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    Runde 6 der Edublogparade 2024

    Vorbemerkung: Eine Reihe von bildungsaffinen Bloggern hat sich zum Ziel gesetzt, 2024 häufiger thematisch gemeinsam zu bloggen. Die Themenvorschläge werden an dieser Stelle gesammelt, alle Beiträge zum aktuellen Thema werden unter dem Beitrag gesammelt.

    Ich weiß, dass zu Runde 6 der Edublogparade ein paar sehr kämpferische und motivierende Beiträge eintrudeln werden. Das gibt das aktuelle Thema einfach her: “Politische Bildung in der Schule: Was bedeutet antifaschistische Bildung? Wie können Pädagog*innen Antifaschismus erklären, lehren und unterstützen?”, fragt Jan-Martin ins Netz. Und ich bin mir sehr sicher, dass sehr viele Leute dazu hervorragende Antworten liefern werden.

    Ich hingegen will in eine leicht andere Richtung gehen und damit vermutlich eine satte Themaverfehlung einfahren. Ich weiß, dass wir Lehrkräfte im Thema Antifaschismus gefragt sind – vermutlich je als mehr zuvor. Und genau das bereitet mir Bauchschmerzen. Wie kann es sein, dass dies im Jahr 2024 immer noch nötig ist?

    Im falschen Film

    Die Nachkriegszeit, die Wiedervereinigung, das Zusammenwachsen Europas – alles in der Politik war in der ersten Hälfte meines Lebens auf Aussöhnung und Harmonie ausgerichtet, um die Wunden zu heilen, die die Vergangenheit geschlagen hat. Wie kann das auf einmal für einen nicht unbeträchtlichen Teil der Leute unerwünscht sein? Bin ich in einer rosaroten Wolke politisch so in eine Bubble abgeglitten, dass mir konservative Parteien schon seit geraumer Zeit nicht mehr als solche vorkommen? Dass man Verleumdung und Hass in der Politik mittlerweile in einem Ausmaß ausgesetzt ist, dass ein Großteil der Leute völlig abstumpft und irgendwann ungerührt mit den Schultern zuckt? Oder ist man selbst übersensibel, wenn einem gewisse Dinge persönlich deutlich mehr aufstoßen als sie in den Medien die Runde machen?

    Politisches Zimperlieschen?

    Wenn auf Sylt irgendwelche Bonzenkinder völlig unverhohlen Nazisprüche raushauen. Eine Frau dabei aufgrund Ihrer Hautfarbe angegriffen wird. Wenn bei Bauerndemos Puppen an Galgen baumeln. Wenn Politiker oder Wahlhelfer bei ihrer Arbeit bedrängt oder schlimmstenfalls verprügelt werden. Wenn ein rechtmäßig verurteilter Ex-Präsident eine hanebüchene Schimpftirade auf ein angeblich korruptes Rechtssystem loslässt und er dabei mit keiner Silbe erwähnt, dass das Urteil auf Beweisen beruht, an denen sich einfach nicht rütteln lässt. Und keiner stellt sich entgegen und entzieht ihnen das Wort. Stattdessen wird heruntergespielt.

    Suche nach (V)erklärungen

    Die Kids auf Sylt waren halt betrunken – nicht so wild. Aufgehängte Puppen an Galgen? – Ausdruck der Meinungsfreiheit. Verprügelte Politiker? – brauchen sich nicht zu wundern, wenn sie mit ihrer besserwissenden Art mal eine aufs Maul kriegen. 17% der Deutschen bedauern in der Sportschau, dass der Mannschaftskapitän türkische Wurzeln hat – unbequem, aber naja, sind nun mal demokratisch ermittelte Stimmungswerte.

    Aber warum gießt man mit solchen prätentiösen Umfragen, die in der jetzigen Situation ja nur nach hinten gehen KÖNNEN, absichtlich Öl ins Feuer? Warum bietet man mit solchen Umfragen entsprechendem Gedankengut eine weitreichende Plattform in öffentlichen Massenmedien? Warum lädt man eine Partei, die vom Verfassungsschutz ein entsprechendes Brandsiegel bekommen hat, tatsächlich noch zur besten Sendezeit an einen politischen Tisch und lässt von ihr den angeheizten Diskurs, den sie maßgeblich mit schlimmster Rhetorik getrübt hat, vollends zersetzen? Man lässt einen Teil des Problems am Problem mitdiskutieren und erwartet ernsthaft, dass dabei etwas Konstruktives herauskommt? Nichts kommt dabei heraus. Außer guter Quote und eine weitere Normalisierung des bislang Unsagbaren.

    Kampf gegen Windmühlen in der Schule?

    Da fällt es mir als Lehrkraft schwer meinen Mann im Unterricht gegen Faschismus zu stehen, wenn Parteien und ihr entsprechenden Gedankengut in den Medien behandelt werden als seien sie einfach eine politische Gesinnung von vielen. Wie soll ich als Lehrkraft im Unterricht aufstampfen und sagen “so nicht!”, wenn im öffentlichen Diskurs schon lange “warum eigentlich nicht?” gilt. Wirkt das für meine Klassen nicht aufgesetzt und gestellt? Soo wild ist es ja nicht, sonst wären ja bestimmte Personen und irre wirren Ideen entsprechend gebrandmarkt und bestenfalls aus der Medienlandschaft gebannt. Aber nein. Sie grinsen mir zur besten Sendezeit mit einem höhnischen Lächeln ins heimische Wohnzimmer.

    So, Rant over.

    Themaverfehlung.

    6.

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    Edublogparade – Folge 3

    Runde 3 der Edublogparade bringt wieder etwas Positivität auf den Tisch. Was den Lehrberuf attraktiv macht, ist das Thema. Mit dem Blick auf meine aktuellen Arbeitszeiten, die ich seit drei Wochen brav tracke, fällt mir es schwer, diese tatsächlich als Plus anzuführen. Es ist gerade entsetzlich viel los. So viel, dass ich nach Dienstschluss so gar nichts mehr machen möchte, was mit dem Thema Schule zu tun hat. Blogbeiträge meiner Online-Kolleginnen und Kollegen lese ich aus Zeitgründen seit Wochen nicht mehr. Es ist einfach viel. Zu viel. Und mit dem Eindruck bin ich nicht alleine. Man hört immer wieder, wie gestandene Kolleginnen und Kollegen meinen, aktuell könne man diesen Beruf dem Nachwuchs nicht mehr ruhigen Gewissens ans Herz legen. Von daher finde ich es ganz schön schwierig in dieser Runde eine gute Antwort zu finden. Denn auf der einen Seite gibt es die Anforderungen auf dem Papier, auf der anderen Seite die Sachzwänge der Realität, die immer wieder Improvisation oder schlimmstenfalls Kapitulation bedeuten. Lehrermangel, Krankheitsausfälle, fehlerhafte Technik, marode Schulgebäude, Burnout als buchstäbliche Berufskrankheit. Die Zeitungen sind voll davon. Was bringt der Lehrberuf also?

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    Im Moment leider gefühlt genau dieses.

     

     

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    EduBlogparade 2024: Mein schulisches Motto für 2024

    Ich bin gewiss nicht der “das Beste kommt zum Schluss” – Typ, deswegen verzeiht, wenn mein eigener Beitrag zur Blogparade etwas gedauert hat. Aber ich hab einfach ein bisschen gebraucht. Es ist sehr viel los gerade. Viel Unschönes. Galgen an Traktoren, geifernde Meuten vor Fähren, eine Geheimabsprache zur Deportation unliebsamer Personen. Es ist nicht auszuhalten. Noch schlimmer ist aber, wie sich die Reaktionen auf solche Entgleisungen medial gefühlt die Waage halten: Viele sind entsetzt, viele freuen sich, vielen ist es egal. Ein Konsens ist aktuell schwer zu finden. Alles zerfällt in Lager – unvereinbar. Jeder hat seine Meinung. Und seine Meinung allein. Jeder ist für sich. Jeder gegen den anderen. Getrennte Wege. Aber nicht nur dort, auch anderenorts.

    Zu viel Ich

    In unserem digitalen Lehrerzimmer zum Beispiel. Oder in unserer Arbeitswelt. Zumindest in meiner: So gerne ich mein Kollegium mag, sind wir auch im Jahre 2024 noch großenteils ambitionierte, oftmals verbissene Einzelkämpfer. Zusammenarbeit gibt es minimal. AKs sind bei uns zwar vorhanden, aber kaum mit Personal besetzt. Schulaufgabenteams existieren nicht. Jeder ist für sich. Und gelegentlich sogar gegeneinander. Beim Thema Digitalisierung klaffen zwei riesige konträre Lager. Ein Medienkonzept wird bestenfalls als Empfehlung gesehen. Wie eine Art pädagogischer Handlungsspielraum. Das ist auch bei der Schul- oder Hausordnung so: Wir machen uns das Leben unnötig schwer, da jeder bestehende Regeln für sich neu interpretiert. Manche nennen das pädagogische Freiheit. Ich nenne es Chaos: Mit Zu-Spät-Kommern geht bei uns jeder anders um. Absenzen in der Oberstufe? Der eine verzeichnet brav alles und stellt die Leute zur Rede, anderen ist es egal. Dieses Durcheinander kreiert automatisch Reibungsfläche. Natürlich stellen die Kurse ihre Lehrkörper irgendwann zur Rede. Diskussionen, die Zeit fressen. Die ermüden… und die eigentlich nicht sein müssten, wenn wir alle an einem Strang ziehen würden.

    Es sind diese Situationen, die mich fertig machen. Wieviel Zeit und Energie verschwendet wird, weil wir es nicht anders kennen! Dabei gäbe es so viele Wege effektiver zu sein, gemeinsamer mehr zu erreichen. Und genau das möchte ich dieses Jahr zu meinem Motto machen:

    Mein Motto

    Mehr wir.

    Wo auch immer es geht. Dieselbe Arbeit auf mehreren Schultern zu verteilen entlastet ungemein. Dazu müssen wir aber erst Wege finden. Und ich fang damit an. Ob das klappt, sehen wir am Ende des Jahres. Ich hab ein bisschen was vor…

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    Aus aktuellem Anlass: Geschichtsunterricht in den 90ern in Bayern

    Aus aktuellen Gründen, die mich umtreiben, da sie medial den Eindruck vermitteln, Bayern sei wieder mal der hinterwäldlerischste Fleck Erde in deutschen Landen: Ich bin in den 90er Jahren in einer bayerischen Kleinstadt nahe der Grenze zu Österreich groß geworden und aufs Gymnasium gegangen. Das Thema der Flüchtlingsströme war während des Bürgerkriegs im ehemaligen Jugoslawien alleine aufgrund der geographischen Nähe zu unseren österreichischen Nachbarn ein ständiger Begleiter in den Medien sowie auch im Unterricht – ebenso wie die hohlen Wahllosungen der Republikaner, die mit kruden Plakaten in dieser Krisenzeit Stimmung machten. Nichtsdestotrotz war für uns als Teenager durch die Geisteshaltung klar, die es zu behalten galt. Und der Unterricht in der Mittelstufe hatte daran großen Anteil: Geschichte in der Mittelstufe war bei uns in den 80ern und 90ern voll und ganz fokussiert auf die NS-Zeit und die Verbrechen der Nazi-Zeit. In der neunten Klasse lud die Schule regelmäßig zwei KZ-Überlebende ein, die uns die Grauen aus den Geschichtsbüchern mit ihren persönlichen Schicksalen bestätigten. Ein Besuch im KZ Dachau war für uns verpflichtend – und für jeden von uns ein bewegendes und zugleich erschütterndes Ereignis. Hitler- oder Judenwitze waren bei uns in der Schule tabu. Auch untereinander. Hitlergrüße zum Spaß oder Imitationen brauner Persönlichkeiten gab es nicht. Das gehörte sich einfach nicht. Mitten in Zeiten des Genozids in Srebrenica, in Zeiten von brennenden Asylantenheimen in Solingen und Rostock fand man auch im tiefsten Oberbayern Rassismus und Antisemitismus scheiße. Der “Schrei nach Liebe” war für viele von uns nicht einfach nur ein kleines, nettes Partylied für Scheunen- oder Stadlparties, das man auch nach ein paar Bieren gebührend mitgrölen konnte. Es war ernst gemeinter Protest.

    Warum schreib ich das?

    Aus aktuellen Gründen, die mich umtreiben, da sie medial den Eindruck vermitteln, Bayern sei wieder mal der hinterwäldlerischste Fleck Erde in deutschen Landen.

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    Osterferien 2021: Auferstehung

    Es gibt wohl keine Ferien, die ich jemals so herbeigesehnt habe, wie diese. Und ich bin nicht der einzige. Ins Twitterlehrerzimmer schleicht sich nach Wochen von grießgrämigen Emojis, erbosten Retweets und fassungslosen Replies auf unverständliche Regierungserklärungen endlich ein bisschen Ruhe. Die Fotorate von imposanten Eisbechern und Ausschnitten von blauem Himmel ist stetig wachsend, die Mundwinkel der Teilnehmer zunehmend nach oben gerichtet. Man atmet nach 11 Wochen Unstetigkeit im Schulgeschehen spürbar durch. Auch in der bunten Bloglandschaft.
    Herr Klinge sucht dieser Tage Oasen in allen Lebenslagen. Herr Rau backt und fotografiert. Ich tue es ihm nach und habe mir schon vor ein paar Wochen in einem Frustmoment eine neue, “richtige” Kamera zugelegt, um mich auch mal wieder ein bisschen im Entschleunigen zu üben.

    Nicht alles muss ein Snapshot sein. Manchmal lohnt es sich auch ein bisschen zu warten, bis das Motiv stimmt. Innehalten zahlt sich aus. Das werde ich auch die nächsten Wochen beherzigen. Zeit nehmen. Durchschnaufen. Langsamkeit wiederentdecken. Einfach mal nichts tun. Die Frühlingsluft genießen. Ein gutes Buch lesen. Laufen gehen. Oder auch mal wieder sich um die alten Hobbies kümmern. Projekt Game Boy Synth zum Beispiel. Den kleinen Quäker als tatsächliches Musikinstrument zu begreifen, geht nicht einfach von heute auf morgen. Aber mit ein bisschen Nachhelfen und überlegtem Herumgeschraube geht es eigentlich ganz gut. Mittlerweile bin ich sogar soweit, das Ding mit regulären Synthesizern synchron laufen zu lassen, sodass alle Instrumente im Takt bleiben. Und das Beste: Wenn ich gar keine Lust mehr habe, lassen sich auf dem Game Boy Synthie einfach die alten Spiele zocken. Durchschnaufen.

    Im Einklang
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    H5P Olé – Teil 10: Mark the Words

    Schön, dass es auch mal schnell gehen kann! Nachdem der letzte Teil unseres H5P-Kurses mit Drag and Drop doch ein bisschen fordernder war, geht’s mit Mark the Words zum Glück ein bisschen leichter. Der Name ist – wie immer bei H5P – Programm: Aus einer vorgegebenen Wortreihe müssen die richtigen Kandidaten ausgewählt werden. Diese können – abhängig vom Gusto der Person, die erstellt – inhaltlicher wie auch grammatischer Natur sein. Beides könnt ihr hier sehen:

    Wie geht’s?

    Kinderleicht. Das sieht man schon an der Maske, die sich bei der Auswahl des Aufgabentyps Mark the Words öffnet. Alles alte Bekannte, die wir schon aus den zahlreichen letzten Folgen kennen:

    In Mark the Words haben wir es mit gerade mal drei Kategorien zu tun

    In der Kategorie Titel wird eine kurze sinntragende Überschrift eingetragen. In der Rubrik Aufgabenbeschreibung landet die Fragestellung für die Kinderlein. Das Textfeld beinhaltet die eigentliche Aufgabe. Dort ist die Liste an Begriffen hinterlegt, aus denen die richtigen Antworten ausgewählt werden müssen. Diejenigen, die korrekt sind, werden ebenso wie schon bei Fill in the Blanks mit einem Sternchen links und rechts versehen. Vorsicht ist geboten, bei Ausdrücken, die aus mehreren Worten bestehen. Diese müssen mit einem Unterstrich versehen werden, damit sie H5P als zusammengehörig erkennt. Wie zum Beispiel bei den beiden Herrschaften aus Shakespeares Werken:

    Damit hat sich’s aber auch schon. Wie immer lassen sich unter den Bewertungen (siehe Unterkapitel “Und? Wie war ich?) kleine Mini-Feedbacks hinterlegen. Aber dieser Schritt ist nur fakultativ.

    Wie die Aktivität von hier zu den Schülern kommt, lest ihr hier.
    Wenn ihr weitere Ideen für die Aktivität hat, schreibt mir in den Kommentaren.

    Und schon geht’s weiter mit Aktivität 11.

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    Anekdote à la Herr Mess

    Es ist ein Tag, wie jeder andere, als mich der Wecker in der Früh aus dem Schlaf reißt. Ein Blick auf die Uhr zeigt mir das Unausweichliche an: 6.20 Uhr. Zeit aufzustehen. Wie immer läuft meine Morgenroutine wie ein Film mit festgeschriebenen Drehbuch ab. Es ist seit 15 Jahren auf Effizienz getrimmt. Jeder Handgriff sitzt. Jede Bewegung geht wie im (Halb-)Schlaf. Zähne putzen, duschen, anziehen, Kaffeemaschine an, Espresso rauslassen, kurz im Sessel genießen und den Tag vor dem inneren Auge ablaufen lassen, anziehen, Wohnungsschlüssel einpacken, Schultasche unter den Arm und dann raus aus der Wohnung. Los geht’s in den Tag, der sich im November noch wie tiefste Nacht anfühlt.
    Die Luft ist klar, als ich nach draußen trete. Die Laternen der Straße leuchten hell in der Dunkelheit und weisen mir den Weg Richtung Busstation, die an einer viel befahrenen Hauptstraße liegt und mich zur U-Bahn bringen soll. Im Halbschlaf merke ich gar nicht, wie wenig dort heute los ist. Alle 20 Sekunden passiert mich mal ein Auto. Busse sind gar nicht zu sehen. Und kommen auch wohl nicht in der nächsten Zeit. Das merke ich erst, als ich vor dem Bushäuschen stehe und den digitalen Plan studiere, der die Ankunftszeiten des nächsten öffentlichen Verkehrsmittels anzeigt. Knapp 2,5 Stunden soll ich warten. Ich stutze. Ist heute Streik? Ich hatte gar nichts davon mitbekommen. Aber bei dem Arbeitspensum der letzten Tage kann es gut sein, dass ich solche unwesentlichen Details einfach nicht mitbekommen habe. Alles kein Problem, die U-Bahn-Station geht zur Not auch zu Fuß. Also los.
    Erst jetzt fällt mir auf, wie leer die Straßen tatsächlich sind. Nicht nur Autos sind kaum zu sehen. Auch Menschen. Ab sieben Uhr sollten Leute mit Aktentaschen auf dem Bürgersteig warten, vereinzelte Schulkinder zwischen den Mengen umherwuseln. Stattdessen gähnende Leere. Nur ein einsamer Herr schlurft bei Rot mitten über die Kreuzung auf die andere Straßenseite. Er fühlt sich sicher bei dem wenigen Verkehr und schlürft genüsslich aus seiner Bierflasche, die er lässig in einer Hand umherschlenkert. Sein Ziel ist die Tankstelle, die direkt an der Hauptstraße steht. Dort hat sich eine nicht minder alkoholisierte Menschenmenge versammelt, um genüsslich zu lauter Musik mitzugröhlen. Jetzt stutze ich wirklich. Wie spät ist es eigentlich? Ich schalte erst jetzt mein Handy ein und traue meinen Augen nicht. Die Anzeige leuchtet mir grell eine Uhrzeit entgegen, was ich nicht verstehe: 3:10.
    Wie kann das sein? Ich habe doch die Anzeige auf meinem Wecker gesehen. Jetzt will ich Gewissheit. Ich breche das Unternehmen “auf zur U-Bahn” jäh ab und begebe mich auf den Heimweg, um zu schauen, ob mein Handy kaputt ist. Oder mein Wecker. Oder ich. Die verlorene Zeit kann ich schon irgendwie reinholen. Notfalls fahre ich mit dem Auto in die Schule. Also wieder zurück nach Hause…
    Im Schlafzimmer sehe ich schon von weitem die Digitalanzeige meines Weckers leuchten. Ich muss nicht direkt herantreten, um zu sehen, was die Stunde geschlagen hat: 3.20. Es ist mitten in der Nacht. Ich habe offensichtlich die frühmorgendliche Weckeranzeige geträumt und bin aus dem Schlaf in den Dämmerzustand gewandert – und von dort wie ein Zombie ins Bad, ohne dabei einen Blick auf die tatsächliche Uhr zu werfen. Die Geschichte kann ich eigentlich niemandem erzählen… Oops!

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    Retrospektive 2019/20

    Hui. Das war mal eine Blogpause. Über einen Monat blieb es hier still. Kein gutes Zeichen. Und es stimmt. Es war gegen Ende des Jahres verdammt viel los. In diesem Jahr, das wie kein anderes ist. Umso wichtiger, am Ende von 2019/20 innezuhalten und sich vor Augen zu führen, was eigentlich so alles los war. Here we go.

    • Technisch ist dieses Jahr einiges bei uns an der Schule passiert. Seit dem Update auf Windows 10 laufen die Rechner stabil und vor allem deutlich schneller. Als Systembetreuer gehen mir die meisten Handgriffe mittlerweile recht flüssig von der Hand. Bislang konnte ich bei den meisten Wehwehchen helfen.
    • Mein Hardware Setup für den Unterricht wird über die Jahre immer kompakter, was mich persönlich sehr freut. Dank mittlerweile überall stationär vorhandener Beamer in den Klassenzimmern muss ich mich auch nicht mehr mit meinem berühmten Acer K137 bewaffnen, um meinen Unterricht zu halten. Aktuell ist das der Stand der Dinge:
      Aktuelles digitale Setup 2020: Ein Samsung S3 Tab. Sonst nada.

      Kein Vergleich, wenn man die letzten Jahre mal in den Blog schaut:
      Allerdings muss ich zugeben, dass ich mit dem Samsung Tablet ebenso unzufrieden bin wie mein geschätzter Kollege Jan-Martin Klinge. Das Gerät hat nun definitiv kein methusalemartiges Alter auf dem Buckel, die Ladezeiten sind aber über die Monate echt deutlich nach oben gegangen. In all den Jahren, in denen ich das Samsung Note 8.0 hatte, war nie ähnliches zu merken. Von daher bin ich mir echt nicht sicher, ob der Nachfolger nochmal aus Samsung-Hausen stammen wird. Eventuell springe ich einfach ins kalte Wasser und wende mich – mirabile dictu – einem iPad zu. Da ist das Angebot an durchdachten Apps für den Unterricht auch deutlich größer… a propos iPad:

    • Die Stadt München hat uns einen iPad-Koffer spendiert. Die Geräte sind mittlerweile ins System gespeist und warten auf ihre Benutzung. Die Fachschaften haben die Aufträge bekommen, nach sinnvollen Apps für ihre Fächer zu suchen, mit denen wir die Geräte bestücken können, und dann kann es eigentlich losgehen. Wird spannend. Vor allem ohne flächendeckendes wLan im Schulhaus.
    • Tja, und dann kam Corona. So abrupt und groß, dass es alles zu überdecken schien. Bei zweimonatiger Zwangspause und dem ganzen Chaos, das damit einherging, vergisst man fast, dass wir im Februar auch noch den einen legendären Tag sturmfrei hatten. Die Zeit war für alle Beteiligten unglaublich anstrengend, aber auch irgendwo heilsam, hat sie doch einiges zu Tage gefördert. Das soll jetzt aber kein Bashing in alle Himmelsrichtungen werden. Das haben andere schon erledigt und noch einmal den Finger in die Wunde zu legen, finde ich nicht gerade produktiv. Daher ausschließlich Lehren, die ich persönlich aus der Geschichte für mich gezogen habe:
      • Bezüglich digitaler Skills haben wir noch gut was zu tun. Wir alle. Wir haben Kollegen, die es nicht schaffen, eine Webcam an einen USB-Port anzuschließen, Schüler, die nicht wissen, wie man bei Mebis eine Datei hochlädt, Eltern, die mit dem Ausdruck eines Dokumentes überfordert sind. Wir alle haben etwas zu tun. Daher empfehlen verschiedene Verbände und auch das Kultusministerium den Lehrkräften sich über die Ferien ein bisschen digital fitter zu machen. Für den technisch Affinen ein Klacks, weil es nicht viel zu machen gibt. Man kann ja eh das Meiste schon. Für die Greenhorns eine Kampfansage, die sich um ihre wohlverdienten Ferien gebracht sehen.
      • Noten bleiben wichtig. An sich eine sehr streitbare Geschichte, aber speziell für meine Fächer habe ich vor allem in Latein die Erkenntnis gewonnen, dass die Schüler ohne entsprechenden Schubs vor allem in der Mittelstufe kaum etwas tun. Für die Mittelstufe hatte ich für die Einheiten des “Lernen Zuhause” ein umfassendes Wiederholungsprogramm erstellt, das ich mit ihnen gemeinsam in verschiedenen Minitests, die laut KMS ja nur gezählt werden dürfen, wenn sie die Zeugnisnote verbessern, durchgearbeitet habe. Mit ernüchterndem Ergebnis. Letztendlich waren es die Einser-Schüler, die das Wiederholungsprogramm tatsächlich durchgearbeitet hatten und ohnehin ihre tollen Noten hätten. Diejenigen, für die das Programm eigentlich gedacht gewesen war, haben zu einem absoluten Großteil weiterhin eine ruhige Kugel geschoben. Wozu denn lernen, wenn die 6, die man in dem Test darüber schreibt, ohnehin nicht zählt? Eine solche Denke ist absolut nachvollziehbar. Nur führt sie irgendwann ins Aus. Ernüchternd für beide Seiten.
      • Lehrer sind wichtig für den Lernerfolg. Dass der Job ein bisschen mehr bedeutet als nur “Buch auf, Buch zu, Setzen. Sechs”, hat jeder am eigenen Leib erfahren, der in der Corona-Zeit sein Kind zu seinen Aufgaben “motivieren” musste. Wenn auf einmal die Lehrkraft fehlt, die den Fahrplan vorgibt, ist bei vielen die Luft erst einmal raus. Natürlich geht der eine oder andere Lerninhalt auch über selbständiges Lernen. Wenn die Kinder diese Art von Lernen gewohnt sind. Und wenn sie sicher gehen können, dass in unmittelbarer Zeit jemand noch einmal drüber schaut.
        Was für einen Unterschied das macht, habe ich in den Wochen erlebt, in denen man wieder zusammen in der Schule gearbeitet hat. Die Kinder waren durch die Bank hochkonzentriert, in den unteren Klassen sind wir teilweise mit fast dreifacher Geschwindigkeit durch die Lektionen gehuscht. Es gab keine einzige Unterrichtsstörung, kein Gemaule, kein “Können wir einen Film schauen?”. Kein einziges Mal. Selbst in der berühmten letzten Stunde vor den Sommerferien war jede Klasse konzentriert und hochmotiviert bei der Sache. Auch ich. Und damit zum nächsten, für mich sehr wichtigen Punkt:
      • Schüler sind wichtig für den Lehrerfolg. Ich liebe meinen Beruf. Ich mag die Interaktion mit jungen Menschen. Und ebenso, wie Schüler darunter leiden, wenn der Lehrer auf einmal weg ist, habe ich die Zeit als sehr anstrengend empfunden, in der man nicht seinem geregelten Arbeitsablauf nachgehen konnte. Man wuschtelte von Zuhause viel vor sich hin, verschickte Aufträge in Mebis, hielt gelegentlich sein Gesicht in eine Videokonferenz, korrigierte Tonnen zugeschickter Aufträge. Aber es war einfach nicht dasselbe. Das unmittelbare persönliche Feedback hat einfach gefehlt. Wie sehr, habe ich erst gemerkt, als ich nach mehreren Wochen Lockdown wieder vor den dezimierten Klassen stand. Es ist einfach die menschliche Chemie, die diesen Beruf erst so richtig mit Leben füllt. Und wenn die fehlt, ist man einfach nur noch Dienstleister, der sein Material an den Mann bzw. Frau bringt.
      • Videotelefonie im Unterricht ist kein Allheilmittel. Auf dem Papier klingt es tatsächlich nach einer guten Sache. Aber nach den ganzen Monaten mit Jitsi, Zoom, WebEx Teams oder auch Microsoft Teams bin ich persönlich ein bisschen ernüchtert. Auf dem Papier funktioniert alles. Aber unter den Grundvoraussetzungen, wie sie in der Regel vorherrschen, sind sie vor allem eins: Ein halbgares Provisorium. Für eine reguläre Stunde von 45 Minuten habe ich im Schnitt das Doppelte online gebraucht. Grund hierfür waren technische Probleme auf beiden Seiten. Mal funktionierte das Mikro nicht, dann die Kamera, dann beides nicht mehr. Da grundsätzlich nur ein Bruchteil der Klassenstärke im Chat anwesend war – verpflichtend sind diese Konferenzen bei uns nämlich nicht – muss man zusätzlich schauen, dass die behandelten Inhalte in irgendeiner Weise an die abwesenden Schüler kommen.  Dazu noch eine Prise ungeklärten Datenschutz und fertig ist das pädagogische Glatteis, auf das man sich begibt.

    Hoffen wir jetzt einfach mal, dass 2020/21 einen besseren Verlauf nimmt als das letzte Jahr. Dass es zumindest am Anfang so weiterläuft, wie es im Juli geendet hat, ist leider wahrscheinlich. Aber es kann ja letztlich nun besser werden…

    So und jetzt Deckel drauf. Sommerferien. Buch zu. Raus mit euch!

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    4.3