• Allgemeines,  Alltag,  Latein

    Von Kuschelkissen

    Was für ein scheußliches Wetter! Draußen hängt der Nebel dick über der Stadt, die Temperaturen krebsen um den Gefrierpunkt herum, die Sicht ist getrübt. Die Straßen zeigen sich menschenleer und lediglich von den tapfersten Recken bevölkert, die dem eisigen Wind trotzen und schnellstens einen Platz im Warmen suchen. Zum Beispiel in einem Café in der Münchner Innenstadt. Wie gemütlich das alles hier ist: Wohlige Wärme im ganzen Raum, der vom ruhigen Gemurmel tiefenentspannter Menschen erfüllt ist. Im Hintergrund surrt regelmäßig das wohl vertraute Geräusch einer Kaffeemaschine, der Geruch von Cappuccino und Earl Grey liegt in der Luft. An den Tischen leuchten Kerzen und flackern beruhigend vor sich hin. Da lässt man sich doch gerne nieder.

    Auf einer Bank zum Beispiel, die mit kuschligen Kissen zum Rasten und Ruhen einlädt. Und dann auch noch auf Latein! Nämlich mit den Anfangszeilen von Vergils Aeneis! In schönsten 08/15-Fonts prangen dort die Versstücke, die in die Weltliteratur eingingen. Hier ein bisschen Kalligraphieschrift, dort ein paar Serifen-Bögen. Ein bisschen Times New Roman, ein bisschen artsy Kursive. Wunderschön! Wie toll, dass kein Mensch den Sinn der Verse versteht, die dort zu lesen sind. Denn die Aeneis steht für alles – nur kein Wohlfühlkino: Irrfahrten, Weltuntergangsstimmung, Entfremdung vom eigenen Staat, Tod von Verwandten, Entzweiung von Familien, Hinraffen ganzer Städte durch eine Seuche… ähm… öhm… vielleicht doch nicht so unpassend…

    Arma virumque cano, Troiam qui primum ab oris…
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  • Allgemeines,  Alltag,  Unterricht

    Nikolo bum, bum 2021

    Nikolaustag ist bei uns an der Schule immer ein kleines Gemeinschaftsevent: Die fünften Klassen sind in heller Aufregung, weil sich das Gerücht hartnäckig hält, der Nikolaus gehe höchstpersönlich durch die Unterstufen. Und so ist es auch: Jedes Jahr schlüpft ein männlicher Kollege die Kutte unseres ehemaligen Schulpriesters, die er uns für diesen Zweck hinterlassen hat. Von Engeln aus der SMV flankiert und einem schaurig geschminkten Krampus aus der Oberstufe im Schlepptau geht er die einzelnen Räume ab, um den gespannten Klassen aus seinem berühmten goldenen Buch vorzulesen. Dort sind immer die guten und bösen Taten der Klasse verzeichnet, die die Klassleiter für diese Aktion traditionsgemäß in Versform einreichen.

    Die daraus resultierende Allwissenheit unseres Schulnikolaus ist für die Kinder immer wieder überraschend, aber auch gefürchtet. Denn bei zu viel Sünden wird der Krampus wild und darf in der Klasse ungezügelt wüten. Bis er vom Nikolaus wieder beruhigt werden kann, dauert das immer ein paar Minuten. Dann ist aber auch gut. Und die Engel dürfen zur Versöhnung Obst und Schokolade unter den Kindern verteilen.

     

    2021: Nikolo light

    Dieses Jahr ist das natürlich alles sehr verhalten. Pandemiebedingt kann man nicht einfach den Kindern Essen in die Hand drücken. Oder quer durch sämtliche Klassen als Krampus holzen. Komplett darauf verzichten wollten wir aber auch nicht. Denn die kleinen Rituale bringen uns ein Stück Normalität wieder, das wir im Trubel dieses Jahres viel zu häufig vermisst haben. Und so wird’s in der Schule ein Nikolaustag der leisen Töne. Der Nikolaus tritt auf, verzichtet aber auf das Vortragen von Gedichten. Der Krampus schaut grimmig drein, bleibt aber auf Abstand. Und Essen wird den Kindern nicht in die Hand gelegt, sondern fein säuberlich in Tüten verpackt und zum Entgegennehmen präsentiert. Alles etwas umständlich und steril, wenn man es mit den letzten Jahren vergleicht. Aber das Leuchten in den Gesichtern der Fünftklässler reicht vollkommen aus um zu sehen, dass die Entscheidung richtig war.
    Wider Erwarten wurden dann allerdings auch noch die Großen heute beschenkt. Nämlich meine Wenigkeit. Mein Oberstufenkurs präsentierte mir am Ende der Stunde ein goldiges Präsent: Wunderschön eingewickelt und geziert mit beeindruckendem Handlettering (da steh ich ja total drauf 🤗)

    Discipulos non timeo dona ferentes…

    “Coole Socke” ist hier tatsächlich wörtlich zu sehen. Denn es gab… Christmas socks! 😍😍😍

    Hab mich riesig gefreut und werde mich gleich nächste Stunde revanchieren. Nämlich mit der unvergessenen Vorstellung von Christoph Waltz, der dem verstörten TV Host Jimmy Fallon den Krampus zu erklären versucht. Classic!

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  • Alltag,  Technik

    Ton ab!

    Eine interessante Nebentätigkeit bei meinem Dienstherrn zwingt mich ab diesem Schuljahr dazu ein bisschen mehr in Technik einzutauchen, als es bei mir nomalerweise der Fall ist. Die Rede ist vom Videoschnitt. Erste Versuche habe ich ja schon vor ein paar Monaten mit meinen mebis-Tutorials gemacht, die ich sukzessive bei YouTube hochlade. Wenn das aber jetzt alles hochoffiziell werden soll, muss da noch eine Schippe draufgelegt werden. Vor allem das Thema Klang ist bei den Youtube-Stars immer von essentieller Bedeutung. Und so habe ich mir zum ersten Mal in meinem Leben ein schönes portables Mikrofon geleistet. Kabellos und damit stets mobil und frei von USB-Störgeräuschen, die bei der live –Aufnahme gerne einmal ins Klangfeld reinstreuen.

    Wäre ich noch einmal zehn Jahre alt, wäre dieses Gerät für mich der absolute Traum gewesen. In einer Zeit, wo ich als Kassettenkind regelmäßig Hörspiele konsumiert, aber auch selbst aufgenommen habe, wäre dieses Zoom-Mikrofon mein ständiger Begleiter gewesen. Die Qualität, die für gerade einmal 100€ möglich ist, ist phänomenal! Wie ein kleiner Abenteurer schleiche ich seitdem durch die Münchner Innenstadt, um bei jeder Gelegenheit Klang-Teppiche und Tonproben aufzunehmen. Dabei erlebt man seine Umgebung auf diese Weise noch einmal komplett anders. Und unmittelbarer. Sollten wir uns also im nächsten ja in einem Tutorialvideo hören, dann mittels dieses Gerätes hier.

    Und für die kalten Herbsttage habe ich gleich ein paar Tonproben mitgebracht, die bei Nieselregen und Nebelwänden ein bisschen an die warmen Sommermonate zurückerinnern sollen.

    Zikaden

    Strand

    Nochmal Strand

    Herbstgewitter

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