• PrĂŒfungen,  Unterricht

    Wie (ge-)wichtig ist ein Abitur?

    Laut Waage circa 1468 Gramm. 😎 Ein riesiges Konvolut an BlĂ€ttern, Bögen, Geheften und Papieren ziert seit letzten Freitag den Schreibtisch und harrt gespannt seiner Endkorrektur. Aber das tue auch ich. Denn nach zwei Jahren Zusammenarbeit wartet man gespannt, was der Kurs am Ende zustande bringt. Aktuell sieht es ganz gut aus.

    Schöne Aufgaben

    Das liegt zum einen Mal an den Aufgaben: Keiner der Texte war ĂŒbermĂ€ĂŸig abgefahren oder schwer. Der eine oder andere Cartoon zur Interpretation war eventuell etwas diffiziler zu beschreiben, aber das große Schockerlebnis blieb aus. Mit Themen wie der Geschichte von Wikipedia oder digitalen Medien war man gut am Puls der Zeit, der literarische Text bot mit Fragen zur Charakterisierung und ErzĂ€hlperspektiven den ĂŒblichen Standard, auf den man den Kurs ĂŒber Monate zielgenau vorbereitet hat. Ganz interessant fand ich, dass den PrĂŒflingen durch die Bank gewisse Details im Text völlig neu waren. Niemand – absolut niemand – konnte mit einem Namen die Douglas Adams etwas anfangen. Sein Hitchhiker’s Guide to the Galaxy wurde mehrere Male als a book called bezeichnet, als sei es ein gĂ€nzlich beliebiger Titel. Auch die Fuggerei ist den meisten schlichtweg unbekannt. Einige sahen den Begriff als architektonischen Stil fĂŒr GebĂ€ude an, den man im Augsburger Stadtbild ĂŒberall findet. Umspielt wurden solche WissenslĂŒcken durch die Bank von allen recht charmant. Aber komplett verbergen ließen sie sich nicht. Gut ausfallen werden die Arbeiten dennoch – auch wegen der BewertungsmaßstĂ€be.

    Fluffige Bewertungen

    Die einzelnen Teile der PrĂŒfung sind gefĂŒhlt etwas zu wohlwollend gewertet. Alleine die Listening Comprehension macht mit gerade mal 30 Minuten Bearbeitungszeit nicht mal 10% der insgesamt 315 Minuten PrĂŒfungszeit (!!!) aus. Gewichtet wird sie allerdings mit 20%. Wer dort die komplette Punktzahl erreicht hĂ€tte und im Anschluss nach Hause gegangen wĂ€re, hĂ€tte drei Punkte (Note 5+) erreicht, ohne auch nur einen englischen Satz zu geschrieben zu haben. Der Erwartungshorizont der einzelnen Aufgaben ist sehr umfangreich und vergibt selbst fĂŒr kleine Details wohlwollend Bewertungseinheiten. Alleine in der literarischen Charakterisierungsaufgabe werden zahlreiche Aspekte gewertet, die ich in einer Schulaufgabe als nice to have angesehen hĂ€tte, aber nicht groß gezĂ€hlt hĂ€tte. Der Hauptcharakter ist Afro-American? Punkt. Er studiert Kunst? Punkt. Er kommt aus Atlanta? Und noch ein Punkt. Ich weiß, das gehört zu einer Charakterisierung dazu, aber das wĂ€re in einer Schulaufgabe bei mir perfektes FĂŒllmaterial fĂŒr eine Einleitung gewesen. Mehr aber auch nicht. Aber ich will ja keinem die Punkte abstrittig machen und halte mich brav an die Vorgaben, sodass aus der Aufgabe jeder mit guten Inhaltsnoten rausmarschiert.

    Aber selbst KomplettausfĂ€lle bei einzelnen Aufgaben im schriftlichen Teil wĂ€ren durch die Bewertung gut abgefedert. Eine Themaverfehlung in einer der vier Aufgaben wiegt bei weitem nicht so schwer, wie in einer regulĂ€ren Schulaufgabe. In einem Englischabitur wirklich abzuschmieren ist echt schwer möglich – was ich natĂŒrlich niemandem wĂŒnschen möchte. Ich bewerte inhaltlich nach den MaßstĂ€ben, die der Erwartungshorizont stellt, und sprachlich nach den meinigen. Aber man fragt sich schon, wie aussagekrĂ€ftig am Ende so eine Zensur ist, die auf dem Englischabitur steht.

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  • Alltag,  PrĂŒfungen,  Technik,  Unterricht

    (Wieder) Demut lernen

    Ich kann mich noch erinnern, wie ich im Studium erstmals vom Ausdruck des Fachidiotismus gehört habe. Diesen wenig schmeichelhaft klingenden Ausdruck zum Beschreiben eines Zustandes, dem man nach mehreren Jahren in seinem Metier erliegt, kannte ich theoretisch, aber wirklich vorstellen konnte ich mir das damals nicht. Frisch aus dem Abi war ich nĂ€mlich eigentlich ganz gut aufgestellt, was das Allgemeinwissen betraf: Kurvendiskussionen, Vektorenrechnung, das VerstĂ€ndnis von dominant-rezessiven Erbkrankheiten, die unterschiedlichen Evolutionstheorien, Atommodelle. War alles damals kein Problem fĂŒr mich.
    Das hat sich mittlerweile geĂ€ndert. Nach 10 Jahren im Dienst geschieht es immer mehr, dass ich Klassenzimmer betrete und Tafelanschriebe meiner VorgĂ€nger vorfinde, die fĂŒr mich nur böhmische Dörfer darstellen. Das ist aber nicht nur in FremdfĂ€chern so, sondern auch in den eigenen FĂ€chern. Man verliert ĂŒber die Jahre ein bisschen den Blick fĂŒr gewisse Inhalte und ihre Anforderungen. UnterschĂ€tzt, wie schwer es z. B. sein kann, ein Gedicht zu verfassen oder einen Text frei zu schreiben. Etwas, was man jahrelang in der Schule oder an der Uni praktiziert hat, dann aber in der Schule gerne mal etwas einschlafen lĂ€sst. Dort ist man eher damit beschĂ€ftigt, die ErgĂŒsse seiner SchĂŒlerschaft zu korrigieren. Selbst mal wieder zur Feder greifen? Das machen die wenigsten. Auch ich bislang nicht. Zu hĂ€ufig wurde mir davon abgeraten. Selbst etwas zu schreiben sei zeitintensiv, nicht zielfĂŒhrend und oftmals auch frustrierend fĂŒr die Klasse, weil sie im “Musteraufsatz” des Lehrers oft einen Schreibstil vorgesetzt bekommt, an den ein Großteil ĂŒberhaupt nicht heranreichen kann. Dennoch habe ich das Experiment jetzt einmal wieder gewagt.
    Kurz vor dem Abitur steht die letzte große Textsorte fĂŒr meinen Oberstufenkurs ins Haus: das Erstellen eines comment. Da trotz einer theoretischen Vorentlastung unter einem Großteil des Kurses doch immer wieder Fragen auftauchten, was denn einen guten comment ausmache und was nicht, habe ich einfach mal selbst wieder zur Feder gegriffen und unter denselben PrĂŒfungssituationen wie die SchĂŒler dasselbe probiert… und kam ganz schön ins Schwitzen. Ich hatte völlig vergessen, wie viel Arbeit das Erstellen einer solchen Textsorte machte. Wie man eine sinnvolle Einleitung schreibt. Wie man schöne ÜbergĂ€nge schafft. Argumente prĂ€sentiert und ineinander laufen lĂ€sst. Alles in einen schönen Schluss mĂŒnden lĂ€sst. All das in 45 Minuten Arbeitszeit hinein zu kloppen, ging deutlich schwerer als gedacht. Aber ich habe es geschafft. Und nicht nur das. Ich habe auf diese Weise selbst noch einmal gemerkt, an welchen Elementen ich erfahrungsgemĂ€ĂŸ am meisten sitze. Und so konnte ich fĂŒr die SchĂŒler auch ein bisschen Metawissen miteinbringen: An welcher Stelle mĂŒssen sie besonders darauf achten, die KohĂ€sion des Textes nicht zu zerreißen? Welcher Stil macht sich am besten? Mit welchen Tricks lasse ich SĂ€tze wendiger klingen? Wie erreiche ich möglichst elegant KohĂ€sion und KohĂ€renz. All das habe ich in meinem Musteraufsatz den SchĂŒlern in unterschiedlichen Farben markiert und zur Ansicht auf Mebis hochgeladen.Erfolgreich. Ausnahmslos jeder hat sich das Dokument vor der Schulaufgabe angesehen und auf diese Weise durch die Bank ganz grandiose comments in der Klausur verfasst. Die ganze Arbeit hat sich also gelohnt. Und es wird nicht bestimmt das letzte Mal gewesen sein, dass ich mich mal wieder selbst in die Rolle des SchĂŒlers begebe…

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  • Alltag,  Latein,  PrĂŒfungen

    Wenn ich einmal groß bin (Teil 2)

    avatarHeute beim AufrĂ€umen fiel mir plötzlich eine schillernde Scheibe in die Hand, die schon seit Jahren mein Regal als passiver Bestandteil meiner CD-Sammlung befĂŒllt. Unsere Abi-CD des Jahrgangs 1999. Damals haben mein bester Schulfreund (heute beim Radio und auch sonst ein Vollblut-Tausendsassa) und ich dieses Opus erstellt und sĂ€mtliche SchĂŒler unseres Jahrgangs interviewt: Zum Leben an unserer Schule, zum Abitur, zum Abistress, zu allem, was danach kommen wĂŒrde. Das alles gebrannt… nein… gepresst auf eine Silberscheibe, die damals professionell in einem Presswerk gefertigt wurde. Das war 1999 wohlgemerkt. Ich war damals fĂŒr die Technik zustĂ€ndig und bin halb wahnsinnig geworden, so viel Audiomaterial damals auf meinem 166er Pentium, den ich damals besaß,im Magix Musik Maker zu schneiden und abzumischen.

    Oh mein Gott, ein CADDY!

    Dann der Alptraum, 650 MB Audiomaterial auf einem Rohling zu verewigen, der in einem CD-Brenner der ersten Generation (mit Caddy!!!) eine Überlebenschance von knapp 50% hatte. Es war furchtbar. Wir haben das Audiomaterial damals vor- und zurĂŒckgehört, um Fehler aufzuspĂŒren. Immer und immer wieder. Das hat es mir so sehr verleidet, dass ich seit 1999 die CD kein einziges Mal wieder eingelegt habe. Das ist nun 15 Jahre her.
    Im Jahr 2014 sieht man das ein bisschen anders. Dieses Jahr werde ich wieder einen Kurs zum Abitur fĂŒhren. Der wird dann in der Ă€hnlichen Situation sein wie ich anno 99. Und in diesen 15 Jahren ist so viel dazwischen passiert, dass mich doch die Neugier gepackt hat, wie ich bzw. wir damals so drauf waren, und ich das Ding angehört hab. Was soll ich sagen? Es ist wie die RĂŒckkehr in eine Wohnung, die man vor Jahren verlassen, aber doch irgendwie liebgewonnen hat. Man fĂŒhlt sich sofort wieder heimisch, weiß genau, wo welches MöbelstĂŒck stand und erinnert sich sofort an die Leute, die sie bewohnt haben. Die Stimmen unserer Klassenkameraden von damals lassen sofort wieder die dazugehörigen Gesichter vor dem geistigen Auge entstehen. Die Aufnahmen wurden vor den PrĂŒfungen gefĂŒhrt, teilweise 5 Minuten vor Abiturbeginn (!), in den Pausen und auf den ĂŒblichen Feiern, die dem Abistress folgten. Die Euphorie ĂŒber unsere gefĂŒhlte Mammutleistung ist allgegenwĂ€rtig zu hören. Damals hatten wir noch keine Ahnung, dass das eigentlich nur der Anfang war, und sich die Anstrengungen eines Abiturs durchaus steigern lassen. Jeder, der zwei Staatsexamen hinter sich gelassen hat, weiß, wovon ich rede.
    fbaa717dfab36507a35c938761be7fedAm interessantesten fand ich jedoch, die beruflichen PlĂ€ne von den vergessenen Schulkameraden aus der Vergangenheit zu hören und mit dem Heute zu vergleichen. Was war nochmal aus Julia geworden, die auf der CD noch vollmundig erklĂ€rt, Brauereiwesen zu studieren? Toni, der Jurist werden wollte? Hat Basti die PilotenprĂŒfung jemals bestanden, auf die er, wie man seinem Interview entnehmen kann, gerade lernt? Auch ich habe erst wĂ€hrend dieser Monate, in denen ich in einem Krankenhaus gearbeitet habe, meine Ambitionen eines Medizinstudiums begraben, meinen Plan einer Ausbildung zum Tontechniker verworfen, und mich fĂŒr das Lehramt entschieden – sehr zur Erleichterung meiner Eltern.
    Was hat mich eigentlich dazu bewogen, das Lehramt zu ergreifen? Bei mir war es kein P-Seminar, kein Expertenvortrag oder eine Berufsmesse. Der Grund kommt ein paar Minuten spĂ€ter auf der CD zu Wort. Als er zu reden beginnt, muss ich sofort an ihn denken: Mein Lateinlehrer. Seine ruhige, distinguierte Ausdrucksweise und dieses schier endlos scheinende Wissen ĂŒber lateinische Literatur, Geschichte und Sprache hatten mich damals unglaublich beeindruckt. Seine Begeisterung fĂŒr das Fach schwappte auf mich ĂŒber und wurde irgendwann auch die meine. Und das so sehr, dass ich diese Sprache studiert habe. Ob er das weiß? Habe ich ihm das jemals gesagt? Ist es fĂŒr einen Lehrer nicht die höchste Adelung, wenn er weiß, dass er seine SchĂ€fchen so inspiriert hat, dass sie es ihm gleichtun wollen?
    Auch wenn mich die Produktion dieser ollen CD damals zur Weißglut getrieben hat, hat sie zumindest etwas Gutes: Mein Lateinlehrer wird nĂ€chstes Schuljahr endlich erfahren, wie wichtig er fĂŒr mich war.

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  • Alltag

    Vom schwersten Wort der Welt

    avat_traurigNein, es ist nicht “Sorry”. Da kann Elton John noch so sehr im Verbund mit einer Boyband trĂ€llern. Das geht mir wunderbar von den Lippen. Nein, fĂŒr mich ist ein anderes Wort recht schwer geworden – und das, obwohl ich es schon zweimal in diesem Artikel benutzt hab. Zumindest im Schulbetrieb. Richtig geraten: Es ist “nein”. Das Wort, das den trotzigen ZweijĂ€hrigen bei Tisch im Minutentakt rausrutscht. Das Wort, das den Suppenkasper letztlich in den Hungertod treibt. Das Destiny’s Child berĂŒhmt machte. Oder 2Unlimited, weil sie mir weiß machen wollten, es gebe keine Limits  (und das zwölfmal hintereinander – ich hab’s nachgezĂ€hlt!). Nur ich bekomm’s nicht hin. Das ist garantiert eine Verhaltensweise aus den Urzeiten des Referendariats, wo man aus allen Richtungen mit Arbeit zugeballert wird – und sie bereitwillig auf sich nimmt, um sich seine berĂŒchtigte Krawattennote nicht zu versauen.
    Ein paar Jahre spĂ€ter: Die Arbeit ist nicht weniger geworden. Aber rein nĂŒchtern betrachtet besteht heutzutage die Möglichkeit, sie abzulehnen, wenn’s einfach zu viel wird. Zumindest theoretisch.
    Letztes Jahr war ich beispielsweise als Lehrer bei einer TheaterauffĂŒhrung dabei, die von der gesamten Schulfamilie gestemmt wurde. Das war ein Haufen Arbeit, aber wir haben es gerne auf uns genommen. Es war eine tolle Erfahrung, da SchĂŒler wie Lehrer gemeinsam etwas auf die Beine gestellt und aufgefĂŒhrt haben, frei von “Standesgrenzen”, die sich zwischen den beiden Seiten immer wieder auftun. Tja, dieses Jahr ist etwas Ă€hnliches geplant. Aber dieses Jahr bin ich auch ins Abitur eingespannt. Und zwar mĂ€chtig. Ein riesiger rauschender Papierberg wartet auf mich, der abgearbeitet werden “möchte” bzw. muss. Daher hab ich im Vorhinein meine Teilnahme an der diesjĂ€hrigen AuffĂŒhrung abgesagt. Ein erstes “nein” war gemacht. Aber das reichte nicht. Seitdem werde ich jeden Tag von einem Kollegen belabert bearbeitet ĂŒberzeugt, einem SchĂŒler, dem Regisseur, der mir vorheult, wie wichtig es wĂ€re, möglichst viele Lehrer in die AuffĂŒhrung zu bringen, dass es doch ein tolles Statement wĂ€re, wenn ALLE in der Schulfamilie ihren Beitrag dazu leisteten. Ist es ja auch. Viel wichtiger: Das hab ich doch. Nur halt letztes Jahr. Dass ich dieses Jahr einfach zu viel zu tun habe, interessiert keinen.
    Genauso letzte Woche: Von einer ehemaligen Kollegin aus dem Referendariat angesprochen, ob ich bei der nĂ€chsten von ihr veranstalteten Fortbildung in Augsburg im Juni einen Vortrag halten könne, der sich mit meinem letzten Buchprojekt auseinandersetzt. Auch hier hab ich abgesagt, mit dem Hinweis auf die Abiturvorbereitung meiner SchĂŒtzlinge – und große traurige Augen geerntet. Ein einfaches “nein” hat nicht gereicht, egal, wie sehr ich es auch logisch begrĂŒnden kann. Stattdessen wird tĂ€glich nachgebohrt, insistiert und wenn das nicht reicht: geschmollt. Wegen mir. So rede ich es mir zumindest ein.
    Die Wahrheit ist doch letztendlich die: Beide Beispiele bergen denselben Denkfehler in sich: Man suggeriert der Person mit einer solchen Anfrage, unentbehrlich zu sein. Das schmeichelt natĂŒrlich erst einmal. Aber dahinter verbirgt sich eigentlich ein anderer Zweck: NĂ€mlich dass sich andere Leute aufgrund meiner Leistung mit fremden Federn schmĂŒcken wollen. Wenn dem nicht so wĂ€re, wĂŒrde bei Absagen nicht so geschmollt werden. Das GegenĂŒber sieht sich enttĂ€uscht, allein gelassen, verraten. Aber nĂŒchtern betrachtet: Das ist nicht mein Problem. Mein Problem wĂ€re es, nach einer Zusage gezwungen zu sein, irgendwo zwischen Schule, Unterrichtsvorbereitung und Abiturkorrektur mir noch ein paar Zusatzstunden aus den Rippen zu schneiden, um den Erwartungen der anderen gerecht zu werden – und irgendwann am engen Zeitkorsett zu zerbrechen. Versteht mich nicht falsch, ich bin von Haus aus sehr gesellig und mische sehr gerne bei solchen Aktionen mit. Aber wenn es zeitlich nicht drin ist, muss doch eine Absage einfach möglich sein.
    Wir haben es beim Lehrersein mit einem Beruf zu tun, bei dem es nach oben hin kein Limit gibt. Die Arbeit hört nie auf. Wir haben keinen Feierabend, keine 9-to-5-Jobs. Man macht so lange, wie es einem der persönliche Berufsethos gebietet. Und man muss höllisch aufpassen, dass man sich auch mal freischwimt und zur Abwechslung auch ein bisschen an sich selbst denkt.
    Damit bin ich bestimmt nicht allein. Es kommt ja nicht von ungefĂ€hr, dass die Römer das Wort “Nein” nicht kannten. Vielleicht bin ich latinophiler als ich gedacht hatte…
    Ich werd’s kĂŒnftig einfach so machen und mir ein paar dieser Sticky Notes kaufen:

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  • Allgemeines,  Alltag,  PrĂŒfungen,  Unterricht

    All work and no play

    avat_traurigKurz vor den Ferien zieht der Schulkosmos nochmal alle Register, um seinen Beteiligten das FĂŒrchten zu lehren. Vor allem die Oberstufe Ă€chzt gerade ĂŒber den engen Terminplan: Vor den Osterferien mĂŒssen alle Klausuren geschrieben, von uns korrigiert und herausgegeben sein. Dann kommen die Osterferien und schließlich das fĂŒr die SchĂŒler sagenumwobene Finale, auf das sie seit nun mehr 12 Jahren hinarbeiten: Das Abitur.
    WĂ€hrend fĂŒr die Leute in der Zwölften diese Zeit durchaus etwas Tragisch-Magisches hat – immerhin befinden sie sich auf der Zielgeraden und genießen es trotz des Stresses, in der SchĂŒlernahrungskette mittlerweile ganz oben angelangt zu sein – ist das fĂŒr uns Lehrer mittlerweile Alltag. Und der muss auch fernab von Q12 weitergehen. In Zeiten von gesteigertem Korrekturaufwand direkt vor dem Abitur eine durchaus stressige Zeit. Aber wie stressig? Ist der Stress systemisch oder selbst auferlegt? Um das zu ĂŒberprĂŒfen, hab ich mir eine der letzten Wochen mal herausgepickt und so gut es ging protokolliert. Das Ergebnis stelle ich hiermit mal öffentlich, damit auch Fachkollegen den einen oder anderen Tipp haben, wie ich eventuell effizienter arbeiten kann. Zum anderen bietet das auch mal wieder Gelegenheit, um mit ein paar Vorurteilen aufzurĂ€umen (oder um sie zu zementieren). Klar werden davon auch eingefleischte Kritiker nicht ĂŒberzeugt sein und fleißig HĂ€me versprĂŒhen. Aber die ließen sich auch nicht umstimmen, wenn man mit einer Videokamera bewaffnet die folgenden Tage abgeschrieben wĂ€re. Sei’s drum, los geht’s:
    thursday2

    • RegulĂ€rer Unterricht von 8.00 bis 13.00. Dazwischen:
    • Freistunde 10.45-11.30: Schulaufgaben geordnet, Oberstufennoten eingetragen, im P-Seminar nach Bewertung gefragt. Erwartungshorizont fĂŒr Q12 Latein ausgedruckt, Klausur Q12 Englisch alphabetisch geordnet und mit Erwartungshorizont an die Fachleitung ĂŒbergeben
    • PrĂ€senzstunde: PrĂ€senzstunde, in der ich eine Nachholschulaufgabe fĂŒr die fĂŒnfte Klasse erstellt habe.
    • 13.15-14.00: eigentlich frei, aber GesprĂ€ch in der Funktion als Verbindungslehrer mit einer SchĂŒlerin in der Mittelstufe, die sich nach Angaben ihrer Freundinnen etwas antun will. Unangenehmes Thema, das einen auch lange nach Schulschluss begleitet.
    • 14.00-14.45: nachgeholte Lateinschulaufgabe geschrieben.

    Aufbruch nach Hause.

    • Ankunft gegen 15.15
    • Kaffee: 15.30
    • Vorbereitung 15.40 -17.00 (heute recht kurz)
    • 17.00-17.30: Korrektur der Latein SA 

    17.30-18.45 Einkaufen und Abendessen, Kaffee und los geht’s

    • 19.10 Bewertung der Portfolios des P-Seminars – 21.57

    11h 10min

    friday

    • 8.00-11.30: Unterricht
    • 16.30-18.10: Erste Unterrichtsvorbereitungen fĂŒr Montag
    • 21.20-22.52: Weitere Bewertung des P-Seminars

    6h 40 min

    Saturday2

    • 10.05-11.21: Korrektur der Lateinschulaufgabe
    • 11.30-11.40: Exkursion fertigmachen
    • P-Seminare: Wertungsbögen finalisieren
    • 13.45.16.12:  Unterrichtsvorbereitung
    • 16.53-17.17: P-Seminarbewertungen

    4h 17min

    sunday2

    • 10.40-13.38: Unterrichtsvorbereitung
    • 13.53-14.10: Ordnen der Unterlagen
    • 14.30-15.26: Korrektur der Schulaufgabe meines Referendars

    4h 13min

    monday2

    • Vorbereitung: 16.00-19.10

    10h 10min

    tuesday2

    • 8.00-16.00: Unterricht mit einer Freistunde, die fĂŒr eine Vertretung draufging
    • 16.00-17.45: Schreiben der Zertifikate fĂŒr das P-Seminar
    • 18.16-20.00: Unterrichtsvorbereitung
    • 20.00-21.00: EdChatDE (Fortbildungsveranstaltung 🙂

    12h 29 min

    Wednesday2

    • 8.00-13.00: Schule
    • 13.15-14.00: Lerncoaching als Verbindungslehrer fĂŒr einen SchĂŒler, der sich beim Lernen zunehmend schwer tut
    • 14.00-16.15: Fertigstellung der P-Seminarzertifikate

    Ankunft zuhause 17.00

    • 17.20-19.30: Unterrichtsvorbereitung (nach Kaffee) 

    9h 50min

    Am Ende 58h 42 min

    Das Ergebnis hat mich gelinde gesagt ĂŒberrascht. Ich wusste schon, denn ich wohl mehr mache als der klischeebeladene SchwellenpĂ€dagoge, aber fast 60 Stunden? Respekt. Zum GlĂŒck lĂ€uft nicht jede Woche so, aber zu gewissen Hochzeiten wird mit entsprechenden Arbeitszeiten öfters mal zu rechnen sein (Zeugnis, Abitur, Notenschluss, Maiwarnungen).

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