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    Saxa Monacensia: Der Marstall

    „Du musst mal wieder raus unter Leute!“ So hieß es an einem schönen Samstag Nachmittag. Und das hab ich dann auch getan. Frischluft genossen, Beine vertreten, Kopf freipusten lassen… Bis sich mir wieder Latein in den Weg stellte. Und zwar wortwörtlich. Denn die Sprache ist in München allgegenwärtig – wenn man nur die Augen offenhält. Sinnsprüche finden sich an Brunnen, auf Grabsteinen, auf Inschriften, an Dachgiebeln – Und sogar auf dem einen oder anderen Kneipenklo (und bevor ihr fragt: ich war’s nicht!). Grund genug, mal genauer hinzuschauen und die Umwelt daran teilhaben zu lassen. Denn für den einen oder anderen Lateinlehrer ist unter den zahllosen Sprüchen bestimmt auch der eine oder andere dabei, den man mal im Unterricht durchnehmen kann. Und sei es nur wegen der Jahreszahlen, mit denen die Kinder bis heute so ihre lieben Probleme haben.
    Auftakt bildet eine Inschrift, die mir ganz besonders gefällt. Sie prangt nicht nur an einem der für mich schönsten Gebäude der Stadt, sondern präsentiert sich auch noch in Hexametern (wenn auch leicht holprigen welchen). Die Rede ist von der Inschrift über dem Eingangsportal des Marstalls. Heute ein Theater, einen Steinwurf von Staatsoper und Residenztheater entfernt, war das Gebäude im 19. Jahrhundert von DEM Münchner Stadtarchitekten Leo von Klenze errichtet worden, der uns mit Gebäuden wie dem Siegestor, dem Königsplatz oder dem Monopteros im Englischen Garten Bauten von zeitloser Schönheit hinterlassen hat. Ursprünglich diente es – wie der Name schon erahnen lässt – als Reitschule am Hof der Wittelsbacher, die in der nahegelegenen Residenz ihren Herrschaftssitz errichtet hatten. Davon künden nicht nur die acht Bronzereliefs mit Abbildungen von Pferden, sondern auch die lateinische Inschrift, die von Castor und Pollux gesäumt ist.

    Die Inschrift in groß:

    Regius hic equiti munitur circus equoque,
    ut recte ille iubere, hic iussa capessere discat
    MDCCCXXII
    Übersetzung:
    Diese königliche Rennbahn wird für den Reiter und sein Pferd errichtet,
    damit jeder (der Reiter) lernt, richtig Befehle zu geben (und) jenes (das Pferd) das Befohlene zu verstehen.
    1822

  • Buch,  Latein,  Unterricht

    Buchtipp: Klassische Mythen in Bildern erzählt

    Für alle Ratlosen, die nicht wissen, was sie ihren Liebsten unter den Weihnachtsbaum legen sollen, hier vielleicht ein Last Minute Tipp, den ich als Buch empfehlen kann: Klassische Mythen in Bildern erzählt von Gérard Denizeau.
    Auf mehr als 220 Seiten präsentiert der Autor Gemälde bedeutender Maler wie Bruegel, Delacroix, Goya oder Waterhouse vor dem Hintergrund antiker Mythen und untersucht, inwiefern die alten Stoffe darin umgesetzt sind. Dafür nimmt sich Denizeau ausreichend Zeit: Jedes Gemälde ist auf vier bildfüllenden Seiten vorgestellt. Auf der ersten Doppelseite wird das Kunstwerk großformatig abgebildet, daneben erscheint eine kurze Zusammenfassung des dargestellten Mythos in den antiken Quellen, bevor auf der zweiten Doppelseite der Zauber beginnt: Wieder erscheint das Gemälde, dieses Mal aber hinter einer Maske, die im Bild offensichtliche und gerne auch einmal versteckte Details aufzeigt und dechiffriert: Was soll der tote Baumstumpf neben dem nemeischen Löwen, was die körperlosen Hände in der Höhle des Minotaurus, was das grinsende Hündchen zu Füßen von Tintorettos Danae? Aber auch Komposition, Figurenkonstellation, Kleidung, Haltung oder Mimik der Charaktere kommen nicht zu kurz und werden für den interessierten Leser nachvollziehbar interpretiert. Ganze 52 Gemälde werden so auf eindrucksvolle Weise Schritt für Schritt zugänglich gemacht. Insgesamt also eine tolle Entdeckungsreise für Kunstbegeisterte. Und für den Lateinlehrer ein prima Fundus für den Unterricht, der allerdings auch seinen Preis hat: Ganze 50 Euronen kostet das bildgewaltige Werk. Wer Mitglied bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft ist, bekommt es für einen knappen Zehner weniger.

    Blick ins Buch: Die Maske hebt oft Details in den Bildern hervor, die dem ungeschulten Auge verborgen bleiben. Quelle: https://www.wbg-wissenverbindet.de/13547/klassische-mythen-in-bildern-erzaehlt

  • Latein,  Unterricht

    Von heißen Höschen

    Jedes Jahr AcI, jedes Jahr international peacekeeping, jedes Jahr das indefinido. Wird das nicht irgendwann langweilig? So bekomme ich es immer wieder mal von Außenstehenden zu hören. Nö, eigentlich nicht. Zumindest nicht mir. Auch wenn der Stoff auf dem Papier immer derselbe ist, fühlt er sich immer irgendwie anders an, weil auch die Klassen verschieden sind. Und abhängig von ihnen auch ich,  da ich darauf reagieren muss. Als Lerngruppe (mich eingeschlossen) haben alle ihre Quirks und Spleens, die sie besonders machen. In einem Jahr lehrt man einen Haufen fleißiger Musterschüler, dann einen vorlauten Haufen. Und jedes Mal muss man damit kreativ umgehen. Dieses Jahr zum Beispiel habe ich Tanten und Onkel aus dem Hause Etepetete.
    Jedes Stückchen nackte Haut, das die Kinder zu sehen bekommen, wird mit einem empörten Stöhnen kommentiert. Eine Venus entblößt auf einer Abbildung ihre Brust: Weltuntergang. Hercules hat auf einer griechischen Vase lediglich sein Löwenfell um die Schultern… Volksaufstand. Amor reckt dem Beobachter neckisch sein Hinterteil entgegen: Sodom und Gomorrha! Irgendwann war ich das Gezeter leid und machte aus der Not eine Tugend: Ich kolorierte die antiken Nackedeis vor den Augen der Kleinen, um im Klassenzimmer wieder Zucht und Ordnung herzustellen. Die besten Modestücke meiner Prude-Kollektion präsentiere ich hiermit in einer kleinen Auswahl.

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    De Triduo Paschali: Leidensweg und Kreuzigung Jesu am Karfreitag

    Der Leidensweg und die Kreuzigung Jesu nach Mt. 27,27-56

    27 tunc milites praesidis (praeses, -idis m. = der Vorsteher) suscipientes Iesum in praetorio congregaverunt ad eum universam cohortem
    28 et exuentes eum clamydem (clamys, -idis f. = der Mantel) coccineam (coccineus, -a, -um = scharlachrot) circumdederunt ei
    29 et plectentes (plectere = flechten) coronam de spinis (spina, -ae f. = der Dorn) posuerunt super caput eius et harundinem (harundo, -inis f. = Schilfrohr) in dextera eius et genu flexo (= mit gebeugtem Knie) ante eum inludebant dicentes: „Ave, rex Iudaeorum.“
    30 Et exspuentes (exspuere = anspucken) in eum acceperunt harundinem et percutiebant caput eius
    31 et postquam inluserunt ei exuerunt eum clamyde et induerunt eum vestimentis eius et duxerunt eum, ut crucifigerent (crucifigere = kreuzigen).
    32 Exeuntes autem invenerunt hominem cyreneum (cyreneus, -a, -um = aus Zypern) nomine Simonem. Hunc angariaverunt (angariare = zwingen), ut tolleret crucem eius
    33 et venerunt in locum, qui dicitur Golgotha quod est calvariae (calvaria, -ae f. = der Schädel) locus
    34 et dederunt ei vinum, [ut] bibere[t] cum felle (fel, -lis n. = Galle) mixtum et, cum gusta[vi]sset (gustare = kosten, probieren), noluit bibere.
    35 Postquam autem crucifixerunt eum, diviserunt vestimenta eius sortem mittentes
    36 et sedentes servabant eum
    37 et imposuerunt super caput eius causam ipsius scriptam: Hic est Iesus, rex Iudaeorum.
    38 Tunc crucifixi sunt cum eo duo latrones, unus a dextris et unus a sinistris.
    39 Praetereuntes autem blasphemabant (blasphemare = schimpfen) eum moventes capita sua
    40 et dicentes: „Vae, qui destruit templum et in triduo illud reaedifica[vera]t: Salva temet (= te) ipsum, si Filius Dei es. Descende de cruce!“
    41 Similiter et principes sacerdotum inludentes cum scribis (scriba, -ae m. = der Schreiber) et senioribus dicentes:
    42 „Alios salvos fecit, se ipsum non potest salvum facere. Si rex Israhel est, descendat nunc de cruce et credemus ei.
    43 Confidit in Deo. Liberet nunc eum, si vult. Dixit enim: Quia Dei Filius sum.“
    44 Id ipsum autem et latrones, qui fixi erant, cum eo inproperabant (improperare = schimpfen) ei.
    45 A sexta autem hora tenebrae factae sunt super universam terram usque ad horam nonam
    46 et circa horam nonam clamavit Iesus voce magna dicens: „Heli Heli lama sabacthani.“ Hoc est: Deus meus, Deus meus, ut quid dereliquisti (derelinquere = relinquere) me?
    47 Quidam autem illic stantes et audientes dicebant: „Eliam (Akk. von Elias)vocat iste.“
    48 Et continuo (= sofort) currens unus ex eis acceptam spongiam (spongia, -ae f. = Schwamm) implevit aceto (acetum, -i n. = Essig) et inposuit harundini et dabat ei bibere.
    49 Ceteri vero dicebant: „Sine videamus an veniat Elias liberans eum.“
    50 Iesus autem iterum clamans voce magna emisit spiritum.
    51 Et ecce velum templi scissum (= zerrissen) est in duas partes a summo usque deorsum (=unten) et terra mota est et petrae (petra, -ae f. = Stein) scissae sunt.
    52 Et monumenta aperta sunt et multa corpora sanctorum, qui dormi[v]erant surrexerunt (= sie sind wieder auferstanden).
    53 Et exeuntes de monumentis post resurrectionem (resurrectio, -onis f. = die Wiederauferstehung) eius venerunt in sanctam civitatem et apparuerunt multis.
    54 Centurio autem et [ii,] qui cum eo erant, custodientes Iesum viso terraemotu et his, quae fiebant, timuerunt valde dicentes: „Vere Dei Filius erat iste.“
    55 Erant autem ibi mulieres multae a longe, quae secutae erant Iesum a Galilaea ministrantes (ministrare = dienen) ei.
    56 Inter quas erat Maria Magdalene et Maria Iacobi et Iosephi mater et mater filiorum Zebedaei.