• Allgemeines,  Unterricht

    Ein Guter Plan 2026/27

    Nach einer kleinen Odyssee (danke, DHL!) erreichte mich ein Monat nach Bestellung nun  zum dritten Mal in Folge die EDU-Version vom guten Plan. Da hat sich dieses Mal ganz schön was geändert, womit ich persönlich so gar nicht gerechnet hatte. Das gute Stück war bis auf ein paar Mankos wirklich perfekt für mich und für meine Arbeitsorganisation ein echter Erfolg. Aber eins nach dem anderen.

    Das (nicht mehr ganz so schöne) Äußere

    Anders als in den Vorjahren ist das Design dieses Mal ein bisschen schlanker. Das handschmeichelnde Hardcover aus leider sehr fleckenanfälligem Leinen ist mittlerweile einem Softcover gewichen, das leider nicht mehr so gut in der Hand liegt wie das bisherige. Das betrifft auch ein bisschen das Innenleben. Die erste Doppelseite des Planers war mit dem schwarzen Reliefpapier ein echter Handschmeichler. Ich kann gar nicht zählen, wie häufig ich unbewusst immer wieder darüber gestrichen habe. Das ist jetzt alles mausgrau und aalglatt. Aber natürlich wie immer alles hervorragend verarbeitet. Woran sich designtechnisch allerdings die meisten stören, stößt auch mir bitter auf: Nämlich der Sinnspruch direkt auf dem Cover. Gefällt mir überhaupt nicht – sowohl in Font als auch in Bedeutung.
    Come on…

    Ich weiß, er zielt ganz und gar auf Achtsamkeit, aber suggeriert unbewusst, dass der Besitzer des guten Plans nicht so recht weiß, was er da tut. Das hätte ich gerne im nächsten Schuljahr gerne einfach weg. Für dieses Jahr überklebe ich das besser – zum Beispiel mit einem Sinnspruch aus dem Demotivationskalender von Zero Potential.

    Rechts der Gute Plan von letztem Schuljahr – links das Update für 2026/27

    Das Innenleben

    Am Innenleben hat sich indes kaum etwas geändert – bis auf die tollen Aufkleber, die dieses Mal einfach wegrationiert wurden (😮). Schade! Die bekannte Drei-Teilung in Achtsamkeitsteil – Terminkalender – Listen ist dafür geblieben. In Ersterem finden sich über weite Strecken dieselben Achtsamkeitsübungen wie in den Vorjahren – was ich keineswegs für ein Manko halte. So kann man über die Jahre wunderbar einsehen, was sich in dieser Hinsicht getan hat. Bin ich zu Beginn dieses Schuljahres gestresster als noch vor zwei Jahren? Wie hoch ist jetzt mein Glücksindex im Vergleich zu vor 12 Monaten? Diese Stringenz hilft mir persönlich ganz wunderbar, mich weiter zu organisieren. Oder die Zügel auch mal locker zu lassen.
    Was leider immer noch fehlt, sind in den Planer gebundene Seiten für Klassennoten. Die gibt es wie immer zum Download, aber die muss man wieder extra irgendwo einkleben. Genau wie letztes Jahr habe ich dafür durchsichtige Klebehüllen in Dreiecksform in den Einband ans Ende geklebt. Das hat schon letztes Jahr gut geklappt. Aber trotzdem: in einem EDU-Kalender für Lehrkräfte sowas nicht zu integrieren, ich echt schwach. Natürlich kann man argumentieren, dass die EDU-Version auch für Dozenten, Studierende oder Schülerinnen und Schüler geeignet sein soll. Aber auch diese Gruppen könnten derartige Vorlagen für ihre Zwecke nutzen… oder ignorieren.
    So ist man gezwungen, Notenlisten separat in loser Blattform zu führen. Sollten die mal verloren gehen, ist datenschutztechnisch die Hölle los.

     

    Tipps für Schnickschnack

    Zur zusätzlichen Aufhübschung kann ich auch wieder mal den Drehgriffel von Leuchtturm 1917 und einen dazugehörigen Pen Loop empfehlen. Die passen farblich immer wunderbar zu dem Planer und sind jedes Mal aufs Neue ein haptisches Erlebnis. Man muss sich ja auch irgendwie zur analogen Entschleunigung motivieren.
    Mit den Utensilien von Leuchtturm 1917 kann man den guten Plan noch ein bisschen aufhübschen
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  • Allgemeines,  Alltag

    Sag’s mit Blumen

    Die Blume ist ja bekanntlich ein vielgeliebtes Geschenk, wenn es um Abschiede geht. Dieser gab es zum Ende dieses Schuljahres gleich mehrere in allen möglichen Varianten: Meine fünfte Klasse schenkte mir zum Abschied ein kleines Sträußchen. Eine Schülerin aus meinem Informatikkurs kredenzte mir eine selbstgemachte Lilie aus Pfeifenreinigern. Eine Schülerin aus der siebten Klasse hat mir eine Papierblume gebastelt. Alle floralen Erzeugnisse stehen nun in einer Vase vereinigt zu Hause bei mir und erinnern mich an ein Schuljahr, das irgendwie anders war als die anderen. Nach außen hin gab es wie immer das übliche Allerlei aus Tests, Korrekturen und Konferenzen. Dann aber auch ein paar Neuerungen, die für ein bisschen mehr Würze sorgten. Der pädagogische Nachmittag zur 1:1-Ausstattung zum Beispiel. Und die anschließende Einführung und Integration in den Unterricht. Dann das erste G9-Abitur, das uns als Schule gut auf Trab gehalten hat. Aber es ging wie immer alles gut aus. Die Noten waren ganz ordentlich. Die Abschlusskurse waren ganz zufrieden – ebenso wie die betreffende Lehrkraft. Und das nicht nur, weil sie sich auf der Abizeitung in den Kategorien “Bester Unterricht” und “Bester Humor” auf Platz 2 wiederfindet. Und in der etwas kryptischen Disziplin “trifft man beim Weggehen im Club”. Denn an diesem Schuljahr war etwas anders. Für mich war es machbar. Es gab keinen Moment, wo man das Gefühl hätte, dass einem alles über den Kopf wächst. Der Fokus war dieses Jahr einfach ein anderer und er lag deutlich mehr im privaten Bereich. Und Schule war dieses Jahr einfach “nur” Schule.
    Daher war auch online alles, was mit Schule bei mir zu tun hatte, eher Mangelware. Man merkte es am Blog oder an den Beiträgen in den sozialen Medien. Aber das ist in Ordnung. Muss ja auch mal sein.

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  • Allgemeines,  Alltag,  Unterricht

    Vom Kleben

    Das Schuljahr geht jetzt doch in Sause-Schritten seinen gewohnt rasanten Gang, sobald der Kalender in den Juli gerutscht ist: Wandertage, Museumstage, Zeugniserstellung, Notenkonferenzen, Klassenkonferenzen, Respizienzen… Es geht wieder los. Und dieses Jahr ging es tatsächlich einigermaßen gemächlich für mich, auch wenn in dem Schuljahr definitiv nicht weniger los war als sonst. Dank meines analogen Terminplaners hatte ich die Sachen gefühlt immer gut im Griff. Keinen einzigen Termin habe ich dieses Jahr vergessen, weil ich brav alles eingetragen habe, anstatt alles in Google-Kalendern zu stecken bzw. stecken zu lassen, wo ich mich früher irgendwann komplett verloren habe.

    Was mit diesem Achtsamkeitskalender jedes Jahr aufs Neue kommt, ist ein kleiner Bogen von Aufklebern, mit dem ich in der Regel nie so wirklich weiß, was ich damit anfangen soll. Dieses Mal fing ich damit an, Verunreinigungen und Kleckse auf dem schönen Leineneinband des Planers zu überkleben, damit die Rotstiftflecken darauf nicht aussahen, als hätte ich in meiner Schultasche ein mittelschweres Massaker begangen. Allerdings sind noch ganz viele davon über. So tollpatschig verteile ich die Tinte dann doch nicht quer über meinen Arbeitsmaterialien.

    Und so verschwende ich diese nun großzügig im Unterricht mit meiner fünften Klasse. Bei all den Motiven, die aktuell noch verfügbar sind, sticht eines heraus, auf das vor einem Monat noch gar keiner reagiert hätte. Jetzt bricht die Klasse unisono ins Singen aus. Und jeder, der mal ein bisschen TikTok oder Instagram gehört hat, weiß sofort, was ich meine. Welcher ist es? Klickt mal drauf…

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  • Allgemeines,  Alltag,  Unterricht

    The heat is on

    Joa, nett warm ist es gerade. Was heißt gerade… Schon seit knapp zwei Wochen kennt das Thermometer nur noch den Weg nach oben. Seit dieser Woche haben wir konsequent Temperaturen jenseits der dreißig Grad in München. Und in den Räumen so langsam auch: Unsere Klassenzimmer haben allesamt Ostausrichtung. Lüftungen oder gar Klimaanlagen sind nirgendwo verbaut. Wir haben Vorhänge und machen das, was wir in Corona ja so gut gelernt haben – Lüften (solange es noch “kühl” draußen ist). Ansonsten können wir eigentlich nur ertragen und das Beste draus machen. Meinen Platz im Lehrerzimmer unter dem Dach habe ich daher aktuell geräumt. 31 Grad wurden da oben gestern gemessen. Das geht nicht. Eine Möglichkeit auf Durchzug existiert nicht, weil sich im Korridor die Fenster lediglich kippen lassen. Das hilft nicht wirklich.
    Manche verlegen daher den Unterricht nach draußen. Aber auf dem Pausenhof muss man schon gut auf die Arbeit fokussiert sein, um nicht ständig abgelenkt zu werden: Von Außengeräuschen, von anderen Klassen, die dort genau dasselbe tun, von Leuten in Freistunden, die über den Hof rennen, von Klassen, die interessiert vom Gebäude aus neidisch auf den Unterricht im Freien herabblicken. Da müssen sich schon alle gut zusammenreißen.
    Ich habe mein Hitzegame mittlerweile ordentlich aufgestockt. Für mein Lehrerpult habe ich mir einen nerdigen USB-Ventilator geholt, die Klassen werden mit einer Blumenspritze bedacht, die ich jeden Tag aus dem Tiefkühlfach hole. Regelmäßig laufe ich mit dem Ding durch die Unterrichtsstunden und besprühe die Lernerschaft. Und wer richtige Antworten auf Fragen liefert, wird extra mit einer kleinen Wasserdusche bedacht. Vielleicht etwas schräg. Aber die Motivation hat sich bei den tropischen Innentemperaturen dadurch exponentiell verbessert.
    Mein neues Hitze-Setup
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    3.3
  • Allgemeines,  Prüfungen

    Abitur 2026… we’re done

    Sodale, jetzt neigt sich die Abiturkorrektur so langsam dem Ende zu. Bei mir gab es heute nochmal die mündlichen Prüfungen in Englisch oben drauf, die allesamt ganz ordentlich gelaufen sind. Dennoch: Wenn man sich die Abiture der G8-Jahrgänge anschaut, fallen doch ein paar Unterschiede auf:

    • Die Organisation ist noch einmal deutlich komplexer geworden. Und wenn man auch noch externe Bewerber und Personen mit Zeitzuschlag hinzufügt, stehen die Kollegien und Raumplaner bei einer kompakten Schule schon vor ganz schönen Problemen, die es zu lösen gilt.
    • Die neuen Aufgabenformen stiften eher Unruhe und Konfusion als dass sie neue Kompetenzen abprüfen. Diese cartoon-based composition war vollmundig als etwas umfassend Neues und Kompetenzorientiertes angepriesen worden. Dieser etwas uninspirierte Mix aus Cartoon-Analyse und Mediation geht aber nicht so ganz auf. Auch dass es am ISB jeweils nur eine illustrierende Prüfungsaufgabe pro Leistungsniveau gab, half bei der Vorbereitung nicht wirklich. So wurschtelte man sich als Kursleitung nach bestem Wissen und Gewissen durch – und bog bei der Bewertung alles so gut es ging zu einem glücklichen Ende. Offensichtlich war das auch dem Ministerium so rückgemeldet worden. Denn die ach so neue Aufgabenform war nirgendwo in den Abituraufgaben zu finden.
    • Es ist schier unmöglich, im schriftlichen Abitur eine bodenlos schlechte Note zu bekommen. Das Hörverstehen zählt ganze 20% der Gesamtnote! Das heißt faktisch kommt auch jemand, der in den Schreibaufgaben im Schnitt irgendwo bei vier Punkten rumkrebst, mit einer einigermaßen passablen Listening Comprehension auf 7-8 Punkte. Eine solide Drei. Das ist schon Wahnsinn.
    • Die Schülerschaft wirkte dieses Jahr etwas irritiert und unsicher auf mich. Die häufigste Frage meiner Schützlinge war “Welches Spezialthema würden Sie mir empfehlen?” Und zwar fast durchgängig. Dass man sich mit 19 Jahren nicht selbständig zu einer Entscheidung durchringen kann, war mir völlig neu. Dabei bietet die Oberstufe in Englisch schon sehr interessante Themen, die eigentlich jedem Gusto etwas bieten sollten. Schade…
    • In den mündlichen Prüfungen bekam ich gelegentlich Falschinformationen als Fakten präsentiert – und das mit einer Inbrunst der Überzeugung, dass sich der Verdacht aufdrängt, dass ein paar Leute die Vorbereitung mit KI bestreiten, die gelegentlich einfach durchdreht. Wenn mir die Ukraine als NATO-Mitglied angepriesen wird, die nun alle anderen Mitglieder zum Eingreifen zwingt, bimmelt da bei mir ein gewisser Propaganda-Apparat durch. Unheimlich.
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  • Allgemeines,  Prüfungen

    Alles neu: Abitur 2026

    Tja, und da liegt es wieder. Ein schöner Stapel mit Abiturprüfungen. Das erste G9-Abi, das sich in Englisch beweisen muss. Das letzte Mal habe ich viel über die Korrekturen geschrieben und getrackt, was denn ein komplettes Abitur so an Zeit bedeutet. Das habe ich jetzt hinter mir und sehe deswegen auch keinen großen Sinn, darüber noch einmal zu schreiben.
    Viel interessanter fand ich in diesem Zusammenhang die neuen Regelungen  mit der Abschlussprüfung. Denn aufgrund des Themas KI und Handynutzung während Prüfungen wird dieses Mal ein ganz schöner Aufwand betrieben:. Schülern ist zum ersten Mal zur Prüfung ein gewisser Dresscode vorgeschrieben worden. Alles mit Knöpfen oder Kapuzen ist verboten. Stifte muss die Schule selbst stellen. Wenn die Schüler mit ihren eigenen Schreibgeräten schreiben wollen, weil es der Glücksfüller vom Lieblingsonkel ist, müssen die Stifte im Vorhinein abgegeben und inspiziert werden. Auch Radiergummis und Spitzer haben wir dieses Mal  zur Verfügung gestellt. An manchen Schulen ist auch die Rede davon gewesen, Frequenzscanner einzusetzen, die die Umgebung nach eventuellen Handystrahlen absuchen für den Fall, dass jemand am Klo ein Smartphone deponiert hat, um ins Internet zu gehen.
    Allein dieser vororganisatorische Aufwand ist immens und stellt uns in der Prüfungzeit gleich nochmal ein paar neue Hindernisse in den Weg. Die Abiturprüfung selbst ist auch gleich wieder so ein Din: Das Hörverstehen wird wie immer am Tag vor der eigentlichen Prüfung Probe gehört. Vor knapp 7-8 Jahren trudelten deswegen immer gepresste CDs vom Ministerium ein, die es dann abzuhören galt. Seit ein paar Jahren macht man das einfach per Download-Portal, das aber auch nicht so einfach ist: Die ZIP-Datei mit den enthaltenen Audiodateien kann man schon Tage vorher herunterladen. Das dazugehörige Passwort wird separat verschickt – und zwar am Tag vor der Abiturprüfung. Allerdings ist es jetzt nicht so, dass man einfach diese Datei auf einen Stick zieht und das war’s. Der Schulleiter muss die ZIP-Datei in ein extra zur Verfügung gestelltes Tool hochladen mit dem Passwort “füttern”, sodass die darin enthaltene MP3-Datei entschlüsselt wird. Diese wird dann auf USB-Sticks gezogen, die hinterher mit einem weiteren Passwort per BitLocker gesperrt sind. Was für ein Aufwand.
    Die Prüfung selbst ist, zumindest soweit wir sehen können, insgesamt ganz machbar. Allerdings ist uns nicht klar, warum gewisse Aufgaben, die seit zwei Jahren penibel mit Probeabituren und illustrierenden Prüfungsaufgaben eingeübt werden sollen, auf einmal in der eigentlichen Prüfung gar keine Rolle spielen. Die Cartoon-Based Composition, die uns ja als große Neuerung als Aufgabentyp angekündigt worden war, taucht in keiner der Textproduktionsaufgaben auf. Weder im grundlegenden noch im erhöhten Aufforderungsniveau. Das ist schon ein bisschen schräg.

     

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    4.3
  • Alltag,  Unterricht

    Von Glaubenssätzen

    Wenn der Chef in der Pause anruft, steht etwas Akutes an. Und so ist es auch. “Kann ich nach der Pause in Ihren Englischunterricht kommen?” Der berühmte Unterrichtsbesuch steht an – ein essenzieller Baustein für die anstehende Beurteilung. Und auf einmal fühlt es sich wieder wie früher an: Der Seminarlehrer im Unterrichtsversuch, die Lehrprobe, die Besuche vor der Lebenszeitverbeamtung, vor den Beförderungen. Man ist sofort im alten Muster. Und der Körper ist es auch: Stress breitet sich aus. Adrenalin. Ein bisschen Panik. Denn meine Stunde in der Oberstufe so kurz vor dem Notenschluss ist jetzt nicht so der Brüller. Um genau zu sein besteht mein Konzeptpapier in Evernote für die Stunde aus exakt drei Wörtern: Wiederholung – Text interpretieren – Video. Ich setze mich sofort hektisch hin und versuche, das Konzept zu erweitern, für den Fall, dass mir in der Aufregung etwas durch die Lappen geht oder ich den Faden verliere… bis ich plötzlich innehalte. Aus dem Nichts schält sich auf einmal ein Gedanke aus dem Panikwust. Ein bislang ungekannter, den ich in solchen Situationen noch nie hatte: Was soll dir denn passieren?

    Ich bin Studiendirektor, ich bin Systembetreuer, ich habe mittlerweile über 15 Jahre Unterrichtserfahrung. Sofern ich niemanden aus dem Fenster werfe, wird mir nichts passieren.
    Und wie aus dem Nichts geht mein Puls sofort runter. Das Adrenalin versiegt. Ich atme durch. Und mach mich auf in die Stunde.
    Und sie lief.
    Warum auch nicht? Shakespeare ist Selbstläufer. Aber ich bin das auch. Aus dem Stegreif fallen mir Kniffe ein, um die Stunde aufzulockern, zu öffnen, kollaborativer zu gestalten. Für die Textanalyse schicke ich den Kurs in Dreiergruppen nach draußen, um die Szene zu dritt zu spielen und vorzusprechen und hinterher mit den Ergebnissen reinzukommen. Irgendwann stehe ich mit dem Chef im leeren Klassenzimmer und müssen beide kichern. Um in einen leeren Klassenraum zu starren – dafür ist er nicht vorbeigekommen. Aber alles klappt besser als erwartet. Auch das Zeitmanagement. Ich ende mit dem Gong. Ohne ein einziges Mal auf die Uhr zu schauen. Man fühlt irgendwann, wenn sich die Stunde dem Ende zuneigt. Mittlerweile hat man ja schon tausende gehalten.
    Aber spannend ist das schon, wie eingefahren man ist. Dass Trigger von damals auch die Verhaltensweisen von damals aufrufen. Klar, der Trigger ist derselbe. Die Situation ist es nicht. Der Kopf weiß das. Das Nervensystem aber nicht.

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    5
  • Allgemeines,  Alltag

    Osterferien

    Die Osterferien beginnen, wie es sich für einen ordentlichen Beamten gehört: Nämlich krank. Wie aus dem Nichts kommt eine Fetzenerkältung ums Eck und setzt mich für Tage außer Gefecht. Ist nicht weiter wild, die Ferien waren ohnehin auf ereignislos geplant gewesen. Nerven tut es trotzdem. Naja, zumindest kann man im Krankenstand die nächsten Schulwochen planen. Dem Hirn ist die Schnupfennase ja herzlich egal.
    Worum sich jetzt vorrangig erstmal alles in der Oberstufe dreht, ist ohnehin klar: Das erste G9-Abitur rollt an. Und es wird groß. Nicht nur, dass die Termine für die Prüfungen der einzelnen Fächer sich auf einmal vervielfacht haben. Auch die Anzahl der Prüflinge ist gut angestiegen. Zumindest bei uns. Neben unseren eigenen Leuten kommt jetzt auch eine nicht zu vernachlässigende Zahl an externen Abiturienten dazu, die wir mehr oder weniger zum Nulltarif mitprüfen dürfen. Halt, man darf das ja abrechnen. Für 2,20 Euro pro Zeitstunde. Und 2,80 bei zwei. Danke fürs Gespräch.
    Vor den Ferien ging es traditionsgemäß mit den Kolloquiumskandidaten in ein erstes Grundgespräch, da sich diese möglichst bald für ein Spezialthema festlegen sollten. Für mich völlig ungewohnt war dieses Jahr grundsätzlich die häufigste Frage: Welches Spezialthema würden Sie mir empfehlen? Und genau so häufig wie auch einhellig war jeweils die Reaktion auf meine Antwort “Wähle einfach das Thema, das dir am meisten zusagt”. Nämlich ungläubige Blicke.
    Eins kann man dem Lehrplan in Englisch in der Oberstufe nämlich nicht ankreiden: Nämlich, dass er uninteressant ist. Vor allem in diesen unruhigen Zeiten ist da so viel dabei, was am Puls der Zeit ist und bei jungen Leuten so viel wachrütteln sollte: Social media, fake news, globalisation, media literacy, the American Dream, generational gaps. Da ist so viel für einen selbst drin. Und letztlich sehe ich dann die Leute sich für die Themen entscheiden, die am wenigsten Unterrichtszeit in Anspruch genommen haben – vermutlich in der Hoffnung, dass der Lernstoff dann möglichst überschaubar bleibt. Das ist schon ein bisschen traurig.
    Egal, schaut mal: Frühlingsboten!
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    Bild mit KI für den Unterricht nutzbar machen – ein Snippet

    Das Thema KI ist bei mir tatsächlich immer noch ein bisschen stiefmütterlich behandelt. Wenn ich immer sehe, was die jungen Referendarinnen und Referendare damit alles so anstellen, wird mir immer ganz schwindelig. Das ist schon insgesamt eine ziemlich geile Technologie. Aber wenn einem einfach die Vorstellungskraft fehlt, was sich damit alles anstellen lässt, steht man oft einfach schulterzuckend daneben. Nichtsdestotrotz komme auch ich immer wieder zu netten kleinen Twists mit KI, die mir richtig viel Zeit ersparen. So auch für den Tag der offenen Tür.
    Da ging es in der Probestunde für die Fünftklässler um römische Aquädukte. Ich wollte ein Bild vom Pont du Gard als Vorlage für eine Übung nutzen. So sieht das gute Ding aus:
    Der Pont du Gare – fotografiert von Wolfgang Pehlemann
    Früher hätte ich einfach das Bild in ein Malprogramm (Gimp, Krita, Sketchbook, Procreate) geladen, eine Ebene über das Original gelegt und dann mit einem digitalen Stift krakelig nachgezeichnet, eventuell noch ein bisschen schraffiert, alles exportiert und in das Arbeitsblatt eingefügt. Das alles kann, wenn es einigermaßen nach etwas aussehen soll, durchaus mal eine halbe Stunde dauern – zumindest bei mir. Mit einer KI-Engine geht das in Windeseile. Ich habe in der ByLKI das Originalbild hochgeladen mit einem Prompt, in dem ich darum gebeten habe, das Bild auf schwarz-weiß zu reduzieren, alle unnötigen Details zu entfernen, weil ich viel Fläche für Textfelder benötige. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen und war in vielleicht 20 Sekunden erstellt. Vielleicht hilft dieser kleine Kniff ja dem einen oder anderen.
    Die fertige KI-Skizze – sehr brauchbar
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  • Allgemeines,  Alltag,  Technik

    Von Sparmaßnahmen

    Es ist mal wieder soweit. Das alljährliche Treffen für Systembetreuungen in München Stadt fand Stadt… äh… statt. Wo wir letztes Jahr in einem Schulgebäude vom Allerfeinsten untergebracht waren, empfängt uns dieses Mal das komplette Gegenteil. Im Münchner Osten wartet auf uns ein Betonklotz aus dem 70er Jahren mit vollgeschmierten Toiletten, grusligen Kindermalereien an den Wänden und eine Aula, wie man sie in einer der reichsten Städte Deutschland nicht vermuten würde: Die Decken sind mit Metallstreben abgestützt, ein Großteil der Fenster mit Gaffertape gesichert. Streckenweise sind sie komplett zugeklebt. Dass man in so einem Ambiente nichts Gutes zu erwarten hat, ist von Anfang an zu spüren. Tja und so kommt es dann auch.
    Die Stadt hat – oh Wunder – kein Geld. Entsprechend werden im IT-Bereich für Schulen auch ordentlich Mittel gekürzt. Kompensationsstrategie ist immer dieselbe: Man schraubt alles herunter. Die Anwesenheit der Servicetechniker, die in den Schulen nach dem Rechten sehen*, die Anzahl an Rechnern, das Budget für die Ausstattung in den Klassenzimmern, was oftmals natürlich auch eine Verschlechterung des Equipments bedeutet. So verspricht man künftig in den Klassenzimmern keine IWBs mehr, sondern digitale Displays, die komplett kabellos funktionieren. So weit, so gut, nur fällt bei der Übertragung von Video die Bildwiederholungsrate auf 5 bis 10 Frames pro Sekunde herunter. Damit sind die Dinger für viele Unterrichtsszenarien einfach unbenutzbar. Der Mangel ist bekannt. Man setzt die Installation aber gnadenlos durch. Die Modelle sind einfach billiger.
    Was man hingegen hochschraubt, ist das Thema Sicherheit. Und zwar so hoch, dass wir AWBs zu einem großen Teil unsere Rechte im System verlieren werden. Ebenso verlieren wir unseren externen Partner für die Verwaltung der iPads. Das MDM wird in diesem Zusammenhang auch eingezogen und durch ein neues ersetzt. Im Feldversuch hat dieses erstmal einen Großteil der angeschlossenen Geräte unaufgefordert gelöscht.
    Läuft also.
    * Wir AWBs dürfen eigentlich dieses Fehlen auch nicht mehr kompensieren wie früher, weil wir eigentlich kein einziges Kabel mehr anfassen dürfen – aus Versicherungsgründen 🙄
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