• Technik,  Unterricht

    Der Neuzugang: Das Samsung Tab S7

    Nach vier Jahren war es langsam wieder Zeit für einen Tabletnachfolger. Mein Tab S3 war eben wie das von Jan-Martin Klinge etwas in die Jahre gekommen: Der Akku hielt zwei Schultage, die Ladezeiten einiger Programme wurden langsam etwas zu groß, und gewisse Apps wurden dank Android 9 nicht mehr aktualisiert. Und so kam mir ohne großes Tamtam ein Nachfolger ins Haus. Der Nach-Nach-Nach-Nachfolger um genau zu sein.

    Halt! Ein neues Tablet – trotz Lehrerdienstgerät?

    Danke für die Frage! Die ist nämlich durchaus berechtigt: Mitte des Jahres war ich noch tatsächlich am Grübeln, ob ich überhaupt ein Tablet brauche. Immerhin lag da seit Juli ein schickes Lehrerdienstgerät auf dem Schreibtisch, das eigentlich um ein Vielfaches leistungsstärker ist, als jedes Tablet device, das es zur Zeit auf dem Markt gab. Eigentlich. Denn durch die aktuellen Limitierungen durch den Sachaufwandsträger ist das Convertible so limitiert, dass ich vieles im Unterricht gar nicht umsetzen kann. Also nahm ich Ende November wieder mal eigenes Geld in die Hand und griff zum Tab S7.

    “Vorfreude”

    Mit dem Gerät zieht nun nach einem HTC Flyer, einem Samsung Note 8.0 und dem Tab S3 nun Gerät Nummer vier in meine Lehrertasche. Vielleicht ist es das Alter, in dem man nicht mehr wie ein Kleinkind an Weihnachten auf die Geschenke hinfiebert, oder die Tatsache, dass es in der Branche aktuell keine nennenswerte Neuerungen gibt. Aber das Gerät lag erstmal einen knappen Monat einfach in der Verpackung herum. Das alte ging ja noch irgendwie. Aber in den Weihnachtsferien hatte ich endlich Zeit. Also raus aus der Packung und erstmal angeschaut.

    Alt vs. Neu: Links das Samsung Tab S3 und rechts das Tab S7

    Alt vs. Neu – Das Äußere

    Insgesamt ist das Tab S7 in den Ausmaßen leicht anders geraten als noch das S3. Im Gegensatz zu seinem Ur-ur-ur-urenkel kommt das Gerät komplett ohne physische Knöpfe daher. Dafür aber in echten 16:9 Ausmaßen daher: Fast 3cm ist das S7 breiter als das S3 – Das klingt im ersten Moment nach nicht viel, macht sich aber nach Jahren mit dem Vorgänger schon bemerkbar. Auch in der Höhe ist es noch eine Spur höher – und wird dadurch auch etwas schwerer. Mit knapp 500 Gramm ist es nicht ganz so wuchtig wie ein Convertible, aber doch ein kleines Schwergewicht im Vergleich zum Tab S3.

    Von Alt auf Neu – Die Migration

    Der Umzug vom alten Samsung zum neuen ist kinderleicht: Einfach beide Geräte mit USB-C-Kabel verbinden (unbedingt hierbei die richtige Polung beachten, damit das Übertragen auch tatsächlich funktioniert), Samsungs Smart Switch runterladen – und los geht’s. Unkompliziert, aber auch ratsam: Denn auf diese Weise ist es möglich, auch Apps auf das neue Tablet hinüberzuretten, die aufgrund von bankrotter Entwickler oder Kompabilitätsproblemen im Google Store mittlerweile fehlen. Apps wie Notegraphy oder EZPDF Clear, mit dem ich seit sieben Jahren arbeite, konnte ich so vor dem Vergessenwerden retten. Natürlich landet in diesem Umzug auch der komplette Müll des alten Tablets auf dem neuen. Von daher sollte man bei einer Migration vorher nochmal genau überlegen, was man von den darauf gespeicherten Sachen auch tatsächlich benötigt.

    Im Gebrauch

    So ist die Installation auch nach maximal 30 Minuten vom Tisch und das Gerät kann in Betrieb genommen werden. Und da merkt man erst, auf was man so in den letzten Jahren mit dem S3 alles verzichtet hat. Das Display ist gestochen scharf, der Sound dröhnt unerwartet wuchtig aus seinen vier Boxen, die Arbeitsgeschwindigkeit ist prächtig, die drahtlose Smart View Verbindung über Miracast funktioniert auch noch mit dem alten Streaming Stick ohne Murren. Sagen wir, wie es ist: Das Arbeiten mit dem S7 macht Spaß.

    Die Displays im Direktvergleich

    Einziger Wermutstropfen ist der eingesparte Kopfhörerausgang, der in den aktuellen Tablet- und Smartphonemodellen zunehmend verschwunden ist. Für manche mag das ein zu verschmerzendes Luxusproblem sein. Für mich allerdings ist das im Alltag wirklich ein echter Ärgernis: Mit dem S3 war es noch möglich, den Ton neben HDMI auch über besagte Klinken-Buchse auszugeben. Ein echter Segen, wenn die Boxen des Beamers im Klassenzimmer zu poplig waren. So konnte man den Ton über ein externes Soundsystem ausgeben und auf diesem Wege das Klassenzimmer beschallen. Mit dem S7 geht das nicht mehr. Über Miracast werden sowohl Ton als auch Bild drahtlos an das verbundene Endgerät geschickt. Und wenn das nur Mini-Boxen auf Lager hat, ist das Pech. Alternative Soundausgabe über den USB-C-Anschluss ist grundsätzlich möglich. Aber dafür darf man wieder 15€ für einen entsprechenden Adapter auf den Tisch legen, den man wieder in der Tasche rumschleppen darf.  Das ist ganz schön nervig! Ebenso wie die Handhabung mit dem ach so geliebten sPen, der dem Gerät beiliegt.

    Die Stiftspitzen des Tab S7 (hinten im Bild) sind noch einen Tick dünner als die der Vorgänger.

    Dabei gäbe es grundsätzlich nur Positives zu berichten: Nach dem Zahnstocher-Stift im 8.0 wurden die Samsung-Schreibgeräte immer edler. Schon beim Tab S3 war der Stylus ein beeindruckendes Exemplar der Gattung Stift. Im S7 ist das nun noch einmal weiterentwickelt. Der Pen liegt toll in der Hand, das Schreibgefühl ist sehr natürlich. Probleme machen mir allerdings der sonst so verlässliche Aktionsknopf auf der flachen Seite des Stiftes, nach dem ich immer wieder umständlich fummeln muss, um ihn auch tatsächlich zu finden. Eventuell bin ich noch zu sehr den Stift des Vorgängers gewohnt und es ist alles eine Frage der Übung. Aber auch nach drei Monaten habe ich den Dreh immer noch nicht so raus. Ebenso wie diese neuen Funktionen im Stift, die nun auch abseits vom Bildschirm funktionieren. Mit gedrücktem Aktionsknopf des sPen werden nun nach bestimmten Handbewegungen vordefinierte Befehle ausgelöst, mit denen Screenshots erstellt, Seiten weiter geblättert oder Kameras ausgelöst werden. Alles ganz nett, aber das Rumgewedel in der Luft nervt mich persönlich ganz schön. Zumal die Bewegungen sehr willkürlich sind und für jede App umständlich erlernt werden müssen. Zudem sind die meisten Befehle auch wunderbar direkt am Bildschirm machbar. Lediglich das Fernauslösen der Kamera empfinde ich als sinnvolles Gimmick. Schade nur, dass ich mit dem Tablet so gut wie nie Fotos schieße.
    Außerdem sind diese Luftbewegungen nur bei geladenem Stift möglich. Das hat mich zu Beginn schon etwas schockiert. Denn die Spens kamen bisher komplett ohne internen Akku aus. Zum Laden muss der Stift hinten an die Rückseite des Gerätes geclippt werden, wo er magnetisch haften bleibt… bis er bei der kleinsten Bewegung in der Schultasche runterfällt. Der sPen ist mir in der Tasche dermaßen oft abhanden gekommen, dass ich es mir komplett abgewöhnt habe, ihn dort anzubringen. Lieber beherberge ich ihn in der Schutzhülle vom Tablet. Dort lädt er zwar nicht, wodurch die Luftbewegungen nicht mehr möglich sind. Aber die nutze ich ohnehin nie. Die Grundfunktionen sind auch so möglich. Die gehen übrigens auch noch mit den sPens der anderen Generationen. Die Stifte sind also insgesamt abwärtskompatibel. Puh 🙂

    Fazit

    So ist das S7 ein tolles Maschinchen, das mir zwar ein bisschen Umgewöhnung abverlangt (fehlender Klinkenausgang, sPen-Handling), aber insgesamt doch großen Spaß macht. Grundlegende Überraschungen finden sich am Gerät aber nicht. Für mich ist das Gerät einfach ein schickeres und schnelleres S3. Innovative Neuerungen, die Arbeitsprozesse beschleunigen oder grundlegend verändern, sucht man vergeblich. Aber das hat nichts mit dem Gerät selbst zu tun. Oder mit Samsung. Diese Entwicklung sieht man seit Jahren schon bei sämtlichen Herstellern. Wenn ich mich noch zurückerinnere, was für ein Sprung damals das Arbeitsgefühl der Wechsel machte, den ich damals vom HTC Flyer zum Samsung Note 8.0 erlebt habe. Das waren echt Welten!

    Macht eine gute Figur: Das Tab S7
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  • Allgemeines,  Unterricht

    Lost for words

    Hinter mir liegt einer der surrealsten Schultage meiner mittlerweile nicht mehr so jungen Karriere. Es ist der Donnerstag vor Fasching. Unsinniger Donnerstag – so nennt man ihn bei uns. Und selten war der Ausdruck treffender als heute. Denn so richtig Sinn will das alles nicht ergeben. Wo normalerweise die Kinder heute in den Schulen kleine Streiche spielen, ist heute nichts davon zu spüren. Das geht schon im Lehrerzimmer los: Eisiges Schweigen allenthalben. Aus dem “der wird doch nicht” der letzten Tage ist ein “der hat echt tatsächlich” geworden. Man verfolgt mit einer gewissen Grundangst die Nachrichten, die auf einmal nicht mehr von Pandemien und Impfquoten künden. Sondern von Krieg. Krieg in Europa. Das habe ich das letzte Mal in den 90ern erlebt, als ich noch zu jung war, um alles zu kapieren. Genau so dürften sich aktuell meine neunte Klasse fühlen, die gleich zu Beginn des Tages auf dem Programm steht. Cäsars bellum Gallicum. Der Stoff könnte nicht aktueller sein: Eine Großmacht, die unter fadenscheinigen Gründen eine Invasion startet, um einem dort ansässigen und unterdrückten Volksstamm zu helfen -und sich plötzlich das ganze Land einverleibt. Ein Krieg, der von innenpolitischen Spannungen ablenken soll. Eine gigantische Desinformationskampagne mit expliziter Leserlenkung. Schlecht geführte Diplomatie zur Abwendung eines drohenden Krieges. Machtgier. Verletzte Eitelkeiten. Drohungen. Verzweifelte Bittsteller. Alles. Das gesamte Werk gerät heute zu einer Metaebene. Wir reden über alte Kriege und gleichzeitig über einen, der vor unseren Augen passiert. 2000 Jahre alt der Text. Derselbe alte Wein. Neue Schläuche.

    Und wir schlagen uns seit zwei Jahren die Köpfe ein wegen eines Impfstoffes. Was für verdammte first world problems wir doch haben!

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  • Technik,  Unterricht

    H5P Olé – Folge 17: Collage

    Apps für das Erstellen von Bildcollagen gibt’s wie Sand am Meer. Aber wozu diese nutzen, wenn das auch ganz ohne Installationsaufwand geht? Nämlich mit H5P. Hier findet sich nämlich der Typus Collage, mit dem sich in Windeseile aus bestehenden Bildern ganz einfach herzeigbare Bildzusammenstellungen designen lassen:

    Und damit geht das ganz gut, wie man sieht:

     

    Wie wird’s gemacht?

    Wie üblich wählt man die Aktivität seiner Wahl aus dem H5P-Hub – in diesem Fall die Collage – und benennt sein neuestes Werk in der Rubrik “Titel”. Anschließend entscheidet man sich für eins von derzeit zehn möglichen Layouts, in dem die Bilder angeordnet sein soll.

    Die komplette Bandbreite an möglichen Layouts (Stand: Februar 2022)

    Und schon lassen sich die Felder mit des Layouts mit den gewünschten Schnappschüssen befüllen. Jedes der Felder lässt sich individuell über ein Optionsmenü bearbeiten, um die Collage bei Bedarf weiter zu verändern. Das geht auch – im Gegensatz zu vielen anderen Apps – auch im Nachhinein, wenn die Collage eigentlich schon längst erstellt ist.

    Als letzte Option finden sich noch diverse Gesamteinstellungen für die Collage selbst.

    Unter Abstand werden Rahmen zwischen den einzelnen Bildern in ihrer Dicke auf einer Skala von 1-20 definiert. Möchte man diese Dicke auch um die Collage außerhalb haben, markiert man unter Rahmen die Option Wie Abstand. Unter Höhe werden die Bildausschnitte in ihrer Höhe auf einer Skala 0-2.0 eingepasst. And there we have it.

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  • Allgemeines,  Alltag

    Show must go on

    Sorry für die etwas über die Maßen andauernde Flaute hier im Blog in den letzten Wochen, aber aktuell heißt es “mit den Kräften haushalten”, da mussten ein paar Dinge zurückstecken. Und der Blog war nur eines davon.

    Im Zuge von dauerhohen Inzidenzen, die in München letzte Woche dann tatsächlich die 2300 gesprengt hatten, rückte das Thema Infektion immer unangenehmer an einen heran. Plötzlich fehlten nicht nur noch vereinzelt Kinder in den Klassen. Sondern ganze Gruppen. Zu Hochzeiten stand man vor vier Schülern in einem Klassenzimmer. Die anderen mussten zuhause bleiben – mal, weil sie sich tatsächlich infiziert hatten; mal, weil sie Kontaktperson waren. Mal waren sie dazu von der Schule verdonnert worden. Dann wieder vom Gesundheitsamt – das nach zwei Tagen dann wieder den Ball zurückwarf und den Schulen das Aussprechen von Quarantäne überließ. Impfstatus sollte abgefragt werden, in Excel-Listen eingetragen und an das Gesundheitsamt übermittelt werden. Plötzlich war das aber dann auch wieder obsolet. Bezüglich Tests sollen wir dreimal in der Woche testen – oder plötzlich wieder täglich. Jetzt ab März werden dann die unteren Klassen zu Pooltests verpflichtet. Das bedeutet erstmal wieder eine Menge Papierkram, den es zu bewältigen gilt. Ein Wahnsinn. Aber einer, an den man sich gewöhnt.

    Zum Glück kann ich dank Systembetreuung regelmäßig ein bisschen in andere Bereiche eintauchen, in denen ein bisschen mehr Struktur herrscht. Die vereinzelten (Lauf-)Aufträge werden gewiss nicht weniger. Aber ich kann sie systematisch abarbeiten anstatt hektisch auf alle Bombeneinschläge reagieren zu müssen, abhängig davon, wie akut sie gerade bei einem einschlagen.

    Wenn man den Prognosen glaubt, beginnt jetzt das große Finale der akuten Welle. Hoffen wir alle, dass es die letzte sein wird.

    Zahlen von muenchen.de
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  • Technik,  Unterricht

    💥BOOM!💥-ers

    Englischunterricht erfordert immer wieder mal neue Perspektiven. Vor allem in der Oberstufe. Anders in Latein sind die Themen beständig im Fluss: Einen Text von 2019 zu Theresa May und dem Brexit-Desaster brauche ich drei Jahre später nicht mehr hervorzukramen. Und so muss man bei den im Lehrplan vorgegebenen Großthemen immer mal wieder am Puls der Zeit horchen.
    Zum Glück gibt’s Twitter, wo man so einiges mitbekommt. Zum Beispiel die OK-Boomer-Debatte, die schon 2020 durch die sozialen Netzwerke rauschte und das Problem des Generationenkonfliktes verdeutlicht, das im Großthema individual and society des Lehrplans verankert ist. Dieser verläuft immer nach demselben Muster: Alte verstehen die Jugend nicht, die Jugend nicht die Alten. Und das produziert auf beiden Seiten immer wieder Aggressionen unterschiedlicher Art: Die Alten zetern über die Nachfolgegeneration, wo es nur geht – und die Jugend lässt ihrem Ärger in sarkastischen Bild-Textkommentaren Luft, die den Altvorderen in ihrer Bedeutung schwer zugänglich sind. Nämlich in Memes.

    Neuland

    Das Thema ist für mich selbst etwas heikel: Als nicht-Millennial kenne ich Memes nur beiläufig. Und vieles davon ist mir ebenso verschlossen wie den schon erwähnten Boomern. Mit derartigem Randwissen in einer Abiturklasse aufzutauchen, kann für die Lehrkraft schon gut daneben gehen. Das wirkt schnell hilflos oder – noch schlimmer – anbiedernd… pardon… cringe.

    Los geht’s

    Aber, oh Wunder: Die Leute waren Feuer und Flamme! Begeistert haben sie erst im Netz diveser Boomer-Memes gesucht, um ein Gespür für die Machart zu bekommen. Die besten haben wir zusammengestellt, präsentiert, analysiert und bewertet: Welche Reizpunkte werden angesprochen? Treffen sie den Kern der Sache? Sind sie überzeichnet? Treffen sie überhaupt nicht zu?

    Absoluter Höhepunkt war aber zum Schluss das Erstellen von eigenen OK-Boomer Memes mit Hilfe eines Meme Generator im Netz. Was der Kurs da in knapp 10 Minuten rausgehauen hat, war der Wahnsinn. Wir haben Tränen gelacht. Ich habe Tränen gelacht… und mich auch ein bisschen ertappt gefühlt, weil man sich doch mittlerweile in einigen Positionen wieder findet, die in den Memes angesprochen werden.

    Die besten Memes zu dem Thema will ich euch natürlich nicht vorenthalten ☺

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  • Allgemeines,  Alltag,  Latein

    Von Kuschelkissen

    Was für ein scheußliches Wetter! Draußen hängt der Nebel dick über der Stadt, die Temperaturen krebsen um den Gefrierpunkt herum, die Sicht ist getrübt. Die Straßen zeigen sich menschenleer und lediglich von den tapfersten Recken bevölkert, die dem eisigen Wind trotzen und schnellstens einen Platz im Warmen suchen. Zum Beispiel in einem Café in der Münchner Innenstadt. Wie gemütlich das alles hier ist: Wohlige Wärme im ganzen Raum, der vom ruhigen Gemurmel tiefenentspannter Menschen erfüllt ist. Im Hintergrund surrt regelmäßig das wohl vertraute Geräusch einer Kaffeemaschine, der Geruch von Cappuccino und Earl Grey liegt in der Luft. An den Tischen leuchten Kerzen und flackern beruhigend vor sich hin. Da lässt man sich doch gerne nieder.

    Auf einer Bank zum Beispiel, die mit kuschligen Kissen zum Rasten und Ruhen einlädt. Und dann auch noch auf Latein! Nämlich mit den Anfangszeilen von Vergils Aeneis! In schönsten 08/15-Fonts prangen dort die Versstücke, die in die Weltliteratur eingingen. Hier ein bisschen Kalligraphieschrift, dort ein paar Serifen-Bögen. Ein bisschen Times New Roman, ein bisschen artsy Kursive. Wunderschön! Wie toll, dass kein Mensch den Sinn der Verse versteht, die dort zu lesen sind. Denn die Aeneis steht für alles – nur kein Wohlfühlkino: Irrfahrten, Weltuntergangsstimmung, Entfremdung vom eigenen Staat, Tod von Verwandten, Entzweiung von Familien, Hinraffen ganzer Städte durch eine Seuche… ähm… öhm… vielleicht doch nicht so unpassend…

    Arma virumque cano, Troiam qui primum ab oris…
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  • Allgemeines

    Weihnachtsferien 2021

    Wolfgang Amadeus Mozart soll in seinem Tagebuch einmal vermerkt haben:

    “Gar nichts erlebt. Auch schön”.

    Die Historie widerlegt diesen schönen Ausspruch leider als Lüge, aber keines der geflügelten Worte könnte meine diesjährigen Weihnachtsferien besser zusammenfassen.
    Parties gefeiert? Ganz bestimmt nicht. Freunde getroffen? Nope. Mit Kollegen auf einen Kaffee verabredet? Nichts dergleichen. Silvester gefeiert? Zu zweit. Städetrips gemacht? Mitnichten.

    Tatsächlich habe ich die erste Hälfte der Ferien nur mit Schlafen verbracht. Gefühlt so viel wie seinerzeit nach dem Staatsexamen nicht mehr. Die zweite Hälfte wurde etwas korrigiert. Und gelesen. Und gut gegessen. Und dann wieder geschlafen.

    Es klingt ganz furchtbar öde. Aber nichts anderes habe ich gebraucht. Vor allem im Hinblick auf das, was pandemie-bedingt in den nächsten Wochen noch vor uns liegt. Passt auf euch auf!

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  • Latein,  Technik,  Unterricht

    H5P Olé – Folge 16: Multiple Choice

    In dem ganzen Überangebot an tollen Möglichkeiten von H5P übersieht man gerne mal die Aktivitäten, die der Bread-and-Butter-Fraktion angehören: Kleine Progrämmchen, die fast schon selbstverständlich geworden sind, aber einen festen Platz im Repertoire haben sollten. Zumal einige davon in komplexeren Aufgabentypen von H5P auftauchen (z. B. die Virtual Tour). Eins davon ist unser altbekannter Freund, Monsieur Multiple Choice.

    Wie wird’s gemacht?

    In H5P Ratzfatz! Vor allem, wenn man schon mit anderen Aktivitäten gearbeitet hat, denn hier treffen wir auf längst bekannte Kategorien. Und da wir die schon alle kennen, erlaube ich mir sie in Gänze hinzuklatschen. Dafür aber in medienwirksamem H5P. Voilà:

     

    Kleine Info-Boxen sind schnell mit Hilfe eines “Tipptextes” erstellt.

    Eine Prise Extra

    Da Multiple Choice auch gerne in Test-ähnlichen Umgebungen in H5P zum Einsatz kommt, sind abschließend weitere Einstellungen möglich. Unter Gesamtfeedback lassen sich zusätzlich zu den oben beschriebenen individuellen Feedbacks zu den einzelnen Antworten zusammenfassende Abschlussbemerkungen festlegen, wie wir sie auch schon in der allerersten Aktivität Drag the Words gesehen haben. Möchte man am Aussehen der Aktivität noch etwas feilen, bietet sich ein abschließender Blick in das Untermenü der Verhaltenseinstellungen, die bei Multiple Choice um ein paar Optionen erweitert sind:

    Weitere Einstellungen sind unter den Verhaltenseinstellungen möglich.

    So findet sich hier erstmalig (zumindest für mich) die Auswahl Frageart, bei der man das Design der anklickbaren Boxen verändern kann. Möchte man verhindern, dass die Antwortmöglichkeiten nicht immer in derselben Reihenfolge erscheinen, sondern durchgemischt werden, empfiehlt sich ein Klick in der Box Zufällige Reihenfolge der Antworten. Auf diese Weise lassen sich Antwortmuster nicht mehr auswendig lernen.

    Wie diese Aktivität von hier zu den Schülern kommt, lest ihr hier.
    Wenn ihr weitere Ideen für die Aktivität habt, schreibt mir in den Kommentaren.

    Und schon geht’s weiter mit Aktivität 17.

     

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  • Allgemeines

    Jahresausklang

    In unserer Hausgemeinschaft hat sich über die Jahre ein kleiner Brauch eingeschlichen, den ich mehr und mehr liebgewonnen habe: Wir heinzelmännchen: Für kleine Gefälligkeiten bedankt man sich nicht nur persönlich von Angesicht zu Angesicht. Zusätzlich stellt man dem entsprechenden Nachbar heimlich kleine Aufmerksamkeiten mit einer Dankeskarte vor die Wohnungstür.

    Jedes dort deponierte Präsent erzählt seine Geschichte: Die Flasche Prosecco gab’s fürs Gießen der Blumen, den Sekt fürs Tragen und Aufbauen des sperrigen Möbelstücks. Zwei Flaschen Rotwein brachte der peinlich berührte Nachbar mit dem schlechten Gewissen, der mir beim Abbiegen ins Auto gedonnert war. Ein Marzipan-Survival-Paket stellte die 89-jährige Dame aus dem ersten Stock bei mir ab, um mir in der Lockdown-Zeit eine kleine Freude zu machen. Ich liebe diesen Mini-Brauch. Und ich wünschte ich könnte ihn auf andere Gemeinschaften ausdehnen, die nicht mit mir unter einem Dach leben.

    Ich hätte eine Menge an Präsenten zu vergeben: Für das Teilen von Freud und Leid im Schulalltag, für das Mitgestalten von Unterricht, fürs Fortbilden, für den Einsatz für die Gemeinschaft, für das Ertragen der zahlreichen Einschränkung in einer Pandemie, fürs Entgegenhalten, für den Austausch, fürs Anpacken, fürs Zuhören, für gute Gespräche, fürs Dasein. Ohne persönliche Interaktion wäre 2021 ein absolutes Desaster gewesen. So sieht man aber, worauf es in einer so verrückten Zeit ankommt um sie gesund zu überstehen: Auf uns.

    Auf in ein gutes neues 2022!

     

    🥳

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