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    Herbstferien

    Mann, werden das Ferien werden! Ich hab mir nämlich nichts vorgenommen. Rein gar nichts. Hier liegen zwei Schulaufgaben, die korrigiert werden müssen, ein Blog, der endlich mal wieder ein bisschen Futter braucht. Aber mehr wird in diesen Ferien nicht passieren. Dank einer Inzidenz von mittlerweile über 130 bleiben ab Montag auch Möglichkeiten zur Zerstreuung außerhalb der heimischen vier Wände begrenzt: Lokale machen wieder zu, Fitnessstudios ebenfalls.

    Daten von muenchen.de
    Ob die Taktik zum Erfolg führen wird, ist fraglich, weil sich die Leute dann einfach woanders treffen. Abends geht es in den öffentlichen Anlagen in München zu wie im Taubenschlag. Englischer Garten, Hofgarten, Königsplatz, Friedensengel. Überall stehen Horden von Leuten beieinander mit Feierabendbier und Prosecco-Fläschchen in der Hand und einem „Was kümmert’s mich?“ im Gesicht. Dass ich für bzw. wegen solcher Herr- und Frauschaften zu Hause bleiben soll, ist streckenweise schwer zu ertragen. Aber Hauptsache heulen, wenn Weihnachten dieses Jahr getrennt stattfinden muss und Christkindlmärkte geschlossen bleiben. Dass manche Leute echt keine 2 Meter weiter denken können…

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    Saxa Monacensia: Die Inschrift auf der Fassade der Münchener Rück

    Unmittelbar vor dem Eingang in den Englischen Garten thront der Hauptsitz der Münchner Rückversicherungs-Gesellschaft: Ein imposanter Bau aus dem Klassizismus mit einem pompösen Vorhof und einem zauberhaften Garten, der leider hinter hohen Mauern und Gitterstäben den Passanten verwehrt ist. Ein Blickfang ist er aber allemal. Und zwar derart, dass man gerne alles andere an dem Gebäude vergisst. Zum Beispiel die Inschrift, die sich nur dem erschließt, der trotz der Schönheit auf dem Boden seinen Kopf auf der Höhe der Bushaltestelle Thiemestraße auch mal gen Himmel ragt.

    Die Inschrift an der Fassade der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft

    Das dortige lateinische Zitat labor omnia vincit ist auf vielen Gebäuden zu finden. Der Ursprung ist allerdings den wenigsten bekannt. Es stammt nämlich von keinem Geringeren als Vergil, dem legendären Autor der Aeneis. Der Ausspruch ist allerdings einem anderen Werk des römischen Nationaldichters entnommen, nämlich den Georgica. Und das ist in vielfacher Hinsicht bemerkenswert:
    Bei den Georgica handelt es sich nämlich um ein Lehrgedicht, das sich vordergründig dem Ackerbau und dem harten Leben der Bauern widmet. Mit einer Versicherungsgesellschaft hat das herzlich wenig zu tun. Aber das kann man der Inschrift nicht zum Vorwurf machen, wenn man sich ansieht, an was für Gebäuden und Wappen sich dieser legendäre Ausspruch sonst noch so findet.
    Interessant hierbei: Das Zitat ist in all diesen Inschriften nicht nur aus dem Zusammenhang gerissen, sondern auch noch verkürzt bzw. falsch zitiert. Es fehlt dem Satz nämlich ein ganz wichtiger Zusatz, der Philologen seit Jahrhunderten beschäftigt. Schauen wir uns das mal genauer an:

    Der Ausspruch findet sich in Buch 1 der Georgica. Es ist der Moment, in dem Jupiter das goldene Zeitalter der Menschheit absichtlich beendet, in dem alles in Hülle und Fülle vorhanden war:

    Ante Iovem nulli subigebant arva coloni;       125

    ne signare quidem aut partiri limite campum

    fas erat: In medium quaerebant. Ipsaque tellus

    omnia liberius nullo poscente ferebat.

    Übersetzung:

    Vor Jupiter unterwarfen keine Bauern die Fluren.

    Und ein Feld mit einer Grenze abzutrennen oder gar zu markieren

    war Unrecht. Sie erwarben es zum allgemeinen Gebrauch. Und selbst die Erde

    brachte recht bereitwillig alles hervor, ohne dass es jemand forderte.

    „Schluss mit dem Luxus!“, sagt Jupiter. Der Mensch soll sich gefälligst quälen und abrackern. Und in der Not wird der Mensch erfinderisch.

    Tum laqueis captare feras et fallere visco

    inventum et magnos canibus circumdare saltus.

    Atque alius latum funda iam verberat amnem

    alta petens, pelagoque alius trahit umida lina.

    Tum ferri rigor atque argutae lammina serrae

    (nam primi cuneis scindebant fissile lignum),

    tum variae venere artes. Labor omnia vicit                145

    improbus et duris urgens in rebus egestas.

     

    Übersetzung:

    Darauf wurde die Fähigkeit erfunden mit Schlingen wilde Tiere zu fangen und mit Leim zu täuschen

    und große Waldstücke mit Hunden einzukesseln.

    Und hier peitscht der eine schon den breiten Strom des Flusses mit seinem Fangnetz

    und sucht damit die Tiefe ab, ein anderer zieht das nasse Tau aus dem Meer.

    Als nächstes kam die Härte des Eisens und die Blätter der kreischenden Säge

    (denn die ersten Menschen spalteten das splittrige Holz noch mit Keilen),

    dann weitere Fertigkeiten. Labor improbus

    hat alles besiegt ebenso wie die in schweren Zeiten drängende Not.

    Das kleine Wörtchen improbus will in diesem Zusammenhang so überhaupt nicht in seiner Ursprungsbedeutung hineinpassen. Generationen kennen das Adjektiv nämlich ausschließlich in der Bedeutung schlecht. Und dass schlechte Arbeit alle Widrigkeiten besiegt, will sich bestimmt niemand an seine Fassade stehen haben. Es muss ja irgendein Lohn hinter dieser Arbeit stecken, daher kann diese Ursprungsbedeutung hier nicht passen. Das bekriteln auch Generationen von Altphilologen und bieten für improbus verschiedene Bedeutungen an, die etwas positiver konnotiert sind: Der bekannte Stowasser erwähnt im Zusammenhang mit der Vergil-Stelle die Bedeutung übermäßig oder anhaltend, der Georges in Frakturschrift rastlos. Niklas Holzberg spricht in seinem Buch über Vergil (Holzberg 2006, 102f.) Richard Jenkyns (Jenkyns 1993, 247) den Übersetzungslorbeer zu, der mit dem Ausdruck die verdammt nochmal harte Arbeit daran erinnert, dass auch im Deutschen negativ konnotierte Wörter mitunter als Verstärker gemeint werden können (Das war wahnsinnig gut/ich habe mich schrecklich gefreut.). Insofern ist bei Vergil Arbeit erst dann lohnenswert, wenn sie fucking hard ist. Insofern ist Vergils Ausspruch der geistige Großvater von Britney Spears‘ ikonisch gewordenem Ausspruch Work, B**ch.
    Ohne diesen Zusatz wird aus der verdammt nochmal harten Arbeit an der Fassade allerdings einfach nur schnöde Arbeit, der Ausdruck also abgeschwächt. Ob absichtlich (wer denkt schon en passant daran, dass improbus auch andere Bedeutungen in sich tragen kann als in der Schule gelernt?) oder nicht, bleibt ein Geheimnis. Ebenso wie die Tempusveränderung des Verbes (auch vicit im Original ist Präsens geworden). Oder aber auch die abschließende Frage, warum eine antike Version von Work, Bitch! an der Fassade eines Versicherungsgebäudes klebt. Soll das eine Aufforderung sein, möglichst viel zu erwirtschaften, um hinterher sein hart erschuftetes Eigentum für viel Geld in den Schutz einer Versicherung zu geben? Zugegeben: wer es richtig anstellt, wird eine Menge an Zeug zu versichern haben. Eine entsprechende Aufstellung zu versichernder materiellen Güter entnehmen Sie bitte den Lyrics von Frau Spears.

     

    Literaturhinweise:
    Holzberg, Niklas (2006): Vergil – Der Dichter und sein Werk, München.
    Jenkyns, Richard (1993): „Labor improbus“ in: Classical Quaterly 43, 243-248.
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    4.5
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    Saxa Monacensia: Der Münchner Südfriedhof

    Tief in der Münchner Innenstadt verborgen, liegt der alte Südfriedhof. Hinter dicken Mauern verhüllt, vergisst man in der Hektik des Alltags viel zu schnell, dass er existiert. Zu groß sind die ständigen Ablenkungen der Umgebung im hippen, leider übergentrifizierten Glockenbachviertel: Überall finden sich zahllose Cafés, Restaurants oder schnuckelige Läden, und dann ist da auch noch das Isarufer, das fußläufig in wenigen Minuten zu erreichen ist, sodass man den Südfriedhof allzu schnell ein wenig ignoriert. Schade eigentlich. Denn der Ort ist ein kleines Juwel, der vor allem im Frühling seine Stärken ausspielt. Dank der hohen Mauern sammelt sich nämlich alles, was die Natur in puncto Fortpflanzung aufbietet, fast ausschließlich innerhalb des Friedhofareals. Wie in einem Kessel zirkulieren Pflanzensamen und Pollen und kommen irgendwann auf den Grünflächen zum Erliegen und Keimen. Und das sieht man: Spätestens ab Mitte März bietet der Südfriedhof in der Frühlingssonne ein nimmer endendes Meer an Krokussen, Osterglocken, Schnee- und Maiglöckchen, die die letzten Ruhestätten von so berühmten Münchnern wie Carl Spitzweg oder Leo von Klenze bevölkern und in ein wunderschönes Farbenspiel tauchen, das – um mal die Jugend zu zitieren – totally instagrammable ist.

    Unter den ganzen Grabsteinen und Stelen finden sich – gottlob! – auch die einen oder anderen lateinischen Sinnsprüche, die ich im Zuge einer neuen Folge der Saxa Monacensia gerne vorstellen möchte. Instagrammable? Maybe not, but definitely noteworthy!

    Dulcis praeteritorum memoria

    Übersetzung:

    Süße Erinnerung an die Verstorbenen/Vergangenheit

    Per crucem ad lucem

    Übersetzung:

    Durch/Über das Kreuz ans Licht

    In Deo Pax

    Übersetzung:

    Friede in Gott

    Meinen absoluten Favoriten findet man allerdings kurz vor dem Portal in der Mitte des Friedhofs. Es ist der Grabstein von Martin Schleich, der zu Lebzeiten als Dramatiker und Humorist in Münchner Kreisen wohl bekannt war. Davon zeugt auch seine Grabinschrift, die allerdings streckenweise so in Mitleidenschaft gezogen ist, dass ich sie nicht entziffern kann. Vielleicht kann einer der werten Leser ein bisschen mehr erkennen. Ich wäre um jeden Tipp dankbar.

    <…> lepidique sales, lepidaeque C<…>

    Iucundique ioci, Satyri Saturaeque valete!

    Quibuscum et saeculo valedixit

    Illustris quondam vir Monacensis.

    Dr. Martinus Schleich

    defunctus 13. Oct. 1881

    natus 12. Febr. 1827

    Qui hoc epigramma sibi fieri voluit:

    Iacet. Tacet. Placet.

    Übersetzung:

    Lebt wohl, lässige Witze, lässige C…

    Angenehme Scherze, Satyrn und C<…>.
    Zusammen mit diesen und dem Jahrhundert hat sich der einst berühmte Münchner
    Dr. Martin Schleich verabschiedet;
    gestorben am 13. Oktober 1881,
    geboren am 12. Februar 1827.
    Er wollte, dass für ihn der folgende Grabspruch angefertigt wird:

    (Hier) liegt er. (Hier) schweigt er. Das gefällt.

    Das lateinische Pendant zu „Klappe zu, Affe tot!“

    Der Münchner Südfriedhof bei schönstem Frühlingswetter

    Und hier nochmal in 3D:

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    Saxa Monacensia: Das Portal des alten botanischen Garten

    Da wir uns ja aktuell eher in den eigenen vier Wänden aufhalten als draußen, dachte ich, ich bringe euch einfach ein bisschen Aprilsonne aus München in eure heimischen Stuben. Nämlich mit einer neuen Folge zu den Saxa Moncensia. Unser kleiner Ausflug führt uns heute in den alten Botanischen Garten. Im Jahre 1812 eröffnet, um den Leuten die Flora und Fauna nahe zu bringen, ist aus dem ehemaligen Prunkstück mittlerweile leider ein Ort von eher zweifelhaften Ruf geworden. Schuld daran sind die doch recht zwielichtigen Gestalten, die aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Hauptbahnhof den Park zu jeder Tages- und Nachtzeit bevölkern und allerhand Unfug treiben. Bei den ganzen Negativschlagzeilen, mit denen das Areal deswegen in den letzten Jahren in Verruf gekommen ist, übersieht man leider nur allzu schnell, wie hübsch der alte botanische Garten eigentlich angelegt ist: Prächtige Blumenbeete säumen die Wege, im direkt anliegenden Park-Café tummeln sich die Leute in der Frühlingssonne, verschlungene Wege führen in dicht bewaldete Abschnitte – und dann ist da noch der imposante Neptunbrunnen, der 1937 nachträglich in die Anlage von Joseph Wackerle eingefügt wurde: Eine riesige Fontänenanlage mit einem gigantischen Wassergott im Zentrum, dem man seine Entstehungszeit in Nazideutschland leider nur all zu deutlich ansieht.

    Doch unsere eigentliche Hauptattraktion führt uns eigentlich durch den Park hindurch. Eigentlich fast schon raus. Denn sie ist direkt vor dem Alten botanischen Garten angebracht. Nämlich am klassizistischen Portal. Dort finden sich über den imposant gestalteten dorischen Säulen die Worte, die keinem geringeren als Johann Wolfgang von Goethe zugeschrieben sind – nämlich anlässlich der Einweihung des Parks:

    Eingangsportal des Alten Botanischen Gartens in München

    Florum daedalae telluris gentes dissitae Maximiliani Ios[ephi] r[egis] nomine consociatae, MDCCCXII

    Wie es sich für einen echten Goethe gehört, ist die kunstvolle Inschrift alles andere als ein Kinderspiel, da die Bezüge kreuz und quer stehen und sogar mehrere Versionen zulassen. Das Adjektiv daedalus (kunstfertig) kann nämlich unterschiedlich bezogen werden. Entweder auf telluris oder auf gentes. Ich hab das mal kurz angemarkert:

    Deswegen lässt sich der Spruch auch in zwei möglichen Varianten übersetzen:

    • Ausgesäte Arten von Blumen der Erde auf Geheiß von König Maximilian Joseph im Jahre 1812 kunstvoll [in diesem Garten] vereint. (In diesem Fall wäre daedalae auf die Blumenarten bezogen)

    • Ausgesäte Arten von Blumen der Künstlerin Erde auf Geheiß von König Maximilian Joseph im Jahre 1812 [in diesem Garten] vereint. (In diesem Fall wäre daedalae auf die Erde bezogen)

    Manche Beiträge wählen die erstere Übersetzung. Wikipedia zieht sich sogar komplett aus der Affäre und lässt das dubiose Adjektiv  einfach aus der Übersetzung raus. Ich persönlich würde die zweite Variante bevorzugen. Nicht nur, weil der Lateinlehrer gerne mal gegen den Strom schwimmt. Sondern weil die Erde als schöpfende Kraft, die mit einer gewissen Vernunft die Natur so einrichtet, wie sie es für richtig hält, in der lateinischen Literatur und Philosophie gerne immer wieder auftaucht. Zum Beispiel auch beim Autor Lukrez. In dessen de rerum natura erscheint dieser Ausdruck der daedala tellus sogar wortwörtlich (De rerum naturae, I, 6-8):

    te, dea, te fugiunt venti, te nubila caeli
    adventumque tuum, tibi suavis daedala tellus
    summittit flores […]

    Dass Goethe mit den Werken des Lukrez vertraut war, wollen wir mal stillschweigend annehmen. Dafür spricht auch, dass in der Portalinschrift wie auch in der Passage beide Male die tellus mit flores in Verbindung gebracht wird. Damit beweist Goethe gleichzeitig auch noch seine Belesenheit wie auch seinen Intellekt, denn die Werke des Lukrez gelten in vielerlei Hinsicht als einzigartig. Nicht nur, dass wir es hier mit einem der anspruchsvollsten römischen Autoren überhaupt zu tun haben. Er ist auch der einzige Dichter, der ein Lehrgedicht über die Welt verfasst hat und sich dabei als einziger uns bekannter römischer Schriftsteller der Lehre des Epikur anschließt. So viel Wissen in einer windigen Inschrift. Nicht schlecht, Herr von Goethe!

     

     

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    Saxa Monacensia: Die Inschrift der Mariensäule

    Unter all den lateinischen Inschriften, die München zu bieten hat, ist die Inschrift auf der Mariensäule, die dem Münchner Marienplatz seinen Namen gegeben hat (vorher war er als Schrannenplatz bekannt), wohl diejenige, die ich mit Abstand am längsten kenne. Um ihre Übersetzung habe ich mich allerdings nie gekümmert. Warum auch? Jedes Kind, das in München geboren ist, weiß um ihre Bedeutung: Maximilian I. spendete die Säule im Dreißigjährigen Krieg, da die Stadt entgegen aller Befürchtungen von einer Zerstörung durch die schwedischen Belagerer verschont geblieben war. Wirklich genauer angesehen habe ich mir die Inschrift erst im Zuge der saxa monacensia… Und hatte damit ehrlich gesagt ein bisschen meine Probleme.
    Das lag nicht unbedingt an der Grammatik. Die ist nämlich relativ stringent, sobald man die fehlende Interpunktion einfügt (die allerdings durchaus strittig ist). Das Problem ist tatsächlich das Vokabular. Denn die Inschrift beinhaltet zahlreiche Titel aus neulateinischer Zeit – Begriffe, die man im klassischen Lateinstudium so nie zu Gesicht bekommen hat. Es sei denn, man hat den einen oder anderen Abstecher ins Mittellatein unternommen und ein bisschen Einblick in dessen Dokumente den etwas quirky Wortschatz gehabt. So habe ich wirklich wieder einiges dazugelernt. Der geneigte Leser vielleicht auch.

    Die Abschrift der Inschrift lautet:

    Deo optimo maximo, virgini deiparae, Boicae dominae benignissimae, protectrici potentissimae ob patriam, urbes, exercitus, seipsum, domum et spes suas servatas
    hoc perenne ad posteros monumentum Maximilianus com(es) Pal(atinus) Rhen(i) utriusque Bavariae dux S(acri) R(omani) I(mperii) archidapif(er) et elector clientum infimus gratus supplex posuit a(nno) MDCXXXIIX.

    Übersetzung:
    Für den größten und besten Gott, die gottgebärende Jungfrau, die gütigste Herrin Bayerns und mächtigste Beschützerin hat Maximilian, Hofpfalzgraf am Rhein, Herzog und beider Bayern (gemeint ist Ober- und Niederbayern), des heiligen römischen Reiches, Erztruchess und Kurfürst, unterster ihrer Diener dankbar und demütig im Jahre 1638  dieses für die Nachkommen immerwährende Denkmal  aufgestellt wegen der Bewahrung von Heimat, Städten, Heere, seiner selbst, seines Hauses und seiner Hoffnungen.

    Die Übersetzung habe ich für eventuelle Einsätze im Unterricht möglichst textnah gehalten, auch wenn auf diese Weise ein paar Ausdrücke etwas seltsam anmuten. Der Ausdruck des Deus Optimus Maximus ist eine direkte Imitation des römischen Iupiter Optimus Maximus, was man im christlichen Sinne wohl mit anderen Adjektiven wiedergeben könnte, die den höchsten Eigenschaften des christlichen Gottes am ehesten entsprechen. Joseph Maier schlug in seiner Schrift „Säulen des Bayrlands“ aus dem Jahre 1738 die Übersetzung „allergütigst und höchst“ vor, was der Übersetzung wohl recht nahe kommen dürfte.
    Probleme beim Übersetzen dürften auch ein paar der Adelstitel darstellen, die ich ehrlicherweise selbst ein bisschen nachschauen musste:

    comes palatinus: Hofpfalzgraf (hoher Amtsträger mit weitreichenden administrativen und juristischen Befugnissen)
    archidapifer:  Erztruchsess (oberster Aufseher über die fürstliche Tafel)
    elector:  Kurfürst (Ranghoher Fürst mit Befugnis zur Wahl eines Königs)

    Eine entsprechende Umdeutung haben desweiteren die Begriffe des dux (hier: Herzog) sowie cliens erfahren, den man in der Schule nur aus dem römischen Bereich des patronus – cliens – Verhältnisses kennt. Er beschreibt an sich das Abhängigkeitsverhältnis, das zwischen diesen beiden Parteien besteht, in dem sich der Klient dem Schutz durch den patronus unterordnet. Im religiösen Sinne wäre hier wohl die Bedeutung des Bittstellers für mich am ehesten gegeben. Andere Übersetzungen lauten Pfleg-Kind (Joseph Maier) oder Schutzbefohlene. Ein bisschen herausgemogelt habe ich mich bei boicus, das mir in allen bekannten Wörterbüchern lediglich als Adjektiv (bayerisch) aufgelistet ist. Ich habe es unverschämterweise einfach nominalisiert und auf den schönen Freistaat umgemünzt.

    Auf der Homepage der klassischen Fachdidaktik der LMU München lässt sich zu diesem Thema übrigens ein toller Abriss über die unterschiedlichen Versionen der Inschrift nachlesen, die an dieser Stelle angebracht waren.

    Ein bisschen mehr als nur eine Tourismus-Attraktion: Die Mariensäule zu München
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    Saxa Monacensia: Grabinschrift auf dem Waldfriedhof

    Der Lokalpatriotismus der Bayern ist für Leute jenseits des Weißwurstäquators bestimmt immer schwer zu ertragen. Dass derartige Heimatgefühle sogar bis über den Tod hinausgehen, beweist ein Herr, der sich auf dem Münchner Waldfriedhof im Süden Münchens zur letzten Ruhe hat betten lassen. Dieser hat seine letzten Worte nicht etwa sich oder seinen Liebsten gewidmet – sondern kurzerhand seiner bayerischen Heimat:

    Extra Bavariam non est vita.

    Übersetzung:
    Außerhalb von Bayern gibt es kein Leben.

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