Technik,  Unterricht

Moodle

Bei uns an der Schule macht sich langsam aber sicher der technische Fortschritt bemerkbar. Nicht lachen, aber bei uns laufen die Uhren einfach ein bisschen anders. Es gibt hier noch Herren betagteren Semesters im Kollegium, die es bis heute strikt ablehnen, sich überhaupt vor einen Computer zu setzen (O-Ton: „Das ist Teufelszeug!“). Beamer gab’s bisher maximal 5 an der gesamten Schule  (3 in Klassenzimmern, zwei als mobile Stationen zum Rumschleppen und Oberarme-Trainieren), und eLearning war einer dieser Neologismen, der toll klingt, doch nix bringt. Jetzt habe ich von einer Kollegin ein Seminar unserer Oberstufe übernommen, die sich unbedingt online organisieren wollen. Facebook scheidet da aus bekannten Gründen von Vornherein aus. So entschied man sich für die wohl einzige eLearning-Plattform, die datenschutzrechtlich unbedenklich ist (zumindest nach den Worten unseres Datenschutzbeauftragten): Moodle
Ganz ehrlich: So richtig warm werde ich mit der Plattform nicht. Ich kann die Vorteile ja verstehen, aber bis ich erstmal gefunden habe, was ich will, brauche ich eine Ewigkeit. Das Interface alleine macht den Anschein, als sei es Ende der 90er programmiert worden. Diese ganzen Vierfarben-Icons, Pulldown-Menüs von oben, unten, links, rechts. Und dann die für einen Insider völlig kryptischen Elemente, die man einbinden kann. Was ist ein HotPot-Test? Was eine Lightbox? Nano-Box, quid est? Zum Glück gibt‘ für die Plattform eine offizielle Anleitung, sonst hätte ich hier Stunden verbracht, um überhaupt ein neues Thema zu erstellen. Aber werden meine Seminarleute ebenso freudig-panisch nach einer sinnvollen Dokumentation suchen? Oder es einfach sein lassen, sobald sie merken, dass dem ganzen Interface in der Bedienung das Intuitive fehlt, was die sozialen Netzwerke mittlerweile perfektioniert haben? Warten wir’s mal ab.
Mich würden mal eure Erfahrungen mit Moodle interessieren. Nutzt ihr die Plattform? Oder seid ihr komplett woanders?

10 Comments

  • Herr Rau

    > Das Interface alleine macht den Anschein, als sei es Ende der 90er programmiert worden.
    Den Eindruck macht es auf mich auch. Im Prinzip kann man das Design schon anpassen, und es gibt inzwischen auch neuere Versionen als das im Bayernmoodle verwendete, aber so eine zentral und staatlich administrierte Instanz ändert sich sehr, sehr langsam.

  • Kai

    Wir nutzen als Schule im zweiten Bidungsweg Fronter, das aber auch zahlreiche Designmacken hat.
    Vor einiger Zeit habe ich mich mal umgesehen und fand Sakai ansprechend. Mit Moodle bin ich auch nie warm geworden.
    Prinzipiell halte ich aber auch immer weniger von geschlossenen Lernumgebungen und arbeite eigentlich am liebsten mit verschiedenen Werkzeugen, die ich mir selbst zusammensuch und auch mal wechseln kann. Bewährt hat sich für mich ein gutes Forum, Skype (inkl. Aufnahmemöglichkeit), Voicethread, Google Docs, Ablageplatz auf einem ftp-Server. Viele Schüler bevorzugen in der Kommunikation E-Mail und zunehmend Facebook.
    Geschlossene Lernplattformen sind mir zu unflexibel und zu hässlich.

    • herr_mess

      Sauber! Man lernt nie aus! Da ist echt einiges dabei, von dem ich noch nie gehört hab. Sakai ist mir total unbekannt gewesen. Sieht vielversprechend aus. Danke für die Hinweise.

  • luzi

    Wir arbeiteten in der Uni auch mit Moodle und standen vor ähnlichen Problemen. Dazu kam eine gewisse technische Unzuverlässigkeit.
    Spätere Seminare sind auf iversity umgestiegen. Mir ist allerdings nicht bekannt, ob hiermit auch Schulen arbeiten können.
    Zusätzlich haben die Studierenden mit Dropbox gearbeitet. Bei Dropbox ist allerdings der Nachteil, dass jeder auch Daten löschen kann und man eine sehr zuverlässige Gruppe benötigt. Auch bei den Lehrenden wurde Dropbox verwendet.
    Eine weitere Alternative, die ich gesehen aber nicht selbst genutzt habe, waren Foren, die kostenlos genutzt werden können. Auch bei diesen ist es möglich, Dateien zum Download hochzuladen und insb. die typische Foren-Struktur zu nutzen.

    • herr_mess

      Alternativen gäbe es bestimmt einige, aber hier in Bayern bekommen wir eine auf den Deckel, wenn wir etwas anderes außer Moodle benutzen. So sagt es uns zumindest der Datenschutzbeauftragte an der Schule. Das Hauptproblem ist, dass bei den anderen Lösungen die Daten auf einem ausländischen Server liegen, die der deutschen Iurisdiktion nicht mehr unterliegen. Wir haben mittlerweile ein neues Moodle-Update bekommen, das die Plattform zumindest grafisch etwas aufhübscht, dafür ist die ganze Chose jetzt arg instabil geworden. Leider…
      Übrigens willkommen hier auf meinem Blog. Du erinnerst mich dran, ein Update zu dem P-Seminar zu schreiben, wie die Kommunikation über Moodle bis jetzt gelaufen ist.

  • Hans

    Schade, erst jetzt gelesen, nach 100 Jahren. Aber auch schon 2013 war moodle mehr als das, was hier beschrieben wurde. Man muss sich mit beschäftigen.

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