Latein

Saxa Monacensia – Staatsoper

Die Bayerische Staatsoper im Herzen von München galt schon immer als besonderes Schmuckstück in der Innenstadt. Ein klassizistischer Bau mit einem Säulengang fügt sich wunderschön in das Ensemble der Residenz der Wittelsbacher ein. Dabei war es um das Fortleben des Gebäudes nicht immer gut bestellt. Mehrmals wurde das Gebäude fast vollständig zerstört. So führte im 19. Jahrhundert ein Brand im Inneren dazu, dass das Gemäuer bis auf die Grundmauern niederbrannte. Auch der zweite Weltkrieg hinterließ seine deutliche Spuren und zerstörte bei einem Bombenangriff 1943 den Bau fast völlig. Diverse Architekten – darunter auch so berühmte Namen wie Leo von Klenze, der schon mehrere Male in den saxa Monacensia zur Sprache kam – sowie zahllose Bürgerinitiativen waren immer wieder bemüht darum, die Oper aufzubauen und in den Urzustand zurückzuführen. Das gelang ganz wunderbar, wenn man sich das Gebäude mit historischen Aufnahmen vergleicht – bis auf ein kleines Detail: Nämlich die lateinische Inschrift, die den Architrav der Front ziert. Dort steht in goldenen Lettern geschrieben:

Apollini Musisque redditum MCMLXIII

Es ist ein Spruch, der an der Fassade der früheren Bauten fehlt.

Historische Postkarte der Münchner Staatsoper – noch deutlich ohne Weihinschrift

Kein Wunder, denn er rekurriert auf das Jahr 1963 und markiert ein wichtiges Jahr in der Geschichte der Staatsoper. Weit über ein Jahrzehnt wurde an der großen Restauration gearbeitet, knapp 63 Millionen Mark verschlang die Restauration. Aber im Jahre 1963 war es letztendlich geschafft. Das Theater war fertiggestellt, und nun wieder für die Kunstliebhaber zugänglich. Das wollte man auch nach außen hin zur Schau tragen und verpasste in meterhohen goldenen Lettern ein Weihinschrift:

Apollini musisque redditum MCMLXIII

Apollo und den Musen im Jahre 1963 wieder zurückgegeben.

Apollo – als Gott der Künste – wie auch seine neun Schwestern, die allesamt für eine gewisse Teildisziplin in der Kunst stehen, werden sich bedankt haben. Denn der Spruch rekurriert wohl nicht nur auf die Wiederherstellung des Gebäudes, sondern auch auf die Sühne der Kunst selbst, an der man sich in der Nazizeit in diesem Gebäude häufig vergangen hat – in dem die Auswahl der Stücke einer Parteidoktrin unterworfen und deren Inhalt auf Ideologien hingebogen wurde. In dem nur gewissen Schauspielern der Zutritt gewährt wurde, während andere ihre Lebensgrundlage verloren. Jüdische Zuschauer vom kulturellen Leben komplett abgeschottet wurden. Vorbei diese Zeiten. Zum Glück. Aber sie lehren uns: Dass wir heute von freien Künsten reden können, ist nicht selbstverständlich. Es ist ein Privileg.

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