Um eine Sache beneide ich meine Kolleginnen und Kollegen auf dem Land immer. Naja, eigentlich sind’s zwei: Einmal die günstigeren Mieten, zum anderen die technische Ausstattung an den Schulen. Letzteres in ganz besonderen Maße. Jede einzelne der Landkreisschulen, die ich über die Jahre im Zuge von Fortbildungen und Tagungen besuchen durfte, trieb mir vor Neid die Tränen in die Augen, wenn es um IT-Ausstattung ging. Verständlich, wenn man über Jahre an Schulen im Stadtgebiet gearbeitet hat, in denen ein Overheadprojektor das Höchste aller Dinge darstellte. Ein PC versteckte sich, wenn vorhanden, verschämt in der hinteren Ecke des Klassenzimmers. Die Kollegen, die in dem Stadtgebiet München arbeiten, wissen wovon ich rede. Zu einem gewissen Teil ist das ja auch verständlich: Es sind einfach zu viele Schulen, die es auszustatten gilt. Derzeit angeblich knapp 350, um genau zu sein. Da gibt es einiges zu tun. Und es hatte sich über die Zeit auch tatsächlich einiges sehr gebessert. Zumindest auf dem Papier. Irgendwann waren die Klassenzimmer alle mit Beamern, Doku-Kameras und Laptops ausgestattet, aber die Übertragungsgeschwindigkeiten und Anmelderoutinen von Windows 7 im pädagogischen Netz haben es oft unmöglich gemacht, damit zu arbeiten. Rechner, die fast 20 Minuten brauchten, um hochzufahren, waren und sind an vielen Schulen bis heute bestimmt keine Seltenheit. Auch bei uns war das lange so: Die Rechner waren faktisch vorhanden, für den Regelbetrieb im Unterricht aber schlichtweg unbrauchbar. Wollte man zu Beginn einer Stunde ein Bild oder gar Video über den Computer zeigen, war das schlichtweg nicht möglich, weil erstmal Updates geladen und installiert werden mussten, für die die Maschine mehrmals runter- und hochgefahren werden musste. Daher verstaubten die Rechner irgendwann ungenutzt am Lehrerpult. Und die paar tapferen Kollegen, die sich tatsächlich zum Hochfahren durchrangen, bereuten das in der Regel gleich wieder und nutzten frustriert die Geräte nie wieder. In einer Zeit, wo man von Schulen Medienkonzepte erarbeitet haben will, aber dann von der Hardware auf eine derartige Art ausgebremst wird, eine Farce. Wir sprechen immerhin vom Jahr 2019.
Zum Glück hat sich bei der Stadt München gerade ein bisschen was getan, da ein neuer Dienstleister im Spiel ist, der seine Sache bzw. die des Vorgängers besser machen möchte. Deswegen hatten sie kurz vor den Sommerferien ein offenes Ohr für unser, moderates Anliegen: Wir wollen nicht nur PCs, wir wollen sie auch tatsächlich für unser Alltagsgeschäft nutzen können. Gesagt, getan. Die Leute berieten nicht nur am Telefon, sie kamen sogar persönlich vorbei, um sich vor Ort zu überzeugen und boten uns an, vier unserer Rechner probeweise auf Windows 10 umzustellen und auf mögliche Probleme durchzutesten. Das lief eigentlich schon mal ganz gut. Und so entschieden wir uns in Absprache, nach den Sommerferien die komplette Schule umzustellen. Natürlich nicht ohne eine gewisse Grundskepsis. Und das lag nicht allein an Freitag dem 13., an dem das Upgrade stattfinden sollte. Wir hatten einfach zu viele Jahre mit diesem komischen Schwebezustand zwischen Bangen und Hoffen verbracht. Sollte dieses Mal alles glatt gehen? Keine Angst, das hier ist endlich mal eine Folge von Freitag, der 13., die gut geht. Kein Gemetzel.
Nach ein paar Probeläufen war es dann soweit. Das Kollegium wurde in den Anfangsgottesdienst geschickt, um bei der heiligen Clara für das Gelingen der Windows 10-Umstellung zu beten (und nebenher die PCs in Ruhe zu lassen, damit die in Ruhe installieren konnten). Im Schulhaus vor Ort blieb lediglich ich, um die Rechner notfalls manuell hochzufahren, falls sie nicht durch den Wakeon-Befehl starten sollten. Bei 180 Rechnern würde das im schlimmsten Fall ein ganz schönes Gerenne durch die Klassenzimmer und Fachräume werden. Daher wurde ich kurz vor Zwölf auch ein bisschen nervös. Wie reibungslos würde die Umstellung klappen?
In einem Wort: prima. Wie von Geisterhand starteten fast alle Rechner von ganz von alleine und luden sich die Windows 10-Pakete auf die Festplatte.
In gerade mal fünf Fällen musste ich nachhelfen und konnte anschließend zusehen, wie das Betriebssystem den Rest erledigte. Bis 15 Uhr war die Installation erledigt, bis 17 Uhr die Datenpakete der Stadt München aufgespielt. Um nicht ganz umsonst fünf Stunden in der Schule verbracht zu haben, lief ich anschließend durch die Schule, um sämtliche PCs händisch herunter zu fahren. Damit war meine Arbeit vorerst getan. Alles andere würde die Praxis in den nächsten 10 Tagen zeigen. Und das würde wohl der interessanteste Part werden. Denn in diesem Punkt herrschte bei allen Beteiligten Skepsis – auch bei mir…
Aber wider Erwarten lief alles problemlos. Als das Team der Stadt München am Montag eintrudelte, um sich um die IT-Probleme zu kümmern, die erwartungsgemäß bei so einem Unterfangen auftreten, gab es für sie kaum etwas zu tun. Keine wütenden Kollegen, keine streikenden Rechner. Alles lief ordnungsgemäß. Die Drucker ließen sich problemlos an die PCs zuweisen, die alten Dateien auf den Ordnern landeten ohne irgendwelche Verluste auf den Rechnern der Kollegen, und die Ladezeiten – unser Hauptmanko – waren mit einem Mal a thing of the past. Maximal 2 Minuten brauchten selbst die betagtesten Maschinen, um einsatzbereit zu sein. Updates werden im laufenden Betrieb im Hintergrund geladen, sodass man unbeirrt seinen Unterricht halten kann. Damit lassen sich die PCs nun endlich auch tatsächlich im Unterricht auch als Unterrichtswerkzeug nutzen – und nicht nur als dekorative, übergroße Briefbeschwerer. Läuft.
Willkommen zurück in meinen bescheidenen, neuen Hallen! Ich hoffe, man nimmt mir meine eineinhalbjährige Karenzzeit nicht allzu übel, aber ich habe schon ein paar Monate gebraucht, um mir Gedanken zu machen, wie es mit dem Blog weitergehen soll. Über fünf Jahre hatte ich bis Mai 2018 schon gebloggt und viele tolle Netzwerke kennengelernt, von denen ich dank Blog und Twitter bis heute wahnsinnig profitiere. Umso schmerzhafter war es dann für mich, Ende Mai den Stecker zu ziehen, weil die DSGVO plötzlich vor der Tür stand, die meinen WordPress-Blog, so wie er bestand, quasi nicht mehr möglich gemacht hätte. Das lag einmal an der Plattform 






Tja, jetzt ist es soweit. Die DSGVO steht kurz bevor, und ich habe an dem Blog noch rein gar nichts gemacht. Nicht, weil es mir egal wäre. Sonst hätte ich nicht darüber geschrieben. Mich hat die Nachricht von den Neuerungen nur etwas unvermittelt erwischt. Und das mitten in einer Zeit, wo ich zwischen Abiturvorbereitung und -korrektur, Referendarsbetreuung, Entwicklung eines Medienkonzeptes, Arbeiten im Personalrat und als Vertrauenslehrer ohnehin kaum weiß, wo mir der Kopf steht. Ja, Datenschutz ist richtig und wichtig. Und ja, die DSGVO hat viele richtige Ansätze. Aber im Moment hab ich einfach keinen Kopf, um mich damit auseinanderzusetzen und meinen Blog entsprechend anzupassen. Ich brauche noch ein bisschen, um mich entsprechend zu wappnen.






Das Wort Digitalisierung und digitale Bildung wird uns Lehrern in letzter Zeit nur noch so um die Ohren gehauen. Und das nicht nur, weil unsereiner Twitterat ist. Auch in den traditionellen Medien wird regelmäßig auf das Thema Bezug genommen. Sogenannte Fachleute postulieren, wie digitale Bildung auszusehen habe. Ich sehe Interviews mit Managern, Politikern in ihren Endfünfzigern, die noch vor ein paar Jahren von der Gefährlichkeit von neuen Medien lamentiert haben. Alles scheint vergessen. Aber wie soll man es nun machen, diese Digitalisierung? Was braucht eine Schule dafür? Welches Equipment? Welche Medien? Welche Software? Was für Lehrpersonal? Das weiß keiner so genau. Deswegen sollen das die Lehrer (wieder) einfach mal selbst rausfinden. Und so wurden die bayerischen Schulen beauftragt, bis Ende des nächsten Schuljahres ein so genanntes Medienkonzept zu erstellen, in dem festgehalten werden soll, welche Medien im Unterricht genutzt werden (sollen), wie sie genutzt werden (sollen), wann sie genutzt werden (sollen), warum sie genutzt werden (sollen). Das ist per se wichtig und richtig. Unternehmen geben für eine sinnvolle digitale Strategie Unmengen an Geld für externe IT-Teams aus, um sich fit für die Zukunft zu machen. Nur haben wir die nicht. Weder die Unmengen an Geld noch externe IT-Teams. Daher wird an jeder Schule ein Team aus Lehrkräften bestimmt, das diese freudige Arbeit umsetzen darf – natürlich zum regulären Tagesgeschäft oben drauf. Zu den Mitstreitern im neu beschworenen Arbeitskreis finden sich eine Person aus dem Direktorat, der Systembetreuer und aus dem Kollegium ein medienaffiner Lehrer. Ihr ahnt es schon: Letzteres – sono io.