• Technik,  Unterricht

    Klappe zu: Ein Convertible!

    Dienstgeräte für Lehrkräfte. Seit Monaten ist die Rede davon. Jetzt knapp ein Jahr später nach der Ankündigung stellt die Stadt München ein paar Geräte vor, auf die sich das Kollegium als potentielle Dienstgeräte freuen kann. Und ich als Systembetreuer darf vorher ein bisschen ausprobieren🙂
    Über die Pros und Kontras der Maßnahme, ein Kollegium auf ein einziges Modell einzuschwören, will ich mich gar nicht auslassen (das haben andere schon zu Genüge getan). Dafür aber über ein Modell, das gerade in der engeren Auswahl ist. Nämlich ein Elite Book von HP. Ein Gerät, das sich die Stadt gut was kosten lässt: Knapp 1200 Euro legt man für das Modell Elite Book X2 mit i5-Prozessor im regulären Handel auf den Tisch.  Nicht schlecht!
    Für mich als langjähriger Samsung-Nutzer sind nicht nur Modell und Hersteller eine Premiere, sondern auch die Geräteart an sich. Wir haben es hier nämlich mit einem waschechten Windows Convertible zu tun. Also einem vollwertigen Laptop, dem man die Tastatur abnehmen kann, um den Bildschirm als Quasitablet zu nutzen.

    Das Elite Book X2 ist ein echter Hingucker

    Schickes Äußeres

    Schick ist das Gerät auf jeden Fall. Das Aluminiumgehäuse wirkt robust, die Tastatur wertig, und mit beleuchteten Tasten ließe sich auch in absoluter Dunkelheit arbeiten – wenn man bei stockfinsterer Nacht nichts Besseres zu tun haben sollte. Was mir als langjährigem Talbetnutzer zusätzlich auffällt, sind Größe und Gewicht des Gerätes: Im Gegensatz zu einem Tablet ist das Elite Book deutlich schwerer. Knapp 850 Gramm bringt das Ding auf die Waage und liegt damit in der Schultasche schon deutlich massiver als ein Tablet, das gerade mal 430 Gramm wiegt. Ähnliches ist auch bei den Ausmaßen zu merken: Wo mein Tab S3 mit ungefähren DinA5-Dimensionen schnell untergebracht war, legt sich das Elite Book beim Verstauen buchstäblich quer. Mit 28,93 x 21,58 x 0,88cm ist es fast doppelt so groß und wirkt wie ein dickes DinA4-Heft. Natürlich kein Vergleich zu einem Laptop, der gerne mal in einer separaten Tasche verstaut werden muss, aber immerhin: Der Unterschied ist deutlich merkbar.

    Der Unterschied von Tablet und Convertible macht sich schon äußerlich deutlich bemerkbar

    Zubehör satt

    Als Zwitterwesen zwischen Laptop und Tablet hat das Elite Book eine moderate Anzahl an Anschlüssen in seinem schicken Gehäuse verborgen. Neben dem obligatorischen Kopfhörerausgang findet man auch drei weitere USB-C-Slots vor, von denen einer auch als Ladebuchse benutzt werden kann. Wem das zu wenig ist, kann an diesen Anschluss noch die mitgelieferte Docking Station stöpseln und sich über eine zusätzliche Armada an Anschlüssen freuen. Auf dem Programm stehen nochmal 3 USB-Slots, einmal einmal HDMI, zweimal Display Port, einmal LAN.

    Die mitgelieferte Docking Station

    Damit lässt sich das Gerät als vollwertiger Laptop-Ersatz nutzen. Und sogar noch ein bisschen mehr. Denn neben Docking Station liegt auch noch der Active Pen bei, mit dem der Touchscreen des Gerätes um eine komplette Stiftsteuerung erweitert wird. Bevor das aber passiert, muss dieser erst einmal aufgeladen und per Bluetooth an das Elite Book gekoppelt werden. Für mich als Samsung-Nutzer im ersten Moment eine gewisse Umstellung, da ich mir bei SPens nie Sorgen um Akkuleistung machen musste. In den Dingern ist schlichtweg keiner drin. Der Active Pen selbst liegt gut in der Hand, ist mir persönlich allerdings noch eine Spur zu leicht und zu plasticky, um für ein authentisches Schreibgefühl zu sorgen.

    Erstes Ausprobieren

    Beim erstmaligen Hochfahren fällt zunächst der satte Sound aus den Bang und Olufsen-Boxen auf. Der Ton ist klar, die Bässe ordentlich. Etwas verwundert war ich beim LogIn-Bildschirm. Aufgrund der Ausmaße des Displays wird auf ein ulkiges Zwischenformat (1920 x 1280) gegriffen, das fast ein bisschen an die guten alten 4:3-Bildschirme erinnert. Aber daran gewöhnt man sich recht schnell. Die altvertraute Windowsoberfläche hilft da kräftig mit, so dass die ersten Handgriffe flott von der Hand gehen. Die Programme starten dank i5-Prozessors und vier Kernen fix, die drahtlose Bildschirmübertragung geht problemlos (wenn man weiß, wo man die Option bei Windows findet), die Wiedergabe von Mediendaten jedweder Art klappt wunderbar, und die Bedienung alter Bekannter ist dank Stiftsteuerung noch einmal ein ganz neues Erlebnis: In ein gerade getipptes Worddokument einfach hineinmalen? Kein Problem. In Gimp die Lassofunktion mit Pen blitzschnell und akkurat bedienen? Das geht richtig gut! Allerdings dauert es ein bisschen, bis ich mir der neuen Möglichkeiten tatsächlich auch bewusst werde. Da das Convertible mit ausgeklappter Tastatur vor mir wie ein Laptop steht, ertappe ich mich permanent dabei, dass ich nach einer Maus suche, um wie üblich durch Windows zu navigieren. Dass ich diese überhaupt nicht nötig habe, merke ich immer erst nach einer kleinen Schrecksekunde. Denn das Arbeiten geht mit Touchpad, mit Fingersteuerung auf dem Display oder mit dem Stift natürlich gleichermaßen. Das überfordert mich ein bisschen – und das nicht nur beim erstmaligen Ausprobieren.
    Auch im laufenden Unterricht will sich auch nach einer ordentlichen Eingewöhnungsphase kein richtiges Flow-Erlebnis einstellen. Ich bin ständig am Überlegen, als was ich das Elite Book benutzen will: Als Laptop Arbeitsblätter direkt in Word bearbeiten? Oder als Tablet PDFs mit Stift? Letzteres geht mir recht schwer von der Hand, weil das Display als Tablet schon gut was wiegt. Das Ding lässig in eine Hand nehmen, während man mit der anderen Hand gestikuliert und erklärt, den Stift lässig zwischen den Fingern balancierend – das ging beim S3 Tab problemlos. Beim Elite Book mit einem Display dieser Größenordnung traue ich mich das nicht. Und so husche ich immer wieder aus Respekt vor dem Gerät mit dem Display hinters Pult, um es wieder an die Tastatur zu clippen und mit dem Elite Book als Laptop Deluxe weiter zu arbeiten. Dann funktioniert die Stiftsteuerung aber nicht mehr so wirklich, weil ich auf ein aufrecht stehendes Display schlecht schreiben kann. Wenn ich es aber flach vor mir auf den Tisch lege, muss ich mich wieder über die angesteckte Tastatur beugen, um gut schreiben zu können. Natürlich könnte ich dafür die Tastatur wieder loswerden – aber dann hab ich wieder ein monströses Tablet vor mir, das ich gar nicht mehr mobil nutzen möchte/kann.

    Fazit

    Und so bin ich ein bisschen am Hadern mit einem Gerät dieser Klasse. Es ist schick, es ist schnell. Es kann alles, was ich will. Aber ich komme mit dem Handling irgendwie nicht so problemlos zurecht, wie ich es sonst von mir gewöhnt bin. Ob das am Gerät selbst liegt, dem Typus Convertible oder gar dem Typus Altphilologe – das kann ich nur im Vergleich mit anderen Modellen herausfinden (Also Typus Convertible, nicht Typus Altphilologe). Vielleicht schickt mir die Stadt München noch ein weiteres Modell zum Ausprobieren. Pretty please…

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  • Allgemeines,  Alltag

    Per Aspera ad Astra

    Na, da haben wir aber geschaut, als diese Pressemeldung Anfang letzter Woche die Runde machte. Wie es aus dem Kultusministerium hieß, sollten auf einmal nun auch Lehrer von weiterführenden Schulen schnellstmöglich geimpft werden. Ist ja super! Zumindest auf den ersten Blick. Denn die Impfangebote kommen nicht ausschließlich aus rein vaterstaatlicher Fürsorge, sondern aus einer gewissen Notwendigkeit heraus: Diese Woche geht das Abitur los, und unzählige Aufsichten müssen die Prüflinge beaufsichtigen. Und derer gibt es dieses Jahr einige.

    Alles neu

    Auch solche, die in einem regulären Schuljahr gar nicht antreten dürften. Mitschreiben dürfen dieses Jahr nämlich auch die, die aufgrund von zu schwachen Vorleistungen eigentlich nicht mitschreiben dürften (wir nennen es hier „Hürden reißen“). Stattdessen müssen die Kursleiter im Anschluss ans Abitur für diese Prüflinge eine zusätzliche Klausur stellen. Die Kollegen in Deutsch frohlocken jetzt schon bei dem Gedanken von einem Schüler nun eventuell nicht nur ein Abitur korrigieren zu müssen, sondern auch noch eine zusätzliche Klausur zu erstellen und bewerten zu müssen. Aber das ist nicht die einzige Neuerung. Zusätzlich sind die bisherigen Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen für das Abitur aufgehoben.
    Bis letzte Woche musste regelmäßig mit den Schülern der Oberstufe ein Schnelltest durchgeführt werden. Ohne den durfte niemand im Unterricht sitzen – bis jetzt. Zum Abi sind diese Tests auf einmal optional. Wer sich nicht testen lassen will, darf trotzdem mitschreiben. Selbst Leute, die in Quarantäne sitzen, dürfen zur Prüfung antanzen. Ursprünglich sogar ungetestet. Dass man da als Lehrkraft etwas unruhig reagiert, ist klar. Wer will schon fünf Stunden jemanden beaufsichtigen, von dem man nicht weiß, ob die Quarantäne gerechtfertigt ist oder nicht. Nachdem im Ministerium deswegen wohl ein paar wütende Briefe eingegangen sind, wurde zumindest eingeschränkt: Nun ist für die Quarantäne-Kandidaten ein negativer Test zwingend notwendig. Dennoch: eine gewisse Grundunruhe bleibt. Da kommt die Ankündigung eines Impfangebotes gerade recht. Nur wo soll es herkommen?

    Impfen – aber wo?

    Das Gesundheitsamt in München ist nach wie vor überlastet und von der Ankündigung des Kultusministeriums ebenso überrascht wie wir Lehrkräfte. Mehr als ein Schreiben zu dem Thema wurde daher noch nicht angekündigt. Auch aus dem Impfzentrum, von dem München doch ein einziges (!) besitzt, gibt es kaum Reaktion. Man kann sich dort nach wie vor registrieren, aber keinem der Kollegen wurde bislang ein Impfangebot unterbreitet, sofern man nicht unter einer Vorerkrankung leidet oder der Ü60-Gruppe angehört. Die Hausärzte haben auf ihren Homepages teilweise Disclaimer platziert und geben bekannt, dass innerhalb der nächsten drei Wochen keine Impfungen mehr möglich sind. Wer dieser Tage tatsächlich eine Impfung haben will, muss Glück haben. Wir zum Beispiel. Dank unseres Chefs wird eine Praxis ums Eck ausfindig gemacht, die Lehrkräfte impft. Allerdings ausschließlich mit AstraZeneca. Das hat Folgen. Zum Meldetermin finden sich gerade mal sechs Kollegen in der Praxis ein. Alles Männer. Alle in meinem Alter. Die Negativschlagzeilen des Impfstoffes der letzten Wochen haben ganze Arbeit geleistet. Lieber gar kein Schutz als Nebenwirkungen. Die haben allerdings jeder der zur Verfügung stehenden Stoffe. Und so steht unser Sextett an einem Freitag Nachmittag im Wartezimmer der Praxis bereit, um in den Kreis der Erstgeimpften iniziiert zu werden.

    Gettin‘ the jab

    Die Impfung an sich geht schnell vor sich. Nach einer Unzahl von Formularen, die es im Vorhinein auszufüllen gilt, wird man vom Arzt in einen Besprechungsraum geführt, kurz noch einmal über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt, über die Seltenheit der berühmten Thrombosen in Kenntnis gesetzt – und dann kommt schon die berühmte Spritze. Routiniert und professionell durchgeführt. Nach Rückgabe meines Impfbuches bekomme ich vom Arzt noch einen salbungsvollen Satz mit auf den Weg: „Sie haben einen Dienst an sich selbst und an der Bevölkerung getan.“ Und das war’s dann schon.

    Abwarten und Tee trinken

    In der Apotheke besorge ich mir noch vorsorglich Paracetamol und verbringe den restlichen Abend in gespannter Erwartung, was mein Körper für ein Schauspiel veranstalten wird. Aber viel passiert vorerst nicht. Die Einstichstelle tut etwas weh, wenn auch nicht merklich. Zweimal beginnen die Fingerspitzen des Impfarmes zu bitzeln. Losgehen tut es erst so langsam kurz vor dem Schlafengehen. Beim Aufstehen merke ich die wackligen Knie, die aus heiterem Himmel zu kommen scheinen. Nur ein paar Minuten später geht es los mit leichtem Schüttelfrost. Über die Nacht kommt ein dumpfer Kopfschmerz hinzu. Nicht drastisch, aber merklich, sobald man seinen Kopf bewegt. Sie werden über den nächsten Tag mein ständiger Begleiter sein und mich hauptsächlich an die Couch fesseln. Meinen geimpften Kollegen geht es ganz ähnlich. Jeder von uns läuft für knapp 24 Stunden mit einem ordentlichen Schädel durch die Gegend, manch einer hat erhöhte Temperatur bis hin zu Fieber im 39er Bereich. Aber ebenso wie die Impfreaktionen hergekommen sind, waren sie auch wieder weg. Am Samstag Abend sind sie schon deutlich besser geworden. Beim Aufstehen ist alles wie weggeblasen. Was bleibt, ist die Gewissheit, einen Schritt in die richtige Richtung gemacht zu haben.

     

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  • Latein,  Technik,  Unterricht

    H5P Olé – Folge 12: Agamotto

    Unter den Aktivitäten bei H5P, mit denen ich nie wirklich etwas anfangen konnte, was Agamotto. Ich hatte den Sinn nie so ganz begriffen, denn auf den ersten Blick wirkt die Aktivität nur wie eine etwas fancy version eines Image Sliders. Anstatt von einem Bild zum nächsten zu wischen, kann man hier mit Hilfe eines Schiebereglers von einem Bild zum nächsten stufenlos überblenden. Schön und gut, aber was soll das Ganze? Mit ein bisschen Kreativität kann man sich das prima im Unterricht zunutze machen. Ein erstes Verwendungsbeispiel ist bei H5P selbst du sehen, wo sich stufenweise zu einer Landkarte mehr und mehr Zusatzinformationen einblenden lassen, je weiter man den Regler nach rechts schiebt. Für den Lateinunterricht lässt sich sowas wunderbar für Binnendifferenzierung nutzen. Zum Beispiel bei Übersetzungstexten, um für jedes Übersetzungsniveau die nötigen Informationen einzublenden.

    Oder aber auch in Mini-Quizzes, mit der man durch stufenweises Einblenden von weiteren Hints die User selbständig auf die Lösung bringen kann.

    Wie wird’s gemacht?

    Das Erstellen geht eigentlich ganz einfachn. Denn letztlich handelt es sich bei den stufenweise eingeblendeten Zusatzinformationen nicht um irgendwelche Textfelder, die man einblenden kann, sondern lediglich um Bildschirmaufnahmen, die kommentiert und hintereinander abgespeichert werden. Beim Schieben sieht es so aus, also würden die neuen Informationen einfach eingeblendet werden. Dabei blendet der Regler in Wirklichkeit nur von einem Gesamtbild zum nächsten über.

    Für die obige Übung habe ich von einer Götterstatue ein Foto auf das Tablet geladen und einen Screenshot gemacht. Diese dient als Ausgangsaufnahme, auf die ich erste Anmerkungen mache. Sobald diese fertig ist, wird diese abgepeichert und dann mit einem weiteren Hinweis versehen. Und dann erneut abgespeichert. So geht es weiter, bis auf dem letzten Bild letztlich der Endzustand erstellt ist. Diese einzelnen Bilder werden jetzt einfach in die Maske von Agamotto geladen. Hierzu sind wie immer diverse Einstellungen möglich: Als einzig verpflichtende Option ist hierbei lediglich ein Alternativtext für jedes der Bilder einzugeben, die im Falle eines Fehlers statt der eigentlichen Aufnahme dargestellt werden. Alles andere ist optional, aber durchaus sinnvoll:

    Unter Mouseover-Text lässt sich ein Textfeld beschriften, das als weitere Hinweistafel genutzt werden kann, wenn man mit der Maus lange genug über dem Bild stehen bleibt.

    Die Option Beschriftung betitelt die unterschiedlichen Rasterpunkte unten am Balken (nicht vergessen, die Option Beschriftungen anzeigen weiter unten zu markieren)

    Eine Beschreibung fügt jedem der hochgeladenen Titel eine eigene Bildunterschrift hinzu, die sich abhängig von der Position des Schiebereglers verändert.

    Wie die Aktivität von hier zu den Schülern kommt, lest ihr hier.
    Wenn ihr weitere Ideen für die Aktivität hat, schreibt mir in den Kommentaren.

    Und schon geht’s weiter mit Aktivität 12.

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  • Allgemeines,  blog,  Unterricht

    Jubiläum

    Weeeeeee… Confetti

    Wie mir Twitter dieser Tage stolz verkündete, habe ich dort jüngst mein Achtjähriges gefeiert. Und genauso alt dürfte mein Blog sein. Zeit für eine kleine Retrospektive. Aber nur eine ganz kleine. Wir haben ja nicht den ganzen Tag Zeit.

    Am Anfang war mein Wort

    2013 war meine Unterrichtsvorbereitung noch stark geprägt von dem Vorgehen, wie ich es im Referendariat erlernt hatte: Jede einzelne Stunde war mit sämtlichen dazugehörigen Materialien in einem Ordner abgeheftet und in einer Klarsichthülle verstaut. Jedes Arbeitsblatt war darin in Papierform zu finden sowie auf Folie, um sie bei Bedarf an den überall im Schulhaus vorhandenen OHPs im Klassenzimmer ausfüllen zu können… und sich nebenbei die Finger mit Folienstiften zu versauen. Audiodateien waren auf CDs gebrannt. Den zum Abspielen nötigen CD-Player trug ich munter durch das Schulhaus. Klingt nach heutiger Sicht ziemlich umständlich. Aber man war es nicht anders gewöhnt. Sich alles auf ein Tablet zu laden und damit durch die Lande zu ziehen – das kannte ich bis dato noch gar nicht. Vermisste ich aber auch nicht. Wie auch, wenn man es vorher nicht kannte…

    Auf Blogs bin ich damals nur eher zufällig gestoßen. Auf einer Suche nach Inspiration zu meinem ersten Seminar in der Oberstufe stieß ich damals auf einen Leistungskurs-Blog von Peter Ringeisen – und war schnell begeistert. So viel möglich. So viel online. Und dann noch in bayerischen Landen. Das war zu schön, um wahr zu sein! Von dort klickte ich mich durch die Linklisten und kam so in die Welt der Lehrerblogs. Viele der virtuellen Lehrenden, die damals noch aktiv waren, sind mittlerweile leider verstummt. Frau Henner zum Beispiel, die ich immer gern gelesen habe. Oder aber auch Frollein Rot, die über viele Jahre die schönsten Schulanekdoten zum Besten gab. Aber es gab auch damals schon die Stars, die bis heute aktiv sind. Bob Blume hatte jüngst angefangen, Jan-Martin Klinge war schon seit Jahren dabei. Ebenso Herr Rau. Und irgendwann war klar: Das wollte ich auch. Schnell war WordPress aufgesetzt und ein erster Artikel geschrieben. Der Rest lief von ganz von alleine.

    Lehrerzimmer 2.0

    Das Thema Twitterlehrerzimmer, in dem sich ein digitales Kollegium tummelte, lag damals noch in weiter Ferne. Man erklickte sich sein eigenes Wirkungsuniversum und die Leute darin: Im EdchatDE organisierten Torsten Larbig und André Spang jeden Dienstag den ersten, mir bekannten digitalen Lehrerchat über den eigenen Tellerrand hinaus. Herr Rau verfrachtete die bekanntesten Lehrkräfte und ihre Blogs in ein virtuelles Sammelkarten-Set und sorgte so sowohl für Erheiterung als auch Ausweitung des PLN. Bob Blume erfand mit Twanalog ein Brieffreundschaftsprojekt 2.0 für die über Twitter vernetzten Lehrer. Und ich nahm an allem sehr gerne teil.

    Für mich selbst stand damals allerdings die Blogpflege an erster Stelle. Jeder Kommentar zu einem meiner Artikel war eine kleine Party. Wildfremde Leute aus irgendwelchen Regionen der Republik, die zu meinem Geschreibsel ihren Senf gaben – Awesome! Und so revanchierte man sich mit Gegenkommentaren und diskutierte vorrangig  eher auf den Blogs selbst als sich in den sozialen Medien zu verewigen, in denen die Artikel verlinkt sind – eine Entwicklung, die ich bis heute bedauere. So war der Kontakt noch eine Spur persönlicher, die Reaktion ein Quäntchen unmittelbarer. Man kam besser ins Gespräch. Sei’s drum, der Kontakt selbst stand im Zentrum und eröffnete zahllose neue Türen: Und ehe man sich’s versah, lief man sich im wahren Leben auf einer Fortbildung in die Arme, traf sich beim Umsteigen in einen Zug mal eben auf einen Kaffee, fand sich bei einem seiner Follower urplötzlich in einer Fortbildung. Oder endete selbst als Referent in einer Fortbildung, die man ohne die entsprechende Expertise aus der Kombination Twitter/Blog so nie angeboten hätte.

    Wozu nun diese Retrospektive? Nun für mich zunächst vorrangig als Erinnerung an all die tollen Erfahrungen und Erlebnisse, die ich aus dieser Mehr-als-Hobby-Aktivität ziehe. Und für den einen oder anderen interessierten Leser als Aufforderung, das auch mal auszuprobieren. Man kann nur gewinnen.

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  • Allgemeines,  Alltag,  Unterricht

    Corona-Tests in der Schule

    Leuchtende Augen in der siebten Klasse heute vor dem ersten Corona-Test im gemeinschaftlichen Klassenzimmer. Dabei sahen meine Schützlinge vor ein paar Minuten noch ganz anders aus. Mit einem flauen Gefühl in der Magengrube waren viele heute in die Schule gekommen. Die Angst vor dem Ungewissen griff um sich: Wie genau funktioniert so ein Test? Was ist diese Pufferlösung? Wie tief soll dieses Stäbchen in die Nase? Oder muss man einen Abstrich machen? Was, wenn ich beim Test niesen muss? Oder husten? Oder gar erbrechen?
    Als Lehrer tut man in solchen Situationen wie immer das, was man in der Ausbildung gelernt hat: Ruhe verströmen, Sprechgeschwindigkeit drosseln, Wohlfühlstimme auflegen. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Deswegen folgen auch Handgriffe, die man nicht so regelmäßig durchführt: Latexhandschuhe überstreifen zum Beispiel. Oder großzügig Desinfektionsspray auf den Handflächen der Kinder verteilen. Oder wortlos ein Erklärvideo abspielen, das von den Herstellern unseres Corona-Kits erstellt wurde. Dort wird in klaren, verständlichen Bildern erzählt, wie so ein Test vor sich geht. Nüchtern, unaufgeregt – und für Kinder vermutlich völlig abschreckend, eben WEIL es mit kühlen Worten den Eindruck vermittelt, als sei es das Normalste auf der Welt, sich einen Wattebausch in die unerforschten Tiefen seiner Nüstern einzuführen. Aber ich habe eine Geheimwaffe. Denn völlig aus dem Nichts hat das Kultusministerium Bayern auf seinem Youtube-Kanal ein Erklärvideo zum Testvorgehen veröffentlicht, die deutlich kindgerechter daherkommt. Der Experte darin ist den Kindern wohl bekannt: Es ist das Kasperl aus der Augsburger Puppenkiste, das als Arzt verkleidet im breitesten Augsburg-Schwäbisch den jungen Zuschauern den Ablauf des Tests erklärt und mit seinem Probanden Erwin dem Erdmännchen durch die einzelnen Schritte führt – eine zuckersüße Alternative zu dem bierernsten Instruktionsvideo unseres Corona-Tests, die ich vorsichtig der Klasse als Alternative anbiete. Könnte ja auch schiefgehen, immerhin sind die Kiddies mitten in der Pubertät und finden die Augsburger Puppenkiste mit 13 Jahren vielleicht albern.

    Dieses Video ansehen auf YouTube.
    Die Verbindung zu YouTube wird erst bei einem Klick auf den Screenshot hergestellt.

    Weit gefehlt: Die Angst ist den Kindern auf einmal komplett aus dem Gewicht gewichen. Selbst durch die Mund-Nasenschutzbedenkungen kann ich das Grinsen aller Beteiligten deutlich erkennen. Die Wahl ist also getroffen, und so gehen wir unerschrocken ans Werk – und tauschen hinterher Kindheitserinnerungen über die Augsburger Puppenkiste aus, bevor wir uns wieder mit lateinischen Partizipien befassen. Sie erzählen mir von Jim Knopf und dem Urmel aus dem Eis, den einige vor Jahren dort gesehen haben. Und ich erzähle vom Schlupp vom grünen Stern. Und auf einmal fühlt sich diese Stunde fast schon wieder wie eine reguläre an: Ein bisschen Smalltalk, ein bisschen Quatsch, gefolgt vom erforderlichen Tagwerk. Und alles, was es braucht, ist eine Marionette, die uns das Einführen eines Wattestäbchens als Popeln deluxe verkauft.

    Danke, Dr. Käschperle!
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  • Allgemeines,  Uncategorized

    Osterferien 2021: Auferstehung

    Es gibt wohl keine Ferien, die ich jemals so herbeigesehnt habe, wie diese. Und ich bin nicht der einzige. Ins Twitterlehrerzimmer schleicht sich nach Wochen von grießgrämigen Emojis, erbosten Retweets und fassungslosen Replies auf unverständliche Regierungserklärungen endlich ein bisschen Ruhe. Die Fotorate von imposanten Eisbechern und Ausschnitten von blauem Himmel ist stetig wachsend, die Mundwinkel der Teilnehmer zunehmend nach oben gerichtet. Man atmet nach 11 Wochen Unstetigkeit im Schulgeschehen spürbar durch. Auch in der bunten Bloglandschaft.
    Herr Klinge sucht dieser Tage Oasen in allen Lebenslagen. Herr Rau backt und fotografiert. Ich tue es ihm nach und habe mir schon vor ein paar Wochen in einem Frustmoment eine neue, „richtige“ Kamera zugelegt, um mich auch mal wieder ein bisschen im Entschleunigen zu üben.

    Nicht alles muss ein Snapshot sein. Manchmal lohnt es sich auch ein bisschen zu warten, bis das Motiv stimmt. Innehalten zahlt sich aus. Das werde ich auch die nächsten Wochen beherzigen. Zeit nehmen. Durchschnaufen. Langsamkeit wiederentdecken. Einfach mal nichts tun. Die Frühlingsluft genießen. Ein gutes Buch lesen. Laufen gehen. Oder auch mal wieder sich um die alten Hobbies kümmern. Projekt Game Boy Synth zum Beispiel. Den kleinen Quäker als tatsächliches Musikinstrument zu begreifen, geht nicht einfach von heute auf morgen. Aber mit ein bisschen Nachhelfen und überlegtem Herumgeschraube geht es eigentlich ganz gut. Mittlerweile bin ich sogar soweit, das Ding mit regulären Synthesizern synchron laufen zu lassen, sodass alle Instrumente im Takt bleiben. Und das Beste: Wenn ich gar keine Lust mehr habe, lassen sich auf dem Game Boy Synthie einfach die alten Spiele zocken. Durchschnaufen.

    Im Einklang
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  • Technik,  Unterricht

    H5P Olé – Folge 11: Summary

    Die Aktivität Summary ist uns schon bei der Virtual Tour über den Weg gelaufen, wo man sie unter einer der in einem 360-Grad-Bild als möglichen Aktivitäten auswählbar war. Aber gottlob, es gibt sie auch in freilaufender Wildbahn. Das Prinzip bleibt aber dasselbe: Aus mehreren Aussagebündeln muss jeweils die richtige Antwort herausgefunden und angeklickt werden, bis am Ende sämtliche korrekte Aussagen einen sinnhaften Fließtext ergeben. So ein Vorgehen ist prima, um das Leseverständnis zu prüfen. Zum Beispiel beim Plot von Ovids Pyramus und Thisbe:

     

    Wie wird’s gemacht?

    Sobald die Aktivität Summary angeklickt ist, treffen wir in ein Optionsmenü auf viele alte Bekannte:

    In der Maske gibt man unter Titel eine sinnhafte Überschrift, unter Aufgabenbeschreibung eine entsprechende Anweisung an die Klasse an. In der Rubrik Zusammenfassung landen nun die Aussagen, aus denen die Schüler jeweils die richtige auswählen müssen. Dies kann man entweder im Reiter Eingabemaske oder unter Ins Textfeld eingeben erledigen. Ich habe mir letzteres angewöhnt, weil man auf diese Weise jede Menge Klicks sparen kann, die in der Eingabemaske erforderlich wären. Hier trägt man nämlich einfach seine Aussagebündel ein, die aus einem richtigen und mehreren falschen Statements ein, wobei die richtige Aussage jeweils in der ersten Zeile stehen muss. Will man ein neues Bündel kreieren, fügt man einfach eine Leerzeile ein und startet wieder von vorne. Die korrekte Aussage steht hierbei wieder oben, die falschen Statements folgen direkt darunter. Durch die Leerzeile versteht H5P später, dass hier zwei Stapel an Aussagen zu generieren sind. Das sieht in der Pyramus-Aufgabe folgendermaßen aus:

    Sobald die Summary gestartet wird, werden die Aussagen innerhalb der Fragebündel durcheinander gemischt und neu angeordnet, damit man die Reihenfolge nicht auswendig lernen kann. H5P weiß natürlich nach wie vor, welche der Aussagen die richtige ist – die steht ja im Textfeld nach wie vor an erster Stelle.

    Und damit sich’s aber auch schon. Wie immer lassen sich unter den Bewertungen (siehe Unterkapitel „Und? Wie war ich?) kleine Mini-Feedbacks hinterlegen. Aber dieser Schritt ist nur fakultativ.

    Wie die Aktivität von hier zu den Schülern kommt, lest ihr hier.
    Wenn ihr weitere Ideen für die Aktivität hat, schreibt mir in den Kommentaren.

    Und schon geht’s weiter mit Aktivität 12.

     

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  • Alltag,  Unterricht

    Ende Gelände

    Ich hatte eigentlich einen richtig langen Text vorbereitet. Über die letzten Wochen. Die fehlenden Ferien. Die plötzliche Öffnung der Schulen in Zeiten von steigenden Corona-Zahlen. Ernstzunehmende Erschöpfungszustände. Über pampige Tweets vom Kultusministerium. Und meine neue vom Dienstherr befohlene Nebentätigkeit als medizinischer Assistent, der in den letzten spärlich vorhandenen Stunden vor den Ferien jetzt auch noch mit Kindern im Klassenzimmer Selbsttest durchführen soll.
    Ich hab ihn gelöscht. Denn Kopfschütteln gibt es dieser Tage genug; schlechte Stimmung ebenso – da muss man nur in die Medien schauen. Und mein Akku ist nach Woche 11 von beständigem Hin und Her echt im roten Bereich. So wie Herr Rau vor ein paar Wochen einen Durchhänger hatte, geht es mir dieser Tage ganz genauso. Man will sich eigentlich nur noch in die Ferien retten, um durchzuatmen. Ich werde das definitiv tun. Ich hoffe, ihr auch!

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    H5P Olé – Teil 10: Mark the Words

    Schön, dass es auch mal schnell gehen kann! Nachdem der letzte Teil unseres H5P-Kurses mit Drag and Drop doch ein bisschen fordernder war, geht’s mit Mark the Words zum Glück ein bisschen leichter. Der Name ist – wie immer bei H5P – Programm: Aus einer vorgegebenen Wortreihe müssen die richtigen Kandidaten ausgewählt werden. Diese können – abhängig vom Gusto der Person, die erstellt – inhaltlicher wie auch grammatischer Natur sein. Beides könnt ihr hier sehen:

    Wie geht’s?

    Kinderleicht. Das sieht man schon an der Maske, die sich bei der Auswahl des Aufgabentyps Mark the Words öffnet. Alles alte Bekannte, die wir schon aus den zahlreichen letzten Folgen kennen:

    In Mark the Words haben wir es mit gerade mal drei Kategorien zu tun

    In der Kategorie Titel wird eine kurze sinntragende Überschrift eingetragen. In der Rubrik Aufgabenbeschreibung landet die Fragestellung für die Kinderlein. Das Textfeld beinhaltet die eigentliche Aufgabe. Dort ist die Liste an Begriffen hinterlegt, aus denen die richtigen Antworten ausgewählt werden müssen. Diejenigen, die korrekt sind, werden ebenso wie schon bei Fill in the Blanks mit einem Sternchen links und rechts versehen. Vorsicht ist geboten, bei Ausdrücken, die aus mehreren Worten bestehen. Diese müssen mit einem Unterstrich versehen werden, damit sie H5P als zusammengehörig erkennt. Wie zum Beispiel bei den beiden Herrschaften aus Shakespeares Werken:

    Damit hat sich’s aber auch schon. Wie immer lassen sich unter den Bewertungen (siehe Unterkapitel „Und? Wie war ich?) kleine Mini-Feedbacks hinterlegen. Aber dieser Schritt ist nur fakultativ.

    Wie die Aktivität von hier zu den Schülern kommt, lest ihr hier.
    Wenn ihr weitere Ideen für die Aktivität hat, schreibt mir in den Kommentaren.

    Und schon geht’s weiter mit Aktivität 11.

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  • Allgemeines,  Technik

    Let there be chchchchchchch!

    Liebe Gemeinde,
    heute wird es mal nerdig. So richtig nerdy nerd. Noch dazu, wo das Thema vermeintlich überhaupt nichts mit den sonst behandelten Themen im Blog zu tun hat. Mit Betonung auf „vermeintlich“. Vielleicht habe ich aber auch noch das eine oder andere in der Hinterhand… wer weiß? Legen wir mal los!

    Es war einmal

    Wenn es einen Klang gibt, der meine Kindheit in den 90er Jahren am besten beschreibt, dann ist es wohl dieser hier:

    Ihr kennt ihn bestimmt. Es ist der Game Boy von Nintendo. Es ist jetzt genau 30 Jahre her, dass ich meinen zum ersten Mal in den Händen hielt. Mit zitternden Lettern eines Elfjährigen ist das Datum unseres Kennenlernens auf der Verpackung bis heute vermerkt.

    Der Schatz meines elfjährigen Ichs 🙂

    Über vier Jahre war der Kleine mein ständiger Begleiter. Zuhause, auf Autofahrten, im Bus, bei Freunden, am Strand, heimlich auf dem Schulhof. Überall. Als Kinder der 90er waren wir alle von dem neuen Konzept Portable Gaming, wie es der Game Boy verkörperte, völlig von den Socken. Permanent verschiedene Spiele unterwegs daddeln zu können, egal wo man sich befand – das war radikal neu! Und auch wenn man sich heute nur mit Mühe vorstellen kann, dass dieses klobige Ding tatsächlich in eine Hosentasche gepasst haben soll (ging gerade so!) – er war überall dabei. Und ich mit ihm. In unzähligen Königreichen und Fantasiewelten.

    Bild von mobygames.com

    Ich habe in Mystic Quest nach dem Mana-Baum gesucht und fand auf Cocolinth das Ei des legendären Windfisches. Mit Mega Man an meiner Seite befreite ich die Welt mehrmals von Dr. Wily, rettete mit den Turtles zwei Mal New York vor Shredders Foot Clan. Ich war Drache Firebrand. Ich war Batman. Ich war Kid Dracula. Ein Nachfahre von Simon Belmont, Scrooge McDuck, ein Battletoad, ein Motocross- Fahrer, Hulk Hogan, eine Murmel in Marble Madness, ein Blob, eine Tomate oder wahlweise Kartoffel in Kwirk… und im realen Leben irgendwann dann doch ein Teenager, der sein liebgewonnenes Spielzeug über hatte. Die Pubertät war angebrochen. Ich hatte andere Dinge im Kopf. Und mein Game Boy wanderte an einen Ehrenplatz im Schrank meines Jugendzimmers, wo er 25 Jahre im Dornröschenschlaf verbrachte.
    In all der Zeit habe ich ihn kein einziges Mal geweckt, um mich der Nostalgie hinzugeben, die das Gerät zweifellos in sich barg. Es aber zu verkaufen, brachte ich nie übers Herz. Kurzfristig flammte das Interesse wieder auf, als ich mit Keyboarding und Synthesizern gegen Ende der Schulzeit anfing und auf LSDJ aufmerksam wurde: Ein Programm auf einer handelsüblichen Spielekassette, mit der es tatsächlich möglich, den Game Boy in ein Musikinstrument zu verwandeln – das klang richtig interessant. Immerhin haben mir die quirligen Chips Sound des Game Boys immer imponiert. Viele Melodien der Spiele hatten sich in mein Gehirn gebrannt, einige hatte ich als Kind sogar auf Kassette überspielt, um sie auch über die heimische Stereoanlage hören zu können (ganz zum Leidwesen meiner Eltern). Aber ein Blick auf die Kosten für eine Plastikcartridge, für die auch noch Versandkosten anfielen, hätten mein Schüler-Budget schnell gesprengt. Und damit war das Vorhaben gestorben. Vorerst. Umso erfreuter war ich, als ich letztes Jahr durch Zufall bemerkte, dass sich nach 20 Jahren die Zeiten geändert hatten: Die Software gab es mittlerweile als kostenlosen Download, Game Boy Cartridges ließen sich mit Hilfe von SD-Karten unbegrenzt mit Daten befüllen. Und so wurde nach 30 Jahren wahr, was ich immer haben wollte: Ein Synthesizer, der wie ein Game Boy klingt. Also nicht lange gefackelt und den EZ Flash Junior samt SD Karte bestellt und mein heimisches Jugendzimmer aufgesucht, um das graue Schneewittchen aus seinem Styroporkarton zu befreien… Und erstmal bekam ich einen riesigen Schreck.

    Ich bin der Gilb…

    mein Game Boy links im Nikotin-Look im Vergleich zu einem Gerät in tadellosem Zustand

    Denn das Plastik des Gehäuses war über die Jahre völlig vergilbt. Weiß der Geier, was da passiert war, aber es sah aus, als hätte das Gerät mehrere Jahre mit bzw. in einem Kettenraucher verbracht. So etwas in die Hand zu nehmen um Musik zu machen… nein danke. Noch verstörter war ich, als ich das Gerät einschaltete. Zwar sprang der Game Boy nach 25 Jahren sofort an, als sei nie etwas gewesen. Aber die nostalgische Verklärung hatte mich völlig vergessen lassen, wie unterirdisch dieser Bildschirm gewesen war. Ohne Hintergrundbeleuchtung war man ständig gezwungen sich auf den viel zu winzigen Bildschirm zu konzentrieren. Noch schlimmer wird’s, wenn sich dann auch noch etwas darauf bewegt. Dann zieht das Bild deutliche Schlieren, die meinen nicht mehr ganz so jungen Augen auf Dauer echt Kopfschmerzen verpassen. Es war relativ schnell klar: Mit diesem Gerät im Jahre 2021 noch irgendetwas anfangen zu wollen, ging in dieser Form nicht. Es musste ein Facelift her. Und so bestellte ich für meinen Game Boy aus dem Jahre 1991 bei einem deutschen Modding-Vertrieb ein rundum neues Gewand.
    Das Paket war in Windeseile da. Nach gerade mal drei Tagen waren alle Komponenten beieinander. Mit einer Vorfreude wie zu Weihnachten barg ich des Kaisers neue Kleider aus den Kartons: Von Steuerkreuz.net gab es ein neues blaues Gehäuse, samt neuer Knöpfe in Gelb, ein neues Batteriefach, das nun mit Akku betrieben wird statt einmal die Woche ein Quartett der berühmten AA-Batterien zu verheizen. Und dann noch von ebay ein neues Display, das mit Hintergrundbeleuchtung und Technologie aus dem 21. Jahrhundert meinen Augen ein bisschen Erholung verschafft. Das Equipment war da. Nun galt es Hand anzulegen.

    Des Kaisers neue Kleider

    Face-Lifting

    Zunächst wurde der Gameboy aufgeschraubt und in zwei Hälften zerlegt. Ein Datenband, das die beiden Teile zusammenhält, musste beim Öffnen vorsichtig abgezogen werden, damit nichts von der Platine abreißt:

    Das Innenleben eines Gameboy Classic mit dem alten LCD-Bildschirm oben)
    Einsetzen des Displays mit Klebeband

    Die vordere Platine, die den alten Bildschirm beinhaltet, wurde komplett gegen den neuen ersetzt und im neuen Gehäuse millimetergenau mit Hilfe eines doppelseitigen Klebebandes in der neuen Schale fixiert. In Ermangelung eines Rahmens, der beim Positionieren hilft, war das eine recht fummelige Angelegenheit. Darunter fanden die neuen Knöpfe und das Steuerkreuz in der Verschalung Platz. Die alten hatten über die vergangenen drei Jahrzehnte einen gewissen unappetitlichen Film angesetzt, der vom Aussehen her irgendwo zwischen Batteriesäure und Ohrenschmalz lag. Also weg damit. Die Rückseite der neuen blauen Schale durfte die alte Hardware behalten und ließ sich ganz unproblematisch festschrauben. Dann noch beide Hälften wieder mit dem neuen Kabelband verbinden und einen ersten Testvorgang mit Batterien starten. Es klappt!

    It’s alive!

    Gut gebrüllt, Kätzchen!

    Links am Eck findet sich Platz für die Audio-Buchse

    Als nächstes stand ein neuer Audioausgang auf dem Programm. Über den integrierten Kopfhörerausgang klangen die Original Game Boys nämlich immer etwas leise und vor allem verrauscht, daher war dieser kosmetische Kniff für ein sinnvolles Arbeiten unabdingbar – der Kleine soll ja in ein Musik-Setup integriert werden. Dank einiger Modding-Videos lässt sich schnell lokalisieren, wo in dem kleinen Gehäuse noch ein paar Millimeter für einen zusätzlichen Ausgang zu finden sind. Dann einfach ausmessen und mit dem Bohrer vorsichtig an der entsprechenden Stelle ein Loch von 6mm Durchmesser ins Gehäuse knüppeln. Im Gehäuse wird von innen durch die neue Öffnung eine handelsübliche 3,5mm Klinkenbuchse geschoben (der Hals der Buchse sollte mehr als 40mm haben, sonst passt er nicht durch die dicke Gehäusewand der Verschalung) und mit der mitgelieferten Schraube fixiert. Abschließend werden nun drei Kabel – Masse, linker und rechter Kanal – am Mainboard an entsprechender Stelle angelötet (wir haben uns für die Pre-Poti-Variante entschieden, weil ich die Lautstärke des Game Boys ohnehin über den Mixer steuern werden) und mit der neuen Buchse verbunden.

    Zum Glück gibt’s Youtube. Video von Joe Bleeps

    Fertig ist der kleine Schreihals!

    Das Ohr zur Welt

    Finishing Touches

    Als letztes wird mit vorsichtigen Händen das Gehäuse wieder verschraubt, der neue Akku eingebaut, nachdem man ein paar der Batteriefedern aus dem Gehäuse gezogen hat, und vorne eine Displayscheibe an der Vorderfront angebracht, um den neuen Bildschirm vor Staub zu schützen. Nun mit klopfenden Herzen den neuen Anschalter ausprobieren und hoffen, dass alles klappt…

    Es kann losgehen

    Und es klappt! Er quäkt! Und wie!

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