• Allgemeines,  Alltag,  Technik,  Unterricht

    Team Evernote: Neue Widgets hat das Land

    Evernote benutze ich nun seit neun Jahren für den Unterricht. Als ich 2013 damit begann, öffnete sich damit für mich eine ganz neue Art Unterricht abzuhalten. Für mich war Evernote der erste und wichtigste Schritt hin zum papierlosen Büro. Mittlerweile ist es aus keinem meiner Lebensbereiche wegzudenken. Ich organisiere alles damit: Steuer, Kassenzettel, Unterrichtsvorbereitung, Reisevorbereitungen, Abspeichern von Anleitungen oder Webartikel. Umso besorgter war ich, als Evernote mehr sein wollte als nur pfiffiger Notizenverwalter. Es folgte ein komplettes Redesign der Oberfläche, neue Tarife, ein Tod vieler liebgewonnener Nebenapps (Goodbye Evernote Recipes und Sketch) sowie eine neues System der Datenbank. Und da waren sie schon, die Probleme:

    Neue, kratzige Kleider

    Die Datenbanken mussten umständlich eingelesen werden und reagierten mit ärgerlichen Wartezeiten. Auch die neue Oberfläche der Webversion benötigte in der Schule fast drei Minuten, bis alles geladen war, und trieb mir in der Eifer des Unterrichtsgefechtes regelmäßig den Puls nach oben. Als dann auch noch ein Startbildschirm mit konfigurierbaren Widgets aufschlug, wurde ich zunehmend unsicher, ob ich die Zukunft mit Evernote tatsächlich weiter gehen wollte. Das war VOR dem Update. Mittlerweile möchte ich dieses Feature überhaupt nicht mehr missen. Das liegt vor allem an zwei zur Verfügung stehenden Widgets, die für mich essenziell geworden sind:

    Mit dem Startbildschirm wird Evernote zu einer echten Multitasking-Schaltzentrale

    Aufgaben-Widget

    Die Möglichkeit Aufgaben zu erstellen war in einer der letzten Evernote-Versionen für zahlende Kunden bereits als Beta-Feature zum Testen verfügbar. Letztendlich sind sie eine pfiffige Weiterentwicklung der Checkliste, die in Evernote schon seit Jahren existiert. Der Unterschied? Checklisten sind jeweils immer in einer Notiz abgelegt. Wenn ich für die Systembetreuung an meine Checkliste möchte, muss ich dazu die entsprechende Notiz aus meinen Notizbüchern fischen, was angesichts der dort vorhandenen Menge schon ein bisschen dauern kann. Sind diese Checklisten hingegen als Aufgaben definiert, geht das deutlich schneller: Denn Evernote filtert aus allen Notizen die darin abgelegten Aufgaben und präsentiert sie in einem Widget auf dem Startbildschirm in einer hübschen Gesamtansicht. Auf Wunsch sogar chronologisch geordnet. Das Herumfummeln in Unterordnern entfällt damit völlig.

    Sämtliche Aufgaben, die in Tausenden von Notizen zu finden sind, fischt das Aufgaben-Widget übersichtlich auf einen Blick zusammen

    Kalender-Widget

    Die Idee dahinter ist alt: Das Widget zapft, wie der Name schon erahnen lässt, ein Google Konto an, den man vorher mit seinem Evernote Konto verknüpft hat, und präsentiert alle darin enthaltenen Kalender direkt auf dem Startbildschirm. Daten, die man entweder über Smartphone oder über Programme wie Thunderbird über ein Add-On wie “Provider for Google Kalender“, eingibt, landen beim nächsten Hochfahren im Evernote Widget: Geburtstage, Termine von Schulaufgaben, Fortbildungen. Alles. Damit nicht genug: Zu jedem dort abgelegten Ereignis kann ich bei Bedarf eine Notiz in Evernote erzeugen lassen, die mit dem Datum verknüpft ist. Fällt z.B. ein Termin in einer Lehrerkonferenz an, kann ich im Vorhinein in einer Notiz eine Checkliste mit Aspekten erstellen, die ich in meiner Ansprache nutzen möchte. Wenn der Termin ansteht, wird mir zusätzlich zu einer Erinnerung im Kalender die dazugehörige Notiz präsentiert. Das ist wirklich clever gelöst. Und damit ab jetzt Teil meines digitalen Lebens 😊

    Zu den synchronisierten Events im Google-Kalender lassen sich automatisch dazugehörige Notizen erzeugen.
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  • Prüfungen,  Unterricht

    Wie (ge-)wichtig ist ein Abitur?

    Laut Waage circa 1468 Gramm. 😎 Ein riesiges Konvolut an Blättern, Bögen, Geheften und Papieren ziert seit letzten Freitag den Schreibtisch und harrt gespannt seiner Endkorrektur. Aber das tue auch ich. Denn nach zwei Jahren Zusammenarbeit wartet man gespannt, was der Kurs am Ende zustande bringt. Aktuell sieht es ganz gut aus.

    Schöne Aufgaben

    Das liegt zum einen Mal an den Aufgaben: Keiner der Texte war übermäßig abgefahren oder schwer. Der eine oder andere Cartoon zur Interpretation war eventuell etwas diffiziler zu beschreiben, aber das große Schockerlebnis blieb aus. Mit Themen wie der Geschichte von Wikipedia oder digitalen Medien war man gut am Puls der Zeit, der literarische Text bot mit Fragen zur Charakterisierung und Erzählperspektiven den üblichen Standard, auf den man den Kurs über Monate zielgenau vorbereitet hat. Ganz interessant fand ich, dass den Prüflingen durch die Bank gewisse Details im Text völlig neu waren. Niemand – absolut niemand – konnte mit einem Namen die Douglas Adams etwas anfangen. Sein Hitchhiker’s Guide to the Galaxy wurde mehrere Male als a book called bezeichnet, als sei es ein gänzlich beliebiger Titel. Auch die Fuggerei ist den meisten schlichtweg unbekannt. Einige sahen den Begriff als architektonischen Stil für Gebäude an, den man im Augsburger Stadtbild überall findet. Umspielt wurden solche Wissenslücken durch die Bank von allen recht charmant. Aber komplett verbergen ließen sie sich nicht. Gut ausfallen werden die Arbeiten dennoch – auch wegen der Bewertungsmaßstäbe.

    Fluffige Bewertungen

    Die einzelnen Teile der Prüfung sind gefühlt etwas zu wohlwollend gewertet. Alleine die Listening Comprehension macht mit gerade mal 30 Minuten Bearbeitungszeit nicht mal 10% der insgesamt 315 Minuten Prüfungszeit (!!!) aus. Gewichtet wird sie allerdings mit 20%. Wer dort die komplette Punktzahl erreicht hätte und im Anschluss nach Hause gegangen wäre, hätte drei Punkte (Note 5+) erreicht, ohne auch nur einen englischen Satz zu geschrieben zu haben. Der Erwartungshorizont der einzelnen Aufgaben ist sehr umfangreich und vergibt selbst für kleine Details wohlwollend Bewertungseinheiten. Alleine in der literarischen Charakterisierungsaufgabe werden zahlreiche Aspekte gewertet, die ich in einer Schulaufgabe als nice to have angesehen hätte, aber nicht groß gezählt hätte. Der Hauptcharakter ist Afro-American? Punkt. Er studiert Kunst? Punkt. Er kommt aus Atlanta? Und noch ein Punkt. Ich weiß, das gehört zu einer Charakterisierung dazu, aber das wäre in einer Schulaufgabe bei mir perfektes Füllmaterial für eine Einleitung gewesen. Mehr aber auch nicht. Aber ich will ja keinem die Punkte abstrittig machen und halte mich brav an die Vorgaben, sodass aus der Aufgabe jeder mit guten Inhaltsnoten rausmarschiert.

    Aber selbst Komplettausfälle bei einzelnen Aufgaben im schriftlichen Teil wären durch die Bewertung gut abgefedert. Eine Themaverfehlung in einer der vier Aufgaben wiegt bei weitem nicht so schwer, wie in einer regulären Schulaufgabe. In einem Englischabitur wirklich abzuschmieren ist echt schwer möglich – was ich natürlich niemandem wünschen möchte. Ich bewerte inhaltlich nach den Maßstäben, die der Erwartungshorizont stellt, und sprachlich nach den meinigen. Aber man fragt sich schon, wie aussagekräftig am Ende so eine Zensur ist, die auf dem Englischabitur steht.

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  • Allgemeines,  Alltag,  Technik,  Unterricht

    From Dillingen with Love

    Tief im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben schlummert die kleine Stadt Dillingen. Direkt an der Donau gelegen, erhebt sich die pittoreske Altstadt mit ihren historischen Gebäude. Und mittendrin: die berühmte Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung, die jedem Lehrenden in Bayern ein Begriff sein dürfte. Besucht haben sie aber die wenigsten – zumindest in den letzten Monaten wegen Corona. Seit kurzem hat sie wieder ihre Pforten für Lehrkräfte geöffnet. Unter anderem auch für mich.

     

    The Hogwarts of Teaching: Die Akademie in Dillingen

    Ende April führte mich mein Weg für ein paar Tage im Zuge eines ISB-Arbeitskreises zum ersten Mal an die Akademie. Sie wirkt fast wie ein kleines Mini-Hogwarts mit ihren historischen Hallen, die ursprünglich einer Jesuiten-Universität angehörten, und den liebevoll gepflegten Innenhof anlagen, in denen Ende April überall Narzissen blühen. Im Inneren erheben sich meterhohe Hallen, die Interessierten den Weg in die entlegensten Ecken führen. Völlig unvermittelt steht man plötzlich in einer wunderschönen Kapelle oder steckt seinen Kopf in einen barocken Bibliothekssaal. Über die Gänge huschen immer wieder berühmte Gesichter aus dem Twitterlehrerzimmer über den Weg, die hier ihren Sitz haben. Da kommt Mrs Green aus der Tür, Christian Mayr erscheint, um uns zu begrüßen – und draußen im Garten flaniert Sebastian Schmidt auf dem Weg zum nächsten Workshop. Das alles fühlt sich wohlig warm und vertraut an – und inspirierend.

    Die Arbeitsphasen hier sind sehr intensiv, aber unglaublich bereichernd. Hier arbeiten Leute zusammen, die einfach Bock haben etwas auf die Beine zu stellen und die Dinge voranzutreiben. Und so wird in den nächsten Tagen so einiges geleistet: Man berät, konferiert, kreiert, kollaboriert, gibt Feedback, arbeitet kollaborativ an Verbesserungen; teilweise auch in Hybridsitzungen, in denen man abwesende Mitglieder einfach per Vis-a-vid zuschaltet – und abends haut man sich die Wampe in einem hervorragenden indischen Restaurant direkt gegenüber voll  😎 Klingt toll? Ist es auch!

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  • Allgemeines,  Unterricht

    Ups and Downs

    Die letzte Woche vor den Ferien startete mit einer altbekannten Neuerung, die schon in der Vergangenheit immer wieder rückgängig gemacht wurde: Erneut war es den Klassen gestattet, die Maske im Unterricht abzunehmen. Eine Woche vor den Osterferien. Inmitten von Regionen, in denen die Inzidenz bei knapp 2000 liegt. Bei befreundeten Kollegen in Rosenheim kommt da sogar eine Tausenderschippe drauf. Wie sich das rächen wird, werden wir erst nach den Ferien erfahren. Aber ein Blick nach Österreich offenbart uns ein mögliches Szenario.

    Die Anzahl an Kindern, die ihre Masken dennoch oben lassen, ist bei uns an der Schule erfreulich hoch. Ab der Mittelstufe ist fast ausnahmslos jeder mit einem modischen Mund-Nasenschutz bekleidet. Anders als in den örtlichen Fitnessstudios, wo man nun FFP2-unbekleidet schwitzt und ächzt. So kurz vor den Ferien definitiv ein Grund, zum Sporteln vielleicht doch wieder nach draußen zu gehen.

    Passt ja ganz gut, immerhin steht der Frühling ja erneut vor der Tür. Am besten nochmal Sonne und Energie tanken, bevor es anschließend ins Schuljahresfinale und das Abitor geht. Dann auch komplett ohne Testungen. Was mit den ganzen Test-Kits passiert, die bei uns zu tausenden in Kisten verpackt sind, oder mit den Pool-Tests, für die angeblich bindende Verträge mit den Laboren abgeschlossen wurden, schauen wir mal. Es bleibt spannend. Aber jetzt erstmal entspannen. Osterferien sind. Und die werde ich sicher brauchen.

    Zum Beispiel zum Nachlesen in den Blogs und von den neuesten Zerwürfnissen im Twitterlehrerzimmer, die an mir mal wieder komplett vorübergezogen sind. Dass es dort immer wieder zu Grabenkämpfen derartiger Schärfe kommt, finde ich schade. Vor allem vor dem Hintergrund, dass wir als Lehrkräfte eigentlich mit dem De-Eskalieren von Konflikten schon eine entsprechende Erfahrung haben sollten. Für einige ist die digitale Präsenz doch dann schon ein Stück Egotour. Schade.

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  • Allgemeines,  Alltag,  Technik,  Unterricht

    Zum Quieken

    Triff mich, wie ich diese Woche meine 8. Klasse beim Quieken messe. Wir haben nämlich nach unserer Flauschaktion ein großes Problem, das akuten Handlungsbedarf erfordert: Welches der Tierbabys ist das flauschigste? Um diese existentiellen Frage auf den Grund zu gehen, lasse ich künftig bei jeder Einstiegssequenz eine App laufen, die die akustische Gunstbezeugung der Klasse in Dezibel misst. Das Tier, das am meisten quiekende Zustimmung in Form von “Ahhs” oder “Ooohs” erhält, gewinnt. Wer wird der Sieger dieses weltbewegenden Ereignisses sein? Sind es die Kätzchen? Die Dackelwelpen? Die Chinchillas? Oder das Axolotl? Bleiben Sie dran! Es wird spannend!

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  • Allgemeines,  Alltag,  Unterricht

    Tierisch

    Die achte Klasse hat genug von schlechten Nachrichten: Die Corona-Zahlen explodieren, täglich sind neue Freunde in Quarantäne, Klassenlehrkräfte infiziert, der Stundenplan durch die ständigen Krankmeldungen ein einziger Flickenteppich. Dazu der Krieg, die Disinformation, die alptraumhaften Bilder in Nachrichten und sozialen Medien, die die Kriegsgreuel an diese Generation näher denn je bringen. Nicht zu vergessen, die übel gelaunten Erwachsenen, die mit Wutreden gar nicht mehr aufhören können: Nutzlose Regierung, irrsinnige Corona-Nicht-Regelungen, hohe Benzinpreise, Hamsterkäufe von Sonnenblumenöl. Es ist furchtbar. Davon hat die Klasse nun genug. Natürlich lässt sich das nicht alles komplett ausblenden. Aber drauf rumreiten muss ja auch nicht sein. Ein bisschen Zerstreuung muss her.

    “Können wir die Lateinstunden nicht immer mit etwas Schönem beginnen?”, heißt es aus der zweiten Reihe. Aber womit denn? “Egal”, lautet die Antwort und meine Initiative ist gefragt. Aber wie soll die aussehen? Als Lateinlehrer ist die Zeit in der achten Klasse knapp. Mit gerade mal drei Stunden pro Woche muss die Unterrichtszeit gut durchgeplant und getaktet sein. Minutenlange Phantasiereisen, um die Kinder etwas aufzufangen, können wir uns im Moment nicht leisten und würden das nur mit Lernrückständen bezahlen. Es muss kurz und knackig sein. Und so entscheide ich mich erstmal für die billigste Art der Herzensheischerei: Ich lege wortlos Bilder von Tierbabies auf. Mit riesigem Erfolg. Die Klasse ist begeistert. In Nullkommanichts ist die Truppenmoral geboostet und wir widmen uns mit glänzenden Augen dem Unterrichtsstoff. Tierisch gut! Und so kommt nun jede Stunde ein neues Mini-Lebewesen in den Lateinunterricht: Welpen, Kätzchen, Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen. Und dann zum Kontrast ein paar fragwürdige Exoten aus Gottes wunderschönem Tiergarten: Haarlose Katzen. Ein Nacktmullbaby. Egal, was es ist, die Klasse findet alles toll, bittet am Ende der Stunde regelmäßig, den Baby-Zoo auch für die Lehrkraft am Beamer zu lassen. Ein kleiner Insider-Gag mit großer Wirkung. Der kleine Flausch zu Unterrichtsbeginn ist ihr kleines Refugium geworden. Wichtiger denn je.

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    4.8
  • Latein,  Unterricht

    Erschreckend aktuell

    Wenn schon die letzten Weihnachtsferien bei mir schon von eklatantem Nichtstun geprägt waren, habe ich in den Faschingsferien echt einen drauf gesetzt. Ich habe wirklich nichts gemacht. Nada. Wo andere im Kollegium mal für eine Woche in die Berge zum Skifahren sind oder andere sich die südeuropäische Sonne auf den Bauch haben scheinen lassen, habe ich für eine knappe Woche das Leben eines Einsiedlers geführt. Mein Akku war einfach zu leer und brauchte ein paar Ladezyklen um wieder voll zu werden. Und so wie es aussieht, haben wir für die nächste Zeit einen entsprechenden Energietank bitter nötig…
    Der erste Tag geht recht ruppig zur Sache. Die einen Klassen lassen nun die berühmten Pooltests über sich ergehen, die anderen die übliche Schnelltestroutine. Erwartungsgemäß ist die Trefferquote mit positiven Ergebnissen hoch. Viele haben sich aus den Skigebieten eine kleine Überraschung mitgebracht. Die gesamte Verwaltungsmaschinerie, die das nach sich zieht, hält Sekretariat wie auch Lehrkräfte der ersten Stunde ordentlich auf Trab und verhindert jegliches Unterrichten. Das und der Krieg. Die Angst ist in jeder einzelnen Klasse spürbar. Alle wollen sich den Kummer von der Seele reden. Auch ich. Aber wirklich helfen tut es nicht. Wir sind alle fassungslos ob der Bilder, die uns erreichen. Die Greuel verhindern den ganzen Tag ein tatsächliches Zurückkehren zum Unterrichtsstoff. Alles fühlt sich auf einmal lapidar an. Lediglich in der neunten Klasse lässt sich die Krise erschreckend gut für das bellum Gallicum nutzen – vielleicht begibt sich der eine oder andere collega auf eine ähnliche Gedankenreise.
    Den Auftakt in die Stunde bildet eine Collage, die ich aus wahllos gewählten Schlagzeilen der letzten Woche zusammengestellt habe. Sie thematisieren die radikale Zensur, die in Russland die letzten Tage durchgesetzt wurde:
    Schlagzeien von spiegel.de und guardian.co.uk
    Letztlich bleibt damit für viele russische Zuhörer und – leser im eigenen Land nur noch ein einziger Informationskanal, über den man sich mit Nachrichten versorgen kann: das staatlich kontrollierte Fernsehen. Alternative Quellen zur Beschaffung von Meinungen und Perspektiven existieren für die meisten schlichtweg nicht. Genauso wie bei Caesar: auch hier erhalten wir sämtliche Informationen aus einer einzigen Schrift. Wir lesen über das Kriegsgeschehen in Gallien genauso wie gerade die russischen Bürger aus einer einzigen “staatlichen Quelle”. Denn Caesar ist nicht einfach nur Anführer in einem militärischen Konflikt. Er ist Politiker. Er ist Hauptakteur in seinem eigenen Werk. Und er muss sicher stellen, dass sein Bericht so klingt, dass er glaubwürdig erscheint und man ihm alles darin Geschilderte auch abnimmt. Aber können wir das als Leser?
    Sind die Helvetier tatsächlich so kriegslüstern und egoistisch wie es im bellum Gallicum geschrieben steht? Greift Caesar tatsächlich nur deswegen ein, weil er von den anderen gallischen Stämmen zu Hilfe gerufen wird? Wie viel ist davon wahr? Und stört es uns, dass uns eine alternative Perspektive fehlt? Wir ertappen uns nur allzu gerne dabei, wie man beim Lesen dem Autor Caesar auf den Leim geht. Die Helvetier? Saubeutel! Einfach in die Nachbargebiete einfallen! Dieser Divico? Was für eine Diva! Erst Frieden erbetteln wollen, aber dann völlig überzogene Forderungen stellen und beleidigt abdampfen. Denen gehört völlig zu Recht der Hintern verhauen! Für den Leser ist im bellum Gallicum schnell gefühlt klar, wer in dem Konflikt der Böse ist. Aber ist dem auch tatsächlich so?
    Dieses gekonnte Stück der Leserlenkung lässt sich aktuell auch in der eindimensionalen Medienlandschaft in Russland erfahren: Auch dort ist klar, wer der Bösewicht ist. Das Nachbarland ist von gewaltbereiten Nazis durchsetzt, die vor allem russisch-stämmige Mitbürger unterdrücken (so wie die Helvetier ihre Nachbarn). Klar, dass man hier zu Hilfe eilen und entmilitarisieren muss. Die Parallelen enden hier aber nicht: Caesar hat seinen Konflikt erst auf eine Grenzregion zum römischen Reich beschränkt, bevor er anschließend eben mal im Vorbeigehen in das komplette Land einmarschiert ist. Die Parallelen zu den Invasionsstufen auf russischer Seite sind erschreckend ähnlich. Und wie bei Caesar am Ende Gallien nicht genug ist, und es schließlich ein paar vorsichtige Kundschaftsmissionen in Richtung Germanien gibt, stellt man sich am Ende der Stunde die Frage: Bleibt es bei der aktuellen Invasion tatsächlich nur bei einem Land? Oder geht es einfach weiter?
    Quellen zur den Headlines:
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  • Technik,  Unterricht

    Der Neuzugang: Das Samsung Tab S7

    Nach vier Jahren war es langsam wieder Zeit für einen Tabletnachfolger. Mein Tab S3 war eben wie das von Jan-Martin Klinge etwas in die Jahre gekommen: Der Akku hielt zwei Schultage, die Ladezeiten einiger Programme wurden langsam etwas zu groß, und gewisse Apps wurden dank Android 9 nicht mehr aktualisiert. Und so kam mir ohne großes Tamtam ein Nachfolger ins Haus. Der Nach-Nach-Nach-Nachfolger um genau zu sein.

    Halt! Ein neues Tablet – trotz Lehrerdienstgerät?

    Danke für die Frage! Die ist nämlich durchaus berechtigt: Mitte des Jahres war ich noch tatsächlich am Grübeln, ob ich überhaupt ein Tablet brauche. Immerhin lag da seit Juli ein schickes Lehrerdienstgerät auf dem Schreibtisch, das eigentlich um ein Vielfaches leistungsstärker ist, als jedes Tablet device, das es zur Zeit auf dem Markt gab. Eigentlich. Denn durch die aktuellen Limitierungen durch den Sachaufwandsträger ist das Convertible so limitiert, dass ich vieles im Unterricht gar nicht umsetzen kann. Also nahm ich Ende November wieder mal eigenes Geld in die Hand und griff zum Tab S7.

    “Vorfreude”

    Mit dem Gerät zieht nun nach einem HTC Flyer, einem Samsung Note 8.0 und dem Tab S3 nun Gerät Nummer vier in meine Lehrertasche. Vielleicht ist es das Alter, in dem man nicht mehr wie ein Kleinkind an Weihnachten auf die Geschenke hinfiebert, oder die Tatsache, dass es in der Branche aktuell keine nennenswerte Neuerungen gibt. Aber das Gerät lag erstmal einen knappen Monat einfach in der Verpackung herum. Das alte ging ja noch irgendwie. Aber in den Weihnachtsferien hatte ich endlich Zeit. Also raus aus der Packung und erstmal angeschaut.

    Alt vs. Neu: Links das Samsung Tab S3 und rechts das Tab S7

    Alt vs. Neu – Das Äußere

    Insgesamt ist das Tab S7 in den Ausmaßen leicht anders geraten als noch das S3. Im Gegensatz zu seinem Ur-ur-ur-urenkel kommt das Gerät komplett ohne physische Knöpfe daher. Dafür aber in echten 16:9 Ausmaßen daher: Fast 3cm ist das S7 breiter als das S3 – Das klingt im ersten Moment nach nicht viel, macht sich aber nach Jahren mit dem Vorgänger schon bemerkbar. Auch in der Höhe ist es noch eine Spur höher – und wird dadurch auch etwas schwerer. Mit knapp 500 Gramm ist es nicht ganz so wuchtig wie ein Convertible, aber doch ein kleines Schwergewicht im Vergleich zum Tab S3.

    Von Alt auf Neu – Die Migration

    Der Umzug vom alten Samsung zum neuen ist kinderleicht: Einfach beide Geräte mit USB-C-Kabel verbinden (unbedingt hierbei die richtige Polung beachten, damit das Übertragen auch tatsächlich funktioniert), Samsungs Smart Switch runterladen – und los geht’s. Unkompliziert, aber auch ratsam: Denn auf diese Weise ist es möglich, auch Apps auf das neue Tablet hinüberzuretten, die aufgrund von bankrotter Entwickler oder Kompabilitätsproblemen im Google Store mittlerweile fehlen. Apps wie Notegraphy oder EZPDF Clear, mit dem ich seit sieben Jahren arbeite, konnte ich so vor dem Vergessenwerden retten. Natürlich landet in diesem Umzug auch der komplette Müll des alten Tablets auf dem neuen. Von daher sollte man bei einer Migration vorher nochmal genau überlegen, was man von den darauf gespeicherten Sachen auch tatsächlich benötigt.

    Im Gebrauch

    So ist die Installation auch nach maximal 30 Minuten vom Tisch und das Gerät kann in Betrieb genommen werden. Und da merkt man erst, auf was man so in den letzten Jahren mit dem S3 alles verzichtet hat. Das Display ist gestochen scharf, der Sound dröhnt unerwartet wuchtig aus seinen vier Boxen, die Arbeitsgeschwindigkeit ist prächtig, die drahtlose Smart View Verbindung über Miracast funktioniert auch noch mit dem alten Streaming Stick ohne Murren. Sagen wir, wie es ist: Das Arbeiten mit dem S7 macht Spaß.

    Die Displays im Direktvergleich

    Einziger Wermutstropfen ist der eingesparte Kopfhörerausgang, der in den aktuellen Tablet- und Smartphonemodellen zunehmend verschwunden ist. Für manche mag das ein zu verschmerzendes Luxusproblem sein. Für mich allerdings ist das im Alltag wirklich ein echter Ärgernis: Mit dem S3 war es noch möglich, den Ton neben HDMI auch über besagte Klinken-Buchse auszugeben. Ein echter Segen, wenn die Boxen des Beamers im Klassenzimmer zu poplig waren. So konnte man den Ton über ein externes Soundsystem ausgeben und auf diesem Wege das Klassenzimmer beschallen. Mit dem S7 geht das nicht mehr. Über Miracast werden sowohl Ton als auch Bild drahtlos an das verbundene Endgerät geschickt. Und wenn das nur Mini-Boxen auf Lager hat, ist das Pech. Alternative Soundausgabe über den USB-C-Anschluss ist grundsätzlich möglich. Aber dafür darf man wieder 15€ für einen entsprechenden Adapter auf den Tisch legen, den man wieder in der Tasche rumschleppen darf.  Das ist ganz schön nervig! Ebenso wie die Handhabung mit dem ach so geliebten sPen, der dem Gerät beiliegt.

    Die Stiftspitzen des Tab S7 (hinten im Bild) sind noch einen Tick dünner als die der Vorgänger.

    Dabei gäbe es grundsätzlich nur Positives zu berichten: Nach dem Zahnstocher-Stift im 8.0 wurden die Samsung-Schreibgeräte immer edler. Schon beim Tab S3 war der Stylus ein beeindruckendes Exemplar der Gattung Stift. Im S7 ist das nun noch einmal weiterentwickelt. Der Pen liegt toll in der Hand, das Schreibgefühl ist sehr natürlich. Probleme machen mir allerdings der sonst so verlässliche Aktionsknopf auf der flachen Seite des Stiftes, nach dem ich immer wieder umständlich fummeln muss, um ihn auch tatsächlich zu finden. Eventuell bin ich noch zu sehr den Stift des Vorgängers gewohnt und es ist alles eine Frage der Übung. Aber auch nach drei Monaten habe ich den Dreh immer noch nicht so raus. Ebenso wie diese neuen Funktionen im Stift, die nun auch abseits vom Bildschirm funktionieren. Mit gedrücktem Aktionsknopf des sPen werden nun nach bestimmten Handbewegungen vordefinierte Befehle ausgelöst, mit denen Screenshots erstellt, Seiten weiter geblättert oder Kameras ausgelöst werden. Alles ganz nett, aber das Rumgewedel in der Luft nervt mich persönlich ganz schön. Zumal die Bewegungen sehr willkürlich sind und für jede App umständlich erlernt werden müssen. Zudem sind die meisten Befehle auch wunderbar direkt am Bildschirm machbar. Lediglich das Fernauslösen der Kamera empfinde ich als sinnvolles Gimmick. Schade nur, dass ich mit dem Tablet so gut wie nie Fotos schieße.
    Außerdem sind diese Luftbewegungen nur bei geladenem Stift möglich. Das hat mich zu Beginn schon etwas schockiert. Denn die Spens kamen bisher komplett ohne internen Akku aus. Zum Laden muss der Stift hinten an die Rückseite des Gerätes geclippt werden, wo er magnetisch haften bleibt… bis er bei der kleinsten Bewegung in der Schultasche runterfällt. Der sPen ist mir in der Tasche dermaßen oft abhanden gekommen, dass ich es mir komplett abgewöhnt habe, ihn dort anzubringen. Lieber beherberge ich ihn in der Schutzhülle vom Tablet. Dort lädt er zwar nicht, wodurch die Luftbewegungen nicht mehr möglich sind. Aber die nutze ich ohnehin nie. Die Grundfunktionen sind auch so möglich. Die gehen übrigens auch noch mit den sPens der anderen Generationen. Die Stifte sind also insgesamt abwärtskompatibel. Puh 🙂

    Fazit

    So ist das S7 ein tolles Maschinchen, das mir zwar ein bisschen Umgewöhnung abverlangt (fehlender Klinkenausgang, sPen-Handling), aber insgesamt doch großen Spaß macht. Grundlegende Überraschungen finden sich am Gerät aber nicht. Für mich ist das Gerät einfach ein schickeres und schnelleres S3. Innovative Neuerungen, die Arbeitsprozesse beschleunigen oder grundlegend verändern, sucht man vergeblich. Aber das hat nichts mit dem Gerät selbst zu tun. Oder mit Samsung. Diese Entwicklung sieht man seit Jahren schon bei sämtlichen Herstellern. Wenn ich mich noch zurückerinnere, was für ein Sprung damals das Arbeitsgefühl der Wechsel machte, den ich damals vom HTC Flyer zum Samsung Note 8.0 erlebt habe. Das waren echt Welten!

    Macht eine gute Figur: Das Tab S7
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  • Allgemeines,  Unterricht

    Lost for words

    Hinter mir liegt einer der surrealsten Schultage meiner mittlerweile nicht mehr so jungen Karriere. Es ist der Donnerstag vor Fasching. Unsinniger Donnerstag – so nennt man ihn bei uns. Und selten war der Ausdruck treffender als heute. Denn so richtig Sinn will das alles nicht ergeben. Wo normalerweise die Kinder heute in den Schulen kleine Streiche spielen, ist heute nichts davon zu spüren. Das geht schon im Lehrerzimmer los: Eisiges Schweigen allenthalben. Aus dem “der wird doch nicht” der letzten Tage ist ein “der hat echt tatsächlich” geworden. Man verfolgt mit einer gewissen Grundangst die Nachrichten, die auf einmal nicht mehr von Pandemien und Impfquoten künden. Sondern von Krieg. Krieg in Europa. Das habe ich das letzte Mal in den 90ern erlebt, als ich noch zu jung war, um alles zu kapieren. Genau so dürften sich aktuell meine neunte Klasse fühlen, die gleich zu Beginn des Tages auf dem Programm steht. Cäsars bellum Gallicum. Der Stoff könnte nicht aktueller sein: Eine Großmacht, die unter fadenscheinigen Gründen eine Invasion startet, um einem dort ansässigen und unterdrückten Volksstamm zu helfen -und sich plötzlich das ganze Land einverleibt. Ein Krieg, der von innenpolitischen Spannungen ablenken soll. Eine gigantische Desinformationskampagne mit expliziter Leserlenkung. Schlecht geführte Diplomatie zur Abwendung eines drohenden Krieges. Machtgier. Verletzte Eitelkeiten. Drohungen. Verzweifelte Bittsteller. Alles. Das gesamte Werk gerät heute zu einer Metaebene. Wir reden über alte Kriege und gleichzeitig über einen, der vor unseren Augen passiert. 2000 Jahre alt der Text. Derselbe alte Wein. Neue Schläuche.

    Und wir schlagen uns seit zwei Jahren die Köpfe ein wegen eines Impfstoffes. Was für verdammte first world problems wir doch haben!

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  • Technik,  Unterricht

    H5P Olé – Folge 17: Collage

    Apps für das Erstellen von Bildcollagen gibt’s wie Sand am Meer. Aber wozu diese nutzen, wenn das auch ganz ohne Installationsaufwand geht? Nämlich mit H5P. Hier findet sich nämlich der Typus Collage, mit dem sich in Windeseile aus bestehenden Bildern ganz einfach herzeigbare Bildzusammenstellungen designen lassen:

    Und damit geht das ganz gut, wie man sieht:

     

    Wie wird’s gemacht?

    Wie üblich wählt man die Aktivität seiner Wahl aus dem H5P-Hub – in diesem Fall die Collage – und benennt sein neuestes Werk in der Rubrik “Titel”. Anschließend entscheidet man sich für eins von derzeit zehn möglichen Layouts, in dem die Bilder angeordnet sein soll.

    Die komplette Bandbreite an möglichen Layouts (Stand: Februar 2022)

    Und schon lassen sich die Felder mit des Layouts mit den gewünschten Schnappschüssen befüllen. Jedes der Felder lässt sich individuell über ein Optionsmenü bearbeiten, um die Collage bei Bedarf weiter zu verändern. Das geht auch – im Gegensatz zu vielen anderen Apps – auch im Nachhinein, wenn die Collage eigentlich schon längst erstellt ist.

    Als letzte Option finden sich noch diverse Gesamteinstellungen für die Collage selbst.

    Unter Abstand werden Rahmen zwischen den einzelnen Bildern in ihrer Dicke auf einer Skala von 1-20 definiert. Möchte man diese Dicke auch um die Collage außerhalb haben, markiert man unter Rahmen die Option Wie Abstand. Unter Höhe werden die Bildausschnitte in ihrer Höhe auf einer Skala 0-2.0 eingepasst. And there we have it.

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