• Alltag,  Prüfungen,  Unterricht

    Nichts wie weg!

    Normalerweise bin ich niemand, der am letzten Schultag den Stift fallen lässt, um in die Ferien abzuhauen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass ich grundsätzlich doch sehr für Krankheiten anfällig bin. Sobald die Anspannung wegfällt, klappt mein Immunsystem zusammen wie ein Kartenhaus. Aber dieses Mal ging es nicht anders. Das liegt nicht nur an dem straffen Ferienprogramm, das vor mir liegt und eigentlich kaum Zeit zum tatsächlichen Erholen gibt. Sondern auch wirklich an den Wirren der letzten Wochen. Das Abitur hat ohne die übliche Zäsur, die dank Pfingstferien zwischen mündlichen und schriftlichen Prüfungen sonst immer gegeben war, gut Energie gesaugt. Dazu kamen noch ein paar Corona-Wirren, in denen ich als Technikmann gefragt war. Mal war die Lehrkraft in den Mündlichen an Corona erkrankt und wollte über Videotelefonie prüfen. Dann war der Schüler malad, wollte aber unbedingt die Prüfung per vis-a-vid ablegen. Es ist toll, dass das mittlerweile nicht nur technisch, sondern auch schulrechtlich möglich ist (fragt sich nur wie lange – also beides 😎). Aber das war mal wieder das berühmte Oben-Drauf, von dem in den letzten zwei Jahren doch immer mehr dazu kam. Dazu noch die Durchsicht einer 1200-Zeilen-großen Excel-Tabelle zur technischen Ausstattung von der Stadt München, mehrere Videokonferenzen mit den Verantwortlichen, die Einschreibung der Fünftklässler, mündliche Zusatzprüfungen zur Verbesserung der Abinote. War gut was los. Daher nichts wie weg.

    Ich könnte natürlich noch ein bisschen mehr schimpfen. Von annulierten Flügen, die uns wieder zurück nach München zwangen, von verspäteten Starts, ausgefallenen SBahnen und der Hilflosigkeit professioneller Fluglinien, wenn wegen Unwetter ein Dutzend Flugzeuge nicht starten können. Aber ich schweige. Ich sitze jetzt in der Herengracht in Amsterdam bei Bitterballen. Und alles ist gut.

     

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  • Allgemeines

    Sommer in der Stadt

    Der Sommer ist in Bayern ausgebrochen, und mit ihm kommen nun immer schönere Tage ins Land. In München sind wir bislang von den verheerenden Wettern, wie sie in den nördlicheren Teilen Deutschlands wüteten, verschont geblieben. Stattdessen gibt es Sonne satt. Und wir mittendrin. Daher gab es heute mal zur Abwechslung erst das Vergnügen und dann die Arbeit. Also Radl aufgesattelt und mit Freunden zum Frühstücken gefahren. Anschließend sind wir ein bisschen in der Umgebung spazieren gegangen. Unweit von Neuhausen liegt das Schloss Nymphenburg – eine wunderschöne Parkanlage mitten in der Stadt, die ich seit Kindertagen kenne und als barocke Ruheoase wertschätze.

    Schloss Nymphenburg bei schönstem Maiwetter.

    Weiter ging’s in den Hirschgarten – einen der größten Biergärten Münchens, wo es immer brummt, aber immer ein Platzerl zu bekommen ist. Es folgte Radler Numero 1.

    Von dort ging es ins Laimers – ein kleines Lokal im Westen Münchens mit einem schattigen Außenbereich. Dort fanden Radler Numero 2 und ein bayerischer Wurstsalat statt.

    Die Schreibtischarbeit folgt nach dieser Exkursion erst jetzt, wo es langsam am Himmel zuzieht. Drückende Schwüle und dunkle Wolken hängen über der Stadt. Passend zum Wochenbeginn in der Arbeit. Denn ein bisschen Gewitter kündigt sich an… In der Schule hat Corona noch einmal gut zugeschlagen. Nicht bei den Kindern, sondern im Kollegium. Mehr als ein halbes Dutzend liegt deswegen aktuell flach und fällt für mindestens zwei Wochen aus. Darunter Leute, die die Abizweitkorrektur zuhause liegen haben oder gar kommende Woche Abiturprüfungen abhalten müssen. Als Systembetreuer werde ich nächste Woche wohl als technischer Assistent bei der ersten Video-Abiprüfung meiner Karriere dabei sein, bevor ich mich zwei Stunden später in meine eigenen Kolloquien begeben darf – diese allerdings voll analog. Es sei denn, mich erwischt es auch noch. *knockonwood*

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  • Prüfungen,  Unterricht

    Wie (ge-)wichtig ist ein Abitur?

    Laut Waage circa 1468 Gramm. 😎 Ein riesiges Konvolut an Blättern, Bögen, Geheften und Papieren ziert seit letzten Freitag den Schreibtisch und harrt gespannt seiner Endkorrektur. Aber das tue auch ich. Denn nach zwei Jahren Zusammenarbeit wartet man gespannt, was der Kurs am Ende zustande bringt. Aktuell sieht es ganz gut aus.

    Schöne Aufgaben

    Das liegt zum einen Mal an den Aufgaben: Keiner der Texte war übermäßig abgefahren oder schwer. Der eine oder andere Cartoon zur Interpretation war eventuell etwas diffiziler zu beschreiben, aber das große Schockerlebnis blieb aus. Mit Themen wie der Geschichte von Wikipedia oder digitalen Medien war man gut am Puls der Zeit, der literarische Text bot mit Fragen zur Charakterisierung und Erzählperspektiven den üblichen Standard, auf den man den Kurs über Monate zielgenau vorbereitet hat. Ganz interessant fand ich, dass den Prüflingen durch die Bank gewisse Details im Text völlig neu waren. Niemand – absolut niemand – konnte mit einem Namen die Douglas Adams etwas anfangen. Sein Hitchhiker’s Guide to the Galaxy wurde mehrere Male als a book called bezeichnet, als sei es ein gänzlich beliebiger Titel. Auch die Fuggerei ist den meisten schlichtweg unbekannt. Einige sahen den Begriff als architektonischen Stil für Gebäude an, den man im Augsburger Stadtbild überall findet. Umspielt wurden solche Wissenslücken durch die Bank von allen recht charmant. Aber komplett verbergen ließen sie sich nicht. Gut ausfallen werden die Arbeiten dennoch – auch wegen der Bewertungsmaßstäbe.

    Fluffige Bewertungen

    Die einzelnen Teile der Prüfung sind gefühlt etwas zu wohlwollend gewertet. Alleine die Listening Comprehension macht mit gerade mal 30 Minuten Bearbeitungszeit nicht mal 10% der insgesamt 315 Minuten Prüfungszeit (!!!) aus. Gewichtet wird sie allerdings mit 20%. Wer dort die komplette Punktzahl erreicht hätte und im Anschluss nach Hause gegangen wäre, hätte drei Punkte (Note 5+) erreicht, ohne auch nur einen englischen Satz zu geschrieben zu haben. Der Erwartungshorizont der einzelnen Aufgaben ist sehr umfangreich und vergibt selbst für kleine Details wohlwollend Bewertungseinheiten. Alleine in der literarischen Charakterisierungsaufgabe werden zahlreiche Aspekte gewertet, die ich in einer Schulaufgabe als nice to have angesehen hätte, aber nicht groß gezählt hätte. Der Hauptcharakter ist Afro-American? Punkt. Er studiert Kunst? Punkt. Er kommt aus Atlanta? Und noch ein Punkt. Ich weiß, das gehört zu einer Charakterisierung dazu, aber das wäre in einer Schulaufgabe bei mir perfektes Füllmaterial für eine Einleitung gewesen. Mehr aber auch nicht. Aber ich will ja keinem die Punkte abstrittig machen und halte mich brav an die Vorgaben, sodass aus der Aufgabe jeder mit guten Inhaltsnoten rausmarschiert.

    Aber selbst Komplettausfälle bei einzelnen Aufgaben im schriftlichen Teil wären durch die Bewertung gut abgefedert. Eine Themaverfehlung in einer der vier Aufgaben wiegt bei weitem nicht so schwer, wie in einer regulären Schulaufgabe. In einem Englischabitur wirklich abzuschmieren ist echt schwer möglich – was ich natürlich niemandem wünschen möchte. Ich bewerte inhaltlich nach den Maßstäben, die der Erwartungshorizont stellt, und sprachlich nach den meinigen. Aber man fragt sich schon, wie aussagekräftig am Ende so eine Zensur ist, die auf dem Englischabitur steht.

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  • Alltag,  Prüfungen,  Technik,  Unterricht

    (Wieder) Demut lernen

    Ich kann mich noch erinnern, wie ich im Studium erstmals vom Ausdruck des Fachidiotismus gehört habe. Diesen wenig schmeichelhaft klingenden Ausdruck zum Beschreiben eines Zustandes, dem man nach mehreren Jahren in seinem Metier erliegt, kannte ich theoretisch, aber wirklich vorstellen konnte ich mir das damals nicht. Frisch aus dem Abi war ich nämlich eigentlich ganz gut aufgestellt, was das Allgemeinwissen betraf: Kurvendiskussionen, Vektorenrechnung, das Verständnis von dominant-rezessiven Erbkrankheiten, die unterschiedlichen Evolutionstheorien, Atommodelle. War alles damals kein Problem für mich.
    Das hat sich mittlerweile geändert. Nach 10 Jahren im Dienst geschieht es immer mehr, dass ich Klassenzimmer betrete und Tafelanschriebe meiner Vorgänger vorfinde, die für mich nur böhmische Dörfer darstellen. Das ist aber nicht nur in Fremdfächern so, sondern auch in den eigenen Fächern. Man verliert über die Jahre ein bisschen den Blick für gewisse Inhalte und ihre Anforderungen. Unterschätzt, wie schwer es z. B. sein kann, ein Gedicht zu verfassen oder einen Text frei zu schreiben. Etwas, was man jahrelang in der Schule oder an der Uni praktiziert hat, dann aber in der Schule gerne mal etwas einschlafen lässt. Dort ist man eher damit beschäftigt, die Ergüsse seiner Schülerschaft zu korrigieren. Selbst mal wieder zur Feder greifen? Das machen die wenigsten. Auch ich bislang nicht. Zu häufig wurde mir davon abgeraten. Selbst etwas zu schreiben sei zeitintensiv, nicht zielführend und oftmals auch frustrierend für die Klasse, weil sie im “Musteraufsatz” des Lehrers oft einen Schreibstil vorgesetzt bekommt, an den ein Großteil überhaupt nicht heranreichen kann. Dennoch habe ich das Experiment jetzt einmal wieder gewagt.
    Kurz vor dem Abitur steht die letzte große Textsorte für meinen Oberstufenkurs ins Haus: das Erstellen eines comment. Da trotz einer theoretischen Vorentlastung unter einem Großteil des Kurses doch immer wieder Fragen auftauchten, was denn einen guten comment ausmache und was nicht, habe ich einfach mal selbst wieder zur Feder gegriffen und unter denselben Prüfungssituationen wie die Schüler dasselbe probiert… und kam ganz schön ins Schwitzen. Ich hatte völlig vergessen, wie viel Arbeit das Erstellen einer solchen Textsorte machte. Wie man eine sinnvolle Einleitung schreibt. Wie man schöne Übergänge schafft. Argumente präsentiert und ineinander laufen lässt. Alles in einen schönen Schluss münden lässt. All das in 45 Minuten Arbeitszeit hinein zu kloppen, ging deutlich schwerer als gedacht. Aber ich habe es geschafft. Und nicht nur das. Ich habe auf diese Weise selbst noch einmal gemerkt, an welchen Elementen ich erfahrungsgemäß am meisten sitze. Und so konnte ich für die Schüler auch ein bisschen Metawissen miteinbringen: An welcher Stelle müssen sie besonders darauf achten, die Kohäsion des Textes nicht zu zerreißen? Welcher Stil macht sich am besten? Mit welchen Tricks lasse ich Sätze wendiger klingen? Wie erreiche ich möglichst elegant Kohäsion und Kohärenz. All das habe ich in meinem Musteraufsatz den Schülern in unterschiedlichen Farben markiert und zur Ansicht auf Mebis hochgeladen.Erfolgreich. Ausnahmslos jeder hat sich das Dokument vor der Schulaufgabe angesehen und auf diese Weise durch die Bank ganz grandiose comments in der Klausur verfasst. Die ganze Arbeit hat sich also gelohnt. Und es wird nicht bestimmt das letzte Mal gewesen sein, dass ich mich mal wieder selbst in die Rolle des Schülers begebe…

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  • Alltag,  Latein,  Prüfungen

    Wenn ich einmal groß bin (Teil 2)

    avatarHeute beim Aufräumen fiel mir plötzlich eine schillernde Scheibe in die Hand, die schon seit Jahren mein Regal als passiver Bestandteil meiner CD-Sammlung befüllt. Unsere Abi-CD des Jahrgangs 1999. Damals haben mein bester Schulfreund (heute beim Radio und auch sonst ein Vollblut-Tausendsassa) und ich dieses Opus erstellt und sämtliche Schüler unseres Jahrgangs interviewt: Zum Leben an unserer Schule, zum Abitur, zum Abistress, zu allem, was danach kommen würde. Das alles gebrannt… nein… gepresst auf eine Silberscheibe, die damals professionell in einem Presswerk gefertigt wurde. Das war 1999 wohlgemerkt. Ich war damals für die Technik zuständig und bin halb wahnsinnig geworden, so viel Audiomaterial damals auf meinem 166er Pentium, den ich damals besaß,im Magix Musik Maker zu schneiden und abzumischen.

    Oh mein Gott, ein CADDY!

    Dann der Alptraum, 650 MB Audiomaterial auf einem Rohling zu verewigen, der in einem CD-Brenner der ersten Generation (mit Caddy!!!) eine Überlebenschance von knapp 50% hatte. Es war furchtbar. Wir haben das Audiomaterial damals vor- und zurückgehört, um Fehler aufzuspüren. Immer und immer wieder. Das hat es mir so sehr verleidet, dass ich seit 1999 die CD kein einziges Mal wieder eingelegt habe. Das ist nun 15 Jahre her.
    Im Jahr 2014 sieht man das ein bisschen anders. Dieses Jahr werde ich wieder einen Kurs zum Abitur führen. Der wird dann in der ähnlichen Situation sein wie ich anno 99. Und in diesen 15 Jahren ist so viel dazwischen passiert, dass mich doch die Neugier gepackt hat, wie ich bzw. wir damals so drauf waren, und ich das Ding angehört hab. Was soll ich sagen? Es ist wie die Rückkehr in eine Wohnung, die man vor Jahren verlassen, aber doch irgendwie liebgewonnen hat. Man fühlt sich sofort wieder heimisch, weiß genau, wo welches Möbelstück stand und erinnert sich sofort an die Leute, die sie bewohnt haben. Die Stimmen unserer Klassenkameraden von damals lassen sofort wieder die dazugehörigen Gesichter vor dem geistigen Auge entstehen. Die Aufnahmen wurden vor den Prüfungen geführt, teilweise 5 Minuten vor Abiturbeginn (!), in den Pausen und auf den üblichen Feiern, die dem Abistress folgten. Die Euphorie über unsere gefühlte Mammutleistung ist allgegenwärtig zu hören. Damals hatten wir noch keine Ahnung, dass das eigentlich nur der Anfang war, und sich die Anstrengungen eines Abiturs durchaus steigern lassen. Jeder, der zwei Staatsexamen hinter sich gelassen hat, weiß, wovon ich rede.
    fbaa717dfab36507a35c938761be7fedAm interessantesten fand ich jedoch, die beruflichen Pläne von den vergessenen Schulkameraden aus der Vergangenheit zu hören und mit dem Heute zu vergleichen. Was war nochmal aus Julia geworden, die auf der CD noch vollmundig erklärt, Brauereiwesen zu studieren? Toni, der Jurist werden wollte? Hat Basti die Pilotenprüfung jemals bestanden, auf die er, wie man seinem Interview entnehmen kann, gerade lernt? Auch ich habe erst während dieser Monate, in denen ich in einem Krankenhaus gearbeitet habe, meine Ambitionen eines Medizinstudiums begraben, meinen Plan einer Ausbildung zum Tontechniker verworfen, und mich für das Lehramt entschieden – sehr zur Erleichterung meiner Eltern.
    Was hat mich eigentlich dazu bewogen, das Lehramt zu ergreifen? Bei mir war es kein P-Seminar, kein Expertenvortrag oder eine Berufsmesse. Der Grund kommt ein paar Minuten später auf der CD zu Wort. Als er zu reden beginnt, muss ich sofort an ihn denken: Mein Lateinlehrer. Seine ruhige, distinguierte Ausdrucksweise und dieses schier endlos scheinende Wissen über lateinische Literatur, Geschichte und Sprache hatten mich damals unglaublich beeindruckt. Seine Begeisterung für das Fach schwappte auf mich über und wurde irgendwann auch die meine. Und das so sehr, dass ich diese Sprache studiert habe. Ob er das weiß? Habe ich ihm das jemals gesagt? Ist es für einen Lehrer nicht die höchste Adelung, wenn er weiß, dass er seine Schäfchen so inspiriert hat, dass sie es ihm gleichtun wollen?
    Auch wenn mich die Produktion dieser ollen CD damals zur Weißglut getrieben hat, hat sie zumindest etwas Gutes: Mein Lateinlehrer wird nächstes Schuljahr endlich erfahren, wie wichtig er für mich war.

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  • Alltag

    Vom schwersten Wort der Welt

    avat_traurigNein, es ist nicht “Sorry”. Da kann Elton John noch so sehr im Verbund mit einer Boyband trällern. Das geht mir wunderbar von den Lippen. Nein, für mich ist ein anderes Wort recht schwer geworden – und das, obwohl ich es schon zweimal in diesem Artikel benutzt hab. Zumindest im Schulbetrieb. Richtig geraten: Es ist “nein”. Das Wort, das den trotzigen Zweijährigen bei Tisch im Minutentakt rausrutscht. Das Wort, das den Suppenkasper letztlich in den Hungertod treibt. Das Destiny’s Child berühmt machte. Oder 2Unlimited, weil sie mir weiß machen wollten, es gebe keine Limits  (und das zwölfmal hintereinander – ich hab’s nachgezählt!). Nur ich bekomm’s nicht hin. Das ist garantiert eine Verhaltensweise aus den Urzeiten des Referendariats, wo man aus allen Richtungen mit Arbeit zugeballert wird – und sie bereitwillig auf sich nimmt, um sich seine berüchtigte Krawattennote nicht zu versauen.
    Ein paar Jahre später: Die Arbeit ist nicht weniger geworden. Aber rein nüchtern betrachtet besteht heutzutage die Möglichkeit, sie abzulehnen, wenn’s einfach zu viel wird. Zumindest theoretisch.
    Letztes Jahr war ich beispielsweise als Lehrer bei einer Theateraufführung dabei, die von der gesamten Schulfamilie gestemmt wurde. Das war ein Haufen Arbeit, aber wir haben es gerne auf uns genommen. Es war eine tolle Erfahrung, da Schüler wie Lehrer gemeinsam etwas auf die Beine gestellt und aufgeführt haben, frei von “Standesgrenzen”, die sich zwischen den beiden Seiten immer wieder auftun. Tja, dieses Jahr ist etwas ähnliches geplant. Aber dieses Jahr bin ich auch ins Abitur eingespannt. Und zwar mächtig. Ein riesiger rauschender Papierberg wartet auf mich, der abgearbeitet werden “möchte” bzw. muss. Daher hab ich im Vorhinein meine Teilnahme an der diesjährigen Aufführung abgesagt. Ein erstes “nein” war gemacht. Aber das reichte nicht. Seitdem werde ich jeden Tag von einem Kollegen belabert bearbeitet überzeugt, einem Schüler, dem Regisseur, der mir vorheult, wie wichtig es wäre, möglichst viele Lehrer in die Aufführung zu bringen, dass es doch ein tolles Statement wäre, wenn ALLE in der Schulfamilie ihren Beitrag dazu leisteten. Ist es ja auch. Viel wichtiger: Das hab ich doch. Nur halt letztes Jahr. Dass ich dieses Jahr einfach zu viel zu tun habe, interessiert keinen.
    Genauso letzte Woche: Von einer ehemaligen Kollegin aus dem Referendariat angesprochen, ob ich bei der nächsten von ihr veranstalteten Fortbildung in Augsburg im Juni einen Vortrag halten könne, der sich mit meinem letzten Buchprojekt auseinandersetzt. Auch hier hab ich abgesagt, mit dem Hinweis auf die Abiturvorbereitung meiner Schützlinge – und große traurige Augen geerntet. Ein einfaches “nein” hat nicht gereicht, egal, wie sehr ich es auch logisch begründen kann. Stattdessen wird täglich nachgebohrt, insistiert und wenn das nicht reicht: geschmollt. Wegen mir. So rede ich es mir zumindest ein.
    Die Wahrheit ist doch letztendlich die: Beide Beispiele bergen denselben Denkfehler in sich: Man suggeriert der Person mit einer solchen Anfrage, unentbehrlich zu sein. Das schmeichelt natürlich erst einmal. Aber dahinter verbirgt sich eigentlich ein anderer Zweck: Nämlich dass sich andere Leute aufgrund meiner Leistung mit fremden Federn schmücken wollen. Wenn dem nicht so wäre, würde bei Absagen nicht so geschmollt werden. Das Gegenüber sieht sich enttäuscht, allein gelassen, verraten. Aber nüchtern betrachtet: Das ist nicht mein Problem. Mein Problem wäre es, nach einer Zusage gezwungen zu sein, irgendwo zwischen Schule, Unterrichtsvorbereitung und Abiturkorrektur mir noch ein paar Zusatzstunden aus den Rippen zu schneiden, um den Erwartungen der anderen gerecht zu werden – und irgendwann am engen Zeitkorsett zu zerbrechen. Versteht mich nicht falsch, ich bin von Haus aus sehr gesellig und mische sehr gerne bei solchen Aktionen mit. Aber wenn es zeitlich nicht drin ist, muss doch eine Absage einfach möglich sein.
    Wir haben es beim Lehrersein mit einem Beruf zu tun, bei dem es nach oben hin kein Limit gibt. Die Arbeit hört nie auf. Wir haben keinen Feierabend, keine 9-to-5-Jobs. Man macht so lange, wie es einem der persönliche Berufsethos gebietet. Und man muss höllisch aufpassen, dass man sich auch mal freischwimt und zur Abwechslung auch ein bisschen an sich selbst denkt.
    Damit bin ich bestimmt nicht allein. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass die Römer das Wort “Nein” nicht kannten. Vielleicht bin ich latinophiler als ich gedacht hatte…
    Ich werd’s künftig einfach so machen und mir ein paar dieser Sticky Notes kaufen:

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  • Allgemeines,  Alltag,  Prüfungen,  Unterricht

    All work and no play

    avat_traurigKurz vor den Ferien zieht der Schulkosmos nochmal alle Register, um seinen Beteiligten das Fürchten zu lehren. Vor allem die Oberstufe ächzt gerade über den engen Terminplan: Vor den Osterferien müssen alle Klausuren geschrieben, von uns korrigiert und herausgegeben sein. Dann kommen die Osterferien und schließlich das für die Schüler sagenumwobene Finale, auf das sie seit nun mehr 12 Jahren hinarbeiten: Das Abitur.
    Während für die Leute in der Zwölften diese Zeit durchaus etwas Tragisch-Magisches hat – immerhin befinden sie sich auf der Zielgeraden und genießen es trotz des Stresses, in der Schülernahrungskette mittlerweile ganz oben angelangt zu sein – ist das für uns Lehrer mittlerweile Alltag. Und der muss auch fernab von Q12 weitergehen. In Zeiten von gesteigertem Korrekturaufwand direkt vor dem Abitur eine durchaus stressige Zeit. Aber wie stressig? Ist der Stress systemisch oder selbst auferlegt? Um das zu überprüfen, hab ich mir eine der letzten Wochen mal herausgepickt und so gut es ging protokolliert. Das Ergebnis stelle ich hiermit mal öffentlich, damit auch Fachkollegen den einen oder anderen Tipp haben, wie ich eventuell effizienter arbeiten kann. Zum anderen bietet das auch mal wieder Gelegenheit, um mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen (oder um sie zu zementieren). Klar werden davon auch eingefleischte Kritiker nicht überzeugt sein und fleißig Häme versprühen. Aber die ließen sich auch nicht umstimmen, wenn man mit einer Videokamera bewaffnet die folgenden Tage abgeschrieben wäre. Sei’s drum, los geht’s:
    thursday2

    • Regulärer Unterricht von 8.00 bis 13.00. Dazwischen:
    • Freistunde 10.45-11.30: Schulaufgaben geordnet, Oberstufennoten eingetragen, im P-Seminar nach Bewertung gefragt. Erwartungshorizont für Q12 Latein ausgedruckt, Klausur Q12 Englisch alphabetisch geordnet und mit Erwartungshorizont an die Fachleitung übergeben
    • Präsenzstunde: Präsenzstunde, in der ich eine Nachholschulaufgabe für die fünfte Klasse erstellt habe.
    • 13.15-14.00: eigentlich frei, aber Gespräch in der Funktion als Verbindungslehrer mit einer Schülerin in der Mittelstufe, die sich nach Angaben ihrer Freundinnen etwas antun will. Unangenehmes Thema, das einen auch lange nach Schulschluss begleitet.
    • 14.00-14.45: nachgeholte Lateinschulaufgabe geschrieben.

    Aufbruch nach Hause.

    • Ankunft gegen 15.15
    • Kaffee: 15.30
    • Vorbereitung 15.40 -17.00 (heute recht kurz)
    • 17.00-17.30: Korrektur der Latein SA 

    17.30-18.45 Einkaufen und Abendessen, Kaffee und los geht’s

    • 19.10 Bewertung der Portfolios des P-Seminars – 21.57

    11h 10min

    friday

    • 8.00-11.30: Unterricht
    • 16.30-18.10: Erste Unterrichtsvorbereitungen für Montag
    • 21.20-22.52: Weitere Bewertung des P-Seminars

    6h 40 min

    Saturday2

    • 10.05-11.21: Korrektur der Lateinschulaufgabe
    • 11.30-11.40: Exkursion fertigmachen
    • P-Seminare: Wertungsbögen finalisieren
    • 13.45.16.12:  Unterrichtsvorbereitung
    • 16.53-17.17: P-Seminarbewertungen

    4h 17min

    sunday2

    • 10.40-13.38: Unterrichtsvorbereitung
    • 13.53-14.10: Ordnen der Unterlagen
    • 14.30-15.26: Korrektur der Schulaufgabe meines Referendars

    4h 13min

    monday2

    • Vorbereitung: 16.00-19.10

    10h 10min

    tuesday2

    • 8.00-16.00: Unterricht mit einer Freistunde, die für eine Vertretung draufging
    • 16.00-17.45: Schreiben der Zertifikate für das P-Seminar
    • 18.16-20.00: Unterrichtsvorbereitung
    • 20.00-21.00: EdChatDE (Fortbildungsveranstaltung 🙂

    12h 29 min

    Wednesday2

    • 8.00-13.00: Schule
    • 13.15-14.00: Lerncoaching als Verbindungslehrer für einen Schüler, der sich beim Lernen zunehmend schwer tut
    • 14.00-16.15: Fertigstellung der P-Seminarzertifikate

    Ankunft zuhause 17.00

    • 17.20-19.30: Unterrichtsvorbereitung (nach Kaffee) 

    9h 50min

    Am Ende 58h 42 min

    Das Ergebnis hat mich gelinde gesagt überrascht. Ich wusste schon, denn ich wohl mehr mache als der klischeebeladene Schwellenpädagoge, aber fast 60 Stunden? Respekt. Zum Glück läuft nicht jede Woche so, aber zu gewissen Hochzeiten wird mit entsprechenden Arbeitszeiten öfters mal zu rechnen sein (Zeugnis, Abitur, Notenschluss, Maiwarnungen).

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