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    Saxa Monacensia: Inschrift in der Pflugstraße

    Es ist März in München. Die Frühlingssonne strahlt munter vom tiefblauen Himmel und hüllt die Straßen in gleißendes Licht.  Die Bäume wiegen sich im eisigen Ostwind hin und her. Und auf den verlassenen Wiesen in den Parks tummelt sich unbeschwert eine Armada an Gänsen, Enten, Eichhörnchen und Karnickel.

    Keine Menschenseele im Westpark

    Nur eine Gruppe fehlt im Bild. Wir. Der civis Monacensis vulgaris betrachtet dieses Schauspiel dieser Tage lieber vom Fenster aus. Dank Corona hängt über Bayern seit Freitag letzter Woche die Ausgangssperre dräuend über uns. Ein Großteil der Geschäfte ist zu, die Schulen sind seit Tagen geschlossen. Die Menschen sind angehalten, ihr Privatleben auf ein Minimum zu beschränken. Nach draußen sollen nur die mit triftigen Gründen. Was nun ein solcher sein möge, darüber herrscht immer noch eine gewisse Unsicherheit – auch wenn sich das bayerische Innenministerium alle Mühe gibt, Licht ins Dunkel zu bringen. Die meisten gehen daher einfach auf Nummer sicher und verlassen einfach mal prophylaktisch nicht das Haus. Und zwar Münchenweit. Selbst auf dem Viktualienmarkt, wo vor zwei Wochen trotz Bitten von oben nach wie vor die Hölle los war – der Münchner Hipster lässt sich doch seinen Sprizz nicht verbieten! – schleicht verstohlen die eine oder andere Person einsam und allein vor sich hin. Vorsorglich mit gesenktem Kopf, damit man auch nach außen den Anschein erweckt, keine Lust auf ein Gespräch zu haben. Gut so. Denn würde man von dort nur ein paar Meter ums Eck schlendern, würde man in dieser Haltung endlich mal auf einen lateinischen Spruch stoßen, den man seit Jahren wohl buchstäblich mit Füßen getreten hat. Er ist nämlich in den Boden eingelassen und präsentiert sich auf dem Bürgersteig zur Pflugstraße:

    Corrige praeteritum, praesens rege, discerne futurum

    Übersetzung:
    Berichtige die Vergangenheit, herrsche über die Gegenwart, erkenne die Zukunft!

    Quelle: Wikipedia

    Die Herkunft des Spruches ist leider ebenso unbekannt, wie der Grund, warum diese Inschrift ausgerechnet an dieser Stelle zu finden ist. Er ist nämlich vorrangig auf Sonnenuhren zu finden – von denen in der Umgebung weit und breit keine zu sehen ist. Nur die Turmuhr des Isartors ist in direktem Blickfeld. Und die ist ein ganz besonderes Exemplar, da sie in Erinnerung an unseren Volkskomiker Karl Valentin verkehrt herum geht. Vielleicht ist aber auch das genau der tiefere Sinn im Zusammenhang mit dieser Inschrift: Wenn bei fortschreitender Zeit auf dieser Uhr die verstreichenden Minuten scheinbar rückwärts laufen und sich für den Betrachter wieder in die Vergangenheit drehen, verwischen die Grenzen zwischen den Zeiten. Discerne futurum? Mit dieser Uhr gar nicht so einfach…

    Quelle: Wikipedia
    Bildnachweise:
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Uhr_am_Isartor_Muenchen.jpg
    https://de.wikipedia.org/wiki/Isartor#/media/Datei:Isartor,_M%C3%BAnich,_Alemania02.JPG
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    Saxa Monacensia: Die Inschrift der Mariensäule

    Unter all den lateinischen Inschriften, die München zu bieten hat, ist die Inschrift auf der Mariensäule, die dem Münchner Marienplatz seinen Namen gegeben hat (vorher war er als Schrannenplatz bekannt), wohl diejenige, die ich mit Abstand am längsten kenne. Um ihre Übersetzung habe ich mich allerdings nie gekümmert. Warum auch? Jedes Kind, das in München geboren ist, weiß um ihre Bedeutung: Maximilian I. spendete die Säule im Dreißigjährigen Krieg, da die Stadt entgegen aller Befürchtungen von einer Zerstörung durch die schwedischen Belagerer verschont geblieben war. Wirklich genauer angesehen habe ich mir die Inschrift erst im Zuge der saxa monacensia… Und hatte damit ehrlich gesagt ein bisschen meine Probleme.
    Das lag nicht unbedingt an der Grammatik. Die ist nämlich relativ stringent, sobald man die fehlende Interpunktion einfügt (die allerdings durchaus strittig ist). Das Problem ist tatsächlich das Vokabular. Denn die Inschrift beinhaltet zahlreiche Titel aus neulateinischer Zeit – Begriffe, die man im klassischen Lateinstudium so nie zu Gesicht bekommen hat. Es sei denn, man hat den einen oder anderen Abstecher ins Mittellatein unternommen und ein bisschen Einblick in dessen Dokumente den etwas quirky Wortschatz gehabt. So habe ich wirklich wieder einiges dazugelernt. Der geneigte Leser vielleicht auch.

    Die Abschrift der Inschrift lautet:

    Deo optimo maximo, virgini deiparae, Boicae dominae benignissimae, protectrici potentissimae ob patriam, urbes, exercitus, seipsum, domum et spes suas servatas
    hoc perenne ad posteros monumentum Maximilianus com(es) Pal(atinus) Rhen(i) utriusque Bavariae dux S(acri) R(omani) I(mperii) archidapif(er) et elector clientum infimus gratus supplex posuit a(nno) MDCXXXIIX.

    Übersetzung:
    Für den größten und besten Gott, die gottgebärende Jungfrau, die gütigste Herrin Bayerns und mächtigste Beschützerin hat Maximilian, Hofpfalzgraf am Rhein, Herzog und beider Bayern (gemeint ist Ober- und Niederbayern), des heiligen römischen Reiches, Erztruchess und Kurfürst, unterster ihrer Diener dankbar und demütig im Jahre 1638  dieses für die Nachkommen immerwährende Denkmal  aufgestellt wegen der Bewahrung von Heimat, Städten, Heere, seiner selbst, seines Hauses und seiner Hoffnungen.

    Die Übersetzung habe ich für eventuelle Einsätze im Unterricht möglichst textnah gehalten, auch wenn auf diese Weise ein paar Ausdrücke etwas seltsam anmuten. Der Ausdruck des Deus Optimus Maximus ist eine direkte Imitation des römischen Iupiter Optimus Maximus, was man im christlichen Sinne wohl mit anderen Adjektiven wiedergeben könnte, die den höchsten Eigenschaften des christlichen Gottes am ehesten entsprechen. Joseph Maier schlug in seiner Schrift „Säulen des Bayrlands“ aus dem Jahre 1738 die Übersetzung „allergütigst und höchst“ vor, was der Übersetzung wohl recht nahe kommen dürfte.
    Probleme beim Übersetzen dürften auch ein paar der Adelstitel darstellen, die ich ehrlicherweise selbst ein bisschen nachschauen musste:

    comes palatinus: Hofpfalzgraf (hoher Amtsträger mit weitreichenden administrativen und juristischen Befugnissen)
    archidapifer:  Erztruchsess (oberster Aufseher über die fürstliche Tafel)
    elector:  Kurfürst (Ranghoher Fürst mit Befugnis zur Wahl eines Königs)

    Eine entsprechende Umdeutung haben desweiteren die Begriffe des dux (hier: Herzog) sowie cliens erfahren, den man in der Schule nur aus dem römischen Bereich des patronus – cliens – Verhältnisses kennt. Er beschreibt an sich das Abhängigkeitsverhältnis, das zwischen diesen beiden Parteien besteht, in dem sich der Klient dem Schutz durch den patronus unterordnet. Im religiösen Sinne wäre hier wohl die Bedeutung des Bittstellers für mich am ehesten gegeben. Andere Übersetzungen lauten Pfleg-Kind (Joseph Maier) oder Schutzbefohlene. Ein bisschen herausgemogelt habe ich mich bei boicus, das mir in allen bekannten Wörterbüchern lediglich als Adjektiv (bayerisch) aufgelistet ist. Ich habe es unverschämterweise einfach nominalisiert und auf den schönen Freistaat umgemünzt.

    Auf der Homepage der klassischen Fachdidaktik der LMU München lässt sich zu diesem Thema übrigens ein toller Abriss über die unterschiedlichen Versionen der Inschrift nachlesen, die an dieser Stelle angebracht waren.

    Ein bisschen mehr als nur eine Tourismus-Attraktion: Die Mariensäule zu München
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    Saxa Monacensia: Grabinschrift auf dem Waldfriedhof

    Der Lokalpatriotismus der Bayern ist für Leute jenseits des Weißwurstäquators bestimmt immer schwer zu ertragen. Dass derartige Heimatgefühle sogar bis über den Tod hinausgehen, beweist ein Herr, der sich auf dem Münchner Waldfriedhof im Süden Münchens zur letzten Ruhe hat betten lassen. Dieser hat seine letzten Worte nicht etwa sich oder seinen Liebsten gewidmet – sondern kurzerhand seiner bayerischen Heimat:

    Extra Bavariam non est vita.

    Übersetzung:
    Außerhalb von Bayern gibt es kein Leben.

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    10 Jahre

    Es ist kaum zu glauben, aber war: Mit diesem Monat werden es nun doch tatsächlich zehn Jahre, die ich an dieser Schule verbringe. Zehn Jahre. Eine komplette Dekade. Es war meine allererste Stelle, die ich nach dem Referendariat angetreten habe. Ich habe Kollegen kommen und gehen sehen. Manche wurden pensioniert, andere sind gegangen, um sich den Traum vom Häuschen im Grünen außerhalb von München zu verwirklichen. Es ist wirklich einiges an Fluktuation im Kollegium gewesen. So wie vermutlich an jeder anderen Schule auch. Ein fester Kern blieb. Ich gehöre dazu.
    Ich finde es interessant, wie sich mit zunehmenden Alter die Vorstellung von Zeit so radikal ändert. Wie schier endlos die Pubertät und das Erwachsenwerden dauert, bis das Abenteuer Leben endlich losgehen kann. Wie sich das Studium mit seinen 6-7 Jahren mal gerne wie Kaugummi zieht. Aber kaum im Berufsleben – schießen die Jahre immer mehr an einem vorbei. Und mit ihm die ganzen Leute um einen herum.
    Ich merke diese Schnelligkeit immer vor allem dann, wenn ich auf ehemalige Schülerinnen und Schüler treffe, die einem in München über den Weg laufen, sobald man sich in Richtung Universität bewegt. Urplötzlich stehen sie nun vor einem – strahlend, mit ihrem ersten Bachelor in der Tasche. Ihrem Master. Und man erschrickt, wenn man bedenkt, dass es doch nicht nur erst „zwei Jahre“ seit dem Abi her ist, sondern schon sechs. Wie präsent die Erinnerung doch noch ist, dass man sie die letzten Wochen vor dem Abitur vor sich hat sitzen sehen. Und trotzdem ist immer noch eine Verbindung da. Ganz egal, wie lange sie schon her ist. So wie letztes Jahr, als ich wegen der Systembetreuung auf eine Tagung nach Bad Aibling kam: Zum Einchecken wurde man an die Rezeption gelotst, an der uns eine junge Dame den Weg wies… und mich schon aus der Ferne anstrahlte. Ich wusste, ich kannte das Gesicht. Ich konnte es nur nicht mehr einordnen – bis ich an der Reihe war und sie mir unversehens vor allen um den Hals fiel. Ich hatte sie damals im Referendariat als Schülerin für ein halbes Jahr in Latein gehabt. Im Zweigschuleinsatz. Das war anno 2008. Da war sie gerade mal elf Jahre alt. Mittlerweile ist sie mit ihrer Ausbildung fertig und arbeitet bei der Stadt München in Amt und Würden. Mit strahlenden Augen erzählte sie mir von ihrem Werdegang, von ihrem tränenreichen Abschied vom Gymnasium (unter anderem auch wegen Latein)… und von der Gewissheit trotz allem den richtigen Schritt gemacht zu haben. An die lateinische Grammatik konnte sie sich nicht mehr erinnern. Aber an mich. Und meinen carnifex, den ich als Running Gag permanent in den Unterricht eingebaut hatte. Und genau diese Gemeinsamkeit war es, die uns auch über die ganzen Jahre hinaus verband. Einfach schön.
    Das größte Kompliment folgte aber noch, als nach zwei Wochen die Fortbildungsbescheinigungen zu der Veranstaltung per Post in der Schule eingingen. Mittlerweile hatte ich Bad Aibling mental eingetütet und war schon wieder in den Alltagstrott inmitten von Vorbereitungen, Schulaufgaben und Kabelfrickeln eingespannt. Bis ich das Dokument aus dem Umschlag holte und das zu sehen bekam.

    Was für einen tollen Beruf wir doch haben!

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    Saxa Monacensia: Der Marstall

    „Du musst mal wieder raus unter Leute!“ So hieß es an einem schönen Samstag Nachmittag. Und das hab ich dann auch getan. Frischluft genossen, Beine vertreten, Kopf freipusten lassen… Bis sich mir wieder Latein in den Weg stellte. Und zwar wortwörtlich. Denn die Sprache ist in München allgegenwärtig – wenn man nur die Augen offenhält. Sinnsprüche finden sich an Brunnen, auf Grabsteinen, auf Inschriften, an Dachgiebeln – Und sogar auf dem einen oder anderen Kneipenklo (und bevor ihr fragt: ich war’s nicht!). Grund genug, mal genauer hinzuschauen und die Umwelt daran teilhaben zu lassen. Denn für den einen oder anderen Lateinlehrer ist unter den zahllosen Sprüchen bestimmt auch der eine oder andere dabei, den man mal im Unterricht durchnehmen kann. Und sei es nur wegen der Jahreszahlen, mit denen die Kinder bis heute so ihre lieben Probleme haben.
    Auftakt bildet eine Inschrift, die mir ganz besonders gefällt. Sie prangt nicht nur an einem der für mich schönsten Gebäude der Stadt, sondern präsentiert sich auch noch in Hexametern (wenn auch leicht holprigen welchen). Die Rede ist von der Inschrift über dem Eingangsportal des Marstalls. Heute ein Theater, einen Steinwurf von Staatsoper und Residenztheater entfernt, war das Gebäude im 19. Jahrhundert von DEM Münchner Stadtarchitekten Leo von Klenze errichtet worden, der uns mit Gebäuden wie dem Siegestor, dem Königsplatz oder dem Monopteros im Englischen Garten Bauten von zeitloser Schönheit hinterlassen hat. Ursprünglich diente es – wie der Name schon erahnen lässt – als Reitschule am Hof der Wittelsbacher, die in der nahegelegenen Residenz ihren Herrschaftssitz errichtet hatten. Davon künden nicht nur die acht Bronzereliefs mit Abbildungen von Pferden, sondern auch die lateinische Inschrift, die von Castor und Pollux gesäumt ist.

    Die Inschrift in groß:

    Regius hic equiti munitur circus equoque,
    ut recte ille iubere, hic iussa capessere discat
    MDCCCXXII
    Übersetzung:
    Diese königliche Rennbahn wird für den Reiter und sein Pferd errichtet,
    damit jeder (der Reiter) lernt, richtig Befehle zu geben (und) jenes (das Pferd) das Befohlene zu verstehen.
    1822

  • Buch,  Latein,  Unterricht

    Buchtipp: Klassische Mythen in Bildern erzählt

    Für alle Ratlosen, die nicht wissen, was sie ihren Liebsten unter den Weihnachtsbaum legen sollen, hier vielleicht ein Last Minute Tipp, den ich als Buch empfehlen kann: Klassische Mythen in Bildern erzählt von Gérard Denizeau.
    Auf mehr als 220 Seiten präsentiert der Autor Gemälde bedeutender Maler wie Bruegel, Delacroix, Goya oder Waterhouse vor dem Hintergrund antiker Mythen und untersucht, inwiefern die alten Stoffe darin umgesetzt sind. Dafür nimmt sich Denizeau ausreichend Zeit: Jedes Gemälde ist auf vier bildfüllenden Seiten vorgestellt. Auf der ersten Doppelseite wird das Kunstwerk großformatig abgebildet, daneben erscheint eine kurze Zusammenfassung des dargestellten Mythos in den antiken Quellen, bevor auf der zweiten Doppelseite der Zauber beginnt: Wieder erscheint das Gemälde, dieses Mal aber hinter einer Maske, die im Bild offensichtliche und gerne auch einmal versteckte Details aufzeigt und dechiffriert: Was soll der tote Baumstumpf neben dem nemeischen Löwen, was die körperlosen Hände in der Höhle des Minotaurus, was das grinsende Hündchen zu Füßen von Tintorettos Danae? Aber auch Komposition, Figurenkonstellation, Kleidung, Haltung oder Mimik der Charaktere kommen nicht zu kurz und werden für den interessierten Leser nachvollziehbar interpretiert. Ganze 52 Gemälde werden so auf eindrucksvolle Weise Schritt für Schritt zugänglich gemacht. Insgesamt also eine tolle Entdeckungsreise für Kunstbegeisterte. Und für den Lateinlehrer ein prima Fundus für den Unterricht, der allerdings auch seinen Preis hat: Ganze 50 Euronen kostet das bildgewaltige Werk. Wer Mitglied bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft ist, bekommt es für einen knappen Zehner weniger.

    Blick ins Buch: Die Maske hebt oft Details in den Bildern hervor, die dem ungeschulten Auge verborgen bleiben. Quelle: https://www.wbg-wissenverbindet.de/13547/klassische-mythen-in-bildern-erzaehlt

  • Latein,  Unterricht

    Von heißen Höschen

    Jedes Jahr AcI, jedes Jahr international peacekeeping, jedes Jahr das indefinido. Wird das nicht irgendwann langweilig? So bekomme ich es immer wieder mal von Außenstehenden zu hören. Nö, eigentlich nicht. Zumindest nicht mir. Auch wenn der Stoff auf dem Papier immer derselbe ist, fühlt er sich immer irgendwie anders an, weil auch die Klassen verschieden sind. Und abhängig von ihnen auch ich,  da ich darauf reagieren muss. Als Lerngruppe (mich eingeschlossen) haben alle ihre Quirks und Spleens, die sie besonders machen. In einem Jahr lehrt man einen Haufen fleißiger Musterschüler, dann einen vorlauten Haufen. Und jedes Mal muss man damit kreativ umgehen. Dieses Jahr zum Beispiel habe ich Tanten und Onkel aus dem Hause Etepetete.
    Jedes Stückchen nackte Haut, das die Kinder zu sehen bekommen, wird mit einem empörten Stöhnen kommentiert. Eine Venus entblößt auf einer Abbildung ihre Brust: Weltuntergang. Hercules hat auf einer griechischen Vase lediglich sein Löwenfell um die Schultern… Volksaufstand. Amor reckt dem Beobachter neckisch sein Hinterteil entgegen: Sodom und Gomorrha! Irgendwann war ich das Gezeter leid und machte aus der Not eine Tugend: Ich kolorierte die antiken Nackedeis vor den Augen der Kleinen, um im Klassenzimmer wieder Zucht und Ordnung herzustellen. Die besten Modestücke meiner Prude-Kollektion präsentiere ich hiermit in einer kleinen Auswahl.

  • Allgemeines,  Pädagogik,  Unterricht

    Über verstörende Mäuse

    avat_lachenVertretungsstunde in meiner fünften Klasse. Da nur die Hälfte der Schüler anwesend ist (die anderen wuseln im Sport herum), entscheide ich mich AUSNAHMSWEISE für einen Film. In der Fachschaft Latein sind wir medientechnisch mittlerweile so gut aufgestellt, dass ich auch schnell fündig werde. Eine „Sendung mit der Maus“-DVD mit Beiträgen zur römsichen Geschichte lacht mich geradezu an. Die Folgen haben mittlerweile einige Jährchen auf dem Buckel. Den Beitrag zur Sonnenuhr des Augustus kenne ich sogar noch selber aus Schulzeiten. Das war  anno 19…*unverständlichgrummelmurmelstammel*

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    Die Sonnenuhr der Augustus, zu finden auf http://www.swetzel.ch/sonnenuhren/physu/physu.html

    Die Expertenmeinungen haben einen Großteil der darin aufgestellten Fakten mittlerweile widerlegt, aber das soll uns vorerst nicht kratzen. Wenn der Schatten des Obelisken am Geburtstag des Augustus genau auf die Ara Pacis fällt, um die Menschheit symbolisch auf seine Frieden stiftenden Taten hinzuweisen, ist es totenstill in der Klasse. Der Beitrag verbreitet echtes Indiana-Jones-Flair und verfehlt seine Wirkung nicht beim anwesenden Mini-Publikum. Ich blicke in 12 faszinierte Augenpaare – und 3, die etwas verstört dreinschauen. Es sind unsere drei Schüler aus dem Ausland, die zum ersten Mal in ihrem Leben eine Folge aus der Sendung mit der Maus sehen. Der Beitrag selber ist wunderbar für sie, was ihren Unmut erregt, sind die Zeichentrickclips dazwischen, mit denen die Sachgeschichten aufgelockert werden. „Warum ist das ein blaues Elefant?“ fragt Adrienne aus Frankreich und kratzt sich verstört am Kopf, während eine vibrierende Maus in Orange ihren Bauch aufmacht und ein Uhrwerk offenbart oder beim Angeln plötzlich einen Stöpsel eines Teichs zieht und buchstäblich auf dem Trockenen sitzt. Alles garniert mit denselben Soundeffekten, die sich seit den 70ern nicht mehr geändert haben: Das Kastagnetten-Klappern der Mausaugenlider, das Prusten des Elefanten, das Xylophongeschrammel, wenn einer der Charaktere Sternchen sieht. Das ist schon alles etwas oll… Aber dennoch so vertraut, dass man vor lauter Nostalgie darüber hinwegsieht. Selbst die Zehnjährigen. Als die drei Kinder immer noch etwas verstört umhersehen und die Faszination ihrer deutschen Klassenkameraden bemerken, meint die kleine Harriet auf Englisch, damit es keiner der Schüler mitbekommt: „Sir, what is it they’re so happy about? This big-eyed mouse is really creepy.“ „Well, it’s a German thing.“
    Case closed.
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    De Triduo Paschali: Leidensweg und Kreuzigung Jesu am Karfreitag

    Der Leidensweg und die Kreuzigung Jesu nach Mt. 27,27-56

    27 tunc milites praesidis (praeses, -idis m. = der Vorsteher) suscipientes Iesum in praetorio congregaverunt ad eum universam cohortem
    28 et exuentes eum clamydem (clamys, -idis f. = der Mantel) coccineam (coccineus, -a, -um = scharlachrot) circumdederunt ei
    29 et plectentes (plectere = flechten) coronam de spinis (spina, -ae f. = der Dorn) posuerunt super caput eius et harundinem (harundo, -inis f. = Schilfrohr) in dextera eius et genu flexo (= mit gebeugtem Knie) ante eum inludebant dicentes: „Ave, rex Iudaeorum.“
    30 Et exspuentes (exspuere = anspucken) in eum acceperunt harundinem et percutiebant caput eius
    31 et postquam inluserunt ei exuerunt eum clamyde et induerunt eum vestimentis eius et duxerunt eum, ut crucifigerent (crucifigere = kreuzigen).
    32 Exeuntes autem invenerunt hominem cyreneum (cyreneus, -a, -um = aus Zypern) nomine Simonem. Hunc angariaverunt (angariare = zwingen), ut tolleret crucem eius
    33 et venerunt in locum, qui dicitur Golgotha quod est calvariae (calvaria, -ae f. = der Schädel) locus
    34 et dederunt ei vinum, [ut] bibere[t] cum felle (fel, -lis n. = Galle) mixtum et, cum gusta[vi]sset (gustare = kosten, probieren), noluit bibere.
    35 Postquam autem crucifixerunt eum, diviserunt vestimenta eius sortem mittentes
    36 et sedentes servabant eum
    37 et imposuerunt super caput eius causam ipsius scriptam: Hic est Iesus, rex Iudaeorum.
    38 Tunc crucifixi sunt cum eo duo latrones, unus a dextris et unus a sinistris.
    39 Praetereuntes autem blasphemabant (blasphemare = schimpfen) eum moventes capita sua
    40 et dicentes: „Vae, qui destruit templum et in triduo illud reaedifica[vera]t: Salva temet (= te) ipsum, si Filius Dei es. Descende de cruce!“
    41 Similiter et principes sacerdotum inludentes cum scribis (scriba, -ae m. = der Schreiber) et senioribus dicentes:
    42 „Alios salvos fecit, se ipsum non potest salvum facere. Si rex Israhel est, descendat nunc de cruce et credemus ei.
    43 Confidit in Deo. Liberet nunc eum, si vult. Dixit enim: Quia Dei Filius sum.“
    44 Id ipsum autem et latrones, qui fixi erant, cum eo inproperabant (improperare = schimpfen) ei.
    45 A sexta autem hora tenebrae factae sunt super universam terram usque ad horam nonam
    46 et circa horam nonam clamavit Iesus voce magna dicens: „Heli Heli lama sabacthani.“ Hoc est: Deus meus, Deus meus, ut quid dereliquisti (derelinquere = relinquere) me?
    47 Quidam autem illic stantes et audientes dicebant: „Eliam (Akk. von Elias)vocat iste.“
    48 Et continuo (= sofort) currens unus ex eis acceptam spongiam (spongia, -ae f. = Schwamm) implevit aceto (acetum, -i n. = Essig) et inposuit harundini et dabat ei bibere.
    49 Ceteri vero dicebant: „Sine videamus an veniat Elias liberans eum.“
    50 Iesus autem iterum clamans voce magna emisit spiritum.
    51 Et ecce velum templi scissum (= zerrissen) est in duas partes a summo usque deorsum (=unten) et terra mota est et petrae (petra, -ae f. = Stein) scissae sunt.
    52 Et monumenta aperta sunt et multa corpora sanctorum, qui dormi[v]erant surrexerunt (= sie sind wieder auferstanden).
    53 Et exeuntes de monumentis post resurrectionem (resurrectio, -onis f. = die Wiederauferstehung) eius venerunt in sanctam civitatem et apparuerunt multis.
    54 Centurio autem et [ii,] qui cum eo erant, custodientes Iesum viso terraemotu et his, quae fiebant, timuerunt valde dicentes: „Vere Dei Filius erat iste.“
    55 Erant autem ibi mulieres multae a longe, quae secutae erant Iesum a Galilaea ministrantes (ministrare = dienen) ei.
    56 Inter quas erat Maria Magdalene et Maria Iacobi et Iosephi mater et mater filiorum Zebedaei.