• Alltag,  Pädagogik,  Unterricht

    YO! Xmas-Raps!

    So, bevor es jetzt endgültig in die Weihnachts-Saison geht, wollte ich noch etwas loswerden; nämlich ein ganz herziges Gedicht meiner Unterstufe, das mir am letzten Schultag ins Fach in der Schule geflattert ist. Es enthält jede Menge guter Ratschläge, wie man als Lehrkraft die Ferienzeit sinnvoll nutzen soll (damit natürlich auch für die Allgemeinheit von großem Nutzen). So wie den unmissverständlichen Beweis, dass Latein der heiße Scheiß ist. Ihr glaubt mir das nicht? Hit it, MCs, straft sie Lügen!

    ❤❤❤

    Was für einen tollen Beruf ich habe!

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    4.5
  • Alltag,  Technik,  Unterricht

    Lockdown 2

    Reden wir nicht um den heißen Brei herum: Das war mit Abstand der absurdeste Jahresausklang an der Schule, den ich in meinen Dienstjahren erlebt habe. Normalerweise ist die Vorweihnachtszeit ja bekanntlich ohnehin an einer Schule alles andere als staad und besinnlich, aber dieses Jahr stolperte man von einem Chaos ins nächste. Kurz vor den Weihnachtsferien überschlugen sich die Ereignisse. Jeden Tag gab es irgendeine zusätzliche Neuigkeit, die alles auf den Kopf stellte. Erst wurden wegen des harten Lockdowns zunächst die mittleren Klassen Unterricht in halber Besetzung anberaumt. Einen Tag später sollten sie komplett in den Distanzunterricht. Nach dem Wochenende war klar, mit dem heutigen Tag sind alle Klassen zuhause. Für die oberen Klassen gebe es Ausnahmeregelungen. Sagten zumindest die Medien. Offiziell hieß es am Montag früh, dass das Distanzmodell ALLE Klassen ausnahmslos betreffe. Ab Mittwoch wird also von allen aus der Distanz gearbeitet. Allerdings darf nicht unterrichtet, sondern nur gelernt werden. Das Kultusministerium erschafft aus dem Nichts die Unterscheidung von Distanzunterricht (neuen Stoff beibringen, eventuell mündlich prüfen) und Distanzlernen (Altgelerntes selbständig einüben und vertiefen), das natürlich etwas völlig anderes ist als das Lernen Zuhause, das im Schuljahr 2019/20 ab Mai praktiziert wurde.

    Das Verbot, nun nicht mehr online unterrichten zu dürfen, verärgert und frustriert zugleich. Seit Monaten sind wir aufgefordert gewesen, uns digital weiterzubilden. Wir haben als Kollegium fleißig in unserer Freizeit Fortbildungen zu MS Teams besucht, haben uns gegenseitig in SchilFs unter die Arme gegriffen, die Klassenzimmer aufs Streaming eingerichtet, probeweise Elternsprechtage und Konferenzen über die Plattform abgehalten und uns mit der Technik vertraut gemacht – nur um jetzt gesagt zu bekommen, dass wir das jetzt auf einmal doch wieder nicht sollen!? Dienstag in der Früh war deswegen die Stimmung entsprechend am Boden. Und zwei Stunden später kam dann eine neue Nachricht aus dem Kultusministerium. Distanzunterricht mit Streaming sei nun doch möglich, aber nicht verpflichtend. Man verstehe den Aufschrei der Verbände nicht, ein Verbot stand nie zur Debatte, man sei missverstanden worden. Was auch immer man an dem Ausspruch „Distanzunterricht findet in den betreffenden Klassen nicht statt“ auch missverstehen kann. Um das lästige Thema nun zu beenden, hat sich auf wundersame Weise seit gestern in die Meldung wie von Geisterhand auch das Adjektiv Verpflichtender an Distanzunterricht geschlichen. Klamheimlich, still und leise… Aber der Schaden ist da. Und die Presse drückt den Finger genau dort rein, wo es richtig weh tut.

    Großer Dank geht in diesem ersten Drittel des Schuljahres übrigens an die Stadt München, die alles Menschenmögliche tut, um uns als Sachaufwandsträger unter die Arme zu greifen. Da von den bis Ende 2020 zugesicherten Dienstlaptops für Lehrer weit und breit nichts zu sehen (und in der Presse auch nichts mehr zu hören) war, hat die Stadt sukzessive versucht, das in den Schulen bestehende Equipment durch Patches so zu konfigurieren, dass man uns in der jetzigen Zeit ein Maximum an Flexibililtät bieten kann: Die Rechner haben nun freigeschaltete Mikrofone, die DokuCams lassen sich per USB nun als WebCams benutzen, sämtliche Geräte kann man nun mit nach Hause nehmen und als Arbeitslaptop zuhause ans Netz hängen – alles Dinge, die vor einem Jahr nicht möglich gewesen wäre, wo alles nur innerhalb des pädagogischen Netzes lauffähig war. Es sind viele kleine Puzzleteile, die da zusammenkommen. Aber man sieht: innerhalb der Schule ist dieses Jahr richtig viel passiert. Und das stimmt mich schon ein bisschen stolz.

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  • Alltag,  Technik,  Unterricht

    Wieder zu?

    Heißt das jetzt, wir gehen sofort auf Distanzunterricht und die bisherige Planung ist wieder komplett hinfällig?

    Um die Frage vom letzten Artikel zu beantworten: Ja, das war sie. Kurz eine halbe Stunde später erhielten wir die Nachricht, dass es keine geteilten Klassen gibt. Stattdessen werden alle Jahrgangsstufen ab 8 in Distanzunterricht geschickt. Alles darunter geht weiter in die Schule. Also alles in die Tonne: Gruppeneinteilung der Klassen, neue Präsenzpläne, Unterrichtsvorbereitung. Weg. Dafür alles auf Videokonferenz und Mebis umstellen. Ärmel hochkrempeln. Nochmal von vorn…

    Der Mittwoch geht – wie erwartet – turbulent los. Und frustrierend. Die Lernplattform Mebis begrüßte leider mit dem screen of horror.

    Ging ja gut los…

    Zum Glück hat sich das Problem nach einer knappen Stunde verdünnisiert. Aber die hämischen Kommentare blieben. Und die Verunsicherung. Immerhin hat sich das Kollegium über Monate in Fortbildungen über MS Teams und Mebis weitergebildet. Dass ersteres gleich zur ersten Stunde ausfiel, war… nun ja.. unvorteilhaft. Ich tat mein Bestes, um zu beschwichtigen – und begann für das Streaming aus dem Klassenzimmer weitere Räume einzurichten. Unsere Dokumentenkameras haben das drauf, müssen aber über Patches und diverse Kabel dafür vorbereitet werden. Die Inbetriebnahme über Teams habe ich mit einer Kollegin in einem kleinen Video dokumentiert, geschnitten und in unser Teams-Lehrerzimmer geladen – zusammen mit einem Belegungsplan, den die Leute von ihrem Rechner jeweils beschreiben können. Das Angebot kommt gut an – und läuft wie am Schnürchen. Die Kollegen streamen, was das Zeug hält und sind begeistert, dass das tatsächlich von der Schule aus möglich ist. Auch der Umgang mit Teams geht den meisten prima und fast selbstverständlich von der Hand. Hier zahlen sich die Fortbildungen von Christian Mayr aus. Auch die Schüler gehen mit dem Medium völlig routinert um: Beherrschen die Videokonferenz-Netiquette, arbeiten kollaborativ an erstellten Dokumenten, organisieren sich selbständig in Escape Rooms, präsentieren ihre Ergebnisse per Screen-Sharing-Funktion. Es ist eine wahre Freude. Es läuft croeinfach. Während draußen wieder das Chaos ausbricht. Drei Termine schweben mittlerweile als Ferienbeginn durch die Medien. Wann sind die Schulen zu? Retten wir uns in den 18.12., wie ursprünglich ausgemacht? Oder wird es der 16., wie die Kanzlerin in einer emotionalen Rede im Bundestag angedeutet hat? Oder kommt es zum Scenario von Dr. Söder, der die Schulen am liebsten gleich ab Montag zumachen will? Wie es ausgeht, wissen wir zu Beginn des Wochenendes nicht. Ich habe mich heute prophylaktisch von meiner Klasse verabschiedet und ihr ein schönes Wochenende respektive schöne Ferien gewünscht. Weiß der Geier, was passiert. Warum sollte dieses Jahr auch regulär zu einem Ende kommen?

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  • Alltag,  Unterricht

    Bescherung 2020

    Exakt zehn Tage vor den vorgezogenen Weihnachtsferien in Bayern überschlagen sich die Ereignisse. Mit dem 09.12. treten neue Reglementierungen für den Unterricht an den Schulen in Kraft: Am Gymnasium sind ab Klasse 8 die Gruppen wieder geteilt, wie schon im diesen Jahres. Ausgenommen sind Abschlussklassen, die haben nach wie vor Präsenzunterricht. Sollte es jedoch in Hotspots zu Inzidenzwerten jenseits der 200 kommen, werden die besagten Gruppen geschlossen in den Distanzunterricht geschickt.
    Die Ankündigung auf Verschärfung der Regeln in Bayern mag für viele andere Bundesländer Symbolcharakter haben. Die Schulfamilien setzt das aber ausgerechnet jetzt enorm unter Druck.
    Die Ankündigungen kommen mitten in der heißen Phase vor den Weihnachtsferien, wo wir voll in der Prüfungsvorbereitung sind. Sollten Klassen geteilt werden, bekommt die eine Gruppe in den Genuss einer letzten Stunde vor der Schulaufgabe. Die andere nicht. Oder werden für geteilte Prüfungen per se abgesagt? Zählt die elfte Klasse, deren Zensuren ja auch schon ins Abi zählen, ebenfalls als Abschlussklasse, die Präsenzunterricht hat? Was passiert mit den nicht-stattfindenden Prüfungen? Fallen die aus? Werden sie verschoben und in den Januar gestopft?
    All das sind Fragen, die mit der Ankündigung des Wochenendes nicht spezifiziert wurden. Die dazugehörigen Antworten werden im Laufe der darauffolgenden Tage (sind ja doch ganze zwei) verschämt nachgereicht. Manches erfährt man über ein kultusministerielles Schreiben, manches direkt aus der Presse. Teilweise widersprechen sich die Ausführungen. Und ich, der ich morgen in einer neunten Klasse eine Schulaufgabe schreiben möchte, weiß nicht, ob ich das überhaupt tun werde. In der Haut meiner Klasse, die angesichts des (eventuellen) dräuenden Caesar-Tests gerade zuhause nervös Fingernägel kaut, will ich nicht stecken…
    Und als wäre das nicht genug, knackt heute exakt einen Tag, bevor die Klassenteilung bevorsteht, die Stadt München die 200er Marke. Heißt das jetzt, wir gehen sofort auf Distanzunterricht und die bisherige Planung ist wieder komplett hinfällig?
    Eine schöne Bescherung… :-/

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  • Allgemeines,  Alltag,  Technik,  Unterricht

    Advent und Appventskalender 2020

    Tote Hose am Black Friday

    Machen wir uns nichts vor: Auch die kommenden Wochen werden so völlig anders ablaufen als wir uns das noch vor einem Jahr vorgestellt haben. Vor allem jetzt in der staadn Zeit, in der die Tage kürzer und deutlich kälter werden, würde es einen geradezu magisch zu Weihnachtsmärkten und Glühwein locken, um dort in lockerer Runde ein bisschen Christmas-Flair einzuatmen und vom Vorweihnachtsstress eine kleine Auszeit zu nehmen. Aber nichts ist dieses Jahr. Die großen Plätze in der Münchner Innenstadt sind hell erleuchtet von Weihnachtsdeko, aber heuer ohne Buden und menschenleer. Der riesige Christbaum, der jedes Jahr auf dem Marienplatz vor dem Rathaus aufgestellt wird, ist wie immer fulminant prachtvoll, doch ohne das gewohnte Brimborium drum herum irgendwie traurig anzusehen. Ganz klar: Weihnachten passiert dieses Jahr drinnen, nicht draußen. Die Leute sind gezwungen, sich selbst in Weihnachtsstimmung zu bringen. Und sei es mit Hilfe von Technik. Das merkt man auch in der Schule.
    Unsere Schule veranstaltet in der Vorweihnachtszeit normalerweise kleine Adventsandachten, um ein bisschen Besinnlichkeit in den stressigen Schulalltag zu bringen. Hierfür ist für die Zeit bis zu den Ferien immer ein Raum vorgesehen und weihnachtlich geschmückt: Ein bisschen Tannengrün, andächtige Musik, Kerzenlicht und eine Lehrkraft, die eine kleine Geschichte vorliest, während die Schüler*innen andächtig lauschen und ein bisschen an Plätzchen und Stollen knabbern. Dieses Jahr geht das alles nicht.
    Deswegen haben sich die Fachschaften kurzerhand zusammen geschlossen und ein kleines Projekt gestartet und die Weihnachtsandachten kurzerhand ins Netz verlegt. Und zwar als digitales Kollaborationsprojekt. Das erste, an das ich mich überhaupt erinnern kann, seit ich an der Schule bin.

    Süßer die Glocken nie klingen in unserem Schulprojekt

    Interessierte Kolleg*innen aus allen Fachschaften haben hierfür kleine Weihnachtsgeschichten eingesprochen. Der stellvertretende Schulleiter hat separat dazu in die Saiten gehauen und knapp 2 Stunden Zithermusik eingespielt. Der Systembetreuer (meine Wenigkeit) hat daraus 24 Beiträge abgemischt, geschnitten und in Oliver Tackes fantastischen H5P-Adventskalender verfrachtet, der anschließend vom Homepage-Team auf die Seite der Schule hochgeladen wurde. So öffnet sich ab dem 1. Dezember jeden Tag ein Türchen mit einem kleinen Audiobeitrag, in dem die Schulfamilie für 2-3 Minuten bei ruhiger Zithermusik zu einer kleiner Lesung eingeladen wird. Natürlich ist nicht alles perfekt daran. Vor allem die Audioaufnahmen der Sprechbeiträge sind mitunter verhallt oder strotzen nur so vor Hintergrundgeräuschen, die ich notdürftig herausgefiltert habe. Aber das ist egal. Das Projekt zählt. Und es zeigt, wie viel tatsächlich innerhalb von nur ein paar Tagen digital auf die Beine gestellt wird, wenn jeder mit anpackt. Ich bin da richtig stolz drauf auf das Kollegium, das dieses Jahr ein bisschen die Technik für sich entdeckt hat.
    Und damit das so bleibt, gibt es auch dieses Jahr im Lehrerzimmer des Appventskalender, mit dem ich schon letztes Jahr für Interesse bzw. Kopfschütteln gesorgt habe. Die Vorlage ebenso wie die Beiträge, die täglich darin zu finden sind, werde ich sukzessive unter diesen Beitrag hochladen, für den Fall, dass jemand die Idee auch für das eigene Lehrerzimmer umsetzen möchte. Vielen Dank in diesem Zusammenhang nochmal an Marc-Andree Hennekes, von dem sowohl Original-Idee als auch die ursprünglichen Beiträge für den Appventskalender stammen.

    Appventskalender 2020 – Woche 1

    Appventskalender 2020 – Woche 2

    Appventskalender 2020 – Woche 3

    Kann losgehen… 🙂
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    Herbstferien

    Mann, werden das Ferien werden! Ich hab mir nämlich nichts vorgenommen. Rein gar nichts. Hier liegen zwei Schulaufgaben, die korrigiert werden müssen, ein Blog, der endlich mal wieder ein bisschen Futter braucht. Aber mehr wird in diesen Ferien nicht passieren. Dank einer Inzidenz von mittlerweile über 130 bleiben ab Montag auch Möglichkeiten zur Zerstreuung außerhalb der heimischen vier Wände begrenzt: Lokale machen wieder zu, Fitnessstudios ebenfalls.

    Daten von muenchen.de
    Ob die Taktik zum Erfolg führen wird, ist fraglich, weil sich die Leute dann einfach woanders treffen. Abends geht es in den öffentlichen Anlagen in München zu wie im Taubenschlag. Englischer Garten, Hofgarten, Königsplatz, Friedensengel. Überall stehen Horden von Leuten beieinander mit Feierabendbier und Prosecco-Fläschchen in der Hand und einem „Was kümmert’s mich?“ im Gesicht. Dass ich für bzw. wegen solcher Herr- und Frauschaften zu Hause bleiben soll, ist streckenweise schwer zu ertragen. Aber Hauptsache heulen, wenn Weihnachten dieses Jahr getrennt stattfinden muss und Christkindlmärkte geschlossen bleiben. Dass manche Leute echt keine 2 Meter weiter denken können…

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  • Allgemeines,  Alltag,  Technik,  Unterricht

    Corona-Wochen 3-7

    Am Anfang dachte ich noch, ich könnte das Corona-Schuljahr – wie man es mittlerweile ja nennt – hier regelmäßig im wöchentlichen Rhythmus festhalten. Aber die Ereignisse nehmen so an Fahrt auf, dass man überhaupt nicht mehr richtig mit dem Verarbeiten hinterher kommt:
    Mittlerweile ist München trotz aller allgemeinen Anstrengungen auf einem Inzidenzwert von knapp über 72 (Stand 19.10) angelangt. Während Landkreise um uns rum bei ähnlichen Werten schon längst auf geteilte Klassen setzen (siehe beim Kollegen Herrn Rau), arbeiten wir nach wie in voller Klassenbesetzung. Mund-Nasenschutz müssen alle Mitglieder der Schulgemeinde zu jeder Zeit tragen (Pausenhof, Klassenzimmer, Lehrerzimmer, Gänge etc.). Immer noch. Seit mittlerweile sieben Wochen. Durch regelmäßiges Stoßlüften, für das uns der Guardian in den UK (augenzwinkernd ?) Respekt zollt, versuchen wir, dem Infektionsrisiko Einhalt zu gebieten. In der goldenen Oktobersonne ist das noch ganz nett, aber warten wir mal ab, wenn der November mit Dauerregen losschlägt und in der Oberstufe 90 Minuten lang Klausuren geschrieben werden müssen – im Zwiebellook und Dekcen auf dem Beinen. Aber no more of that. Wir können es nicht ändern – ganz im Gegensatz zu unserem Mindset.

    Bild von https://www.muenchen.de

    Das gefällt mir nämlich in diesem Jahr deutlich besser als im letzten, wo man vielleicht doch ein bisschen zu lange vorsichtig darauf gewartet hat, dass der Sturm vorbei zieht. Dieses Jahr machen wir Nägel mit Köpfen: Microsoft Teams ist aufgesetzt und mit einem Großteil der Klassen schon einmal durchgetestet worden. Die Stadt München ist regelmäßig mit uns in Verbindung und schickt uns zuverlässig für unsere Bedürfnisse die entsprechende Technik wie USB-Kameras und Headsets, die ich als Systembetreuer mit flinken Händen an die entsprechenden Kollegen weitergebe. Leih-iPads trudeln ein und werden an Familien ohne entsprechende Geräte schon einmal vorsichtshalber mit Hilfe eines Leihvertrages weitergegeben. Elternabende und Plenumsdiskussionen für Klassen und die Oberstufe werden online abgehalten. Im Kollegium bildet man sich online fort und opfert freiwillig die knapp gewordene Freizeit am Nachmittag oder Abend. Manche Kolleg*innen machen das pro Woche 2-3. Zu mebis, zu MS Teams, zu kollaborativem Arbeiten, zu H5P (zum Beispiel auch in meiner ersten eigenen Fortbildung, die ich mit Christian Mayr abhalten durfte). Es sind alles kleine Handgriffe, die man außerhalb der Schulfamilie vielleicht nicht sieht. Aber sie greifen wie winzige Zahnräder ineinander. Langsam und immer mehr. Hoffen wir nur, dass unsere Maschinerie auf kleinen Hebeln und Rädchen auch dem Sturm standhält, wenn er loslegt. Denn er wird kommen. Früher oder später wird er kommen. Es geht gerade erst los.

    Passt auf euch auf!

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    5
  • Allgemeines,  Alltag,  Unterricht

    Corona-Woche 2


    Tja, da ist sie ja. Die Wiesn. Oder viel besser: Da ist sie nicht. In Zeiten von Corona fällt dieses Jahr die fünfte Jahreszeit in München aus. Stattdessen hat man sich die Wirtshauswiesn ausgedacht, um ein bisschen Oktoberfest-Flair zu verbreiten. „Wiesn ist ein Lebensgefühl“. Damit werben 50 Lokale in der Stadt, um mit Blasmusik und Tracht den Münchnern und Touristen zumindest ein bisschen Stimmung zu bieten. Die Idee scheint ganz gut anzukommen. Bei dem Wetter auch kein Wunder. Unter strahlend blauen Himmel tönen Blechbläser am Samstag  quer durch die Fußgängerzonen. Die Restaurants sind gut gefüllt (Tische brav mit Plexiglas voneinander abgetrennt), die Außenbereiche mit Erntegirlanden geschmückt, die Leute mit Lederhosen und Dirndl entsprechend aufgehübscht. Die Stadt ist nicht brechend voll. Aber es brummt. Und zwar gewaltig – nicht gut…

    Infektionszahlen in München, Stand 20.09.

    Denn gerade hat München die drastische Marke von 50 Infektionen auf 100.000 Einwohner überschritten, die für uns Schulen so schicksalsträchtig ist. Denn sie entscheidet darüber, wie wir für die nächste Zeit unterrichten werden. Ob wir ab Dienstag in einer regulären besetzten Klasse stehen oder wieder nur vor einer Hälfte wie letztes Jahr nach Corona, wissen wir nicht. Auf jeden Fall bleibt die Maske für alle Münchner Schulen im Unterricht vorerst auf. Soviel ist sicher. Als Schule haben wir damit eigentlich schon damit gerechnet. Und man gewöhnt sich ja bekanntlich an alles. Nach Woche zwei bin ich schon ganz geübt darin, wann ich welche Maske auf dem Gelände zu benutze. Auch das Erkennen von Schülerinnen und Schülern allein anhand der Augen geht mittlerweile erstaunlich gut. Ganz im Gegensatz zu gewissen Automatismen, die sich über die Jahre bei mir eingebürgert haben. Kaffeetrinken zwischen Unterrichtsstunden zum Beispiel. Ein Ritual, das mir in Fleisch und Blut übergegangen ist. Wenn es stressig wird, ist der Gang zur Maschine fast schon ein unbewusster Vorgang, den ich gar nicht mehr so richtig wahrnehme. Leider. Denn im Stressflow habe ich schon mehrmals vergessen beim Trinken den Mundschutz abzunehmen. Das Ergebnis könnt ihr euch vorstellen.
    Noch schlimmer macht sich dieser Tage allerdings meine Angewohnheit bemerkbar, die ich seit Jahren bei einem trockenen Hals verfolge. In diesem Fall greife ich gerne zu meinen bewährten Fisherman’s Friends. Nur muss dieses Jahr danach gleich wieder der Mund-Nasenschutz drauf; ein Schritt, den ich nach der Durchführung sofort bereue. Denn durch das Textil vor dem Mund ist man seiner eigenen minzigen Atemluft ausgeliefert, die man gleich wieder in sich aufnimmt. Schlimmer noch: Ein Teil der ätherischen Düfte entweicht über den Rand des Mund-Nasenschutzes direkt in Richtung Augen. Das Ergebnis bekommt meine siebte Klasse zu sehen, als ich das Zimmer betrete: Die Augen sind komplett gerötet und aufgequollen. Ich sehe aus, als hätte ich die komplette Nacht durchgeheult. Die Klasse reagiert leicht beunruhigt, lässt sich aber mit ein paar Erklärungen entsprechend beschwichtigen.
    Viel bestürtzter reagiert meine sechste Klasse, die ich aus dem letzten Jahr geerbt habe, als ich so vor ihnen stehe. Sofort bin ich von einer Runde besorgter Ersatzmamis umringt, die bestürzt wissen wollen, was passiert sei.  „Ist Ihre Frau gestorben?“ ,“Ist unsere Ex so schlecht ausgefallen?“ , „Ziehen Sie weg?“ sind nur einige der zahlreichen Nachfragen der Kinder. Am besorgtesten ist allerdings die kleine Franzi. Und am lösungsorientiertesten: „Ich tippe auf eine Bindehautentzündung“, meint sie mit kündigem Blick in meine Augen. „Reiben Sie mal, und schauen Sie, ob es weiter weh tut. Dann könnte ich Ihnen morgen eine Salbe mitbringen. Meine Mama ist Augenärztin.“
    Hach!

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    4.5
  • Allgemeines,  Alltag,  Unterricht

    Schuljahr 1.5

    So komisch wie die Ferien waren, ging auch gleich das neue Schuljahr los. Und schon am ersten Tag der Konferenz ist klar: Das wird kein Jahr wie jedes andere: Jede Kollegin und jeder Kollege sitzt in gebührendem Abstand voneinander entfernt. Alle brav mit Mund-Nasenschutz. Einige von uns sind mittlerweile sogar auf eine Form des Plastiksichtschutzes umgestiegen, der entweder an der Stirn oder am Kinn fixiert wird. Wie Pädagogik-Transformer sitzen wir in gespannter Erwartung und lauschen den Einleitungsworten unseres Chefs.

    Nach außen sieht das Schuljahr aus wie sonst. Es gibt die üblichen Termine: Wandertage, Elternsprechabende, Klassenelternabende. Ein Kollegenausflug ist geplant. Aber hinter allem steht ein großes Fragezeichen: Was, wenn Corona uns einen Strich durch die Rechnung macht? Wandertag ja, aber nur bei schönem Wetter. Kollegenausflug ja, vorausgesetzt, die Größe der Gruppe bleibt überschaubar. Klassenelternabende ja, aber wenn wir zu sind, am besten über Teams. Dasselbe gilt auch für den Unterricht selbst: Für die ersten zwei Wochen schickt Bayern seine ABC-Schützen mitsamt Lehrerschaft in Vollbesetzung in den Unterricht. Allerdings mit einer Maskenpflicht für alle und überall auf dem Schulgelände. Ausnahmslos. In den Gängen, auf dem Pausenhof, im Lehrerzimmer, im Unterricht selbst haben alle einen Mundschutz zu tragen. Sollte in entsprechenden Regionen Bayerns die 7-Tage-Inzidenz von 35 überschritten sein, bleibt die MNS-Pflicht bestehen. Und die ist in München ist schon nach Schultag 2 bei 43. Die Schulgemeinschaften der Landeshauptstadt dürften also ziemlich sicher diese kleidsamen Gesichtsschleier weiterhin (er-)tragen.
    Wie unangenehm das ist, merke ich spätestens am Tag darauf in meinem  Oberkurs am eigenen Leibe. Durch den Mundschutz verstehen wir einander deutlich schlechter als sonst. Die Hälfte der Schülerbeiträge bin ich beschäftigt nachzufragen, was gesagt wurde oder zu mutmaßen, wer sich hinter dem Mundschutz verbirgt. Man erkennt die Leute kaum, sondern starrt stattdessen in 25 Augenpaare, die wie im Tatort-Opener stummt in alle Himmelsrichtungen schielen. Geredet wird deutlich weniger als sonst. Ich kann es gut nachvollziehen, mich selbst strengt das Reden ordentlich an. Schlimmer noch: bei dem ständigen CO2-Nachschub, den man durch die ausgestoßene Atemluft zu sich nimmt, merke ich mich schon nach einer halben Stunde eine bleiernde Müdigkeit befallen. Alles, was mich vom Einschlafen abhält, sind die Fussel, die sich durch meinen Bart vom Innenfutter der Mundschutzes lösen, und das tropisch-feuchte Klima, das dort herrscht. Disgust keeps me awake.

    Nach dem Wochenende dürfte in München die Infektionszahl die 50 gesprengt haben. Ab dann können die Klassen wieder geteilt werden, müssen aber nicht. Der Bürgermeister Dieter Reiter ließ noch am Freitag verlautbaren, dass, egal wie die Zahlen aussehen, die Schulen noch am Montag Regelunterricht hätten. Und danach?

    Let’s wait and see…

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  • Allgemeines,  Alltag,  Latein,  Unterricht

    Saxa Monacensia: Die Inschrift auf der Fassade der Münchener Rück

    Unmittelbar vor dem Eingang in den Englischen Garten thront der Hauptsitz der Münchner Rückversicherungs-Gesellschaft: Ein imposanter Bau aus dem Klassizismus mit einem pompösen Vorhof und einem zauberhaften Garten, der leider hinter hohen Mauern und Gitterstäben den Passanten verwehrt ist. Ein Blickfang ist er aber allemal. Und zwar derart, dass man gerne alles andere an dem Gebäude vergisst. Zum Beispiel die Inschrift, die sich nur dem erschließt, der trotz der Schönheit auf dem Boden seinen Kopf auf der Höhe der Bushaltestelle Thiemestraße auch mal gen Himmel ragt.

    Die Inschrift an der Fassade der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft

    Das dortige lateinische Zitat labor omnia vincit ist auf vielen Gebäuden zu finden. Der Ursprung ist allerdings den wenigsten bekannt. Es stammt nämlich von keinem Geringeren als Vergil, dem legendären Autor der Aeneis. Der Ausspruch ist allerdings einem anderen Werk des römischen Nationaldichters entnommen, nämlich den Georgica. Und das ist in vielfacher Hinsicht bemerkenswert:
    Bei den Georgica handelt es sich nämlich um ein Lehrgedicht, das sich vordergründig dem Ackerbau und dem harten Leben der Bauern widmet. Mit einer Versicherungsgesellschaft hat das herzlich wenig zu tun. Aber das kann man der Inschrift nicht zum Vorwurf machen, wenn man sich ansieht, an was für Gebäuden und Wappen sich dieser legendäre Ausspruch sonst noch so findet.
    Interessant hierbei: Das Zitat ist in all diesen Inschriften nicht nur aus dem Zusammenhang gerissen, sondern auch noch verkürzt bzw. falsch zitiert. Es fehlt dem Satz nämlich ein ganz wichtiger Zusatz, der Philologen seit Jahrhunderten beschäftigt. Schauen wir uns das mal genauer an:

    Der Ausspruch findet sich in Buch 1 der Georgica. Es ist der Moment, in dem Jupiter das goldene Zeitalter der Menschheit absichtlich beendet, in dem alles in Hülle und Fülle vorhanden war:

    Ante Iovem nulli subigebant arva coloni;       125

    ne signare quidem aut partiri limite campum

    fas erat: In medium quaerebant. Ipsaque tellus

    omnia liberius nullo poscente ferebat.

    Übersetzung:

    Vor Jupiter unterwarfen keine Bauern die Fluren.

    Und ein Feld mit einer Grenze abzutrennen oder gar zu markieren

    war Unrecht. Sie erwarben es zum allgemeinen Gebrauch. Und selbst die Erde

    brachte recht bereitwillig alles hervor, ohne dass es jemand forderte.

    „Schluss mit dem Luxus!“, sagt Jupiter. Der Mensch soll sich gefälligst quälen und abrackern. Und in der Not wird der Mensch erfinderisch.

    Tum laqueis captare feras et fallere visco

    inventum et magnos canibus circumdare saltus.

    Atque alius latum funda iam verberat amnem

    alta petens, pelagoque alius trahit umida lina.

    Tum ferri rigor atque argutae lammina serrae

    (nam primi cuneis scindebant fissile lignum),

    tum variae venere artes. Labor omnia vicit                145

    improbus et duris urgens in rebus egestas.

     

    Übersetzung:

    Darauf wurde die Fähigkeit erfunden mit Schlingen wilde Tiere zu fangen und mit Leim zu täuschen

    und große Waldstücke mit Hunden einzukesseln.

    Und hier peitscht der eine schon den breiten Strom des Flusses mit seinem Fangnetz

    und sucht damit die Tiefe ab, ein anderer zieht das nasse Tau aus dem Meer.

    Als nächstes kam die Härte des Eisens und die Blätter der kreischenden Säge

    (denn die ersten Menschen spalteten das splittrige Holz noch mit Keilen),

    dann weitere Fertigkeiten. Labor improbus

    hat alles besiegt ebenso wie die in schweren Zeiten drängende Not.

    Das kleine Wörtchen improbus will in diesem Zusammenhang so überhaupt nicht in seiner Ursprungsbedeutung hineinpassen. Generationen kennen das Adjektiv nämlich ausschließlich in der Bedeutung schlecht. Und dass schlechte Arbeit alle Widrigkeiten besiegt, will sich bestimmt niemand an seine Fassade stehen haben. Es muss ja irgendein Lohn hinter dieser Arbeit stecken, daher kann diese Ursprungsbedeutung hier nicht passen. Das bekriteln auch Generationen von Altphilologen und bieten für improbus verschiedene Bedeutungen an, die etwas positiver konnotiert sind: Der bekannte Stowasser erwähnt im Zusammenhang mit der Vergil-Stelle die Bedeutung übermäßig oder anhaltend, der Georges in Frakturschrift rastlos. Niklas Holzberg spricht in seinem Buch über Vergil (Holzberg 2006, 102f.) Richard Jenkyns (Jenkyns 1993, 247) den Übersetzungslorbeer zu, der mit dem Ausdruck die verdammt nochmal harte Arbeit daran erinnert, dass auch im Deutschen negativ konnotierte Wörter mitunter als Verstärker gemeint werden können (Das war wahnsinnig gut/ich habe mich schrecklich gefreut.). Insofern ist bei Vergil Arbeit erst dann lohnenswert, wenn sie fucking hard ist. Insofern ist Vergils Ausspruch der geistige Großvater von Britney Spears‘ ikonisch gewordenem Ausspruch Work, B**ch.
    Ohne diesen Zusatz wird aus der verdammt nochmal harten Arbeit an der Fassade allerdings einfach nur schnöde Arbeit, der Ausdruck also abgeschwächt. Ob absichtlich (wer denkt schon en passant daran, dass improbus auch andere Bedeutungen in sich tragen kann als in der Schule gelernt?) oder nicht, bleibt ein Geheimnis. Ebenso wie die Tempusveränderung des Verbes (auch vicit im Original ist Präsens geworden). Oder aber auch die abschließende Frage, warum eine antike Version von Work, Bitch! an der Fassade eines Versicherungsgebäudes klebt. Soll das eine Aufforderung sein, möglichst viel zu erwirtschaften, um hinterher sein hart erschuftetes Eigentum für viel Geld in den Schutz einer Versicherung zu geben? Zugegeben: wer es richtig anstellt, wird eine Menge an Zeug zu versichern haben. Eine entsprechende Aufstellung zu versichernder materiellen Güter entnehmen Sie bitte den Lyrics von Frau Spears.

     

    Literaturhinweise:
    Holzberg, Niklas (2006): Vergil – Der Dichter und sein Werk, München.
    Jenkyns, Richard (1993): „Labor improbus“ in: Classical Quaterly 43, 243-248.
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