
Osterferien


Es ist mal wieder soweit. Das alljährliche Treffen für Systembetreuungen in München Stadt fand Stadt… äh… statt. Wo wir letztes Jahr in einem Schulgebäude vom Allerfeinsten untergebracht waren, empfängt uns dieses Mal das komplette Gegenteil. Im Münchner Osten wartet auf uns ein Betonklotz aus dem 70er Jahren mit vollgeschmierten Toiletten, grusligen Kindermalereien an den Wänden und eine Aula, wie man sie in einer der reichsten Städte Deutschland nicht vermuten würde: Die Decken sind mit Metallstreben abgestützt, ein Großteil der Fenster mit Gaffertape gesichert. Streckenweise sind sie komplett zugeklebt. Dass man in so einem Ambiente nichts Gutes zu erwarten hat, ist von Anfang an zu spüren. Tja und so kommt es dann auch.
“Guten Morgen, München! Die Frühling ist da!”, ruft die italienische Bedienung quer über den Weißenburger Platz an diesem sonnigen Samstag. Und er hat recht. Die Luft ist kühl, aber erfrischend, die Sonne strahlt von einem tiefblauen Märzhimmel, kein Wölkchen trübt den Horizont. Die Cafés füllen sich schon um neun Uhr morgens mit den ersten Gästen – die meisten mit einem Cappuccino vor sich, die ganz besonders Kühnen sogar mit einem Aperol. Die Stimmung ist gelöst, ent- und vor allem GEspannt auf alles, was das Jahr bringt. Der Winter war lange und trüb. Jetzt steht alles auf Neuanfang.
Wer mich kennt, weiß um meine Aversion gegen Fasching. Auch wenn ich ein Geburtstagskind bin, dessen Wiegenfest in die jecke Zeit fällt (Wassermänner vor!), gibt es wohl kein Fest, mit dem ich so wenig anfangen kann wie die das künstliche Spaß-haben auf Knopfdruck in billigen Kostümen.
Umso mehr Überwindung hat es mich gekostet, an der Schule zu einer kollegeninternen Motto-Party zu erscheinen. Aber ich kam da nicht aus. Immerhin war ich einer der Gastgeber. Und ich hab mich dafür in ungewohnter Weise eingebracht. Nicht nur, dass ich mir eine komplette Kluft von Super Mario gekauft habe. Ich trennte mich für meinen Look sogar von meinem Vollbart, den ich seit bestimmt gut zehn Jahren getragen hatte. Das Ergebnis überraschte mich… und zwar positiv.

Ganz genau wie die Oberstufe, die hatte ich über ein Feedback in der Lernplattform um eine ehrliche (anonyme) Meinung zu meiner neuen Bartfrisur gebeten. Und das Ergebnis fand ich tatsächlich so süß, dass ich es gerne zeigen möchte. Streckenweise passen die Antworten nicht wirklich zur These, aber was soll’s.
Frage lautet: Should Mr Mess keep his moustache?

Auch für so einen herzerwärmenden Schmarrn kann die Lernplattform wunderbar nutzen.
Ende Oktober stand irgendwann ein Filmteam erst vor, dann in der Schule. Hintergrund war so einfach wie unglaublich: Die Stadt München ist tatsächlich ein bisschen pleite, aber sehr auf Publicity bedacht. Deswegen hatte sie eine Crew losgeschickt, um an unserer Schule ein bisschen Filmmaterial einzufangen, um zu zeigen, dass der Stadt das Thema Bildung und Bildungsstätte trotz zugedrehter Geldhähne wichtig ist. Denn bei unserem Gebäude wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt. Es ist denkmalgeschützt, daher musste bei der Renovierung und Generalinstandsetzung sehr behutsam vorgegangen werden. Und für das entsprechende Baumaterial kann man nicht einfach zum Baumarkt ums Eck.
Deswegen gingen für die vier Jahre, in der unser Schulgebäude kernsaniert wurde, Millionen von Euro drauf. Eine dreistellige Millionensumme, um genau zu sein. Und um das zu demonstrieren, standen ein paar Herren und Damen vor der Tür, die gerne alles davon filmisch einfangen wollten. Und da Schule ohne Menschen langweilig ist, standen sie plötzlich auch in meinem Unterricht. Für meine fünfte Klasse eine große Sache – und auch ich war zu Beginn schon ein bisschen genervt, dass ich wieder nicht rechtzeitig “nein” gesagt habe (das Thema ist ja nicht neu bei mir 😎). Denn natürlich blieb es nicht nur bei ein paar Snippets aus dem Lateinunterricht. Auf einmal wurde man auch zu Interviews geladen. Reicht man den Leuten auch nur den kleinen Finger…
Aber das Ergebnis ist ganz gut geworden. So gut, dass ich hier einfach mal den Link zum Endergebnis da lasse.
Das Verrückteste? Das waren nicht die letzten Filmaufnahmen von mir 🙈

Die staade Zeit geht für mich gefühlt erst immer nach Weihnachten los. Die Tage zwischen dem 26. und 31. Dezember tragen eine gewisse Ruhe in sich, die fast schon nach Erschöpfung aussieht: Die Christkindl-Märkte sind menschenleer und teilweise abgebaut. Die Straßen liegen da öde und verwaist, die Bäume wiegen sich mit ihren kargen Ästen im Dezemberwind, Stille kehrt ein. Und Dunkelheit.


Die Resonanz auf den pädagogischen Nachmittag fiel in Summe tatsächlich sehr positiv aus. Für einen pädagogischen Nachmittag – ich weiß nicht, wie es an euren Schulen so läuft – ist das bei uns tatsächlich eine Ausnahme. Und das freut mich sehr. Nichtsdestotrotz ist mit der 1:1- Ausstattung noch lange nicht alles in trockene Tücher gehüllt. Jetzt geht es tatsächlich erst so richtig ans Eingemachte… bzw. ans Handfeste:
Die von den Eltern gekauften Geräte müssen auf Förderfähigkeit geprüft werden. Das ist leider genauso sexy wie es klingt. Nach dem Besuchen einer Fortbildung erhält man ein Authega-Zertifikat, das dazu berechtigt, die von den Eltern eingereichten Rechnungen und Geräte zu überprüfen, ob sie den von der Schule gestellten Mindestanforderungen genügen. Auf dieses Listenabhaken freue ich mich ganz besonders.
Dann bedarf es noch der einen oder anderen Nachbereitung von letzter Woche: Der theoretische Teil im pädagogischen Nachmittag legte das Konzept in seinen Grundzügen fest. Allerdings benötigt jede Gruppe der Schulfamilie daraus eine gewisse Synthese: Was müssen die Eltern auf dem iPad einrichten? Was müssen Schüler auf dem iPad einrichten und was dürfen sie nicht? Was erwartet Lehrer nun an Veränderungen im Lernsetting und im Classroom-Management, jetzt wo dann in der Mittelstufe regelmäßig mit den Geräten gearbeitet wird?
All das ist im Vortrag besprochen worden, aber eine gewisse Grundübersicht darf bei einem so großen Thema einfach nicht ausbleiben. Und da können wir uns vor allem im ersten Jahr auch keine Schludrigkeiten erlauben. Wenn die Einrichtungsanleitung für die Eltern irgendwo hakt, gibt es sofort Unmut. Das muss komplett wasserdicht sein. In diesem Zusammenhang haben wir von einigen aus dem Kollegium, die selber schon Kinder an Tabletschulen haben, gesagt bekommen, dass es nahezu unmöglich ist, für komplette Sicherheit und Unablenkbarkeit mit iPads zu sorgen. Das kann ich zu einem gewissen Grad nachvollziehen – und eingestehen. Allerdings schwingt da auch eine gehörige Portion Desinformation mit.
Ein paar behaupten bei uns steif und fest, dass Kinder, selbst wenn die Eltern sie über einen restriktiven Kiddie-Account auf dem Tablet arbeiten lassen, mühelos Apps herunterladen können, die auf einem Tablet für den Unterricht eigentlich nichts zu suchen haben… Auf Nachfrage in den Tagen später kam raus, dass sie eigentlich die Bildschirmzeit meinten, die sich über den Kinderaccount nicht einstellen lässt. App-Installation und Bildschirmzeit… das sind völlig unterschiedliche Dinge. Für den Ungeübten aber scheinbar ein- und derselbe Topf. Daran sieht man wirklich, wie wichtig es ist, diese Anleitungen wirklich wirklich wirklich wasserdicht und nachvollziehbar zu machen…
In diesem Zusammenhang würde mich tatsächlich die Erfahrungen von anderen Schulen sehr interessieren, die damit schon gearbeitet haben. Nach meinen Erfahrungen ist das durchaus möglich, die Bildschirmzeiten einzustellen. Welche Erfahrung habt ihr denn da? Gerne in den Kommentaren…
Naja, und all das passiert mal so nebenher bis Weihnachten. Ihr wisst schon, die staade Zeit, wenn Weihnachtskonzerte stattfinden und Adventsbasare und Schulaufgaben und Korrekturen und Probezeitkonferenzen und die angeblich so entspannenden Adventswochenenden. Es gibt einiges zu tun. Aber der Erfolg vom pädagogischen Nachmittag gibt mächtig Auftrieb. Das wird schon alles…
Tja, und mit den ganzen Vorarbeiten aus Teil 2 ging es dann auch langsam in die praktische Phase über. Nach den offiziellen Einladungen und dem Verschicken zur Laufphase planten die einzelnen Referierenden an ihren Fortbildungen für den pädagogischen Nachmittag.
Kurz vorher war noch einmal ein bisschen Aufregung aufgekommen, denn die Übertragungsraten im Schulnetz waren auf ein Minimum geschrumpft. Maximal 150 Kilobyte pro Sekunde waren die Übertragungsraten unserem Standort – und wie wir über diverse Nachfragen an den Schulen herausfanden, im gesamten Stadtgebiet München. Über fast zwei Wochen 😑.

Eine Katastrophe gerade zur rechten Zeit. Denn bei dem Gedanken, dass wir mit einem 70 Personen starken Kollegium am pädagogischen Nachmittag, der ja mehr oder weniger komplett auf Online-Tools ausgerichtet war, mit solchen Geschwindigkeiten gestraft sind, machte mir Bauchschmerzen. Wenn das an diesem einen Tag, auf den wir seit Monaten hinarbeiten, nicht ordentlich funktioniert, würde das Thema bei uns für die nächste Zeit völlig passé sein. Wozu sich in die Materie digitales Arbeiten reinknien, wenn es dann vor aller Augen nicht funkioniert? Ohne schnelles Internet macht kollaboratives Arbeiten weder Spaß noch Sinn.
Kurze Antwort: wie am Schnürchen. Zunächst gab es einen kurzen theoretischen Input über Sinn und Zweck des Projektes und die Umsetzung desselben an der Schule. Bei der Ausrichtung gehen wir in Summe in dieselbe Richtung wie ein Großteil der Schulen, die wir auf den Vernetzungstreffen gesprochen haben:
Vor allem letzter Punkt hat die Leute sehr beruhigt, weil ohne praktische Erfahrungswert bei vielen doch eine gewisse Grundangst herrscht. Vor allem Lehrkräfte, die selbst Kinder an Schulen haben, die mit der 1:1-Ausstattung früher angefangen haben als wir, berichten immer wieder von Schauergeschichten, die viele beunruhigen. Wieviel da tatsächlich dran ist, ist wie immer zu hinterfragen. Streckenweise klingt das für mich so, als ob man den Kindern einfach Geräte ohne Rechteeinschränkung in die Hand gegeben hat. Dass die damit natürlich alles mögliche herunterladen und im Unterricht installieren, ist klar. Aber da fehlt uns tatsächlich noch die Erfahrung. Um entsprechende Einblicke aus anderen Schulen bin ich immer dankbar. Auch gerne über diesen Blog.
Danach ging es sofort mit praktisch angelegten hands-on-Fortbildungen los. Und da lief alles prima. Das Internet blieb stabil, die Raten waren einigermaßen ok, sodass in jedem einzelnen der Workshops sinnvoll gearbeitet werden konnte. Viel mehr noch: an unserer kleinen Schule machte sich fast ein bisschen dasselbe Gefühl bereit wie an den Mebistagen oder einem Barcamp. Die Leute waren gut drauf, tatsächlich neugierig und schlugen bei vielen cleveren Ideen der Referierenden die Hände über dem Kopf zusammen. Wie viel Arbeit man sich mit ein paar Klicks spart… wenn man weiß, wie und wo.

Sowohl Drive als auch die kleinen Einstiegsdrogen wie ZumPad oder Taskcards kamen bei den Leuten super an. Für manch andere Schule sind diese Programme und die Möglichkeiten mittlerweile bestimmt alte Hüte. Aber ich bin mir sicher, dass am heutigen Tag 80% unserer Leute zum ersten Mal das Drive-Symbol in ByCS überhaupt aktiv wahrgenommen und bestenfalls geklickt haben.
Und so fahren wir heute als Steuerungsgruppe ziemlich erschöpft, aber dann doch sehr beseelt nach Hause. Den Feiertag morgen haben wir uns redlich verdient.
In Teil 1 unserer kleinen Reihe hatten wir bereits alle Inhalte fertig zusammengetragen, die für uns in der 1 : 1-Ausstattung wichtig sind. Jetzt galt es, die Theorie so langsam in die Praxis zu überführen und die Veranstaltung in einem geeigneten Rahmen zu verankern. Der pädagogische Nachmittag bot sich dafür regelrecht an. Immerhin ist das Thema ab diesem Jahr für jeden im Kollegium früher oder später in irgendeiner Weise relevant und zu umfangreich, um das in einem kleinen Redebeitrag in einer regulären Konferenz abzuhandeln. Deswegen haben wir von der Schulleitung grünes Licht bekommen. Sie weicht dankenswerterweise von der ursprünglichen Tagesordnung ab, um uns die Bühne für die digitale Schule der Zukunft zu überlassen. Wir hoffen, sie gebührend zu füllen zu können.
