständlich und steril, wenn man es mit den letzten Jahren vergleicht. Aber das Leuchten in den Gesichtern der Fünftklässler reicht vollkommen aus um zu sehen, dass die Entscheidung richtig war.
    Wider Erwarten wurden dann allerdings auch noch die Großen heute beschenkt. Nämlich meine Wenigkeit. Mein Oberstufenkurs präsentierte mir am Ende der Stunde ein goldiges Präsent: Wunderschön eingewickelt und geziert mit beeindruckendem Handlettering (da steh ich ja total drauf 🤗)

    Discipulos non timeo dona ferentes…

    “Coole Socke” ist hier tatsächlich wörtlich zu sehen. Denn es gab… Christmas socks! 😍😍😍

    Hab mich riesig gefreut und werde mich gleich nächste Stunde revanchieren. Nämlich mit der unvergessenen Vorstellung von Christoph Waltz, der dem verstörten TV Host Jimmy Fallon den Krampus zu erklären versucht. Classic!

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  • Allgemeines,  Alltag

    Novembäh!

    Der goldene Oktober hat seinem Namen zu Beginn der Herbstferien nochmal alle Ehre gemacht und die bayerische Landeshauptstadt in schönste Farben gehüllt: Die Baumkronen schillerten überall vor einem tiefblauen Himmel in allen Tönen zwischen gelb und tiefrot. Der fönige Herbstwind rauschte geheimnisvoll in den Parks, ließ die Blätter über das Panorama tanzen und trieb die Leute für wahrscheinlich das letzte Mal in diesem Jahr die Leute in Scharen nach draußen. Egal, ob Luitpoldpark, Englischer Garten, Westpark oder die Isarauen. Die Grünflächen in ganz München waren heißbegehrt. Bei solchen Aufnahmen auch kein Wunder…

    Die Tempelanlage im Westpark bei schönstem Herbstwetter

    Mit dem ersten November ist die lauschige Idylle vorbei. Die Temperaturen sind um knapp 10 Grad gefallen, eine dicke Wolkendecke hängt über der Stadt und überzieht die Straßen mit dicken Regenwänden. Ich hasse den November. Aber das Schmuddelwetter kommt mir gerade recht: Hier türmen sich Korrekturstapel, die Wohnung ist nach den letzten turbulenten Wochen sträflichst vernachlässigt worden und benötigt ein paar grundlegende Aufräumaktionen. Auch der Blog braucht auch ein bisschen Aufmerksamkeit, ebenso das Medienkonzept und die neueste Kultusministeriumswortkreation namens DigCompEdu Bavaria, was immer das auch sein mag – nach den Ferien bin ich diesbezüglich hoffentlich klüger.

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  • Allgemeines,  Alltag,  Unterricht

    Von gewichtigem Schabernack

    “Discipulaeque” wird mir aus der zweiten Reihe zugeflüstert, als wir zu Stundenbeginn in der achten Klasse aufstehen um uns zu begrüßen. Ich bedanke mich bei meiner Sufleuse für den Hinweis mit einem kundigen Nicken. Fast hätte ich es vergessen: Der Chauvinismus der lateinischen Sprache hat in der letzten Stunde für ordentlich Empörung gesorgt. Denn Gruppen, in denen Männer anwesend sind, sind für die Römer per se maskulin. Daher sind mit meinem üblichen “Salvete, discipuli!” traditionell auch Schülerinnen gemeint – muffige Konventionen, auf die die 8B pfeift. Die Damenschaft beharrt auf ihrer namentlichen Nennung beim täglichen “Guten Morgen” – und dank meiner Einsagerin aus der zweiten Reihe soll die heute auch bekommen. Ich hole tief Luft und überschütte die Schülerinnen zum Gruß mit einer Lithanei an Superlativen. “Salvete, discipulae maximae, optimae, pulcherrimae, doctissimae, candidissimae, sapientissimae!” Die Damenwelt ist begeistert.

    Von solch kleinen Taten des Wahnsinns sind meine Unterrichtsstunden derzeit geradezu gepflastert: Ich reime in der Neunten die Ankündigung der Hausaufgabe – auf Wunsch auch spontan zur Melodie bekannter Kinder- und Volkslieder. Ich referiere den Rest der Stunde im Sprachduktus von Marcel Reich-Ranicki, als im Unterricht der Name fällt. Mein Wiederholungsprogramm in der siebten Klasse trägt seit Tagen die Überschrift “alte Hüte” – und auf jedem Arbeitsblatt wird der Protagonist unserer Lektion von mir mit einer neuen Kopfbedeckung chaperoniert: Mal ein Stetson, mal eine Schirmmütze, ein Bowler Hat, ein Fascinator. Jede Stunde ein neuer (alter) Hut.

    Ich liebe so Schabernack. Aber in der Regel setze ich ihn dosiert ein, um nicht meinen Unterricht zu sabotieren. Nicht so in diesem Jahr. Fast ist es ein bisschen so, als bräuchte ich das. Der Unsinn mit System bringt uns zum Lachen. Die Insider-Jokes verbinden. Und sie erden. Vor allem mich.

    Denn das Schuljahr läuft nicht so wirklich rund. Zwar verspricht das Kultusministerium ein Jahr in größtmöglicher Normalität. Die ist aber nach wie vor nicht gegeben. Lernrückstände sind aufzuholen. Zusätzliche Leistungserhebungen zu konzipieren und anzuhalten. Nebenher laufen die ersten Vorbereitungen für Schulaufgaben und Tests. Bei den Lehrerdienstgeräten ist noch ordentlich Sand im Getriebe. Und die Fünftklässler müssen nach 1,5 Jahren Corona-Unterricht tatsächlich wieder den Umgang miteinander lernen. Dazu kommt die Ausbildung der Medienwarte, Elternabende im wöchentlichen Turnus, Termine mit dem Baureferat wegen der technischen Ausstattung in unserem frisch sanierten Altbau. Es ist die Summe aller Dinge. Und da ist Unterricht – obschon mein eigentliches Kerngeschäft – im Moment fast schon zur Fußnote degradiert. Wie ich mich freue, wenn das wieder in den Vordergrund rückt, und ich täglich das machen kann, was ich seit Jahren praktiziere: Unterricht abhalten – mein liebgewonnener alter Hut! So wie diese hier zum Beispiel:

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  • Alltag,  Latein,  Unterricht

    Saxa Monacensia: Rätselhafte Zungen am Rathaus zu Pasing

    Man muss schon mit offenen Augen durch den Münchner Stadtteil Pasing laufen, um dieses lateinische Zitat auch wirklich zu finden. Aber da hängt es, knapp vier Meter über dem Boden in schimmerndem Lettern am Pasinger Rathaus. Als Überbleibsel des Kunst Projektes “Pasing by” aus dem Jahr 2015, das schon damals in vielerlei Hinsicht für Ärger gesorgt hat. Insofern ist der Spruch geradezu prophetisch.

    Oportet ut scandala eveniant.

    Die Süddeutsche Zeitung übersetzt den Spruch mit “Es muss ja Ärgernis kommen”.

    Häh?

    Aber was soll das Ganze? Ein Blick ins Neue Testament, dem der Spruch vermeintlich entnommen ist (dazu später mehr), möge helfen. In Matthäus 18 kommen die Jünger zusammen, um Jesus danach zu fragen, wer der Größte im Himmelreich sei. Dessen Antwort fällt klar aus: Die, die wie Kinder sind.

    (18.6) Qui autem scandalizaverit unum de pusillis istis, qui in me credunt, expedit ei, ut suspendatur mola asinaria in collo eius et demergatur in profundum maris (18.7) Vae mundo ab scandalis! Necesse est enim ut veniant scandala. Verumtamen vae homini, per quem scandalum venit. (18.8) Si autem manus tua vel pes tuus scandalizat te abscide eum et proice abs te. Bonum tibi est ad vitam ingredi debilem vel clodum quam duas manus vel duos pedes habentem mitti in ignem aeternum.

    Übersetzung:

    (18.6) Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, verführt, für den ist es besser, dass man ihm einen Mühlstein an den Hals hängt und ihn in der Tiefe der Meeres versenkt. (18.7) Wehe der Welt wegen der Verlockungen! Dass sie kommen, ist nämlich notwendig. Aber wehe dem Menschen, durch den eine (solche) Verlockung passiert. (18.8) Wenn aber deine Hand oder dein Fuß verführt, so schneide sie ab und wirf sie weg von dir! Für dich ist es gut, schwach oder verkrüppelt zum Leben zu schreiten, als im Besitz von zwei Händen oder zwei Füßen ins ewige Feuer geschickt zu werden.

    Man sieht allein an diesen paar Zeilen, wie unangenehm moderne Übersetzungen von lateinischen Texten ins Deutsche sein können, wenn man den Kontext nicht kennt. Noch dazu, wenn der lateinische Text per se schon eine Übersetzung aus dem Griechischen ist – und auch noch griechische Lehnwörter enthält, die eine genaue Entsprechung zusätzlich erschweren. Das Wörtchen Skandalon kann nämlich vom Kontext abhängig unterschiedlich wiedergegeben werden. Laut Gemoll bedeutet wird der Ausdruck gerne moralisch gedeutet und als Lockung oder Lust übersetzt. In anderen Texten hingegen passt Falle, Anstoß oder Ärgernis besser. Diese Unterscheidung funktioniert hier ganz gut: Im Bibeltext ist der Ausdruck moralisch gemeint. Es geht die Verlockung und die Verführung in der Welt, die entweder von sich aus oder durch Menschen geschehen. Letzteres ist vermeidbar und zu verurteilen. Ersteres passiert. Nun gut, aber was hat dieser Spruch am Pasinger Rathaus zu suchen? Dass ein öffentliches Gebäude die Unabdingbarkeit von Verführungen eingesteht, und damit der moralischen Bedeutung von skandalon folgt, die im Bibelvers absolut nachvollziehbar ist, ist fraglich. Sinnvoller scheint da die zweite Bedeutung des Wortes zu sein, das in der Lutherbibel immer gerne mit ergerniss übersetzt wird. Insofern passt die Übersetzung “Es gehört dazu, dass Aufreger passieren” deutlich besser. Denn die entstehen tatsächlich ohne Zutun. Reibungsfläche gibt es mehr als genug, wie man ja auch an Pasing By gesehen hat.

    Mehr müssen müssen

    Auch der Altphilologe ist aus dem Häuschen. Denn wie man schon an der Originalstelle sehen kann, ist der Spruch hier – wenn überhaupt – eine Annäherung an die Bibelstelle aus dem Matthäus-Testament. Der Spruch kommt in diesem Wortlaut nämlich überhaupt nicht vor.  Dort findet sich lediglich der Satz Necesse est enim ut veniant scandala, der hier synonym zu dem in Pasing hängenden Oportet ut scandala eveniant gebraucht wird, sodass oportet wie auch necesse est gerne beide mit müssen übersetzt werden (so wie es ja auch die SZ tut). So richtig passen will das aber nicht. Zwar können die Ausdrücke oportet und necesse est müssen bedeuten. Aber dieses Müssen geht semantisch jeweils in unterschiedliche Richtungen. Necesse est für mich eher eine logische Notwendigkeit beschreibt, die aus einer Situation heraus entsteht – das entspricht auch ziemlich gut dem Ausdruck im griechischen Original, das mit den unpersönlichen Ausdruck anagkh gar (Akzente bitte dazu denken) dasselbe bedeutet. Anagke ist sogar als Gottheit der Zwangläufigkeit bekannt. Das im Spruch gewählte oportet hingegen beschreibt eher ein Müssen aus der gesellschaftlichen Notwendigkeit oder Gepflogenheiten heraus zu begründen. Daher wären für mich die Sätze necesse est cives parere und oportet cives parere definitiv nicht dasselbe. Zwar könnte man beide Male “Die Bürger müssen gehorchen” übersetzen. Aber in beiden Sätzen wäre dieses Müssen anders begründet.

    Necesse est cives parere wäre ein Satz, der angesichts einer Gefahrensituation höchste Aufmerksamkeit der Bürger einfodert. Oportet cives parere wäre für mich eher eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Das Gehorchen als etwas, das man von den Bürgern erwartet, nicht etwas, das die Situation bedingt. Das ist schon ein gewaltiger Unterschied.

    Das ist ähnlich wie im Englischen mit must und have to. Beide haben Übereinstimmungspunkte, sie sind aber partout nicht deckungsgleich. Vielleicht schießt der Altphilologe allerdings da über das Ziel etwas hinaus. Denn bei Bibellatein haben wir es nicht mehr mit dem zu tun, was wir als klassisches Latein bezeichnen, auf dem sämtliche unserer Grammatiken und Schulbücher aufbauen. Die lateinische Version, die wir hier vom neuen Testament vorliegen haben, stammt aus der Vulgata, die auf das 3. Jahrhundert nach Christus datiert ist. Da war Latein schon längst lingua franca und unter Muttersprachlern wie auch barbari weit verbreitet, sodass die Grenzen zwischen dem, was sprachlich sagbar ist und was nicht, zunehmend verschwammen. Man merkt das alleine schon, an dem ut-Satz, der in beiden Zitaten nach dem Hauptsatz folgt. Denn klassisch würde an diese beiden unpersönlichen Ausdrücke ein AcI folgen. Wer hier schon schludert, dem ist es auch egal, dass ein Müssen ein anderes Müssen sein muss.

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  • Alltag,  Technik

    Ton ab!

    Eine interessante Nebentätigkeit bei meinem Dienstherrn zwingt mich ab diesem Schuljahr dazu ein bisschen mehr in Technik einzutauchen, als es bei mir nomalerweise der Fall ist. Die Rede ist vom Videoschnitt. Erste Versuche habe ich ja schon vor ein paar Monaten mit meinen mebis-Tutorials gemacht, die ich sukzessive bei YouTube hochlade. Wenn das aber jetzt alles hochoffiziell werden soll, muss da noch eine Schippe draufgelegt werden. Vor allem das Thema Klang ist bei den Youtube-Stars immer von essentieller Bedeutung. Und so habe ich mir zum ersten Mal in meinem Leben ein schönes portables Mikrofon geleistet. Kabellos und damit stets mobil und frei von USB-Störgeräuschen, die bei der live –Aufnahme gerne einmal ins Klangfeld reinstreuen.

    Wäre ich noch einmal zehn Jahre alt, wäre dieses Gerät für mich der absolute Traum gewesen. In einer Zeit, wo ich als Kassettenkind regelmäßig Hörspiele konsumiert, aber auch selbst aufgenommen habe, wäre dieses Zoom-Mikrofon mein ständiger Begleiter gewesen. Die Qualität, die für gerade einmal 100€ möglich ist, ist phänomenal! Wie ein kleiner Abenteurer schleiche ich seitdem durch die Münchner Innenstadt, um bei jeder Gelegenheit Klang-Teppiche und Tonproben aufzunehmen. Dabei erlebt man seine Umgebung auf diese Weise noch einmal komplett anders. Und unmittelbarer. Sollten wir uns also im nächsten ja in einem Tutorialvideo hören, dann mittels dieses Gerätes hier.

    Und für die kalten Herbsttage habe ich gleich ein paar Tonproben mitgebracht, die bei Nieselregen und Nebelwänden ein bisschen an die warmen Sommermonate zurückerinnern sollen.

    Zikaden

    Strand

    Nochmal Strand

    Herbstgewitter

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  • Allgemeines,  Alltag,  Technik

    Lehrerdämpfgeräte

    Das neue Schuljahr ist noch keine zwei Wochen alt, und schon hängt eine dunkle Wolke über uns. Was ist passiert? An das ständige Testen alle zwei Tage hat man sich ja schon längst gewöhnt, ebenso an die dadurch verlorene Unterrichtszeit, die entweder die erste Stunde so zerschlägt, dass dort ein sinnvoller Aufbau des Fachunterrichts kaum möglich wird. Nein, es ist die Technik, die uns im Moment die Laune verhagelt. Allem voran die Lehrerdienstgeräte, die eine Handvoll Lehrkräften bei uns Ende des Jahres voller Vorfreude entgegen genommen haben. Diese Emotion ist mittlerweile Frustration gewichen. Die Geräte machen seit Anfang des Jahres wohl durch ein Update bedingt bei einem Großteil der Leute ganz schöne Spirenzchen:

    Das Hochfahren dauert im Home-Office manchmal bis zu einer Stunde, weil sich das Profil mit dem auf den Schulservern synchronisiert. Mal fehlen nach dem Log-In die Schulnetzwerke im Homeoffice, dann tauchen sie nach einem Reboot wieder auf – oder eben nicht. Häufig kommt es zu Proxy-Problemen, und die Geräte finden in überhaupt kein Netzwerk. Gelegentlich fahren die Yogas in den Standby. Oder noch schlimmer: Sie fahren sich ungefragt komplett runter. Einfach so. Offene Dokumente sind dann unwiederbringlich verloren, sodass das Arbeiten mit den vorerst hochgelobten Geräten aktuell einem Drahtseilakt gleicht. Dass davon bald fast 19.000 Geräte in den Schulen in München und Umgebung ausgegeben werden, und andere Schulen dann damit ebenso zu kämpfen haben wie wir, lässt mich schaudern. Ich hoffe, das ist bald wieder in Ordnung. Denn so wurde das Geld aus dem SOLD-Topf für Hardware verwendet, die in der jetzigen Konfiguration leider nur ein teurer Briefbeschwerer sind.

    Ärgerlich.

    Auf Twitter gibt es weitere Eindrücke

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  • Alltag,  Technik,  Unterricht

    Retrospektive 2020/21

    Old habits die hard – vor allem bei den Altphilologen. Wir bleiben gerne bei Altbewährtem, halten an Traditionen fest und halten inne, wo andere einfach den Deckel druff machen wollen, um weiter zu machen. Dabei wäre ein bisschen Rückblick für dieses denkwürdige Schuljahr durchaus angebracht. So durcheinander war es noch nie – und wird es hoffentlich auch niemals mehr werden…

      • Alleine die verschiedenen Unterrichtsformen. Wir hatten alles: Präsenzunterricht, Wechselunterricht für die unteren Klassen bei Präsenzunterricht der Oberstufe. Distanzunterricht. Distanzunterricht mit Präsenzunterricht in der Oberstufe. Mal verpflichtend mit Maske für alle. Dann ohne Maskenpflicht. Mal mit regelmäßiger Testung im Unterricht alle zwei Tage. Dann mal alle drei. Für nächstes Jahr bekamen wir schon angekündigt, dass wir wieder mit Testpflicht und Maske beginnen werden. Anders als letztes Jahr nimmt man die Ankündigung allerdings mit einem Achselzucken hin. Hatten wir ja schon alles…
      • Die Klassen haben sämtliche dieser Phasen brav mitgemacht. Dieses Jahr war in den Distanzphasen deutlich mehr Zug drin, weil das Format nun einfach von den Lehrkräften vorausgesetzt wurde. Folglich sind die Lernrückstände auch nicht so vehement, wie wir befürchtet haben.  Zu den Brückenkursen haben sich jeweils nur eine Handvoll Schülerinnen und Schüler angemeldet. Viel mehr Nachholbedarf gibt es da im sozialen Gefüge der Klassen selbst. Meiner Sechsten fehlt insgesamt fast ein komplettes Jahr, in dem sie sich als Klassenverband wahrnehmen durfte. Folglich dürsteten sie nach der Rückkehr in den Präsenzunterricht nach Aufmerksamkeit. Ständig stand am Ende der Stunde ein Pulk von gut gelaunten Jungen und Mädchen draußen, die einfach nur reden wollten. Über die Schule, über Tests. Über die Klasse. Über sich. Insgesamt wirkten sie ganz zufrieden und nahmen dankbar jede Geste an, mit ihnen gemeinsam etwas zu unternehmen. Daher organisierten wir in Absprache mit der Schulleitung und unter höchsten Hygienebestimmungen einen Spontan-Aufenthalt in einem Schullandheim in der Umgebung. Oder einen Open-Air-Kinoabend im Schulhof. Die Kinder waren begeistert und einfach glücklich über das Stückchen Normalität, das ihnen diese kleinen Veranstaltungen zurückgegeben haben.
      • Das Thema Videounterricht ging dieses Jahr in eine neue Runde. Nach ersten Gehversuchen mit Jitsi und Zoom migrierte die komplette Schule zu Webex Teams und landete nach diversen Einzelausflügen zu Big Blue Button Anfang dieses Jahres zu MS Teams. Und allen Unkenrufen zum Thema Datenschutz zum Trotz: Von all den Plattformen lief die Microsoft-Variante mit Abstand am absolut verlässlichsten. Es gab keinerlei Probleme mit Mikrofonen oder Kameras, die Streams liefen immer stabil. Wenn es mal haperte, lag es jedes Mal an der Überbelastung des Netzwerkes bei den Familien zuhause, in dem sich parallel beide Geschwister und Elternteile in Videokonferenzen tummelten. Solche Stolpersteine kann Teams ebenso wenig lösen wie der Nachfolger, der ab nächsten Schuljahr zum Einsatz kommen soll. Das viel zitierte Vis-a-vid soll das große Manko des Datenschutzes endlich ausmerzen. Ob es aber die Verlässlichkeit des Vorgängers erreichen wird, bleibt abzuwarten. Für Schulen in München hat die Stadt daher die Lizenz für MS Teams noch einmal um ein Jahr verlängert, damit man sich vorsichtig mit Vis-a-vid vertraut machen kann. Denn ganz so intuitiv wie MS Teams ist das Programm nicht. Ich werde berichten.
      • Mebis – der Lebensretter

        Neben Teams war wohl dieses Jahr keine Plattform so wichtig für mich wie Mebis. Dabei sah es zu Beginn nicht wirklich danach aus: Bereits im letzten Schuljahr hatte Mebis ordentlich Prügel einstecken müssen. Als im Dezember dann die Schulen zum zweiten Mal geschlossen werden mussten, und die Plattform erneut zusammenbrach, wurde unser Kultusminister deutlich und in aller Schärfe angezählt. Die Drohung wirkte: Mit Januar 2021 lief Mebis wie ein Uhrwerk. Große Abstürze oder Wartezeiten gehörten der Vergangenheit an. Mit dem Vertrauen in die Plattform stieg bei mir auch wieder die Neugier am Entdecken. Und wieder mal zeigte sich, wie mächtig so eine Lernplattform in ihren Möglichkeiten ist – vorausgesetzt, man ist sich ihrer Möglichkeit bewusst. Die zahllosen Fortbildungen, die die ALP Dillingen jede Woche selbstlos anbot (großes Dankeschön an dieser Stelle für dieses riesige Angebot!), halfen dabei immer wieder aus und führten mit Sessions zu Bootstraps, Tests, Fragekataloge, Test-Bedingungen in Tiefen, derer ich mir vor einem Jahr nicht mal ansatzweise bewusst gewesen wäre.

      • Um von dem Wissen ein bisschen zurückzugeben, habe ich dieses Jahr meine ersten Schritte als Referent hinter mir. Neben den schulinternen Fortbildungen, die ich mit einer Handvoll Kolleginnen und Kollegen im Rahmen unseres Medienkonzeptes durchführe, habe ich dieses Jahr meine ersten außerschulischen Veranstaltungen als Moderator hinter mir. Und was soll ich sagen? Es war toll! Egal, ob eine kleine Session für die ALP in Dillingen, eine regionale Lehrerfortbildung für Oberbayern Ost oder ein massive Online-Seminar. Dank interessierter Teilnehmender und tollen Mitreferenten (Christian Mayr und Clemens Pfefferle) hat das Konzipieren wie auch die Durchführung riesigen Spaß gemacht. Und sogar noch Lust auf mehr. Zum Beispiel nächstes Schuljahr auf den Mebis-Tagen. Ich bin gespannt!
      • Das Thema Lehrergesundheit wird, wie ich buchstäblich am eigenen Leib erfahre, über die Jahre immer relevanter. Kleine Zipperlein, die man früher einfach so weggesteckt hat, dauern jetzt deutlich länger zum Genesen. Eine Erkältung dauert keine zehn Tage mehr. Ein kratziger Hals wächst sich wahrscheinlicher zu einem Schnupfen aus.  Und gelegentlich, wenn man nicht aufpasst, auch zu etwas Größerem: Anfang des Jahres führte eine nicht auskurierten Erkältung zu einem angegriffenen Gesichtsnerv, der mir für fast zwei Wochen die halbe Gesichtshälfte lahmlegte – an sich nur eine vorübergehende Beeinträchtigung, die nicht weh tut, aber die Aufregung beim Arzt, der mit stundenlangen Tests alles ausprobiert, um einen drohenden Schlaganfall auszuschließen, wünsche ich niemandem.  Aus dem Stress habe ich definitiv meine Lehren gezogen. Wenn ich krank bin, bin ich krank. End of Story.
      • In all dem Durcheinander gab es zumindest eine Konstante: Nämlich meine eigene Technik. Mein Setup hat sich in den letzten Jahren überhaupt nicht geändert. Nach wie vor arbeite ich mit der Kombination Samsung Tab S3 und Microsoft Wireless Display Adapter sehr gerne. Die Kombination ist bestimmt nicht mehr die modernste. Vor allem das Tablet könnte nach mittlerweile drei Jahren ausgetauscht werden – vor allem angesichts der einen oder anderen Ladehemmung, die das Gerät immer wieder zeigt. Aber so richtig durchringen konnte ich mich noch nicht. Was jetzt Ende des Jahres noch aufschlug, waren die Lehrerdienstgeräte, sodass sich jetzt auch noch ein Lenovo Yoga X 13 dazu gesellt hat. Wie ich das im Klassenzimmer einsetze, weiß ich noch nicht so recht. Ob es ein Tablet ersetzt, erst recht nicht, da mir das Handling im Unterricht echt noch Probleme bereitet. Für Handgriffe, die ich beim S3 in Windeseile erledigt habe, brauche ich beim Yoga oft das Dreifache an Zeit. Ob ich mich dafür noch einmal umtrainiere… Diese Frage werde ich mir erst nächstes Jahr beantworten.

    Es war ein wirklich langes Jahr. Vor allem gegen Ende ging mir schon sehr die Puste aus. Ein bisschen hat man das wohl auch am Blog gemerkt, als die Beiträge immer rarer wurden. Aber wenn in solchen Zeiten selbst das Bloggen eher als weitere BElastende Aufgabe denn eine ENTlastende, dann muss ich meine Prioritäten verlagern. Und genau das werde ich jetzt tun. Verlagern. Mich. Nämlich nach draußen. Erholt euch gut!

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  • Alltag,  Technik,  Unterricht

    Habemus Lehrerdienstgeräte!

    Und plötzlich sind sie wahrhaftig da: Die Lehrerdienstgeräte. Irgendwann zwischen Distanz- und Präsenzunterricht flatterte Mitte Februar die Ankündigung auf den Tisch, dass die Stadt München entsprechend Geld in die digitale Infrastruktur an den Schulen steckt und aus den bewilligten Geldern des Sonderbudgets Lehrerdienstgeräte (kurz SOLD) seinen Lehrkräften Geräte beschafft. Als Systembetreuer kam mir die ehrenvolle Aufgabe zu, zunächst im Kollegium den Bedarf abzufragen. Die Resonanz war gut: Knapp 40% des Kollegiums meldeten Interesse an. Danach musste es schnell gehen: Im April war an die Stadt München der definitive Bedarf darüber zu melden, wer an einem Tablet bzw. einem Convertible interessiert ist. Aus den Zahlen würde dann stadtweit der komplette Bedarf ermittelt, der im schlimmsten Fall höher sein könnte als die Ressourcen hergeben. Aber dazu kam es zum Glück nicht. Zumindest nicht bei uns. Und so trudelte kurz vor Sommerferien die frohe Botschaft ein, dass wir die Geräte noch vor den Sommerferien bekommen würden – als eines der ersten Gymnasien in München, weil wir mit der Meldung so fix waren (Top 3, yeah!). Und schwupps waren sie da.

    Mein Lehrerdienstgerät

    Wer bist du denn?

    Anders als noch vor ein paar Monaten angekündigt, hat sich die Stadt bei der zur Gerätewahl stehenden Kandidaten in letzter Sekunde noch einmal umentschieden. Ursprünglich hatte man ein bisschen mit den Convertibles von HP geliebäugelt, von denen ich ein Exemplar austesten durfte. Die definitive Wahl fiel am Ende aber dann doch auf die Konkurrenz von Lenovo. Als Laptopmodell wurden uns T14s geliefert, bei den Convertibles wurde es ein X13 Yoga. Vor allem bei Letzterem wird im Vergleich mit dem edlen HP Elite Book schnell klar, warum man sich hier noch einmal umentschieden hat.

    Größe

    Im ersten Moment nehmen sich die Geräte in den Ausmaßen nicht wirklich viel. Das Yoga ist mit 31 cm doch noch ein Stück länger als das Elite Book (28,9 cm), dafür aber in der Tiefe etwa gleich geblieben. Damit erreicht das Display in der Bildschirm-Diagonale mit seinen maximal 1920×1080 Pixel das 16:9-Format, das ich beim Elite Book etwas vermisst habe. Hier wirkte das Display zwar deutlich größer, durch die Ausmaße aber auch ungewohnt gestaucht. In einer Tasche haben die Geräte aber trotz dieser Unterschiede im Ausmaß immer noch bequem Platz. Größer als ein Din/A4-Heft sind beide nicht.

    Zubehör

    Über die Kontakte wird der kleine Stylus direkt im Gerät aufgeladen

    In diesem Punkt fallen die Unterschiede schon deutlicher auf – nicht in der tatsächlichen Anzahl der zur Verfügung stehenden Buchsen und Anschlüsse, sondern viel mehr in ihrer Verteilung: Das Elite Book verfügte am Gerät selbst lediglich über 3 USB-C-Anschlüsse und einen Kopfhörerausgang. Alles andere war in eine externe Docking-Station ausgelagert, die man bei Bedarf zusammen mit dem Gerät mitschleppen musste. Das Yoga hingegen verzichtet komplett auf Umstandskramen. Denn die Anschlüsse sind allesamt ins Gerät verbaut: Kopfhörerausgang, USB-C, 2xUSB-B, LAN-Eingang über Adapter, einmal HDMI und ein (micro)-SD-Kartenlesegerät. Alles ist einfach in die Seiten des Convertible integriert. Selbst der Stift ist im Gehäuse untergebracht, wo er viel schwerer verloren geht als beim Elite Book, der extern an die magnetische Seite des Rahmens geklippt und zusätzlich über ein Kabel geladen werden muss. Der Stift des Yoga hingegen hat das nicht nötig und wird über zwei integrierte Kontakte im Gehäuse mit Strom versorgt. Der Punkt geht also definitiv an Lenovo.

    Das Yoga X13 hat einiges an Anschlüssen verbaut. Hier: HDMI, USB und (Micro-)SD-Slot

    Handling

    Tutorial-Video von https://www.lhm-services.de

    Arbeiten lässt sich mit dem Yoga gleich von Beginn an prima – unter anderem auch, weil es sich die Stadt München nicht hat nehmen lassen für die Geräte auf eigene Kosten kleine Tutorial-Videos zu erstellen, die in die Grundfunktionen einführen. Sehr vorbildlich. Die unterschiedlichen Möglichkeiten des Touch-Bildschirms werden dort ebenso erklärt wie die Stiftnutzung sowie die diversen Positionen, in die sich der Bildschirm des Yoga verbiegen lässt und ihm so seinen Namen geben. Abnehmen wie beim Elite Book lässt es sich allerdings nicht. Stattdessen wird der Bildschirm direkt an die Rückseite des Gehäuses geklappt. Damit ist es im Tablet-Betrieb noch ein gutes Stück dicker und natürlich auch schwerer als das Display des HP-Convertible, das in diesem Modus komplett ohne Tastatur daherkommt. Insofern sind meine Vorbehalte mit dem Yoga in diesem Modus durch ein Klassenzimmer zu wandern noch ein bisschen gewachsen; noch dazu in Verbindung mit dem Stift, der deutlich fitzliger geraten ist als bei allen anderen Produkten, mit denen ich bislang gearbeitet habe. Wo Samsung S-Pens, Apple Pens oder der Active Pen von HP allesamt gut in der Hand lagen, fühlt sich das Malstöckchen von Lenovo an wie ein Zahnstocher. Das Schreiben damit ist daher auch bestenfalls als zweckmäßig zu bezeichnen. Wo ein Apple Pen mit Good Notes ein echtes Schreiberlebnis war, ist Lenovos Kritzelgriffel leider nicht der große Wurf in puncto Komfort. Er schreibt halt. Nicht mehr und nicht weniger. Unterschiedliche Druckstufen sind ihm ein bisschen egal, sodass er wohl nur für das Erstellen von Notizen so richtig taugt. Auch die beiden Mini-Knöpfe am Stift liegen zu nah beieinander und werden schnell aus Versehen betätigt. So ist im Nu etwas wegradiert, oder das Ausschneidetool aktiviert, wenn man es am wenigsten braucht. Natürlich lassen sich andere Stiftmodelle separat kaufen, die in der Hinsicht besseren Komfort bieten. Dafür fallen dann knapp 60€ an. Aber bei so einem Gerät im 1300€-Bereich, das man von der Stadt München einfach mal ebenso für lau bekommt, sollte es das einem wert sein. Man arbeitet ja bestenfalls jahrelang mit dem Yoga.

    Das Yoga X13 im Tablet Modus

    Fazit

    Gut gebrüllt, Lenovo! In Sachen Komplettpaket ist Lenovo definitiv die sinnvollere Variante für den Schulbetrieb. Das Gerät hat alles dabei, was man für digitalen Unterricht benötigt: Es ist kompakt, hat alle nötigen Anschlüsse an Bord und einen Stift im Gehäuse, der jederzeit einsatzbereit ist. Es bedarf keiner Docking-Station, keiner Extra-Kabel dafür oder eine separate Aufbewahrung für einen separaten Stift oder Ladekabel desselben. Das scheint auch das Kollegium zu bemerken. So viele begeisterte Gesichter bei der Übergabe dieses Stückchen Technik habe ich lange nicht mehr gesehen.

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    Per Aspera ad Astra

    Na, da haben wir aber geschaut, als diese Pressemeldung Anfang letzter Woche die Runde machte. Wie es aus dem Kultusministerium hieß, sollten auf einmal nun auch Lehrer von weiterführenden Schulen schnellstmöglich geimpft werden. Ist ja super! Zumindest auf den ersten Blick. Denn die Impfangebote kommen nicht ausschließlich aus rein vaterstaatlicher Fürsorge, sondern aus einer gewissen Notwendigkeit heraus: Diese Woche geht das Abitur los, und unzählige Aufsichten müssen die Prüflinge beaufsichtigen. Und derer gibt es dieses Jahr einige.

    Alles neu

    Auch solche, die in einem regulären Schuljahr gar nicht antreten dürften. Mitschreiben dürfen dieses Jahr nämlich auch die, die aufgrund von zu schwachen Vorleistungen eigentlich nicht mitschreiben dürften (wir nennen es hier “Hürden reißen”). Stattdessen müssen die Kursleiter im Anschluss ans Abitur für diese Prüflinge eine zusätzliche Klausur stellen. Die Kollegen in Deutsch frohlocken jetzt schon bei dem Gedanken von einem Schüler nun eventuell nicht nur ein Abitur korrigieren zu müssen, sondern auch noch eine zusätzliche Klausur zu erstellen und bewerten zu müssen. Aber das ist nicht die einzige Neuerung. Zusätzlich sind die bisherigen Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen für das Abitur aufgehoben.
    Bis letzte Woche musste regelmäßig mit den Schülern der Oberstufe ein Schnelltest durchgeführt werden. Ohne den durfte niemand im Unterricht sitzen – bis jetzt. Zum Abi sind diese Tests auf einmal optional. Wer sich nicht testen lassen will, darf trotzdem mitschreiben. Selbst Leute, die in Quarantäne sitzen, dürfen zur Prüfung antanzen. Ursprünglich sogar ungetestet. Dass man da als Lehrkraft etwas unruhig reagiert, ist klar. Wer will schon fünf Stunden jemanden beaufsichtigen, von dem man nicht weiß, ob die Quarantäne gerechtfertigt ist oder nicht. Nachdem im Ministerium deswegen wohl ein paar wütende Briefe eingegangen sind, wurde zumindest eingeschränkt: Nun ist für die Quarantäne-Kandidaten ein negativer Test zwingend notwendig. Dennoch: eine gewisse Grundunruhe bleibt. Da kommt die Ankündigung eines Impfangebotes gerade recht. Nur wo soll es herkommen?

    Impfen – aber wo?

    Das Gesundheitsamt in München ist nach wie vor überlastet und von der Ankündigung des Kultusministeriums ebenso überrascht wie wir Lehrkräfte. Mehr als ein Schreiben zu dem Thema wurde daher noch nicht angekündigt. Auch aus dem Impfzentrum, von dem München doch ein einziges (!) besitzt, gibt es kaum Reaktion. Man kann sich dort nach wie vor registrieren, aber keinem der Kollegen wurde bislang ein Impfangebot unterbreitet, sofern man nicht unter einer Vorerkrankung leidet oder der Ü60-Gruppe angehört. Die Hausärzte haben auf ihren Homepages teilweise Disclaimer platziert und geben bekannt, dass innerhalb der nächsten drei Wochen keine Impfungen mehr möglich sind. Wer dieser Tage tatsächlich eine Impfung haben will, muss Glück haben. Wir zum Beispiel. Dank unseres Chefs wird eine Praxis ums Eck ausfindig gemacht, die Lehrkräfte impft. Allerdings ausschließlich mit AstraZeneca. Das hat Folgen. Zum Meldetermin finden sich gerade mal sechs Kollegen in der Praxis ein. Alles Männer. Alle in meinem Alter. Die Negativschlagzeilen des Impfstoffes der letzten Wochen haben ganze Arbeit geleistet. Lieber gar kein Schutz als Nebenwirkungen. Die haben allerdings jeder der zur Verfügung stehenden Stoffe. Und so steht unser Sextett an einem Freitag Nachmittag im Wartezimmer der Praxis bereit, um in den Kreis der Erstgeimpften iniziiert zu werden.

    Gettin’ the jab

    Die Impfung an sich geht schnell vor sich. Nach einer Unzahl von Formularen, die es im Vorhinein auszufüllen gilt, wird man vom Arzt in einen Besprechungsraum geführt, kurz noch einmal über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt, über die Seltenheit der berühmten Thrombosen in Kenntnis gesetzt – und dann kommt schon die berühmte Spritze. Routiniert und professionell durchgeführt. Nach Rückgabe meines Impfbuches bekomme ich vom Arzt noch einen salbungsvollen Satz mit auf den Weg: “Sie haben einen Dienst an sich selbst und an der Bevölkerung getan.” Und das war’s dann schon.

    Abwarten und Tee trinken

    In der Apotheke besorge ich mir noch vorsorglich Paracetamol und verbringe den restlichen Abend in gespannter Erwartung, was mein Körper für ein Schauspiel veranstalten wird. Aber viel passiert vorerst nicht. Die Einstichstelle tut etwas weh, wenn auch nicht merklich. Zweimal beginnen die Fingerspitzen des Impfarmes zu bitzeln. Losgehen tut es erst so langsam kurz vor dem Schlafengehen. Beim Aufstehen merke ich die wackligen Knie, die aus heiterem Himmel zu kommen scheinen. Nur ein paar Minuten später geht es los mit leichtem Schüttelfrost. Über die Nacht kommt ein dumpfer Kopfschmerz hinzu. Nicht drastisch, aber merklich, sobald man seinen Kopf bewegt. Sie werden über den nächsten Tag mein ständiger Begleiter sein und mich hauptsächlich an die Couch fesseln. Meinen geimpften Kollegen geht es ganz ähnlich. Jeder von uns läuft für knapp 24 Stunden mit einem ordentlichen Schädel durch die Gegend, manch einer hat erhöhte Temperatur bis hin zu Fieber im 39er Bereich. Aber ebenso wie die Impfreaktionen hergekommen sind, waren sie auch wieder weg. Am Samstag Abend sind sie schon deutlich besser geworden. Beim Aufstehen ist alles wie weggeblasen. Was bleibt, ist die Gewissheit, einen Schritt in die richtige Richtung gemacht zu haben.

     

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