• Latein,  Technik,  Unterricht

    H5P olé – Teil 8: Virtual Tour (360)

    Die Virtual Tour bei H5P habe ich als eine der ersten Apps der H5P-Software kennengelernt und fand sie von Anfang an recht schnieke. Wenn auch ein bisschen frustierend. Denn selbst erstellen war nicht. Ohne die entsprechende Technik geht Virtual Tour gar nichts. Eine 360-Grad-Kamera musste her. Und mit einem Samsung Smartphone fand sich auf die Schnelle sogar eine erstaunlich kostengünstige Lösung.

    Die Samsung Gear 360 liefert passable Aufnahmen.

    Für gerade mal 40€ bekam ich eine nicht mehr ganz so taufrische, aber für meine Zwecke völlig ausreichende Kamera, die per Bluetooth wunderbar mit dem Smartphone kommuniziert und bei entsprechender Beleuchtung ganz gute 360 Grad-Bilder zaubert. Diese lassen sich dann problemlos in H5P einbinden. Aber dabei bleibt es nicht.
    Ähnlich wie bei Find Multiple Hotspots lassen sich in den 360-Aufnahmen verschiedene Infopunkte anbringen, in denen sich verschiedene Medieninformationen verstecken lassen. Das geht mit der beinhalteten Maske blitzschnell:

    Mit den ersten vier Icons lassen sich wahlweise Text, Bilder, Audio-Dateien oder Videos im 3D-Bild platzieren. Die letzten beiden Icons sind die Aktivitäten Summary und Single Set, die in H5P auch als separate Aufgabentypen existieren und zwei Arten von Aktivitäten anbieten:
    Single Set (Aktivität rechts außen) ist eine recht einfache Aufgabe. In ihr werden die Lernenden mit mehreren Aussagen zu einem Thema (Definiert in Aufgabenbeschreibung) konfrontiert, aus denen sie die richtige Antwort herausfinden müssen. Summary erweitert diesen Typus und bietet mehrere dieser Aussagen hintereinander, aus denen mehrere richtige Antworten ermittelt werden müssen. Die oberste Aussage ist hierbei stets als die korrekte definiert. Die darauffolgenden Aussagen werden von H5P als falsch interpretiert:
    Die Maske zum Aufgaben-Typus „Summary“ in der Aktivität „Virtual Tour (360)“

    Wird die Aktivität Summary dann in der 3D Tour angeklickt, werden sämtliche Aussagen willkürlich durcheinander gewürfelt und müssen von den Lernenden als korrekt ermittelt werden. Diese erscheinen – bei richtiger Auswahl – untereinander und ergeben so eine Zusammenfassung. Auch ein Feedback ist möglich, wenn man eines wie hier beschrieben definiert hat:

    Die richtigen Antworten werden bei „Summary“ im Anschluss als Zusammenfassung dargestellt.
    Mit diesem fünf möglichen Arten der Interaktion lässt sich schon gut was anfangen. Sogar in den Altsprachen. Als Altphilologe ist Virtual Tour 360 beispielsweise ganz hervorragend geeignet, um eine Klasse auf eine virtuelle Entdeckungstour in antiker Architektur zu schicken. Wie das in der Praxis aussieht, sehr ihr abschließend hier:
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  • Prüfungen,  Unterricht

    Katzenjammer

    Ich hätte nie gedacht, eines Tages tatsächlich den berühmt-berüchtigten Cat Content ins Netz zu stellen, aber aktuell geht es leider nicht anders. Seit ich in meiner siebten Klasse habe fallen lassen, dass ich mit Katzen so gar nichts anfangen kann, ist meine siebte Klasse aktiv geworden und betreibt subversive Methoden einer klassischen Konversionstherapie. Ich soll ein Fan der Samtpföter werden. Und so bekomme ich von den Tierfreunden der Klasse unter jede Übung, unter jede Stegreifaufgabe, unter jede Schulaufgabe, die ich einsammle, ein Katzentier in allen Farben und Formen gemalt. Die schönsten Schnurrer präsentiere ich in der folgenden Slideshow. Mit großem Dank an die Künstler!

    Genau für solchen Schabernack liebe ich diesen Beruf. Vor allem in diesen Zeiten, wo draußen das Chaos herrscht, die Nachrichten voll von Corona-News und den aktuellen Inzidenzwerten von 211 (Stand 15.11.) sind, Whatsapp-Gruppen allenthalben alu-huten, und die Telefone nicht mehr stillstehen wegen Elternanfragen zu Distanzunterricht, MS Teams, Notenauskünften und Krisengesprächen. In diesen Stunden kann ich einfach das tun, wofür ich studiert habe und ausgebildet bin. 45 Minuten, in denen ich fokussiert arbeiten kann, ohne permanent von der Seite angesprochen und abgelenkt zu werden. In denen ich mit hochmotivierten Kindern arbeiten kann. Lachen kann. Blödeln kann. So wie diesen hier. Und wenn einer in diesen Zeiten das Lachen nicht verlernt hat, dann ist es diese Klasse. Einfach wow. Bzw. Miau 🙂

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  • Technik,  Unterricht

    Apps im Unterricht – Folge 9: Squid

    Wenn es um Apps zum Erstellen von Notizen auf Android geht, führt irgendwann kein Weg an Lecture Notes vorbei. Seit meinem ersten Tablet ist das Programm von Acadoid Developer fester Bestandteil meines App-Fundus. In mehreren Beiträgen (hier, hier, hier und hier) habe ich mir das Programm mit seinen schier endlosen Einstellungen zur Individualisierung erschlossen und war sehr zufrieden damit. Dabei habe ich gar nicht gemerkt, dass über die Zeit ein paar echt nennenswerte Alternativen auf dem Markt erschienen. Squid ist eine davon. Die App ist insgesamt deutlich abgespeckter als Lecture Notes. Aber das muss nicht notwendigerweise ein Nachteil sein, wenn man einfach eine App sucht, um Notizen zu erstellen.

    Grundausstattung

    Optisch kommt Squid schlicht, aber eigentlich ganz schick daher. Die Notizen sind ähnlich wie in Lecture Notes in einer digitalen Bibliothek als Bücher arrangiert, die als Cover jeweils die erste Seite des Dokuments zeigen. Damit hat man auf einen Blick vor Augen, was den vergesslichen Schreiberling im jeweiligen Dokument erwartet. Mit einem Klick darauf öffnet sich dann der digitale Notizblock. Der kommt in der Grundausstattung sehr aufgeräumt und funktional daher: Auf einem vorgegebenen Hintergrund, der wahlweise im Linien- oder Karomuster daherkommt, lassen sich in allen möglichen Farben Notizen machen oder selbige bei Bedarf mit einem virtuellen Radiergummi löschen. Ich weiß, absolute Grundausstattung und für eine kostenlose App geht das auch vollig in Ordnung. Mehr ist aber in der Hinsicht aber auch nicht drin.

    Gehobene Ausstattung

    Bei einer Zahlung von einmalig 3,29€ lässt sich das so genannte Toolpack freischalten. Damit wird die App um ein Auswahltool, sowie ein Textmarker-Werkzeug erweitert, mit dem sich wichtige Aspekte in den Notizen in Highlighter-Manier in sämtlichen Farben markieren lassen.
    Noch umfangreicher ist in dieser Hinsicht die Premium-Version, für die man monatlich mit 1€ oder jährlich in einem Abo für 10€ zur Kasse geboten wird. Dafür bekommt man Zugang zu Linienpapier unterschiedlichster Couleur: Neben dem üblichen Karo- und Linienmustern gibt es selbige Versionen auch mit Rand, sowie Linienpapier für Musik, Templates für taktische Teamaufstellungen unterschiedlichster Sportarten, Baseball-Tabellen und Fußballfelder. Ganz besonders cool finde ich persönlich die üppige Auswahl an Vorlagen für Tagesplaner. Damit hat man permanent ein voll funktionsfähiges, gut aussehendes Filofax in der Tasche.

    Die insgesamt 49 Vorlagen, die man für sein Geld erhält, sind schön gemacht. Für mich als Lehrer kommen allerdings nur eine Handvoll davon in Frage, und solange ich nicht vorhabe, ein Baseballteam an der Schule zu etablieren, sind die meisten Templates eher eine nette Dreingabe denn eine tatsächlich lohnende Investition. Ob das die Abo-Option rechtfertigt? Bei mir eher nicht. Vor allem, da auch die Standard-Templates ausschließlich angelsächsische Kundenwünsche bedienen. Das gute liniert-kariert mit Rand gibt es leider nicht.

    Ein Auszug aus den möglichen „Papieren“ der Deluxe-Version

    Menü

    Wo Lecture Notes mit Menüs im Überfluss überrascht und auch gerne mal überfährt, kommt Squid angenehm aufgeräumt daher. In den Leisten gibt es lediglich eine Handvoll Icons zur Verfügung:

    Klein, aber fein: Die Menü-Leiste

    Ein Image-Tool, eine Menü zur Farbauswahl und dann das Schreibwerkzeug, in dem man Einstellungen für das Zeichnen von geometrische Formen sowie den Freihand-Modus findet, in dem sich das Stift- oder Textmarkerwerkzeug auswählen lassen. Ersteres lässt sich durch Klick auch auf Druck sensibilieren. Für Besitzer eines S-Pens sehr komfortabel, denn so sieht das Schriftbild angenehm organisch aus. Gelöscht wird übrigens einfach mit dem Finger, da die App zwischen Haut- und Stiftkontakt unterscheiden kann. Prima.

    Die verschiedenen Schreibmodi im Überblick

    Flow-Erlebnis

    Den größten Vorteil bei Squid sehe ich allerdings in der nahtlosen Integration aus Evernote heraus. Denn das Programm schließt eine Kluft, die sich vor knapp zwei Jahren aufgetan hatte: Damals war es noch problemlos möglich, Dokumente aus Evernote heraus mit einer beliebigen App zu öffnen, zu bearbeiten und die editierte Version automatisch wieder in Evernote zu speichern. Das war richtig komfortabel. Umso genervter war ich, als das auf einmal nicht mehr funktionierte. Nach Aussage des Supports hing das nicht mit Evernote direkt, sondern viel eher mit den Limitierungen der verwendeten Android-Version zusammen. Und daran hat sich bis heute nichts geändert: Sobald ein Dokument in Evernote geöffnet wird (zum Beispiel ein PDF), wird es in die entsprechende App geladen, in der ich meine Änderungen vornehme. Diese muss ich innerhalb der App abspeichern, wo dann eine neue Version auf dem Tablet gesichert wird. Möchte ich diese wieder in Evernote haben, muss ich das gute Ding erstmal auf dem Tablet suchen und dann nach Evernote schieben. Man sieht, einfach ist anders. Zum Beispiel in Squid.

    Hier wird jedes PDF automatisch in der Bibliothek zwischengespeichert, sodass man problemlos seine Änderungen vornehmen kann, die das Programm automatisch übernimmt. Ist man mit den Notizen fertig, findet man das bearbeitete PDF in der Bibliothek und kann es über „Exportieren“ das Dokument sofort wieder nach Evernote schicken. Nicht ganz so einfach wie früher, aber definitiv besser als das Gewurschtel von kurz zuvor.

    Damit ist Squid für mich im Moment wirklich das Tool, das beim Erstellen von Notizen und Bearbeiten von PDFs derzeit meine beiden laufenden Apps – Lecture Notes und EZPDF – ersetzt. Beide Apps können zusammen tausend Mal mehr als Squid. Aber für den Alltagsgebrauch ist mir dieses tausend Mal mehr auch mal schnell zuviel. Squid ist unaufgeregt, auf den Punkt gebracht und tut genau, was es soll. Klare Download und Kaufempfehlung!

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  • Allgemeines,  Alltag,  Unterricht

    Herbstferien

    Mann, werden das Ferien werden! Ich hab mir nämlich nichts vorgenommen. Rein gar nichts. Hier liegen zwei Schulaufgaben, die korrigiert werden müssen, ein Blog, der endlich mal wieder ein bisschen Futter braucht. Aber mehr wird in diesen Ferien nicht passieren. Dank einer Inzidenz von mittlerweile über 130 bleiben ab Montag auch Möglichkeiten zur Zerstreuung außerhalb der heimischen vier Wände begrenzt: Lokale machen wieder zu, Fitnessstudios ebenfalls.

    Daten von muenchen.de
    Ob die Taktik zum Erfolg führen wird, ist fraglich, weil sich die Leute dann einfach woanders treffen. Abends geht es in den öffentlichen Anlagen in München zu wie im Taubenschlag. Englischer Garten, Hofgarten, Königsplatz, Friedensengel. Überall stehen Horden von Leuten beieinander mit Feierabendbier und Prosecco-Fläschchen in der Hand und einem „Was kümmert’s mich?“ im Gesicht. Dass ich für bzw. wegen solcher Herr- und Frauschaften zu Hause bleiben soll, ist streckenweise schwer zu ertragen. Aber Hauptsache heulen, wenn Weihnachten dieses Jahr getrennt stattfinden muss und Christkindlmärkte geschlossen bleiben. Dass manche Leute echt keine 2 Meter weiter denken können…

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    Corona-Wochen 3-7

    Am Anfang dachte ich noch, ich könnte das Corona-Schuljahr – wie man es mittlerweile ja nennt – hier regelmäßig im wöchentlichen Rhythmus festhalten. Aber die Ereignisse nehmen so an Fahrt auf, dass man überhaupt nicht mehr richtig mit dem Verarbeiten hinterher kommt:
    Mittlerweile ist München trotz aller allgemeinen Anstrengungen auf einem Inzidenzwert von knapp über 72 (Stand 19.10) angelangt. Während Landkreise um uns rum bei ähnlichen Werten schon längst auf geteilte Klassen setzen (siehe beim Kollegen Herrn Rau), arbeiten wir nach wie in voller Klassenbesetzung. Mund-Nasenschutz müssen alle Mitglieder der Schulgemeinde zu jeder Zeit tragen (Pausenhof, Klassenzimmer, Lehrerzimmer, Gänge etc.). Immer noch. Seit mittlerweile sieben Wochen. Durch regelmäßiges Stoßlüften, für das uns der Guardian in den UK (augenzwinkernd ?) Respekt zollt, versuchen wir, dem Infektionsrisiko Einhalt zu gebieten. In der goldenen Oktobersonne ist das noch ganz nett, aber warten wir mal ab, wenn der November mit Dauerregen losschlägt und in der Oberstufe 90 Minuten lang Klausuren geschrieben werden müssen – im Zwiebellook und Dekcen auf dem Beinen. Aber no more of that. Wir können es nicht ändern – ganz im Gegensatz zu unserem Mindset.

    Bild von https://www.muenchen.de

    Das gefällt mir nämlich in diesem Jahr deutlich besser als im letzten, wo man vielleicht doch ein bisschen zu lange vorsichtig darauf gewartet hat, dass der Sturm vorbei zieht. Dieses Jahr machen wir Nägel mit Köpfen: Microsoft Teams ist aufgesetzt und mit einem Großteil der Klassen schon einmal durchgetestet worden. Die Stadt München ist regelmäßig mit uns in Verbindung und schickt uns zuverlässig für unsere Bedürfnisse die entsprechende Technik wie USB-Kameras und Headsets, die ich als Systembetreuer mit flinken Händen an die entsprechenden Kollegen weitergebe. Leih-iPads trudeln ein und werden an Familien ohne entsprechende Geräte schon einmal vorsichtshalber mit Hilfe eines Leihvertrages weitergegeben. Elternabende und Plenumsdiskussionen für Klassen und die Oberstufe werden online abgehalten. Im Kollegium bildet man sich online fort und opfert freiwillig die knapp gewordene Freizeit am Nachmittag oder Abend. Manche Kolleg*innen machen das pro Woche 2-3. Zu mebis, zu MS Teams, zu kollaborativem Arbeiten, zu H5P (zum Beispiel auch in meiner ersten eigenen Fortbildung, die ich mit Christian Mayr abhalten durfte). Es sind alles kleine Handgriffe, die man außerhalb der Schulfamilie vielleicht nicht sieht. Aber sie greifen wie winzige Zahnräder ineinander. Langsam und immer mehr. Hoffen wir nur, dass unsere Maschinerie auf kleinen Hebeln und Rädchen auch dem Sturm standhält, wenn er loslegt. Denn er wird kommen. Früher oder später wird er kommen. Es geht gerade erst los.

    Passt auf euch auf!

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    Corona-Woche 2


    Tja, da ist sie ja. Die Wiesn. Oder viel besser: Da ist sie nicht. In Zeiten von Corona fällt dieses Jahr die fünfte Jahreszeit in München aus. Stattdessen hat man sich die Wirtshauswiesn ausgedacht, um ein bisschen Oktoberfest-Flair zu verbreiten. „Wiesn ist ein Lebensgefühl“. Damit werben 50 Lokale in der Stadt, um mit Blasmusik und Tracht den Münchnern und Touristen zumindest ein bisschen Stimmung zu bieten. Die Idee scheint ganz gut anzukommen. Bei dem Wetter auch kein Wunder. Unter strahlend blauen Himmel tönen Blechbläser am Samstag  quer durch die Fußgängerzonen. Die Restaurants sind gut gefüllt (Tische brav mit Plexiglas voneinander abgetrennt), die Außenbereiche mit Erntegirlanden geschmückt, die Leute mit Lederhosen und Dirndl entsprechend aufgehübscht. Die Stadt ist nicht brechend voll. Aber es brummt. Und zwar gewaltig – nicht gut…

    Infektionszahlen in München, Stand 20.09.

    Denn gerade hat München die drastische Marke von 50 Infektionen auf 100.000 Einwohner überschritten, die für uns Schulen so schicksalsträchtig ist. Denn sie entscheidet darüber, wie wir für die nächste Zeit unterrichten werden. Ob wir ab Dienstag in einer regulären besetzten Klasse stehen oder wieder nur vor einer Hälfte wie letztes Jahr nach Corona, wissen wir nicht. Auf jeden Fall bleibt die Maske für alle Münchner Schulen im Unterricht vorerst auf. Soviel ist sicher. Als Schule haben wir damit eigentlich schon damit gerechnet. Und man gewöhnt sich ja bekanntlich an alles. Nach Woche zwei bin ich schon ganz geübt darin, wann ich welche Maske auf dem Gelände zu benutze. Auch das Erkennen von Schülerinnen und Schülern allein anhand der Augen geht mittlerweile erstaunlich gut. Ganz im Gegensatz zu gewissen Automatismen, die sich über die Jahre bei mir eingebürgert haben. Kaffeetrinken zwischen Unterrichtsstunden zum Beispiel. Ein Ritual, das mir in Fleisch und Blut übergegangen ist. Wenn es stressig wird, ist der Gang zur Maschine fast schon ein unbewusster Vorgang, den ich gar nicht mehr so richtig wahrnehme. Leider. Denn im Stressflow habe ich schon mehrmals vergessen beim Trinken den Mundschutz abzunehmen. Das Ergebnis könnt ihr euch vorstellen.
    Noch schlimmer macht sich dieser Tage allerdings meine Angewohnheit bemerkbar, die ich seit Jahren bei einem trockenen Hals verfolge. In diesem Fall greife ich gerne zu meinen bewährten Fisherman’s Friends. Nur muss dieses Jahr danach gleich wieder der Mund-Nasenschutz drauf; ein Schritt, den ich nach der Durchführung sofort bereue. Denn durch das Textil vor dem Mund ist man seiner eigenen minzigen Atemluft ausgeliefert, die man gleich wieder in sich aufnimmt. Schlimmer noch: Ein Teil der ätherischen Düfte entweicht über den Rand des Mund-Nasenschutzes direkt in Richtung Augen. Das Ergebnis bekommt meine siebte Klasse zu sehen, als ich das Zimmer betrete: Die Augen sind komplett gerötet und aufgequollen. Ich sehe aus, als hätte ich die komplette Nacht durchgeheult. Die Klasse reagiert leicht beunruhigt, lässt sich aber mit ein paar Erklärungen entsprechend beschwichtigen.
    Viel bestürtzter reagiert meine sechste Klasse, die ich aus dem letzten Jahr geerbt habe, als ich so vor ihnen stehe. Sofort bin ich von einer Runde besorgter Ersatzmamis umringt, die bestürzt wissen wollen, was passiert sei.  „Ist Ihre Frau gestorben?“ ,“Ist unsere Ex so schlecht ausgefallen?“ , „Ziehen Sie weg?“ sind nur einige der zahlreichen Nachfragen der Kinder. Am besorgtesten ist allerdings die kleine Franzi. Und am lösungsorientiertesten: „Ich tippe auf eine Bindehautentzündung“, meint sie mit kündigem Blick in meine Augen. „Reiben Sie mal, und schauen Sie, ob es weiter weh tut. Dann könnte ich Ihnen morgen eine Salbe mitbringen. Meine Mama ist Augenärztin.“
    Hach!

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    4.5
  • Allgemeines,  Alltag,  Unterricht

    Schuljahr 1.5

    So komisch wie die Ferien waren, ging auch gleich das neue Schuljahr los. Und schon am ersten Tag der Konferenz ist klar: Das wird kein Jahr wie jedes andere: Jede Kollegin und jeder Kollege sitzt in gebührendem Abstand voneinander entfernt. Alle brav mit Mund-Nasenschutz. Einige von uns sind mittlerweile sogar auf eine Form des Plastiksichtschutzes umgestiegen, der entweder an der Stirn oder am Kinn fixiert wird. Wie Pädagogik-Transformer sitzen wir in gespannter Erwartung und lauschen den Einleitungsworten unseres Chefs.

    Nach außen sieht das Schuljahr aus wie sonst. Es gibt die üblichen Termine: Wandertage, Elternsprechabende, Klassenelternabende. Ein Kollegenausflug ist geplant. Aber hinter allem steht ein großes Fragezeichen: Was, wenn Corona uns einen Strich durch die Rechnung macht? Wandertag ja, aber nur bei schönem Wetter. Kollegenausflug ja, vorausgesetzt, die Größe der Gruppe bleibt überschaubar. Klassenelternabende ja, aber wenn wir zu sind, am besten über Teams. Dasselbe gilt auch für den Unterricht selbst: Für die ersten zwei Wochen schickt Bayern seine ABC-Schützen mitsamt Lehrerschaft in Vollbesetzung in den Unterricht. Allerdings mit einer Maskenpflicht für alle und überall auf dem Schulgelände. Ausnahmslos. In den Gängen, auf dem Pausenhof, im Lehrerzimmer, im Unterricht selbst haben alle einen Mundschutz zu tragen. Sollte in entsprechenden Regionen Bayerns die 7-Tage-Inzidenz von 35 überschritten sein, bleibt die MNS-Pflicht bestehen. Und die ist in München ist schon nach Schultag 2 bei 43. Die Schulgemeinschaften der Landeshauptstadt dürften also ziemlich sicher diese kleidsamen Gesichtsschleier weiterhin (er-)tragen.
    Wie unangenehm das ist, merke ich spätestens am Tag darauf in meinem  Oberkurs am eigenen Leibe. Durch den Mundschutz verstehen wir einander deutlich schlechter als sonst. Die Hälfte der Schülerbeiträge bin ich beschäftigt nachzufragen, was gesagt wurde oder zu mutmaßen, wer sich hinter dem Mundschutz verbirgt. Man erkennt die Leute kaum, sondern starrt stattdessen in 25 Augenpaare, die wie im Tatort-Opener stummt in alle Himmelsrichtungen schielen. Geredet wird deutlich weniger als sonst. Ich kann es gut nachvollziehen, mich selbst strengt das Reden ordentlich an. Schlimmer noch: bei dem ständigen CO2-Nachschub, den man durch die ausgestoßene Atemluft zu sich nimmt, merke ich mich schon nach einer halben Stunde eine bleiernde Müdigkeit befallen. Alles, was mich vom Einschlafen abhält, sind die Fussel, die sich durch meinen Bart vom Innenfutter der Mundschutzes lösen, und das tropisch-feuchte Klima, das dort herrscht. Disgust keeps me awake.

    Nach dem Wochenende dürfte in München die Infektionszahl die 50 gesprengt haben. Ab dann können die Klassen wieder geteilt werden, müssen aber nicht. Der Bürgermeister Dieter Reiter ließ noch am Freitag verlautbaren, dass, egal wie die Zahlen aussehen, die Schulen noch am Montag Regelunterricht hätten. Und danach?

    Let’s wait and see…

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  • Allgemeines,  Buch,  Pädagogik,  Technik,  Unterricht

    Sommerferien 0.5

    Summer moves on in Bavaria. Mit dieser Woche begeht Bayern seine letzte Woche der Corona-Sommerferien. Was waren das nur für Tage! Entgegen sämtlicher Prognosen hatte Oberbayern fulminantes Bombenwetter. Tagelange Schönwetterperioden, milde Nächte, ab und an ein erfrischendes Regengewitter. Freunde treffen, Grillen, Baden in Starnberg, Wörthsee, Pilsensee und der Isar. Dazu gutes Essen und stundenlanges Radeln durch die Münchner Innenstadt auf der Suche nach einem neuen, bis lang ungekannten Biergarten haben einen fast vergessen lassen, was das für ein abgefahrenes Schuljahr war.

    Bavarian Chilling am See

    Fast. Denn so richtig abschalten ging irgendwie nicht. Das ständige Ausfüllen von Registrierungen in den Lokalen wies immer wieder auf den Ausnahmezustand hin. Ebenso wie der ausgefallene Urlaub in Griechenland, oder der gehörige Sicherheitsabstand, mit dem die meisten diszipliniert an den Seen lagen. Ganz im Gegensatz dazu die ärgerlichen Versammlungen in der Münchner Innenstadt, wo sich allabendlich Tausende von Feierwütigen sammelten und auf dem winzigen Gärtnerplatz drängelten. Das Ergebnis waren erhöhte Infektionszahlen in der Weltstadt mit Herz, die als Konsequenz jetzt trocken gelegt wird. Ab letzter Woche ist der Alkoholausschank ab 21 Uhr verboten, damit die Leute nüchtern weniger leichtsinnig sind. Ob die Taktik erfolgreich ist, muss sich zeigen. Man muss ja nicht betrunken sein, um unvernünftig zu sein, wie wir gerade erst am Wochenende in Berlin gesehen haben.
    In der Woche, in der die bayerische Regierung nun eine Erklärung geben will, wie das nächste Schuljahr ablaufen wird, liest man derartige Negativschlagzeilen sehr ungern: Denn auch zehn Tage vor Beginn des neuen Schuljahres wissen die Schulen immer noch nicht, wie 2020/21 ablaufen wird. Eins aber ist klar: Je mehr die Zahlen nach oben schießen, desto realistischer werden Einschränkungen, die uns letztes Jahr so den Nerv geraubt haben. Als Schule haben wir versucht, uns in den Sommerferien für alle Eventualitäten zu wappnen: Microsoft Teams steht als Ersatzprodukt für Webex Teams in den Startlöchern. Leih-Tablets sind beschafft. Einen weiteren iPad-Koffer habe ich über die Ferien mit einer Kollegin zusammen mit zusätzlichen Geräten bestückt und vorkonfiguriert.

    Lektorieren – Yay!

    Für die Schüler*innen haben wir im Teamwork bei Mebis einen Minikurs erstellt, der die Schüler systematisch an die einzelnen Grundfunktionen heranführt und so auch die Mebis-Neulinge auf Spur bringt. Nebenbei sind die Kollegen angehalten, über die Sommerferien vom Online-Fortbildungsprogramm Gebrauch zu machen und sich zum Thema Digitaler Unterricht ein bisschen auf den neuesten Stadt zu bringen. Dazu habe ich mir auch noch die Mitarbeit an einem Schulbuch aufgehalst, die mich täglich doch einige Stunden gekostet haben.
    So führte das alles dazu, dass sich die Sommerferien 2020 genauso halbgar bei mir angefühlt haben wie es das Schuljahr hatte. Aber wir machen das Beste draus. Ich freu mich auf das Schuljahr – egal, wie es aussehen wird.

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  • Technik,  Unterricht

    Mebis-serl was geht immer: Folge 2: Das Mebis-Grid-Layout unter der Lupe

    Wer in den Sommerferien in Vorfreude aufs neue Schuljahr mal kurz in Mebis geblinzelt hat, dürfte etwas erstaunt gewesen sein. Für viele völlig unbemerkt, hat das Mebis-Team über die Sommerferien am 18. August ein großes Update eingespielt, das auf Moodle 3.9 basiert. Ein großes Update, das sich sehen lassen kann. Und das meine ich wörtlich. Das neue Layout ist eine Augenweide. Ich persönlich war ganz besonders darüber erstaunt, dass jetzt auch viele Optionen, die noch in der alten Version zwar anwählbar, aber oftmals ohne Funktion waren, nun endlich Verwendung finden. Nirgendwo habe ich das mehr gemerkt als im Gridlayout, mit dem man jeden Standardkurs optisch richtig auffrisieren kann.

    Aktivieren des Grid-Designs

    Aktivieren lässt es sich wie immer unter den Kurseinstellungen. Ein Klick und das war’s.

    Das Grid-Format lässt sich unten links auswählen. Alle weiteren Optionen zu den Kacheln finden sich unter „Kursformat“ oben rechts.

    Den Rest macht Mebis automatisch: Jeder der Themen-Abschnitte präsentiert ab jetzt als Kachel, die auf Mausklick alle darin vereinigten Aktivitäten freigibt. Aber es sind vor allem die Kacheln selbst, die sich mit zahllosen Optionen anpassen lassen. Nur sind das für den Anfänger vielleicht ein paar zu viele. Das habe auch ich beim erstmaligen Nutzen gemerkt und echt eine gewisse Zeit gebraucht, um die verschiedenen Optionen finden und verstehen zu können. Meine gesammelten Erkenntnisse hoffe ich euch heute mal ein bisschen zur Nachahmung an die Hand geben zu können. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen ja.

    Elemente einer Kachel

    Schauen wir uns dafür mal eine Kachel und die dazugehörigen Elemente einmal im Großformat an, die sich jeweils unter den Kurseinstellungen  Dazu habe ich in einer Kachel meines Oberstufenkurses mal sämtliche Elemente hinzugeschaltet. Mit einem Klick darauf lassen sich sämtliche Optionen mitsamt Erklärung einblenden, die Mebis für das jeweilige Element unter der Rubrik „Kursformat“ anbietet. Bitte nicht erschrecken. Die krasse Farbwahl ist nur gewählt, um die einzelnen Elemente voneinander abzuheben.

    Die Farben der einzelnen Elemente werden aus folgenden Farbdefinitionen unter „Kursformat“ gespeist:

    Ein paar ganz besondere Optionen bieten sich noch gegen Ende:

    • Bildmitteilung für neue Aktivität: Sollte im jeweiligen Themengebiet eine neue Aktivität eingestellt sein, lässtsich mit einem ja in dieser Option ein entsprechendes Label in Erscheinung bringen, das von neuen großartigen Dingen im Thema kündet.
    • Nicht Verfügbares ausgrauen: Ist ein Thema über die Einstellungen als unsichtbar markiert, kann es bleibt es
      Ein Schleier legt sich über ausgegraute Boxen

      den Schülern entweder komplett verborgen (hierbei bitte im Kursformat ganz oben unter Verborgene Abschnitte die Option vollständig unsichtbar auswählen) oder es kann ausgegraut angezeigt werden. In diesem Fall mit ja bestätigen und sich darauf freuen, der jeweiligen Klasse mit dieser Option ein paar Teaser vor die Füße zu werfen.

    Beispiele von Kacheln

    Mit diesen Optionen lässt sich einiges anstellen. Daher habe ich meiner Kachel exemplarisch mal ein paar verschiedene Designs verpasst, um davon einen Eindruck zu geben.

    Man sieht, die Anzahl der Optionen ist riesig. Aber wenn man weiß, welche Option wofür steht, lassen sich ein paar wirklich schicke Sachen verwirklichen. Für alles weitere in dieser Hinsicht empfehle ich auch noch einmal ganz ausdrücklich das tolle Mebis-Video von Marc A. Hennekes , das noch ein paar Bewegtbilder zu dem Thema kommentiert.

    Dieses Video ansehen auf YouTube.
    Die Verbindung zu YouTube wird erst bei einem Klick auf den Screenshot hergestellt.

     

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    H5P Olé – Teil 7: Fill in the Blanks

    Es wird mal wieder Zeit für ein bisschen H5P-Zauberei. Und in Folge 7 des kleinen Lernkurses wollen wir jetzt auch mal wieder ein paar interaktive Elemente ausprobieren, die ein kleines bisschen mehr abverlangen als schnödes Anklicken. Den Anfang macht die Aktivität Fill in the Blanks, eine Aktivität, die ich persönlich vor allem im Lateinunterricht sehr häufig nutze. Ich finde die Aktivität schon ein bisschen fordernder als Drag the Words, weil hier nicht nur gezogen und geschoben werden muss – was ja auch durchaus die Möglichkeit bietet, einen Zufallstreffer zu landen – sondern explizit geschrieben. Und da merkt man recht schnell, wer was kann und wer nicht.

    Aber jetzt mal los.

    Wie geht’s?

    Ein Anfang ist schnell gemacht: Unter Titel wird der Aktivität einfach ein sinnstiftender Name gegeben, damit man ihn auch besser in seinem Wust an H5P-Aktivitäten findet. Unter Aufgabenbeschreibung wird eine kurze Erklärung des Arbeitsauftrages hinterlegt. Und dann geht’s auch schon ans Eingemachte:

    Die Optionen bei Fill in the Blanks

    Im Textfeld von Textblöcke wird nun der zu behandelnde Stoff eingetippt – inklusive Lösungswörter. Jedes Wort, das eingetippt werden soll, wird hierbei mit * markiert, damit H5P Bescheid weiß und hinterher für den User an dieser Stelle eine Lücke lässt.  Sind mehrere Lösungen zu einer Lücke möglich, werden die alternativen Antworten innerhalb von * mit einem Schrägstrich / definiert. Ein : innerhalb der Sternchen eröffnet die Möglichkeit, einen kleinen Hinweis auf die Lösung zu hinterlegen. Das war es aber auch schon. Hier mal der Quelltext meiner kleinen Übung (wenn man mein dilettantisches Geschreibsel überhaupt als Quelltext bezeichnen kann…

    … und anschließend der Test in Reinform (man beachte: der gegebene Tipp versteckt sich inter einem blauen i)

    Da es sich hier um eine kleine Testaktivität handelt, lassen sich bei Fill in the Blanks natürlich auch Feedback-Optionen einstellen. Wie das funktioniert, habe ich schon in Folge 1 bei der Aktivität Drag the Words besprochen. Allerdings gibt es hier noch ein paar zusätzliche Optionen, die aber völlig selbsterklärend sind. So lässt sich einstellen, wie pingelig H5P bei Rechtschreibfehlern oder Groß-Kleinschreibung sein soll oder lässt die Möglichkeit zu, den Test ein zweites Mal zu machen. Im Beispiel bei mir ist das selbstverständlich ausgeschaltet. Ihr sollt ja was lernen bei mir. Ätsch!

    Wenn ihr weitere sinnvolle Einsätze auf Lager habt, sagt Bescheid! Am besten in den Kommentaren!

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