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    Software im Unterricht: Jitsi

    Woche drei ist angebrochen. Drei Wochen seit dem Corona Lockdown. In diesen komischen Zustand schleicht sich so langsam Routine hinein. Der komische Zustand ist Routine geworden. Dieses seltsame Gefühl, weiterhin seinen Job zu machen und dann auch wieder irgendwie nicht richtig: Übungen zu erstellen für eine Klasse, die man nicht sieht. Unterricht vorzubereiten, den man nicht hält. Mit Kollegen über Dienstliches zu kommunizieren, die man seit fast drei Wochen nicht mehr gesehen hat. Die soziale Isolation im Arbeitsleben wiegt zunehmend schwerer. Man vermisst die Kinder. Man vermisst die Kollegen. Und die Kollegen vermissen zurück. Nach den ersten Wochen, in denen man in der Whatsapp-Lehrergruppe noch Memes und flotte Einzeiler in die Chats abließ, wird der Ton anders. Es wird persönlicher: Die Leute verschicken Videos. Von sich. Kleine Redebeiträge, kleine Sport-Übungen, um am Arbeitsplatz ein bisschen Bewegung zu bekommen. Indoor-Boulder-Exercises. Oder aber auch TikTok-würdige Minisketche. Allein deswegen merkt man so langsam, dass sich ein Lagerkoller breit macht. Man muss sich einfach wieder sehen. Auch die Klassen. Anfragen wegen eines Videochat Systems machen sich seit letzter Woche zunehmend breit. Und man geht auf die Suche nach möglichen Formaten. Dank Twitterlehrerzimmer schwirren die Namen der big players umher: Skype, Zoom, MS Teams, Twitch, Discord – zusammen mit den damit verbundenen Risiken des Datenschutzes, die laut KMS in den Corona-Zeiten gelockert, aber nicht vergessen sein mögen. Nach ein paar Nachfragen und ein bisschen Einlesen versuche ich mich an ein paar Testläufen und schau mal in Jitsi rein. Das geht wirklich erstaunlich schnell: Kanal öffnen, Link dazu kopieren. Schluss. Nach einem kurzen Twitter-Testlauf und einem zünftigen Meet and Greet mit Herr Rau, Georg Schlamp und Frimelotta als Versuchskaninchen entscheide ich mich probeweise für eine Session mit einer meiner Klassen. Kurze Anleitung verfasst und ab die Post.
    Entgegen aller Befürchtungen läuft Jitsi von Anfang an sehr stabil. Das liegt vorrangig an den 25 Mithörenden, die alle brav die Kamera ausgestellt haben, um Traffic einzusparen. Der Smalltalk ist schnell abgehandelt. Die Herren und Damen an den Rechnern klingen eigentlich ganz gechillt und tragen den Unterrichtsausfall mit der gebotenen Fassung. Es wird ein bisschen gefeixt, geblödelt, beruhigt (die ausfallende Schulaufgabe ist DAS beherrschende Thema) und zum Schluss dürfen alle mal die Kamera einstellen um Jitsi auf eine Probe zu stellen, und in die Kamera winken. Und ich sehe sie: 25 glücklich drein blickende Kinder. Hat gut getan. Uns allen.
    Nächste Woche mal gleich wieder!

    Guerilla-Shot 😉
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    Saxa Monacensia: Inschrift in der Pflugstraße

    Es ist März in München. Die Frühlingssonne strahlt munter vom tiefblauen Himmel und hüllt die Straßen in gleißendes Licht.  Die Bäume wiegen sich im eisigen Ostwind hin und her. Und auf den verlassenen Wiesen in den Parks tummelt sich unbeschwert eine Armada an Gänsen, Enten, Eichhörnchen und Karnickel.

    Keine Menschenseele im Westpark

    Nur eine Gruppe fehlt im Bild. Wir. Der civis Monacensis vulgaris betrachtet dieses Schauspiel dieser Tage lieber vom Fenster aus. Dank Corona hängt über Bayern seit Freitag letzter Woche die Ausgangssperre dräuend über uns. Ein Großteil der Geschäfte ist zu, die Schulen sind seit Tagen geschlossen. Die Menschen sind angehalten, ihr Privatleben auf ein Minimum zu beschränken. Nach draußen sollen nur die mit triftigen Gründen. Was nun ein solcher sein möge, darüber herrscht immer noch eine gewisse Unsicherheit – auch wenn sich das bayerische Innenministerium alle Mühe gibt, Licht ins Dunkel zu bringen. Die meisten gehen daher einfach auf Nummer sicher und verlassen einfach mal prophylaktisch nicht das Haus. Und zwar Münchenweit. Selbst auf dem Viktualienmarkt, wo vor zwei Wochen trotz Bitten von oben nach wie vor die Hölle los war – der Münchner Hipster lässt sich doch seinen Sprizz nicht verbieten! – schleicht verstohlen die eine oder andere Person einsam und allein vor sich hin. Vorsorglich mit gesenktem Kopf, damit man auch nach außen den Anschein erweckt, keine Lust auf ein Gespräch zu haben. Gut so. Denn würde man von dort nur ein paar Meter ums Eck schlendern, würde man in dieser Haltung endlich mal auf einen lateinischen Spruch stoßen, den man seit Jahren wohl buchstäblich mit Füßen getreten hat. Er ist nämlich in den Boden eingelassen und präsentiert sich auf dem Bürgersteig zur Pflugstraße:

    Corrige praeteritum, praesens rege, discerne futurum

    Übersetzung:
    Berichtige die Vergangenheit, herrsche über die Gegenwart, erkenne die Zukunft!

    Quelle: Wikipedia

    Die Herkunft des Spruches ist leider ebenso unbekannt, wie der Grund, warum diese Inschrift ausgerechnet an dieser Stelle zu finden ist. Er ist nämlich vorrangig auf Sonnenuhren zu finden – von denen in der Umgebung weit und breit keine zu sehen ist. Nur die Turmuhr des Isartors ist in direktem Blickfeld. Und die ist ein ganz besonderes Exemplar, da sie in Erinnerung an unseren Volkskomiker Karl Valentin verkehrt herum geht. Vielleicht ist aber auch das genau der tiefere Sinn im Zusammenhang mit dieser Inschrift: Wenn bei fortschreitender Zeit auf dieser Uhr die verstreichenden Minuten scheinbar rückwärts laufen und sich für den Betrachter wieder in die Vergangenheit drehen, verwischen die Grenzen zwischen den Zeiten. Discerne futurum? Mit dieser Uhr gar nicht so einfach…

    Quelle: Wikipedia
    Bildnachweise:
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Uhr_am_Isartor_Muenchen.jpg
    https://de.wikipedia.org/wiki/Isartor#/media/Datei:Isartor,_M%C3%BAnich,_Alemania02.JPG
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    Statusbericht

    Schließungswoche zwei ist bei uns nun Ende. Die Woche ging recht turbulent los, der Stress hat sich allerdings wie erwartet zunehmend gelegt. Die funktionierenden Infokanäle haben sich eingespielt, die defizitären wurden über Bord geworfen. Mebis hat mächtig aufgestockt, um dem riesigen Ansturm an Anmeldungen gerecht zu werden. Und der war, wenn man den Zahlen vom Kultusministerium glauben will, riesig.

    Offizielle Meldung von www.km.bayern.de

    So hat nun jeder sein System, über das man mit seinen Klassen in Kontakt steht. Bei mir läuft es auf eine Kombination von digitaler Ablage für die Unterstufen und Mebis für die obere Mittelstufe und die Abschlussklassen heraus. Das sind die Klassen und Kurse, die mit der Plattform ohnehin schon arbeiten und gut damit zurecht kommen. Echten Unterricht übersetzt das natürlich freilich nicht, aber es groovt sich ein. Nach anfänglichen Stolperfallen.
    Auch mir fällt das komplette Arbeiten mit Fernunterricht zu Beginn etwas schwer. Das Erstellen von Aufgaben und das Erklären von neuen Inhalten dauert inklusive der Lösungen, die ich gebe, zweimal so lange wie eine reguläre Stundenvorbereitung. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass ich diese Stunden künftig auch so halten kann – schülerzentriert und nicht mehr als Dozent. Das bringt künftig ein bisschen Abwechslung und Selbständigkeit. Es bleibt also nichts für die Tonne produziert.
    Die Kinder selbst scheinen insgesamt gut mit dem gewählten Procedere zurechtzukommen und bedanken sich brav per eMail für ihr Arbeitspensum (vermutlich mit dem mütterlichen Nudelholz im Anschlag, das ließ sich aber mangels Videochat nicht nachprüfen). Aber dennoch: Als  Grundtenor scheint immer wieder durch: Das Menschliche fehlt einfach. Regelmäßig werden Rufe laut, ob man sich denn nicht einfach mal kurz zu einem Videochat treffen könne. Bei Zoom zum Beispiel. Oder Skype. Oder Twitch. Oder einem Hangout. Das meiste verbietet sich leider aus gewissen Datenschutzgründen, aber die Verlockung bleibt bestehen, sich auf die Suche nach einer unproblematischen Lösung zu begeben. Aktuell ist die Schul.Cloud bei den Messengern hoch im Kurs (Chats und Mitteilungen wurden bei mebis leider aufgrund des hohen Datenaufkommens vorübergehend deaktiviert), bei Video hat Stephan Hanauska Jitsi lobend hervorgehoben. Vielleicht kann ich mich in dieser Hinsicht mal in einer ruhigen Minute dahinter klemmen und nachforschen. Mal was Neues probieren. Horizont erweitern. Und sei’s nur, um mal ein bisschen seine Fertigkeiten zu optimieren. Ich werde berichten.

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    Hilfe! Bzw. Hilfe

    Endlich. Ein bisschen Ruhe. Das erste Mal, seit unsere Schule zugemacht wurde. Für den Außenstehenden kommt dieser Wunsch nach Erholung absolut unverständlich. „Wieso das denn? Du hast doch im Moment eh nichts zu tun“, bekomme ich von einem Freund gesagt, der mich für morgen in die Berge einladen will. Au contraire, mon frère…
    Seit aus der zweitägigen Schließung erst drei und dann noch deutlich mehr geworden sind, ist an den Schulen die Hölle los. Es beginnt alles mit der Konferenz von Ministerpräsident und Kultusminister letzte Woche, in der das vor ein paar Tagen noch Unvorstellbare verkündet wird: Die Schulen bleiben erstmal zu. Bis sage und schreibe Ostern. Mitten in der Abiturvorbereitung. Der Unterricht soll über die Zeit online überbrückt werden. Stolz wird in der Konferenz auf Mebis hingewiesen, einer der wenigen Lernplattformen eines Bundeslandes deutschlandweit, in der angeblich modern und datenschutzkonform unterrichtet werden kann – und das seit Jahren stabil und erfolgreich. Dass das auch deswegen der Fall ist, weil viele die Plattform aufgrund einer gewissen Sperrigkeit bis heute nicht nutzen, wird dabei etwas unter den Tisch gekehrt. Ich kann diesbezüglich ja auch ein Liedchen singen und habe mehrere Anläufe gebraucht, um mit Mebis warm zu werden. Aber es gibt ja auch noch andere Wege, den Schülern Material zukommen zu lassen. Na, dann Ärmel hochkrempeln und loslegen.
    Die Nachricht breitet sich im Kollegium wie ein Lauffeuer aus. Im Team aus Mebis-Koordinatoren, Direktorat und Systembetreuer versuchen wir der zahlreichen Anfragen Herr bzw. Frau zu werden. Wir kommunizieren untereinander und mit den Leuten tagelang über alles, was uns zur Verfügung steht: Chats, Portal, Telefon, Mebis, Email – alles ist dabei. Es werden Verteilerlisten für die einzelnen Klassen angelegt, ich mache unser Online-Archiv mit allen Skripten zu den bisher gehaltenen Fortbildungen öffentlich zugänglich, berate bei Einzelfragen. Und nebenher läuft die Unterrichtsvorbereitung. Die Oberstufe – aufgrund der Aktualität der Themen immer sehr vorbereitungsaufwendig – ist dieses Mal interessanterweise das geringste Problem. Die Leute sind es bei mir gewohnt, viel mit dem PC zu arbeiten, selbständig zu recherchieren, Ergebnisse zusammenzutragen, zu kommunizieren. Es ist die Unterstufe, die mir auf einmal Kopfzerbrechen bereitet. Normalerweise schüttele ich die Stunden da in Nullkommanix aus dem Ärmel. Ich kenne meine Einstiege, meine Vokabelhilfen, meine Tricks, mit denen ich in Grammatikphasen die Kinder mit der Nase auf die richtige Lösung stoßen lasse und das Gefühl vermittle, sie hätten sich das alles selbständig beigebracht. Das alles fehlt mir jetzt. Lernvideos hin oder her. Die menschliche Interaktion mit den Kleinen fehlt mir. Und mit den großen auch. Und den ganz Großen. Ich vermisse mein Kollegium – das einerseits in der Not so toll zusammenrückt und doch so getrennt voneinander operiert. Aber wir helfen. So gut wie es geht. Nur halt aus der Ferne.
    Auch von Elternseite kommt über das Wochenende eine Menge an tollen Initiativen. Ein Vater hat auf die Schnelle ein Ablagesystem programmiert, in dem das Kollegium unkompliziert Arbeitsaufträge und Materialien für ihre Klassen ablegen kann. Ein anderer bietet seine Hilfe an bei der Installation einer Software zum datenschutzkonformen Kommunizieren über Video-Chats, damit man seine Klassen auch mal wieder zu Gesicht bekommt. Alles unentgeltlich. So auch die zahllosen Hilftsangebote in den sozialen Medien über das Twitterlehrerzimmer. Sowohl Bob Blume als auch Andreas Kalt haben hervorragende Sammlungen zu Tools zusammengestellt (Bob hat sie sogar mit zahlreichen Videos im Selbstversuch angetestet!), sodass ich selber eigentlich gar nichts mehr dazu beisteuern kann und möchte – von diesen Zeilen abgesehen. Die dort aufgeführten digitalen Hilfen sind durch die Bank erprobt und erhaben. Damit kann jeder seinen Unterricht aufrecht erhalten, wenn er es möchte. Wer das nicht möchte, unkt wie üblich vor sich hin. Kritisiert die Tool-Aufstellungen als unzureichend, macht sich lustig über die Hilflosigkeit der Leute, ätzt gegen die Versuche, den herkömmlichen Unterricht auf digital zu legen. Nur eines machen diese Wers nicht: Alternativen anbieten. Und so werkeln die Unerschütterlichen aller Unkenrufe zum Trotz vor sich hin und starten noch einigermaßen gechillt ins Wochenende.
    Dann kommt der Montag: Startschuss für das, was man mit dem unglücklich gewählten Ausdruck #coronaferien betitelt hat. Denn das, was uns hier bevorsteht, ist alles andere als Urlaub. Für keinen von uns. Andreas titelte geradezu prophetische in der Frühe:

    Andreas sollte Recht behalten…
    https://twitter.com/mebis_bayern

    Er sollte Recht behalten.
    Es geht schon in der Frühe los. Mebis ist zu. Kompettausfall. Aufgrund einer Cyberattacke hat man die Plattform vom Netz genommen. Das Prestigeprojekt versagt gerade jetzt, wo es händeringend gebraucht wird, den so ersehnten Dienst.
    Natürlich unverschuldet, klar. Aber was für eine Chance, die da genommen wurde! Und wieviel Wasser auf die Mühlen der Zweifler, wenn es um digitales Arbeiten geht! In der Situation möchte man eigentlich nur noch lachen. Wie die bayerische Sonne zum Beispiel. Die beschert uns in der Krise schönstes Frühlingswetter, das sich keiner so wirklich zu nutzen traut. Der Marienplatz ist fast menschenleer. In den U-Bahnen tummelt sich eine Hand von Leuten. Die Außenplätze der Cafés, die bei diesen Temperaturen immer aus allen Nähten zu platzen drohten, sind weitgehend unbesetzt. Die ganz kleinen machen in den nächsten Tagen sogar völlig zu. Rentiert sich einfach nicht, sagt uns der Besitzer. Was er denn jetzt in der nächsten Zeit dann so mache, frage ich ihn, wenn geschlossen ist. Ach, lacht der Besitzer, er mache mit seinem Partner jetzt einfach zwei Wochen lang eine Radtour. Der sei Lehrer. Der habe gerade auch nichts so tun. Ich mache wohl irgendwas falsch…

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    Zu

    Letzte Woche habe ich noch mit meiner Oberstufe gescherzt. Über die Schließung von Schulen in Italien aufgrund von Corona. Der eine Teil der Abi-Klasse fand die Vorstellung von ein paar „extra Tagen frei“ eigentlich ganz nett. Dem anderen Teil verging das Lachen eher im Hinblick auf die Abiturvorbereitung und die gesundheitlichen Bedenken. Und dieser Teil überwog quantitativ deutlich. Ich versuchte damals noch die Situation mit einer beiläufig flapsigen Bemerkung wieder zu normalisieren: Für den Fall, dass es bei uns zu einer ähnlichen Situation kommen sollte, würde sich bei uns im Kurs an der Kommunikation nichts ändern. Die Oberstufe würde weiterhin von mir über mebis mit zusätzlichem Material versorgt werden. Da haben wir alle noch geschmunzelt. Das war letzte Woche.
    Jetzt sind wir zu. Ein positiver Befund bei uns an der Schule zwingt uns in eine Quarantäne von zunächst zwei Tagen. Diese wird im Laufe des Dienstags noch um einen weiteren Tag verlängert, da sich einige Personen bei der Schulleitung gemeldet haben, die sich in den Ferien in einem der Risikogebiete aufgehalten haben und noch auf ihren Befund warten. Zunächst ist das für mich kein Grund zur Beunruhigung. Im Gegenteil: die neu gewonnene Zeit möchte man brav nutzen, um bis Dienstschluss viele der Arbeiten, zu denen man im Schulalltag immer zu wenig Zeit findet, zu erledigen. Schulaufgaben ordnen und respizierfertig machen, Arbeitsblätter einordnen, Evernote in Ordnung bringen und dort neue Links und Techniktipps in Unterordnern verstauen. Unterrichtsvorbereitung an die Oberstufe schicken. Das geht alles ganz wunderbar. Am zweiten Tag fällt mir das aber zunehmend schwerer. In Erwartung auf neue Infos zum aktuellen Stand an der Schule sind bei mir am PC simultan gleich drei Kommunikationswege offen: einmal der inoffizielle Lehrer-Chat, dann das Telefon und zuletzt das Infoportal, das bei uns das offizielle Sprachrohr zwischen Kollegium und Eltern darstellt. Regelmäßig wird aktualisiert, Informationen dringen nach draußen. Mal im einen Chat, mal im anderen. Auf dem Portal der Stadt München werden laufend Daten über geschlossene Schulen aktualisiert. Ebenso auf der des Kultusministeriums. Und auf unserer Homepage. Mal sagen sie unisono dasselbe, dann hat die eine Seite ein anderes Quarantäne-Datum als die andere, und im Lehrerchat geht die Unruhe los. Und so klickt man sich bei offener Unterrichtsvorbereitung von Tab zu Tab – und kommt nicht umhin die Nachrichtenseiten zu lesen. Corona. Es geht um nichts anderes mehr. Infektionen durch Corona. Sterberate durch Corona. Ausbreitung von Corona. Deutsche Todesfälle durch Corona. Börsencrash durch Corona. Alles andere ist vergessen: Das humanitäre Drama, das sich derzeit an den südöstlichen Grenzen der EU abspielt, ist vergessen. Jetzt geht es um das eigene (Über-)leben. Und da ist man erstmal sich selbst der Nächste. Traurig.
    Auch im öffentlichen Leben da draußen fällt es sehr schwer, sich der Hysterie zu entziehen. Jedes Husten erregt bei mir Aufmerksamkeit. Jedes Niesen auf der Straße oder in der U-Bahn, wenn man sich überhaupt nach draußen traut, wird sofort mit einem hektischen Blick ins Umfeld gesondert. Das Fassen ins Gesicht, versuche ich mir abzugewöhnen, aber meine Denkerstirn hat seit Dekaden eine innige Freundschaft zu meiner Handfläche geschlossen. Es gelingt mir nicht. Und jedes Mal erschrecke ich darüber ebenso wie Bob Blume in seinem Tweet.
    Offiziell machen wir morgen wieder auf. Aber da kommt die nächste Meldung ins Haus. Dieses Mal von der Stadt München. Sie empfiehlt im Falle eines positiven Befundes. Schulschließung für zwei Wochen. Das würde bei uns alles durcheinander bringen. Vor allem das Abitur. Wie schnell dieses System dann doch in sich zusammenfallen kann. Fragil wie ein Kartenhaus.

    Gespenstisch.

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    Saxa Monacensia: Die Inschrift der Mariensäule

    Unter all den lateinischen Inschriften, die München zu bieten hat, ist die Inschrift auf der Mariensäule, die dem Münchner Marienplatz seinen Namen gegeben hat (vorher war er als Schrannenplatz bekannt), wohl diejenige, die ich mit Abstand am längsten kenne. Um ihre Übersetzung habe ich mich allerdings nie gekümmert. Warum auch? Jedes Kind, das in München geboren ist, weiß um ihre Bedeutung: Maximilian I. spendete die Säule im Dreißigjährigen Krieg, da die Stadt entgegen aller Befürchtungen von einer Zerstörung durch die schwedischen Belagerer verschont geblieben war. Wirklich genauer angesehen habe ich mir die Inschrift erst im Zuge der saxa monacensia… Und hatte damit ehrlich gesagt ein bisschen meine Probleme.
    Das lag nicht unbedingt an der Grammatik. Die ist nämlich relativ stringent, sobald man die fehlende Interpunktion einfügt (die allerdings durchaus strittig ist). Das Problem ist tatsächlich das Vokabular. Denn die Inschrift beinhaltet zahlreiche Titel aus neulateinischer Zeit – Begriffe, die man im klassischen Lateinstudium so nie zu Gesicht bekommen hat. Es sei denn, man hat den einen oder anderen Abstecher ins Mittellatein unternommen und ein bisschen Einblick in dessen Dokumente den etwas quirky Wortschatz gehabt. So habe ich wirklich wieder einiges dazugelernt. Der geneigte Leser vielleicht auch.

    Die Abschrift der Inschrift lautet:

    Deo optimo maximo, virgini deiparae, Boicae dominae benignissimae, protectrici potentissimae ob patriam, urbes, exercitus, seipsum, domum et spes suas servatas
    hoc perenne ad posteros monumentum Maximilianus com(es) Pal(atinus) Rhen(i) utriusque Bavariae dux S(acri) R(omani) I(mperii) archidapif(er) et elector clientum infimus gratus supplex posuit a(nno) MDCXXXIIX.

    Übersetzung:
    Für den größten und besten Gott, die gottgebärende Jungfrau, die gütigste Herrin Bayerns und mächtigste Beschützerin hat Maximilian, Hofpfalzgraf am Rhein, Herzog und beider Bayern (gemeint ist Ober- und Niederbayern), des heiligen römischen Reiches, Erztruchess und Kurfürst, unterster ihrer Diener dankbar und demütig im Jahre 1638  dieses für die Nachkommen immerwährende Denkmal  aufgestellt wegen der Bewahrung von Heimat, Städten, Heere, seiner selbst, seines Hauses und seiner Hoffnungen.

    Die Übersetzung habe ich für eventuelle Einsätze im Unterricht möglichst textnah gehalten, auch wenn auf diese Weise ein paar Ausdrücke etwas seltsam anmuten. Der Ausdruck des Deus Optimus Maximus ist eine direkte Imitation des römischen Iupiter Optimus Maximus, was man im christlichen Sinne wohl mit anderen Adjektiven wiedergeben könnte, die den höchsten Eigenschaften des christlichen Gottes am ehesten entsprechen. Joseph Maier schlug in seiner Schrift „Säulen des Bayrlands“ aus dem Jahre 1738 die Übersetzung „allergütigst und höchst“ vor, was der Übersetzung wohl recht nahe kommen dürfte.
    Probleme beim Übersetzen dürften auch ein paar der Adelstitel darstellen, die ich ehrlicherweise selbst ein bisschen nachschauen musste:

    comes palatinus: Hofpfalzgraf (hoher Amtsträger mit weitreichenden administrativen und juristischen Befugnissen)
    archidapifer:  Erztruchsess (oberster Aufseher über die fürstliche Tafel)
    elector:  Kurfürst (Ranghoher Fürst mit Befugnis zur Wahl eines Königs)

    Eine entsprechende Umdeutung haben desweiteren die Begriffe des dux (hier: Herzog) sowie cliens erfahren, den man in der Schule nur aus dem römischen Bereich des patronus – cliens – Verhältnisses kennt. Er beschreibt an sich das Abhängigkeitsverhältnis, das zwischen diesen beiden Parteien besteht, in dem sich der Klient dem Schutz durch den patronus unterordnet. Im religiösen Sinne wäre hier wohl die Bedeutung des Bittstellers für mich am ehesten gegeben. Andere Übersetzungen lauten Pfleg-Kind (Joseph Maier) oder Schutzbefohlene. Ein bisschen herausgemogelt habe ich mich bei boicus, das mir in allen bekannten Wörterbüchern lediglich als Adjektiv (bayerisch) aufgelistet ist. Ich habe es unverschämterweise einfach nominalisiert und auf den schönen Freistaat umgemünzt.

    Auf der Homepage der klassischen Fachdidaktik der LMU München lässt sich zu diesem Thema übrigens ein toller Abriss über die unterschiedlichen Versionen der Inschrift nachlesen, die an dieser Stelle angebracht waren.

    Ein bisschen mehr als nur eine Tourismus-Attraktion: Die Mariensäule zu München
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    (Wieder) Demut lernen

    Ich kann mich noch erinnern, wie ich im Studium erstmals vom Ausdruck des Fachidiotismus gehört habe. Diesen wenig schmeichelhaft klingenden Ausdruck zum Beschreiben eines Zustandes, dem man nach mehreren Jahren in seinem Metier erliegt, kannte ich theoretisch, aber wirklich vorstellen konnte ich mir das damals nicht. Frisch aus dem Abi war ich nämlich eigentlich ganz gut aufgestellt, was das Allgemeinwissen betraf: Kurvendiskussionen, Vektorenrechnung, das Verständnis von dominant-rezessiven Erbkrankheiten, die unterschiedlichen Evolutionstheorien, Atommodelle. War alles damals kein Problem für mich.
    Das hat sich mittlerweile geändert. Nach 10 Jahren im Dienst geschieht es immer mehr, dass ich Klassenzimmer betrete und Tafelanschriebe meiner Vorgänger vorfinde, die für mich nur böhmische Dörfer darstellen. Das ist aber nicht nur in Fremdfächern so, sondern auch in den eigenen Fächern. Man verliert über die Jahre ein bisschen den Blick für gewisse Inhalte und ihre Anforderungen. Unterschätzt, wie schwer es z. B. sein kann, ein Gedicht zu verfassen oder einen Text frei zu schreiben. Etwas, was man jahrelang in der Schule oder an der Uni praktiziert hat, dann aber in der Schule gerne mal etwas einschlafen lässt. Dort ist man eher damit beschäftigt, die Ergüsse seiner Schülerschaft zu korrigieren. Selbst mal wieder zur Feder greifen? Das machen die wenigsten. Auch ich bislang nicht. Zu häufig wurde mir davon abgeraten. Selbst etwas zu schreiben sei zeitintensiv, nicht zielführend und oftmals auch frustrierend für die Klasse, weil sie im „Musteraufsatz“ des Lehrers oft einen Schreibstil vorgesetzt bekommt, an den ein Großteil überhaupt nicht heranreichen kann. Dennoch habe ich das Experiment jetzt einmal wieder gewagt.
    Kurz vor dem Abitur steht die letzte große Textsorte für meinen Oberstufenkurs ins Haus: das Erstellen eines comment. Da trotz einer theoretischen Vorentlastung unter einem Großteil des Kurses doch immer wieder Fragen auftauchten, was denn einen guten comment ausmache und was nicht, habe ich einfach mal selbst wieder zur Feder gegriffen und unter denselben Prüfungssituationen wie die Schüler dasselbe probiert… und kam ganz schön ins Schwitzen. Ich hatte völlig vergessen, wie viel Arbeit das Erstellen einer solchen Textsorte machte. Wie man eine sinnvolle Einleitung schreibt. Wie man schöne Übergänge schafft. Argumente präsentiert und ineinander laufen lässt. Alles in einen schönen Schluss münden lässt. All das in 45 Minuten Arbeitszeit hinein zu kloppen, ging deutlich schwerer als gedacht. Aber ich habe es geschafft. Und nicht nur das. Ich habe auf diese Weise selbst noch einmal gemerkt, an welchen Elementen ich erfahrungsgemäß am meisten sitze. Und so konnte ich für die Schüler auch ein bisschen Metawissen miteinbringen: An welcher Stelle müssen sie besonders darauf achten, die Kohäsion des Textes nicht zu zerreißen? Welcher Stil macht sich am besten? Mit welchen Tricks lasse ich Sätze wendiger klingen? Wie erreiche ich möglichst elegant Kohäsion und Kohärenz. All das habe ich in meinem Musteraufsatz den Schülern in unterschiedlichen Farben markiert und zur Ansicht auf Mebis hochgeladen.Erfolgreich. Ausnahmslos jeder hat sich das Dokument vor der Schulaufgabe angesehen und auf diese Weise durch die Bank ganz grandiose comments in der Klausur verfasst. Die ganze Arbeit hat sich also gelohnt. Und es wird nicht bestimmt das letzte Mal gewesen sein, dass ich mich mal wieder selbst in die Rolle des Schülers begebe…

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    H5P Olé – Teil 5: Image Juxtaposition

    Unter den Aktivitäten, die mit H5P für Zuschauer am eindrucksvollsten sind, gehört definitiv die Aktivität Image Juxtaposition – eindrucksvoll deshalb, weil man sie in der Regel vor allem von professionellen Nachrichtenseiten kennt. Über einen Schieberegler kann man stufenlos zwischen zwei Bildern hin- und herschalten, sodass Gemeinsamkeiten und Unterschiede im direkten Vergleich zutage treten – perfekt für kontrastive Vorher-Nachher-Aufnahmen von Satelliten, Statistiken oder Kunstwerken, die sich so im Unterricht in Windeseile integrieren können.

    Wie geht’s?

    Alles, was man dazu braucht, sind zwei Bilder, die in die H5P-Maske geladen werden. Die einstellbaren Parameter beschränken sich hierbei auf ein Minimum und sind größtenteils optional:

    Die Optionen zu H5Ps Image Juxtaposition halten sich in angenehmen Grenzen
    • Titel ist buchstäblich namengebend und kann genutzt werden, um einen Arbeitsauftrag festzuhalten.
    • Das Feld Alternativtext muss mit einer Nachricht befüllt werden, für den Fall, dass das Bild nicht geladen werden kann. Das kann z. B. eine Kurzbeschreibung eines der beiden Bilder sein.
    • Hovertext (optional) zeigt Text an, sobald man mit dem Mauszeiger über längere Zeit über dem Bild unbewegt bleibt – zum Beispiel in Form eines versteckten Hinweises.
    • Beschriftung des ersten/zweiten Bildes (optional): Das ist ein Titel, der jeweils über den Bildern angezeigt wird. Dieser ist im Gegensatz zum Hovertext immer sichtbar.

    Das war’s an sich aber auch schon mit der Arbeit. Wer will, kann im darunter liegenden Menü Verhaltenseinstellungen noch die Startposition des Schiebereglers sowie dessen Schieberichtung und Farbe definieren. Muss aber nicht. Den Rest übernimmt die Software. Das fertige Produkt kann zum Beispiel so aussehen:

    Wie die Aktivität von hier zu den Schülern kommt, lest ihr hier.
    Wenn ihr weitere Ideen für die Aktivität hat, schreibt mir in den Kommentaren.

    Und schon geht’s weiter mit Aktivität 6.

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    Was zu tun

    Wie war das noch mal mit dem Glashaus? Noch vor ein paar Tagen habe ich etwas enttäuscht festgestellt, dass in den Lehrerblogs derzeit etwas Flaute herrscht – nur um hinterher zu erkennen, dass es bei mir derzeit ganz genauso ist.
    Es wäre falsch, das damit zu begründen, dass es nichts zu berichten gäbe. Denn das stimmt nicht. So kurz um die Zeugnis-Zeit fällt erfahrungsgemäß immer viel Arbeit an. Da brauche nicht mal meine Erinnerungen zu bemühen, um herauszufinden, dass das schon immer so war. Ich habe ja einen Blog dafür. Und der bestätigt: Das Thema Arbeit und Arbeitsbelastung sowie die Möglichkeiten diese im Zuge der Lehrergesundheit ein bisschen einzudämmen zieht sich durch meine 6 Jahre Blogerfahrung wie ein roter Faden. Zu Hochzeiten habe ich mir immer regelmäßig Luft verschafft und gewettert, über die Leiden des jungen M. Zum Beispiel hier. Oder hier. Oder aber auch hier.
    Auch nach 10 Jahren kann ich nicht sagen, dass das anders ist. Klar, die meisten dieser digitalen Klagegesänge sind allesamt mehr mindestens von 2014, aber Arbeit gibt es nach wie vor viel. Sie hat sich nur verändert: Noch vor ein paar Jahren lag der Fokus deutlich auf der Unterrichtsvorbereitung, den neuen Methoden und dem Erstellen von Material, mit dem man die Klassen ärgert beglückt. Das hat sich vor allem in den letzten zwei Jahren ganz deutlich verändert. Dank meiner digitalen Unterrichtsvorbereitung in Evernote und der zunehmenden Routine nimmt der zeitliche Rahmen zur Unterrichtsvorbereitung ein absolutes Minimum ein. Spätestens nach zwei vollen Zeitstunden steht alles. Arbeitsblätter müssen in der Regel nicht neu konzipiert, sondern lediglich ein bisschen angepasst werden. Lediglich die Oberstufe in Englisch erfordert eine regelmäßige Anpassung, da selbst nach zwei Jahren vieles einfach in die Jahre gekommen ist. Dass man aber mit zwei Zeitstunden einen kompletten Schultag führen kann, hätte ich mir vor knapp zehn Jahren im Referendariat niemals zu träumen gewagt. Wenn ich da noch an meine ersten Unterrichtsversuche im Referendariat denke, wo ich für eine reguläre Schulstunde drei Zeitstunden investieren musste (ich kann mich noch dran erinnern als ob es gestern war: Einführung zu Rosa Parks)… Aber es ist so.
    Was stattdessen mehr Zeit erfordert, ist die Organisation der Systembetreuung, die ich seit einem Jahr habe. Das ist ein riesiger Batzen Arbeit, der mir – man höre und staune – viel Spaß macht. Ebenso wie auch das Reinfrickeln in die Arbeit mit Mebis und H5P, was mir mehr und mehr perfide Freude bereitet – für einen Großteil meines Kollegiums ein absolutes Rätsel, aber verständlich, da durch die bei uns noch vor kurzem kaum vorhandene und defizitäre Technik bei vielen einfach das Vertrauen in digitale Konzepte verloren gegangen ist (wenn es bei uns überhaupt jemals bestand). Aber bei uns tut sich was. Langsam und in Babyschritten. Und ich werde davon berichten. Es gibt was zu tun!

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    Saxa Monacensia: Grabinschrift auf dem Waldfriedhof

    Der Lokalpatriotismus der Bayern ist für Leute jenseits des Weißwurstäquators bestimmt immer schwer zu ertragen. Dass derartige Heimatgefühle sogar bis über den Tod hinausgehen, beweist ein Herr, der sich auf dem Münchner Waldfriedhof im Süden Münchens zur letzten Ruhe hat betten lassen. Dieser hat seine letzten Worte nicht etwa sich oder seinen Liebsten gewidmet – sondern kurzerhand seiner bayerischen Heimat:

    Extra Bavariam non est vita.

    Übersetzung:
    Außerhalb von Bayern gibt es kein Leben.