• Allgemeines,  Alltag,  blog

    Wie hältst du’s mit den Blogs?

    Jetzt mal Butter bei die Fische (und wenn der Bayer beginnt, norddeutsche Wendungen zu nutzen, wird’s ernst): Bezüglich Blogs habe ich echt ein Zeitproblem. Den meinigen befülle ich auch nach Jahren mehr oder weniger regelmäßig mit Beiträgen. Aber beim Nachlesen bei meinen Blogkollegen komme ich irgendwie gar nicht hinterher. Ich finde weder Zeit noch Ort, im Tagesablauf mal über den digitalen Tellerrand zu schauen, um zu erfahren, was denn die anderen im digitalen Kollegium so treiben. Und das ist sehr schade. Von daher wäre ich um ein paar konkrete Tipps dankbar:

    • Wie organisiert ihr eure Bloglisten?
    • Wann lest ihr?
    • Wo lest ihr?
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  • Latein

    Saxa Monacensia – Staatsoper

    Die Bayerische Staatsoper im Herzen von München galt schon immer als besonderes Schmuckstück in der Innenstadt. Ein klassizistischer Bau mit einem Säulengang fügt sich wunderschön in das Ensemble der Residenz der Wittelsbacher ein. Dabei war es um das Fortleben des Gebäudes nicht immer gut bestellt. Mehrmals wurde das Gebäude fast vollständig zerstört. So führte im 19. Jahrhundert ein Brand im Inneren dazu, dass das Gemäuer bis auf die Grundmauern niederbrannte. Auch der zweite Weltkrieg hinterließ seine deutliche Spuren und zerstörte bei einem Bombenangriff 1943 den Bau fast völlig. Diverse Architekten – darunter auch so berühmte Namen wie Leo von Klenze, der schon mehrere Male in den saxa Monacensia zur Sprache kam – sowie zahllose Bürgerinitiativen waren immer wieder bemüht darum, die Oper aufzubauen und in den Urzustand zurückzuführen. Das gelang ganz wunderbar, wenn man sich das Gebäude mit historischen Aufnahmen vergleicht – bis auf ein kleines Detail: Nämlich die lateinische Inschrift, die den Architrav der Front ziert. Dort steht in goldenen Lettern geschrieben:

    Apollini Musisque redditum MCMLXIII

    Es ist ein Spruch, der an der Fassade der früheren Bauten fehlt.

    Historische Postkarte der Münchner Staatsoper – noch deutlich ohne Weihinschrift

    Kein Wunder, denn er rekurriert auf das Jahr 1963 und markiert ein wichtiges Jahr in der Geschichte der Staatsoper. Weit über ein Jahrzehnt wurde an der großen Restauration gearbeitet, knapp 63 Millionen Mark verschlang die Restauration. Aber im Jahre 1963 war es letztendlich geschafft. Das Theater war fertiggestellt, und nun wieder für die Kunstliebhaber zugänglich. Das wollte man auch nach außen hin zur Schau tragen und verpasste in meterhohen goldenen Lettern ein Weihinschrift:

    Apollini musisque redditum MCMLXIII

    Apollo und den Musen im Jahre 1963 wieder zurückgegeben.

    Apollo – als Gott der Künste – wie auch seine neun Schwestern, die allesamt für eine gewisse Teildisziplin in der Kunst stehen, werden sich bedankt haben. Denn der Spruch rekurriert wohl nicht nur auf die Wiederherstellung des Gebäudes, sondern auch auf die Sühne der Kunst selbst, an der man sich in der Nazizeit in diesem Gebäude häufig vergangen hat – in dem die Auswahl der Stücke einer Parteidoktrin unterworfen und deren Inhalt auf Ideologien hingebogen wurde. In dem nur gewissen Schauspielern der Zutritt gewährt wurde, während andere ihre Lebensgrundlage verloren. Jüdische Zuschauer vom kulturellen Leben komplett abgeschottet wurden. Vorbei diese Zeiten. Zum Glück. Aber sie lehren uns: Dass wir heute von freien Künsten reden können, ist nicht selbstverständlich. Es ist ein Privileg.

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  • Prüfungen,  Unterricht

    Wie (ge-)wichtig ist ein Abitur?

    Laut Waage circa 1468 Gramm. 😎 Ein riesiges Konvolut an Blättern, Bögen, Geheften und Papieren ziert seit letzten Freitag den Schreibtisch und harrt gespannt seiner Endkorrektur. Aber das tue auch ich. Denn nach zwei Jahren Zusammenarbeit wartet man gespannt, was der Kurs am Ende zustande bringt. Aktuell sieht es ganz gut aus.

    Schöne Aufgaben

    Das liegt zum einen Mal an den Aufgaben: Keiner der Texte war übermäßig abgefahren oder schwer. Der eine oder andere Cartoon zur Interpretation war eventuell etwas diffiziler zu beschreiben, aber das große Schockerlebnis blieb aus. Mit Themen wie der Geschichte von Wikipedia oder digitalen Medien war man gut am Puls der Zeit, der literarische Text bot mit Fragen zur Charakterisierung und Erzählperspektiven den üblichen Standard, auf den man den Kurs über Monate zielgenau vorbereitet hat. Ganz interessant fand ich, dass den Prüflingen durch die Bank gewisse Details im Text völlig neu waren. Niemand – absolut niemand – konnte mit einem Namen die Douglas Adams etwas anfangen. Sein Hitchhiker’s Guide to the Galaxy wurde mehrere Male als a book called bezeichnet, als sei es ein gänzlich beliebiger Titel. Auch die Fuggerei ist den meisten schlichtweg unbekannt. Einige sahen den Begriff als architektonischen Stil für Gebäude an, den man im Augsburger Stadtbild überall findet. Umspielt wurden solche Wissenslücken durch die Bank von allen recht charmant. Aber komplett verbergen ließen sie sich nicht. Gut ausfallen werden die Arbeiten dennoch – auch wegen der Bewertungsmaßstäbe.

    Fluffige Bewertungen

    Die einzelnen Teile der Prüfung sind gefühlt etwas zu wohlwollend gewertet. Alleine die Listening Comprehension macht mit gerade mal 30 Minuten Bearbeitungszeit nicht mal 10% der insgesamt 315 Minuten Prüfungszeit (!!!) aus. Gewichtet wird sie allerdings mit 20%. Wer dort die komplette Punktzahl erreicht hätte und im Anschluss nach Hause gegangen wäre, hätte drei Punkte (Note 5+) erreicht, ohne auch nur einen englischen Satz zu geschrieben zu haben. Der Erwartungshorizont der einzelnen Aufgaben ist sehr umfangreich und vergibt selbst für kleine Details wohlwollend Bewertungseinheiten. Alleine in der literarischen Charakterisierungsaufgabe werden zahlreiche Aspekte gewertet, die ich in einer Schulaufgabe als nice to have angesehen hätte, aber nicht groß gezählt hätte. Der Hauptcharakter ist Afro-American? Punkt. Er studiert Kunst? Punkt. Er kommt aus Atlanta? Und noch ein Punkt. Ich weiß, das gehört zu einer Charakterisierung dazu, aber das wäre in einer Schulaufgabe bei mir perfektes Füllmaterial für eine Einleitung gewesen. Mehr aber auch nicht. Aber ich will ja keinem die Punkte abstrittig machen und halte mich brav an die Vorgaben, sodass aus der Aufgabe jeder mit guten Inhaltsnoten rausmarschiert.

    Aber selbst Komplettausfälle bei einzelnen Aufgaben im schriftlichen Teil wären durch die Bewertung gut abgefedert. Eine Themaverfehlung in einer der vier Aufgaben wiegt bei weitem nicht so schwer, wie in einer regulären Schulaufgabe. In einem Englischabitur wirklich abzuschmieren ist echt schwer möglich – was ich natürlich niemandem wünschen möchte. Ich bewerte inhaltlich nach den Maßstäben, die der Erwartungshorizont stellt, und sprachlich nach den meinigen. Aber man fragt sich schon, wie aussagekräftig am Ende so eine Zensur ist, die auf dem Englischabitur steht.

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  • Allgemeines,  Alltag,  Technik,  Unterricht

    From Dillingen with Love

    Tief im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben schlummert die kleine Stadt Dillingen. Direkt an der Donau gelegen, erhebt sich die pittoreske Altstadt mit ihren historischen Gebäude. Und mittendrin: die berühmte Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung, die jedem Lehrenden in Bayern ein Begriff sein dürfte. Besucht haben sie aber die wenigsten – zumindest in den letzten Monaten wegen Corona. Seit kurzem hat sie wieder ihre Pforten für Lehrkräfte geöffnet. Unter anderem auch für mich.

     

    The Hogwarts of Teaching: Die Akademie in Dillingen

    Ende April führte mich mein Weg für ein paar Tage im Zuge eines ISB-Arbeitskreises zum ersten Mal an die Akademie. Sie wirkt fast wie ein kleines Mini-Hogwarts mit ihren historischen Hallen, die ursprünglich einer Jesuiten-Universität angehörten, und den liebevoll gepflegten Innenhof anlagen, in denen Ende April überall Narzissen blühen. Im Inneren erheben sich meterhohe Hallen, die Interessierten den Weg in die entlegensten Ecken führen. Völlig unvermittelt steht man plötzlich in einer wunderschönen Kapelle oder steckt seinen Kopf in einen barocken Bibliothekssaal. Über die Gänge huschen immer wieder berühmte Gesichter aus dem Twitterlehrerzimmer über den Weg, die hier ihren Sitz haben. Da kommt Mrs Green aus der Tür, Christian Mayr erscheint, um uns zu begrüßen – und draußen im Garten flaniert Sebastian Schmidt auf dem Weg zum nächsten Workshop. Das alles fühlt sich wohlig warm und vertraut an – und inspirierend.

    Die Arbeitsphasen hier sind sehr intensiv, aber unglaublich bereichernd. Hier arbeiten Leute zusammen, die einfach Bock haben etwas auf die Beine zu stellen und die Dinge voranzutreiben. Und so wird in den nächsten Tagen so einiges geleistet: Man berät, konferiert, kreiert, kollaboriert, gibt Feedback, arbeitet kollaborativ an Verbesserungen; teilweise auch in Hybridsitzungen, in denen man abwesende Mitglieder einfach per Vis-a-vid zuschaltet – und abends haut man sich die Wampe in einem hervorragenden indischen Restaurant direkt gegenüber voll  😎 Klingt toll? Ist es auch!

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  • Allgemeines,  Alltag

    Osterferien – Frühjahresputz

    Die Osterferien gehen zu Ende – und mit ihnen eine mehr als zweijährige (!) Zeit in der Schule, die äußerlich von Corona geprägt ist: Nachdem vor den Ferien die Maskenpflicht großflächig aufgehoben wurde, endet nach der nächsten Woche nun als Nächstes die reguläre Testpflicht im Unterricht. Wer dann infiziert im Klassenzimmer sitzt, lässt sich nicht mehr feststellen. Ob das eine gute Entscheidung war, werden wir in den nächsten Wochen sehen. Aber in den verschiedenen Kollegien geht man in die nächste Phase der vorgegaukelten Realität mit einem gewissen Magengrummeln. Man erwartet Chaos. Beziehungsweise ich.

    Umso wichtiger daher zumindest im heimischen Arbeitszimmer für die nächste Runde für etwas Ruhe zu sorgen. Ein Frühjahrsputz stand auf dem Programm und förderte lang geglaubte Schätze Plunder ans Tageslicht: Dutzende von gebrannten CDs, Uniunterlagen von längst vergessenen Seminaren, Hunderte von Lernkärtchen aus dem Referendariat, alte Ordner, Bewerbungsmappen, Stifteboxen, Zettelkästen, Overheadfolien. Und Bücher, Bücher, Bücher.

    Goodbye, Lernkärtchen aus dem Referendariat

    Schnell war klar: Das Zeug muss raus. Daher alles rabiat weggeworfen, was veraltet ist. Bücher zu Momox oder – wenn kein Ankauf möglich – zu ebay oder den Kleinanzeigen (bei momox gehen gefühlt aktuelle Lehrwerke ganz gut. Ausrangierte ältere Materialien bringen bei eBay was ein, wo Momox gar nicht erst ankauft). Analoge Büroartikel werden ans Kollegium und Sekretariat verschenkt, Elektronik ab auf den Wertstoffhof oder auf Kleinanzeigen. Das Ergebnis ist bereits nach drei Tagen bemerkenswert. Mein Bücherregal ist knapp 9 Kilo leichter (!!!) und von ca 3 Metern alter Literatur befreit, der Schreibtisch kommt ohne einen tatsächlichen Stift aus. Mein altes Tablet verrichtet nun brav in Freising seinen Dienst. Und Momox bietet mir für meinen ausrangierten Lesepark knapp 60€. Ganz ordentlich. Also buchstäblich 😎

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  • Technik

    H5P Olé – Folge 18: Single Choice Set

    Es wird mal wieder ein bisschen Zeit für ein bisschen H5P-Zauberei. Allerdings ist es dieses Mal keine fulminante, aufwendige Täuschung, sondern eher eine kleine Trickserei aus dem Standard-Repertoire: Das Single Choice Set gilt als eine der einfachsten Aufgabentypen bei H5P, um zu einer gestellten Frage aus eine Reihe an vorgegebenen Antworten die richtige auszuwählen. Gleichzeitig ist es aber einer der meist genutzten H5P-Apps. Denn das Single Choice Set findet sich in einer Reihe von kombinierten Aktivitäten wie der Virtual Tour wieder. Daher schauen wir uns mal ein Single Choice Set genauer an. Folgendes zum Beispiel:

    Wie wird’s gemacht?

    Wie immer wird das Single Choice Set aus der Liste an verfügbaren Aktivitäten im H5P-Hub ausgewählt. Dort öffnet sich die altbekannte Maske, in der es wie immer ein paar grundlegende Kategorien festzulegen gilt.

    Altbekannte bei den Kategorien des Single Choice Set

    Unter Titel legt man zunächst einen aussagekräftigen Namen für die Aktivität fest. In der Liste der Fragen werden die Fragen eingestellt, die zu beantworten sind. Eine Frage ist hierbei Minimum, weitere lassen sich problemlos mit dem blauen Button Frage hinzufügen erstellen. Unter Alternativen trägt man die möglichen Antworten zu der zu prüfenden Fragestellung ein. Die oberste Option ist hierbei stets die korrekte.

    Et voilà! Wir sind fertig. Alles andere ist Kosmetik.

    Zusatzoptionen

    Unter der Gesamtrückmeldung kann man wie immer Notengrenzen und vorgefertigte Feedbacks einstellen, die den Klassen nach getaner Arbeit angezeigt werden. Die Verhaltenseinstellungen eröffnen einige Optionen, die Auswirkungen auf die Aktivität während der Durchführungen haben. Hier lassen sich Wartezeiten zwischen den Antworten ebenso einstellen wie Soundeffekte, die bei (Nicht-)Bestehen der Fragen abgespielt werden oder eine Bestehensgrenze, die für den erfolgreichen Abschluss des Fragesets nötig ist.

    Klein aber fein: Die Verhaltenseinstellungen.

    Wie diese Aktivität von hier zu den Schülern kommt, lest ihr hier.
    Wenn ihr weitere Ideen für die Aktivität habt, schreibt mir in den Kommentaren.

    Und schon geht’s weiter mit Aktivität 19.

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  • Allgemeines,  Unterricht

    Ups and Downs

    Die letzte Woche vor den Ferien startete mit einer altbekannten Neuerung, die schon in der Vergangenheit immer wieder rückgängig gemacht wurde: Erneut war es den Klassen gestattet, die Maske im Unterricht abzunehmen. Eine Woche vor den Osterferien. Inmitten von Regionen, in denen die Inzidenz bei knapp 2000 liegt. Bei befreundeten Kollegen in Rosenheim kommt da sogar eine Tausenderschippe drauf. Wie sich das rächen wird, werden wir erst nach den Ferien erfahren. Aber ein Blick nach Österreich offenbart uns ein mögliches Szenario.

    Die Anzahl an Kindern, die ihre Masken dennoch oben lassen, ist bei uns an der Schule erfreulich hoch. Ab der Mittelstufe ist fast ausnahmslos jeder mit einem modischen Mund-Nasenschutz bekleidet. Anders als in den örtlichen Fitnessstudios, wo man nun FFP2-unbekleidet schwitzt und ächzt. So kurz vor den Ferien definitiv ein Grund, zum Sporteln vielleicht doch wieder nach draußen zu gehen.

    Passt ja ganz gut, immerhin steht der Frühling ja erneut vor der Tür. Am besten nochmal Sonne und Energie tanken, bevor es anschließend ins Schuljahresfinale und das Abitor geht. Dann auch komplett ohne Testungen. Was mit den ganzen Test-Kits passiert, die bei uns zu tausenden in Kisten verpackt sind, oder mit den Pool-Tests, für die angeblich bindende Verträge mit den Laboren abgeschlossen wurden, schauen wir mal. Es bleibt spannend. Aber jetzt erstmal entspannen. Osterferien sind. Und die werde ich sicher brauchen.

    Zum Beispiel zum Nachlesen in den Blogs und von den neuesten Zerwürfnissen im Twitterlehrerzimmer, die an mir mal wieder komplett vorübergezogen sind. Dass es dort immer wieder zu Grabenkämpfen derartiger Schärfe kommt, finde ich schade. Vor allem vor dem Hintergrund, dass wir als Lehrkräfte eigentlich mit dem De-Eskalieren von Konflikten schon eine entsprechende Erfahrung haben sollten. Für einige ist die digitale Präsenz doch dann schon ein Stück Egotour. Schade.

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  • Allgemeines,  Alltag,  Technik,  Unterricht

    Zum Quieken

    Triff mich, wie ich diese Woche meine 8. Klasse beim Quieken messe. Wir haben nämlich nach unserer Flauschaktion ein großes Problem, das akuten Handlungsbedarf erfordert: Welches der Tierbabys ist das flauschigste? Um diese existentiellen Frage auf den Grund zu gehen, lasse ich künftig bei jeder Einstiegssequenz eine App laufen, die die akustische Gunstbezeugung der Klasse in Dezibel misst. Das Tier, das am meisten quiekende Zustimmung in Form von “Ahhs” oder “Ooohs” erhält, gewinnt. Wer wird der Sieger dieses weltbewegenden Ereignisses sein? Sind es die Kätzchen? Die Dackelwelpen? Die Chinchillas? Oder das Axolotl? Bleiben Sie dran! Es wird spannend!

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  • Allgemeines,  Alltag,  Unterricht

    Tierisch

    Die achte Klasse hat genug von schlechten Nachrichten: Die Corona-Zahlen explodieren, täglich sind neue Freunde in Quarantäne, Klassenlehrkräfte infiziert, der Stundenplan durch die ständigen Krankmeldungen ein einziger Flickenteppich. Dazu der Krieg, die Disinformation, die alptraumhaften Bilder in Nachrichten und sozialen Medien, die die Kriegsgreuel an diese Generation näher denn je bringen. Nicht zu vergessen, die übel gelaunten Erwachsenen, die mit Wutreden gar nicht mehr aufhören können: Nutzlose Regierung, irrsinnige Corona-Nicht-Regelungen, hohe Benzinpreise, Hamsterkäufe von Sonnenblumenöl. Es ist furchtbar. Davon hat die Klasse nun genug. Natürlich lässt sich das nicht alles komplett ausblenden. Aber drauf rumreiten muss ja auch nicht sein. Ein bisschen Zerstreuung muss her.

    “Können wir die Lateinstunden nicht immer mit etwas Schönem beginnen?”, heißt es aus der zweiten Reihe. Aber womit denn? “Egal”, lautet die Antwort und meine Initiative ist gefragt. Aber wie soll die aussehen? Als Lateinlehrer ist die Zeit in der achten Klasse knapp. Mit gerade mal drei Stunden pro Woche muss die Unterrichtszeit gut durchgeplant und getaktet sein. Minutenlange Phantasiereisen, um die Kinder etwas aufzufangen, können wir uns im Moment nicht leisten und würden das nur mit Lernrückständen bezahlen. Es muss kurz und knackig sein. Und so entscheide ich mich erstmal für die billigste Art der Herzensheischerei: Ich lege wortlos Bilder von Tierbabies auf. Mit riesigem Erfolg. Die Klasse ist begeistert. In Nullkommanichts ist die Truppenmoral geboostet und wir widmen uns mit glänzenden Augen dem Unterrichtsstoff. Tierisch gut! Und so kommt nun jede Stunde ein neues Mini-Lebewesen in den Lateinunterricht: Welpen, Kätzchen, Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen. Und dann zum Kontrast ein paar fragwürdige Exoten aus Gottes wunderschönem Tiergarten: Haarlose Katzen. Ein Nacktmullbaby. Egal, was es ist, die Klasse findet alles toll, bittet am Ende der Stunde regelmäßig, den Baby-Zoo auch für die Lehrkraft am Beamer zu lassen. Ein kleiner Insider-Gag mit großer Wirkung. Der kleine Flausch zu Unterrichtsbeginn ist ihr kleines Refugium geworden. Wichtiger denn je.

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  • Latein,  Unterricht

    Erschreckend aktuell

    Wenn schon die letzten Weihnachtsferien bei mir schon von eklatantem Nichtstun geprägt waren, habe ich in den Faschingsferien echt einen drauf gesetzt. Ich habe wirklich nichts gemacht. Nada. Wo andere im Kollegium mal für eine Woche in die Berge zum Skifahren sind oder andere sich die südeuropäische Sonne auf den Bauch haben scheinen lassen, habe ich für eine knappe Woche das Leben eines Einsiedlers geführt. Mein Akku war einfach zu leer und brauchte ein paar Ladezyklen um wieder voll zu werden. Und so wie es aussieht, haben wir für die nächste Zeit einen entsprechenden Energietank bitter nötig…
    Der erste Tag geht recht ruppig zur Sache. Die einen Klassen lassen nun die berühmten Pooltests über sich ergehen, die anderen die übliche Schnelltestroutine. Erwartungsgemäß ist die Trefferquote mit positiven Ergebnissen hoch. Viele haben sich aus den Skigebieten eine kleine Überraschung mitgebracht. Die gesamte Verwaltungsmaschinerie, die das nach sich zieht, hält Sekretariat wie auch Lehrkräfte der ersten Stunde ordentlich auf Trab und verhindert jegliches Unterrichten. Das und der Krieg. Die Angst ist in jeder einzelnen Klasse spürbar. Alle wollen sich den Kummer von der Seele reden. Auch ich. Aber wirklich helfen tut es nicht. Wir sind alle fassungslos ob der Bilder, die uns erreichen. Die Greuel verhindern den ganzen Tag ein tatsächliches Zurückkehren zum Unterrichtsstoff. Alles fühlt sich auf einmal lapidar an. Lediglich in der neunten Klasse lässt sich die Krise erschreckend gut für das bellum Gallicum nutzen – vielleicht begibt sich der eine oder andere collega auf eine ähnliche Gedankenreise.
    Den Auftakt in die Stunde bildet eine Collage, die ich aus wahllos gewählten Schlagzeilen der letzten Woche zusammengestellt habe. Sie thematisieren die radikale Zensur, die in Russland die letzten Tage durchgesetzt wurde:
    Schlagzeien von spiegel.de und guardian.co.uk
    Letztlich bleibt damit für viele russische Zuhörer und – leser im eigenen Land nur noch ein einziger Informationskanal, über den man sich mit Nachrichten versorgen kann: das staatlich kontrollierte Fernsehen. Alternative Quellen zur Beschaffung von Meinungen und Perspektiven existieren für die meisten schlichtweg nicht. Genauso wie bei Caesar: auch hier erhalten wir sämtliche Informationen aus einer einzigen Schrift. Wir lesen über das Kriegsgeschehen in Gallien genauso wie gerade die russischen Bürger aus einer einzigen “staatlichen Quelle”. Denn Caesar ist nicht einfach nur Anführer in einem militärischen Konflikt. Er ist Politiker. Er ist Hauptakteur in seinem eigenen Werk. Und er muss sicher stellen, dass sein Bericht so klingt, dass er glaubwürdig erscheint und man ihm alles darin Geschilderte auch abnimmt. Aber können wir das als Leser?
    Sind die Helvetier tatsächlich so kriegslüstern und egoistisch wie es im bellum Gallicum geschrieben steht? Greift Caesar tatsächlich nur deswegen ein, weil er von den anderen gallischen Stämmen zu Hilfe gerufen wird? Wie viel ist davon wahr? Und stört es uns, dass uns eine alternative Perspektive fehlt? Wir ertappen uns nur allzu gerne dabei, wie man beim Lesen dem Autor Caesar auf den Leim geht. Die Helvetier? Saubeutel! Einfach in die Nachbargebiete einfallen! Dieser Divico? Was für eine Diva! Erst Frieden erbetteln wollen, aber dann völlig überzogene Forderungen stellen und beleidigt abdampfen. Denen gehört völlig zu Recht der Hintern verhauen! Für den Leser ist im bellum Gallicum schnell gefühlt klar, wer in dem Konflikt der Böse ist. Aber ist dem auch tatsächlich so?
    Dieses gekonnte Stück der Leserlenkung lässt sich aktuell auch in der eindimensionalen Medienlandschaft in Russland erfahren: Auch dort ist klar, wer der Bösewicht ist. Das Nachbarland ist von gewaltbereiten Nazis durchsetzt, die vor allem russisch-stämmige Mitbürger unterdrücken (so wie die Helvetier ihre Nachbarn). Klar, dass man hier zu Hilfe eilen und entmilitarisieren muss. Die Parallelen enden hier aber nicht: Caesar hat seinen Konflikt erst auf eine Grenzregion zum römischen Reich beschränkt, bevor er anschließend eben mal im Vorbeigehen in das komplette Land einmarschiert ist. Die Parallelen zu den Invasionsstufen auf russischer Seite sind erschreckend ähnlich. Und wie bei Caesar am Ende Gallien nicht genug ist, und es schließlich ein paar vorsichtige Kundschaftsmissionen in Richtung Germanien gibt, stellt man sich am Ende der Stunde die Frage: Bleibt es bei der aktuellen Invasion tatsächlich nur bei einem Land? Oder geht es einfach weiter?
    Quellen zur den Headlines:
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