Wie auch die Jahre vorher, will ich die ersten Tage der Ferien nutzen, um das vorige Jahr Revue passieren zu lassen. Nicht nur deswegen, weil ich euch schon länger wieder mal einen neuen Artikel schuldig bin, sondern weil ich die Zeit aktiv zur Reflexion nutzen möchte. Denn so spurlos ist dieses Schuljahr an niemandem in meinem Umfeld vorbeigegangen…
- So wie vielen anderen meiner Kollegen ging auch mir 2015/16 sehr an die Substanz. Eine richtige Erklärung hat keiner dafür. Fakt ist: Die Grundgelassenheit, die eigentlich immer ab Ende Juli im Kollegium Einzug hält, ist dieses Mal einem Gefühl des Auf-dem-Zahnfleisch-Daherkriechens gewichen. Vielleicht liegt es an der langen Durststrecke von 9 Wochen, die es zwischen Pfingst- und Sommerferien zu überbrücken galt. Wir wissen es nicht… Wir sind aber Ende Juli im Eimer. Alle miteinander.
- Dieses Gefühl hatte auch spürbare Auswirkungen auf den Blog, da ich nicht mehr so häufig schreiben konnte, wie ich es gerne gewollt hätte. Einige Artikel werden daher in den Ferien “nachgereicht”. Als kleine Wiedergutmachung 😉
- Als Bloghöhepunkt würde ich dieses Jahr meine erste eigene Blogparade bezeichnen, die Anfang Juni zum Thema “Lehrerstress” stattfand. Mehr als 21 Autoren haben sich dazu Gedanken gemacht und ein paar tolle Artikel geliefert. Durcharbeiten lohnt sich garantiert! Danke an alle, die dabei mitgemacht haben!
- Mein digitales Setup habe ich in diesem Jahr nochmal um ein weiteres Tool optimiert. Nachdem der EZcast doch gerne mal fehleranfällig war, habe ich mir Dezember letzten Jahres die Profiversion geholt und bin bis heute sehr zufrieden damit. Der EZcast Pro läuft zuverlässig und konstant – und reduziert dank MHL-Unterstützung den Kabelsalat in meiner Schultasche noch mal um ein gutes Stück.
- Damit einher ging eine Ausmistaktion zu Beginn des Schuljahres, die ich über das Jahr eisern durchgehalten habe. Ich konnte sogar von der stereotypen Lehrertasche, die sich des zweifelhaftes Umstandes rühmt, bis zu vier prall gefüllte Leitz-Ordner aufnehmen zu können, auf eine schlanke Aktentasche umsteigen. Alles wirkt dadurch sehr aufgeräumt…
- … was ich von meinem Arbeitsplatz in der Schule nicht behaupten kann. Dort herrscht leider immer noch das blanke Chaos. Vor allem das Zusammensuchen, Ordnen, Ablegen und Sortieren von unterschiedlichen Schulaufgaben, Exen, Tests, Hinweisen, unterschriebenen Elterninformationen und Direktoratsmitteilungen treiben mich immer noch in den Wahnsinn. Auch wenn ich mir die Beseitigung dieses Desiderates bereits letztes Jahr auf die Fahnen geschrieben habe, habe ich es leider noch nicht so richtig hinbekommen. Da brauche ich unbedingt noch ein System – oder einen rettenden Tipp von der werten Leserschaft.
- Privat sehr mitgenommen hat mich der Umzug zurück nach München. Der Trennungsschmerz, nach acht Jahren aus meiner alten Wohnung in etwas Neues zu ziehen, hat mich mehr getroffen als ich es erwartet hätte. Mittlerweile ist das aber komplett verschwunden: Ich fühle mich in den neuen vier Wänden sehr wohl, genieße mehr Platz (ärgere mich aber bis heute über die saftige Miete, aber naja, es ist halt München) und vor allem das Privileg eines Arbeitszimmers. Meine alte Wohnung vermisse ich gar nicht. Wenn es mich in die alte Nachbarschaft verschlägt, bin ich eigentlich relativ ungerührt. Das Kapitel ist fertig geschrieben. Ich spüre gar nichts mehr.
- A propos “was spüren”: Meine gebrechlichen Glieder merke ich dieses Jahr zum ersten Mal ganz deutlich. Eingeschlafene Finger, Muskelkater, sich häufende Momente, in denen man die Augen zusammenkneifen muss, um Anzeigen und Buchstaben zu lesen – Ja, der Verfall rückt näher. Unaufhaltsam.
- Über meine Klassen habe ich dieses Jahr erstaunlich wenig geschrieben. Aber an sich gibt es einfach nichts zu berichten. Es läuft einfach. Es gab keine nennenswerte Zwischenfälle, dafür viele kleine Geschichten, die aber zu privat und identifizierbar wären, um sie auf einem Blog zu veröffentlichen. Vielleicht bringt das nächste Jahr wieder Besserung. Ich weiß ja, wie sehr ihr nach den Anekdoten lechzt 🙂
- Außerhalb des Unterrichts passiert dafür in der Schule bei mir umso mehr. So langsam rutscht man in neue Aufgaben, Gremien, die auf andere Art ins Schulleben eingreifen, als man es vorher kannte. Als Mitglied im Schulforum und Personalrat bekommt man viele neue Einblicke in das System Schule und das eine oder andere Mal auch eine neue Perspektive. Könnte spannend werden. Macht euch also auf ein paar neue Geschichten gefasst 🙂
Schöne Ferien!






Meine Damen und Herren,
Oh weh! Die digitale Wende ist zwar schön und gut. Aber wehe dem, dem sie verwehrt bleibt. Mir zum Beispiel. Nach dem Bezug meiner neuen Wohnung sitze ich hier auf einer analogen Insel der Seeligen und beiße in heißer Erwartung auf meine Telefonfreischaltung kleine Kerben in sämtliche Tischkanten. Es geht nicht allein um die Unterrichtsvorbereitung, die ich ohne Internetzugang nur teilweise erledigen kann. Es geht um eMail-Verkehr, um Bankgeschäfte, um den Blog.


Es ist jedes Schuljahr dasselbe: Ich komme einfach schwer in den Schulrhythmus zurück. Nachdem sich meine biologische Uhr über fast sieben Wochen lang an das Lotterleben gewöhnt hat, kann ich sie nur mit Schwierigkeiten an den frühen Vogel gewöhnen, der mich ab jetzt wieder gegen sechs Uhr in der Früh aus dem Schlaf holen soll. Dabei ist das Aufwachen weniger das Problem als vielmehr das Einschlafen. In der Nacht unmittelbar vor dem ersten Schultag liege ich noch stundenlang wach. Ich kann machen, was ich will. Vorher ausgiebig im Fitnessstudio schuften, mehrere Kilometer abjoggen, mich in der Sauna müde schwitzen, sich auf Betriebstemparatur lesen – es nützt nichts. Sobald das Licht aus ist, komm ich einfach nicht zur Ruhe. Wie ein Teenie vor dem Boyband-Konzert oder ein Kleinkind vor seinem Geburtstag wälze ich mich von einer Seite zur anderen. Meine autosuggestiven Fähigkeiten mich zum Einschlafen zu bringen, sind leider sehr rudimentär entwickelt, und der Gedanke, endlich mal an nichts zu denken, um einzuschlafen, führt leider nur zum Gegenteil. Ich gehe im Kopf die Klassen durch, die ersten Worte an meine neue Mittelstufe, führe mir die ganzen Termine vor Augen, die es über die nächsten Monate zu absolvieren gilt… und schon ist es drei Uhr früh. Habt ihr irgendwelche Tipps? Nicht dass es am Ende soweit kommt wie bei Rollo von Faithless (deren Insomnia ich auch das Heading dieses Posts verdanke), der davon träumen möchte, seiner Freundin mit den Zähnen die Strumpfhose zu zerreißen. Rettet mich vor dem Wahnsinn!