• Technik,  Unterricht

    Design leicht gemacht: easel.ly und canva

    avat_schielen_technikSchaubilder sind eine tolle Sache – wenn man’s denn kann. Zum Glück gibt es seit längerer Zeit viele wunderbare Lösungen, die dem Laien in der Hinsicht tatkräftig unter die Arme greifen und Ergebnisse liefern, die weit über die Word-Clipart-Kollagen hinausgehen. Nachdem scoop.it mir schon den einen oder anderen Info-Artikel zu dem Thema geliefert hat, war es irgendwann Zeit, sich diese Programme auch mal genauer anzusehen. Kandidat Nummer 1 der erste Dienst, der mir damals unter die Augen kam: easel.ly
    Bei Easel.ly handelt es sich um einen Online-Editor zum Erstellen von Infografiken. Und der ist komplett kostenlos. Nach der Registrierung kann man sofort loslegen und sich auf einer virtuellen Plakatwand austoben. Dazu stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. VThemes liefern komplette Layouts mit Balken, Icons, Rahmen und diversen Grafikelementen, die man nach Lust und Laune verändern oder erweitern kann. Beispielsweise mit sog. Objects, die in Unterkategorien wie Food oder People eingeteilt sind. Jedes Element auf dem Screen lässt sich stufenlos skalieren, drehen oder in seiner easellyTransparenz beeinflussen. Auch an unterschiedliche Ebenen hat man gedacht und verbannt mit einem Klick aufdringliche Elemente im Vordergrund zu Nebendarstellern auf den hinteren Rängen. Das Arbeiten geht schnell von der Hand und liefert rasch schöne Ergebnisse – vorausgesetzt, man kommt mit dem derzeit doch recht begrenzten Repertoire aus, das dem Benutzer in dieser Beta-Version präsentiert wird. Von den VThemes sind gerade mal 15 verfügbar, auch die Anzahl an Icons ist mit gerade mal 120 etwas dünn. Natürlich kann man jederzeit eigene Elemente aus dem Netz oder der Festplatte hinzufügen. Aber die müssen erst umständlich über einen Editor hochgeladen werden. Schade…
    Dass es von allem etwas mehr sein kann, das beweist canva – ebenso wie easel.ly in einer Beta-Version und (deswegen?) kostenlos. Alles in allem sind die beiden Programme in ihrer Handhabung recht ähnlich. Zu Beginn entscheidet man sich bei canva für ein Grunddesign, das vor allem Auswirkungen auf die Auswahl hat. Abhängig davon, ob man ein Din/A4-Design, ein Facebook-Banner, eine Präsentation oder eine Blog-Grafik erstellen möchte, schlägt canva Layout-Vorlagen (in easel.ly waren es VThemes)vor, die genau auf das gewählte Format abgestimmt sind. Diese sind schon in der jetzigen Version deutlich umfangreicher als bei easel.ly. Allein bei den Präsentationen gibt es 40 Layouts, ein Din/A4-Dokument kann sogar mit mehr als 50 Vorlagen geschmückt werden. Dazu noch die üblichen Tools, die wir auch aus easel.ly kennen: Text Tool, Banner, Symbole. Alles lässt sich auf die virtuelle Leinwand ziehen, vergrößern, rotieren, auf unterschiedlichen Ebenen anlagern, in der Transparenz beeinflussen. Insgesamt sind beide Programme in der Handhabung recht ähnlich – auch wenn man bei Canva vielleicht etwas mehr fummeln muss, um die einen oder anderen Funktionen zu finden. Das funktioniert bei easel.ly einen Hauch unkomplizierter, weil man nicht erst in Untermenüs nach canvaFunktionen wie der Transparenz oder Farbwahl suchen muss. Auch bei der Arbeitsgeschwindigkeit merkt man zwischen den beiden Plattformen einen deutlichen Unterschied. Während easel.ly aufgrund seines schlichten Designs (und auch seiner Auswahl) sehr flott arbeitet, merkt man bei canva einen deutlichen Lag. Kann sehr gut sein, dass dieses Problem in einer der nächsten Versionen behoben wird. Aber im Moment ruckelt’s ab und an schon bedächtlich. Dennoch würde ich canva den Vorzug geben. Aufgrund der riesigen Auswahl an Grafikelementen und der deutlich unkomplizierteren Möglichkeit eigene Grafiken in sein Projekt einzubinden, macht canva einfach Spaß – Lag hin oder her.

    The Faces of (1)
    War dank Canva innerhalb von Minuten gemacht…

    Image
    Update: In der aktuellen Version unterstützt canva sogar Filter, die man einfach über die einzelnen Elemente legen kann. Damit ist der Vorsprung zu allen anderen Diensten noch um ein ganzes Stück größer geworden. Natürlich ersetzt canva weder ein ordentlich ausgestattetes Gimp oder gar einen Photoshop. Aber die Möglichkeiten sind mehr als ausreichend, um mal auf die Schnelle ein bisschen Pep in sein Schaubild zu bringen. Wem das nicht langt, sollte mal auf dem hauseigenen Canva-Blog vorbeisegeln, wo die Entwickler und Designer einige Kniffe verraten, um seine Infografik vom Durchschnitt abzuheben. Großer Geheimtipp! Da kann man wirklich eine Menge lernen! Way to go!

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    0
  • Technik,  Uncategorized,  Unterricht

    Lehren leicht(er) gemacht: Neues von Evernote

    avat_schielen_technikAnd it just keeps getting better... Es passiert echt selten, dass iOS-Fans neidisch zu Windows oder gar Android rüberschielen. Wenn man aber dieser Tage die Evernote-Blogs wälzt, scheint sich dieser Eindruck echt einzustellen. Was ist passiert?
    Evernote 5.2 ist raus. Genauer gesagt 5.2.0.2946. Und mit ihm ein paar tolle Features, die zusammen mit der frisch gebackenen Android-Version richtig Sinn machen – und sich richtig richtig anfühlen. Da seit meinem letzten Evernote-Artikel ein paar Monate wie auch Versionen ins Land gezogen sind, will ich die Gelegenheit nutzen, um ein paar Addenda nachzuschieben, wie ich Evernote – vor allem in der aktuellen Version – super für den Unterricht nutzen kann.

    • Schon seit einigen Monaten als Feature enthalten ist die Möglichkeit, Anhänge direkt aus einer Notiz heraus zu öffnen, zu bearbeiten und anschließend wieder direkt in Evernote zu speichern. Das bedeutet, ich kann z. B. einen Schüler über einen Text oder eine Übersetzungsstelle abfragen, mir etwas notieren und nach der Abfrage diese Datei an die Notiz als “neue Version” anhängen. So kann ich dem Schüler, wenn er Fragen zu seiner Benotung hat, ganz klar Feedback geben, weil ich die Abfrage schwarz auf weiß als Notiz vorliegen habe.
    • Es ist der GAU einer jeden Lehrprobe, kann aber im Schultag durchaus vorkommen: Ein Tafelbild, das mit dem Stundengong nicht fertig ist. Ärgerlich ist es allemal. Zum Einen darf man den Beginn seines Tafelbildes in der nächsten Stunde wieder umständlich an die Tafel/Whiteboard pinseln, zum anderen müssen die Schüler erst wieder umständlich zum Thema (ein zweites Mal) hingeführt werden. Dank Evernote kann man hier zumindest Ersteres aus der Welt schaffen. Das Zauberwort heißt “Seitenkamera”. Das angefangene Tafelbild wird am Ende der Stunde einfach mit dem Tablet abfotografiert. Die Seitenkamera interpretiert den weißen Hintergrund des Whiteboards als Papierseite und nimmt automatisch Korrekturen am Kontrast und der Perspektive vor und speichert den Anschrieb als Bilddatei. In der nächsten Stunde wird diese Bilddatei einfach ans Whiteboard projiziert und man kann genau dort weiterschreiben, wo man aufgehört hat. Spart Unmengen an Zeit!
    • Mindestens ebenso zeitsparend ist die neue Funktion, innerhalb einer Notiz eine handschriftliche Notiz zu machen. Musste ich für sowas immer im laufenden Unterricht zwischen Evernote und Lecture Notes hin- und herschalten, genügt  jetzt ein Klick in Evernote auf das entsprechende Icon (siehe Abbildung). Kurz notiert, bestätigt, und das Gekritzel wird unten im Anhang angezeigt. Das war’s, und Unbenanntman kann unbeirrt mit seinem Unterricht fortfahren. Natürlich ist das Tool in seinem Umfang sehr begrenzt. Mehr als Farben wechseln, Stiftstärke beeinflussen und Löschen ist nicht drin – und das bei fehlender Palm Rejection. Aber ich bin von Lecture Notes auch sehr verwöhnt. Für das bisschen Gekritzel im Unterrichtsgeschehen reicht das locker aus. Mehr braucht’s nicht. Und für etwas mehr muss man halt doch mal wieder Lecture Notes bequemen.
    • Für den Unterricht selber eher sekundär, für die Vorbereitung dafür jedoch umso wertvoller ist die rundum erneuerte Einbindung von Bearbeitungsmöglichkeiten von Bildern. In den früheren Versionen wurde dafür immer Skitch oder ein anderer externer Editor (z.B. Gimp) benutzt, hinterher hat man das bearbeitete Material exportiert und zurück in die Notiz gestopft – was nicht immer von Erfolg gekrönt war. Es ist mir vor allem bei den neueren Versionen von Evernote immer wieder passiert, dass Bildmaterial aus Skitch nie den Weg in Evernote gefunden hat. Das musste ich in einem Großteil der Fälle selbst erledigen. In dieser Hinsicht ist in Version 5.2 sehr viel optimiert worden. Nicht nur, dass die Kommunikation zwischen den Editoren (vor allem zu Skitch) jetzt wieder so reibungslos funktioniert wie einst. Die Möglichkeit zur Bildbearbeitung ist in Evernote kurzerhand integriert worden. Wer für ein paar Sekündlein über einem Bild in einer Notiz hängen bleibt, wird mit einem Kommentier-Button beglückt, der einen internen Editor öffnet, der in seinem Umfang von Skitch ebenbürtig ist. Ist man mit seinen Bearbeitungen fertig: Mausklick und das war’s.

      skitch2
      Der Editor löst Skitch mehr oder weniger komplett ab

    Man sieht, es hat sich einiges getan in Evernote. Wenn wir Androiden jetzt auch noch den fulminanten Presentation Modus bekämen, über den sich die iOS-Version schon seit geraumer Zeit freuen kann, wäre ich wunschlos glücklich… fürs Erste 😉

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    0
  • Allgemeines,  Uncategorized

    Lehrerblogs 2014

    avat_freuWas ein Theodor Fontane kann, kann Fontanefan schon lange: Er dichtet, und alle hören zu. Wie vor ein paar Tagen, als er zu einem Projekt aufrief, um die unterschiedlichen Lehrerblogs, die in diesem Jahr betrieben werden, vorzustellen und zu nominieren. Dem Ruf sind viele gefolgt, wobei Herr Rau den wohl mit Abstand zauberhaftesten Einfall hatte. Der hat nämlich seine Auswahl kurzerhand in ein selbst erstelltes Sammelquartett gepackt, von dem ich auch Teil sein darf – was mich überaus stolz macht.

    Zu so viel Kreativität bin ich dieser Tage leider nicht fähig. Die letzten acht Wochen, die bei uns zwischen Weihnachten und den jetzigen Ferien lagen, waren ganz schön hart, sodass ich mich dieser Tage in einem Zustand des otium befinde, für den mich jeder Epikureer beneiden, und ein Stoiker verprügeln würde. Diese geruhsame Lethargie kann allerdings nicht ewig andauern. Sie muss aufhören. Und zwar jetzt. Deswegen präsentiere ich anbei ein paar zusätzliche Blogs, bei denen ich regelmäßig vorbeisehe:

    • Frau Henners Grüße aus der Provinz: Bei Frau Henner auf dem Lande ist die Welt noch in Ordnung – möchte man meinen. Wer Genaueres herausfinden will, muss bei ihr vorbeischauen und einiges an Zeit mitbringen. Denn Frau Henner blogt regelmäßig und so liebevoll, dass man Stunden mit dem Lesen beschäftigt ist – so geht’s mir zumindest. Nur schade, dass die blogpost-Plattform beim Kommentieren etwas zickig ist. Dieses ständige Eingeben von Sicherheitscodes nervt. Vielleicht können wir sie gemeinsam zum Umzug “motivieren” 🙂
    • Lehrer aus Leidenschaft: Erst seit ein paar Wochen auf Sendung, aber jetzt schon ungemein süffig zu lesen. Und das nicht nur wegen meines Abend-Ramazotti, der gerade neben mir auf dem Tisch steht.
    • Educating Emma beschreibt den Wahnsinn des Referendariats in ungeschönter Brutalität. Teilweise macht mich das Gelesene so sprachlos, dass ich gar nichts darauf antworten kann. Leider hat sich die Autorin aus der Lehrerblog-Auswahl zurückgezogen – nichtsdestotrotz möchte ich ihren Blog vorgestellt haben, denn er zeigt in ungekünstelter Weise auf, was für einem Druck der Lehrernachwuchs oft ausgesetzt ist in einem System, das keinen Widerspruch oder gar Scheitern duldet.
    • Erst seit Kurzem sehr rege besucht, ist Bob Blume und sein Blog, der weit über die Themen eines üblichen Lehrerblogs hinausgeht. Die für uns praeceptores relevanten Artikel findet man wohl am ehesten hier. Die Artikel sind sehr intelligent geschrieben und überaus kritisch, wie z. B. die Blogparade zum ZDF-Bericht der Versager im Staatsdienst sehr deutlich macht.
    • Frau Hilde und ihr Blog bräuchte eigentlich keine Werbung. An den zahlreichen Kommentaren gezählt, dürfte Madame schon eine entsprechend große Fanbasis aufweisen. Wer sie allerdings noch nicht kennt, dem sei hiermit ein Vorbeischauen angeraten: Egal ob es über verkorkste Geschichtsstunden, Tafelbilder mit Phalli oder der kaputten Heizung in den heimischen vier Wänden geht. Die Ups and Downs sind wunderbar charmant geschrieben, sodass man den Blog immer mit einem Lächeln auf den Lippen verlässt. Wollen wir wetten?

    Natürlich gäb’s noch eine Reihe anderer Blogs. Aber wie auch Herr Rau will ich mich vorerst auf die Vorauswahl beschränken. Nur so viel sei gesagt: Auch jenseits unserer teutonischen Gefilde künden ein paar hervorragenden Pägagogen in ihren Blogs über ihre Erfahrungen. Sowohl auf Englisch als auch  – mirabile dictu – auf Latein (!)
    Ebenso fallen ein paar Webpräsenzen etwas zu sehr aus dem Rahmen, um als Blog durchzugehen. Immer sehr rege von mir besucht ist der EdChat, der aber hauptsächlich auf Twitter stattfindet, aber durchaus einen Ehrenpreis verdient hätte…
    Achja, entsprechend von Herrn Raus Vorlage will ich das Quartett mit meinen Vorschlägen erweitern und damit ihren Besitzern eine ähnliche Freude machen 🙂
    hilde  henner lal bob

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    0
  • Technik,  Unterricht

    Lecture Notes

    avat_schielen_technikEs ist ja kein Geheimnis mehr, dass Lecture Notes für mich eines der zentralen Tools für den Unterricht geworden ist. Zusammen mit Evernote stemmt es meine gesamten Stunden und ist fast unersetzlich geworden, da sich damit schnell und vor allem intuitiv arbeiten lässt. Mit ein paar Kniffen geht das sogar noch schneller.

      • Workflow entsteht alleine schon durch Übersicht. Wer sich erstmal minutenlang durch einen Schreibtischblätterwald kämpfen muss, um auf die relevanten Unterlagen zu stoßen, geht an das Unterfangen schon mit einer Grundnervosität heran. Daher habe ich erstmal alle Icons ausgeschaltet, die ich nicht benötige, um mich in der Hektik einer Stunde im Icon-Gewusel zu verlieren. In der Leiste finden sich daher nur das Stift- und Linientool, der Undo-Button, die Layerfunktion und die Fotofunktion. Sachen wie z. B. das Texttool habe ich rausgeworfen, weil ich Lecture Notes tatsächlich nur für Handgeschriebenes nutze.
      • Seit Neuestem mit an Bord ist die Share-Funktion, die seit ein paar Wochen noch viel besser mit Evernote zusammenarbeitet. Musste man vorher in Evernote vorbereitete Hefteinträge noch über exportierte Screenshots an Evernote senden, ist es jetzt möglich, einzelne Seiten in toto in Evernote zu integrieren. Ein Klick genügt, und das gute Stück landet als Notiz im Ordner und wird in die Unterrichtsvorbereitung übernommen.
      • Stufenloses Zoomen lässt sich komfortabel ohne lästiges Herumziehen an irgendwelchen Balken erledigen – vorausgesetzt man hat es bei Lecture Notes eingestellt. Die entsprechende Option dazu findet man in den Einstellungen > Eingabe > Gesten > Doppelklick-Zoomen zulassen √
      • Ästheten bemängeln bei Lecture Notes immer das etwas spartanische Aussehen. Agreed. Samsungs SNote macht in der Hinsicht deutlich mehr her.

        snote-vs-lecturenotes
        Let’s face it: SNote IST einfach schöner…

    Wir, die wir uns mit antiker Philosophie beschäftigt haben, wissen allerdings, dass wahre Schönheit im Inneren verborgen liegt, und virtus nicht an einer hübschen, vergänglichen Hülle hängt. Daher wollen wir uns nicht mit Äußerlichkeiten aufhalten. Wer sich allerdings doch noch für ein bisschen App-Kosmetik interessiert, sollte einen Blick auf folgende Option riskieren: Einstellungen > Anzeige > Ausrichtung und Erscheinungsbild > Erscheinungsbild Notizbuchregal > Normal . Hier lässt sich unter “Notizbuch-Umschlag” die Alternative “Erste Seite anzeigen” wählen. Importiert man dann auf Seite 1 ein Bild, wird dies als Umschlag angezeigt.
    skitch

    • Ganz besonders praktisch auch die Löschfunktion, die man sich mit einer entsprechenden Voreinstellung auf die Finger “umlegen” kann. Wer mit einem Stylus-Tablet arbeitet, hat den Vorteil, dass Lecture Notes zwischen Stift- und Fingerbedienung unterscheiden kann. Streicht man mit letzterem über den Bildschirm, wird der Eintrag an der entsprechenden Stelle gelöscht. Die Einstellung dazu findet ihr hier:

    Screenshots_2013-12-14-19-14-53
    Wenn ihr Lecture Notes nutzt und selber ein paar pfiffige Tricks drauf habt, würde ich mich freuen, davon in den Kommentaren zu hören.

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    5
  • Alltag,  Prüfungen,  Unterricht

    Oh du schöne Bildungslandschaft

    avat_traurigTja, so wie es aussieht, werde ich meine Vorsätze dieses Jahr in Rekordzeit über den Haufen geworfen haben. Wie war das nochmal mit dem “Zeit für mich”? Im Moment ist es einfach nicht möglich. Im Moment prasselt die Arbeit auf mich ein, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Ein Glück, dass ich mir in solch wilden Zeiten angewöhnt habe, eine Checkliste anzulegen und die Aufgaben nach getaner Arbeit abzuhaken. Wie befreiend das ist, den daily chores auf diese Weise einen Tritt in den Allerwertesten zu verpassen! Für den Verlauf eines Tages steht zum Beispiel folgendes Geschmier an.

    Bild

    Wohlgemerkt: das ist das Pensum für einen regulären Tag. Morgen ist die Liste ähnlich voll. Und nächste Woche auch und… ach… ihr wisst ja wies weitergeht. Im Moment kommen für uns bayerische Lehrer ein paar besondere Belastungen oben drauf. Das berüchtigte Probe-Abi zum Beispiel. Denn von heute auf morgen kam die Meldung reingeschneit, dass die Schüler selbst bestimmen können, ob sie die Leistungen im Probe-Abi als großen, kleinen Leistungsnachweis oder überhaupt nicht zählen lassen wollen. Ein Begründung wurde uns nicht gegeben. Zumindest nicht offiziell. Aber ausschlaggebend war wohl das schlechte Ergebnis der Mathematik-Klausur. Wieso das jetzt auf ALLE Probe-Abis ausgeweitet wurde, darüber kann man Theorien aufstellen, für die mein Kopf im Moment keine Zeit hat. Ärgerlich ist es alle mal. Für die Lehrer, die (vor allem in Deutsch) bis zu 30 Stunden an einem Kurssatz Schülerarbeiten saßen, den sie jetzt getrost in die Tonne kloppen können. 30 Stunden für die Katz. Das sind fast vier komplette Arbeitstage, die auf einmal keine Sau interessieren. Ich hatte mit Englisch nochmal Glück im Unglück, weil die Klausur bei mir recht gut ausgefallen ist. Dennoch durfte ich heute jeden einzelnen Schüler im Kurs fragen, ob er seine Probe-Klasusur doppelt, einfach oder gar nicht zählen lassen wollte. Das heißt natürlich auch, dass ich die Noten in meinem Notenprogramm umgewichten muss. Und zwar händisch. Also alles großer Käse, der mitten im Schuljahr einfach zusätzlich aufhält.
    Daneben noch die ganzen Negativ-Schlagzeilen über die katastrophale Einstellungssituation unserer Referendare. Zahlreiche Lehrkräfte mit Traumnoten bekommen keinen Job und wandern uns in andere Bundesländer ab. Leute mit einem Premium-Examen, die der Staat über zwei Jahre ausgebildet hat, und jetzt ziehen lassen muss. Leute, die das bayerische Bildungssystem über zwei Jahre Referendariat kennengelernt und inhaliert haben. Sie haben fachliche wie auch systemische Expertise. Und doch: Wir verlieren sie. An die Bundesländer, die händeringend nach Lehrernachwuchs suchen. An die freie Wirtschaft. An die Arbeitslosigkeit. Und das, nachdem sie sich an ihren Seminar- und Einsatzschulen den Allerwertesten aufgerissen haben. Ich kenne keinen Referendar, der in den letzten Jahren nicht unter 17 Unterrichtsstunden leisten musste (11-12 sind eigentlich die Regel, aber man kann die Anzahl um maximal 5 zusätzliche Stunden erhöhen). Kein Wunder, dass sie sich ausgenutzt fühlen. Selbst Kollegen mit einem Glanz-Examen im sehr guten Bereich – und jeder, der sich über Jahre durch zwei Examina gequält hat weiß, was das für eine Wahnsinnsleistung ist – stehen mit langen Gesichtszügen da. Die Lehrerverbände laufen Sturm, die enttäuschten Junglehrer organisieren spontan einen Flashmob am Marienplatz in München, nur wenige Meter weg vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus:

    Dieses Video auf YouTube ansehen.
    Die Verbindung zu YouTube wird erst bei einem Klick auf den Screenshot hergestellt.

    Bringen wird der Protest von allen Seiten wenig. Mehr als darauf hinweisen, dass die Einstiegschancen in den Staatsdienst schon seit Jahren immer geringer werden und dieses Problem jedem bekannt sein dürfte, wird offiziell nicht passieren. Stattdessen zerfleischt man sich innerparteilich gegenseitig* und bietet der Öffentlichkeit unschöne Einblicke, die den Eindruck vermitteln, als wisse man selbst an der Spitze nicht, was zu tun ist. Schade. Stattdessen werden die immer noch vorhandenen Löcher in den Stundenplänen mit Einsatzreferendaren oder Aushilfen gestopft, die nach einem (oder gar halben Jahr) wieder weg sind. Ich merke zunehmend, wie Klassen (vor allem in der Mittelstufe) bei den ständigen Lehrerwechseln die Referendare mittlerweile als lückenfüllende Notlösung ansehen, die man auch entsprechend behandeln darf. Ich hatte vor Kurzem mit einer meiner Klassen einen heftigen Disput, die die neue Deutschreferendarin allen Ernstes mit dem Satz “Oh, Frischfleisch” begrüßt haben (in derselben Stunde fragte man sie übrigens auch nach ihrer Körbchengröße). Eine absolute Unverschämtheit. Aber irgendwo auch verständlich, wenn die Klasse in Deutsch seit zwei Jahren jedes Mal nach sechs Monaten wieder jemand Neuen bekommt, der am Ende des Schuljahres wie ein Wanderlehrling zur nächsten Schule pilgern muss. Dass sich so ein ständiges Klinke-in-die-Hand-Drücken auf Dauer auch auf die Qualität des Unterrichts und die Lern(-un-)lust der Schüler auswirkt, muss man wohl keinem erklären.
    Bottom Line: Im Moment fühlt man sich wie ein Packesel, der stoisch einiges ertragen muss.
    Müde Grüße!
    Für Außenstehende hier eine Zusammenfassung vom Bayerischen Rundfunk

    *man beachte den Grund: Es geht hier nicht um das Problem des Arbeitslosigkeit der Junglehrer oder die zufriedenstellende Versorgung der Schulen mit genügen Lehrkräften – sondern lediglich um die Korrektur von Zahlen.

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    0
  • Technik,  Unterricht

    Apps im Unterricht (Folge 5) Wortschatzarbeit mit Office Suite

    avat_schielen_technikDas Wörterlernen gehört in modernen wie alten Sprachen nach wie vor zur wohl trockensten und damit mühsamsten  Angelegenheit im Sprachenunterricht. Hier hilft kein pädagogisches Drumherum, kein Heulen und Klagen. Wörter muss man einfach lernen. Und dafür muss man sich einfach hinsetzen und was tun.  Ich kenne das noch aus meiner eigenen Schülerzeit, wo wir noch, um die Gedächtnisleistung zu trainieren, nicht nur alle Bedeutungen der Lektionsvokabeln kennen mussten, sondern auch gezwungen waren, sie in der richtigen Reihenfolge aufzusagen. Und keiner hat sich drüber beschwert! Das war halt so. Heute geht man ein bisschen anders an die Sache heran. Semantisierung lautet das Zauberwort und will sagen, dass die Vokabelliste im Unterricht für die Schüler etwas aufbereitet werden soll, indem man sie in eine kleine Geschichte einbaut, aus dessen Zusammenhang sich die Schüler die Bedeutung selber erschließen können. So sind sie von Anfang an schon in die Wortschatzarbeit aktiv miteinbezogen.
    In meinen Stunden greife ich aus diesem Grund zu eigens erstellten Wortschatzfolien. Die neuen Wörter sind mit kleinen Abbildungen verquickt, die in irgendeiner Weise das derzeit behandelte Thema aufgreifen, sodass die Schüler von Anfang an das Gefühl haben, mit ihrem aktuellen Wissen die neuen Wörter herauszufinden.  Seit Neuestem behelfe ich mir allerdings mit einem Kniff, der vor meiner Digitalisierung undenkbar gewesen wäre und die Schüler noch zu viel mehr Aktivität antreibt: Dem spontanen Verändern der Wortschatzfolien mithilfe einer Office App. Ich habe mich persönlich für die Office Suite entschieden. Einmal, weil sie recht umfangreich ist und – allerdings erst seit kurzem! – Formen wie Linien, Kreise etc. beherrscht. Zum anderen haben wir es hier mit der einzigen App zu tun, die nahtlos mit Evernote zusammenarbeitet. Das heißt, die DOC-Dateien meiner Wortschatzfolien können problemlos aus Evernote geöffnet, verändert und mit Veränderungen abgspeichert werden, vorausgesetzt, man will das so.
    Anstatt nun eine statische Folienversion meiner DOC-Dateien auf den OHP aufzulegen, öffne ich das Dokument und beginne, in Zusammenarbeit mit den Schülern, die Wörter und Bedeutungen an die entsprechende Abbildung in der Wortschatzfolie zu schieben. Dadurch sind sie viel mehr gefordert. Denn es reicht nicht nur, die vom Lehrer vorgetragene Bedeutung aufzuschreiben und zu lernen. Erst einmal muss man sich aus einer Gruppe von bis dato ungekannten anderen Vokabeln die richtige herausklauben. Wenn man auf diese Weise fertig ist, kann man gleich einen ersten Test machen, indem man die Folie erneut aufmacht (wobei die ursprünglichen Änderungen – das heißt die veränderten Positionen der Textfelder – verloren gehen) und die Vokabeln erneut zuordnen lässt. Nämlich dieses Mal durch die Schüler.

    skitch
    Einen weiteren Vorteil habe ich jüngst entdeckt: Die einzelnen Abbildungen lassen sich – ähnlich wie bei einem OHP – prima nutzen, um gewisse dynamische Vorgänge darzustellen. Wenn ich beispielsweise das Verb to walk darstellen möchte, lasse ich einen Charakter gemütlich über das Dokument wandern. Soll dasselbe Figürchen genutzt werden, um to run zu verdeutlichen, schiebe ich das Bildchen der Figur entsprechend schneller über den Schirm. Vokabelarbeit wird auf diese Weise deutlich dynamischer und das ohne Zusatzaufwand. Denn die Vokabelfolien muss ich in keiner Weise verändern. Anstatt sie auszudrucken, werden sie einfach über Office Suite geöffnet und verändert. So einfach ist das. A propos einfach: Wer es mal in bewegter Form erleben möchte, dem empfehle ich einen Blick in mein zugegebenermaßen simpel gehaltenes Video. Für die schlechte Bildqualität bitte ich um Verständnis. Ohne Screening-App tut man sich beim Abfilmen des Monitors etwas schwer. Aber der Grundgedanke ist wohl zu verstehen.

    Dieses Video auf YouTube ansehen.
    Die Verbindung zu YouTube wird erst bei einem Klick auf den Screenshot hergestellt.

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    0
  • Allgemeines,  Uncategorized

    Vorsätze

    avatarOk, ich fass mich kurz. Denn “Guten-Rutsch!”-Nachrichten habt ihr heute garantiert schon vierhundertdreiundvierzig Mal gelesen. Also spar ich’s mir in eurem eigenen Interesse. Das meiste ist ohnehin schon gesagt worden. Bedankt – hab ich mich gerade erst vor einer Woche. Eine Retrospektive – gab’s bei mir am Ende des Schuljahres. Und wozu wiederholen? Die Lehrer unter euch würden ohnehin “redundant” an den Rand schreiben und einen bösen Kommentar gleich dazu. Deswegen schauen wir doch lieber in die Zukunft. Was wir im nächsten Jahr anders machen wollen. Das “Wir” ist ganz bewusst gewählt, weil ich gerne auch was von euren Vorsätzen hören möchte – nämlich in den Kommentaren. Ich fang mal an: Meine Vorsätze für 2014:

    1. Ich will mehr Sport treiben.Der alljährliche, unumgängliche Klassiker auf jeder Silvester-Party. Früher hab ich immer mit den Augen gerollt, wenn das in die Runde geworfen wurde. Aber mittlerweile merk ich es selber, dass man jenseits der 30 körperlich einfach anders drauf ist als mit 18. Das merk ich an ganz banalen Dingen. Bei Videospielen zum Beispiel. Die Spiele, die ich anno 1993 noch gefrühstückt hätte, treiben mich heute in den Wahnsinn. Die Reflexe sind einfach nicht mehr dieselben. Ebenso ist es beim Sport. Früher hatte zweimal Sport in der Woche gereicht, um gegen die Birnenkörperform anzukämpfen. Jetzt reicht das nicht mehr. Ich bin in diesem Jahr mehr Leuten in die Seite gekniffen worden als mir lieb ist. Hört auf, mein Körperfett zu befummeln! Es ist vorhanden, verdammich! Ich weiß es, ihr wisst es, und die Waage weiß es auch! Also wird meine sportliche Betätigung erhöht werden (müssen). Mehr Ausdauer, weniger Gewichte. Wär doch gelacht. Wer sonst soll denn mens sana in corpore sano besser verkörpern als ein Altphilologe selbst?
    2. Ich will gelassener werden. Es gibt auch heute noch Momente, da steigt mir der Schulbetrieb zu Kopf. Teilweise ist das wirklich selbstverschuldet, weil man’s jedem recht machen will. Zum Beispiel der Fachschaft. Meine Korrekturen sind dort sehr beliebt, da sie beinahe fehlerlos sind. Das kommt allerdings auch daher, weil ich mir im Referendariat angewöhnt habe, jede Schulaufgabe zweimal durchzukorrigieren. Und zwar komplett. Vor allem bei Oberstufenschulaufgaben ein ziemlicher Zeitaufwand, der mir echt viel Zeit frisst. So ca. 5-6 Stunden zusätzlich. Da würde mich die Meinung der alten Hasen im Beruf interessieren. Wie haltet ihr das?
    3. Ich will mehr Zeit für mich/uns. Ist mit Punkt 2 direkt verknüpft. Auch wenn ich schon ein paar Jahre in dem Job bin, geht bei mir vor halb neun selten das Licht am Schreibtisch aus. Ich werd mir mal ganz genau ansehen, was bei mir am meisten Zeit schluckt und da etwas wirkend eingreifen müssen. 13 Stunden Schule am Tag müssen echt nicht sein.
    4. Ich möchte noch mehr von euch lernen. … weil ich dank euch viele neue Schritte im Unterricht gewagt habe, die sich allesamt positiv ausgewirkt haben. Wer meint, Latein in der Oberstufe sei eine trockene Angelegenheit, darf gerne mal vorbeikommen… Die Arbeit mit Tablet am Beamer ist einfach wunderbar. Und dank S-Pen gehen Satzanalysen in Windeseile von der Hand, Kunstwerke können dank Zoomen und Pinchen in Windeseile herein- und rausgezoomt werden. Videos sind blitzschnell in den Unterricht integriert, und Wortschatz und Grammatikphänomene lassen sich im Handumdrehen und ohne Erstellen von Folien für den OHP in Lecture Notes darstellen.

    So, das sei’s von meiner Seite gewesen. Mehr Vorsätze erhöhen nur die Wahrscheinlichkeit, sie nicht einzuhalten. Jetzt seid ihr dran 🙂 Eure Vorsätze für 2014?

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    0
  • Allgemeines,  Buch

    Lehrer aller Länder – Entschleunigt Euch!

    avat_traurig“Die Kinder von heute haben eine kaum vorhandene Aufmerksamkeitsspanne!”, lese ich in einem Online-Pamphlet, wie es wöchentlich durch das Netz geistert. Eigentlich nichts Weltbewegendes. Man kennt die Masche: Beim Thema ¨Bildung¨ und ¨Lernen¨ werden die einzelnen Parteien in regelmäßigem Turnus abgewatscht. Mal sind’s die Lehrer, mal die Eltern, mal die Schulen, mal die Methoden. Und dieses Mal der Nachwuchs selbst. ¨Bildung¨ ist bei uns mittlerweile ein Stammtisch-Thema geworden, zu dem jeder eine Meinung hat bzw. zu haben glaubt. Immerhin saß jeder Mal in einem Klassenzimmer, was ihn ja zu einem Experten schlechthin macht. Deswegen sehe ich mich auch in der Position, den Ärzten in ihren Beruf reinzureden, immerhin lasse ich einmal im Jahr vor dem meinigen die Hüllen fallen und weiß daher ganz genau, wie der Beruf so funktioniert (irony intended).
    Aber irgendwo ist an dem Vorwurf  was dran. Wie sehr wurde uns im Referendariat gepredigt, in einer Stunde möglichst viele Methodenwechsel und Veränderungen in den Arbeitsformen durchzuführen, um die Aufmerksamkeit der Kinder nicht zu verlieren. S-L-Gespräch, Schülervortrag, Einzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenarbeit, LdL, um nur ein paar zu nennen. Was haben wir damals gewitzelt, wie die Schüler einmal leiden würden, wenn sie erst einmal an der Uni sind, an denen den meisten Dozenten dieser Methodenzirkus völlig egal ist. Die auch einmal 90 Minuten ungebremst über die südhumbrische Verdumpfung parlieren – ganz ohne Einstieg, Rollenspiel oder die berüchtigten Handpuppen. Jaha, gewitzelt haben wir, ohne zu merken, dass wir mittlerweile genauso geworden sind wie unsere Schützlinge. Mit Schrecken hab ich gemerkt, dass sich durch den Umgang mit neuen Medien und dem Web 2.0 viele Abläufe meines Tages grundlegend verändert haben. Vorgänge, die von mir absolute Passivität erfordern, sind mir mittlerweile wirklich ein Graus und werden nach spätestens drei Minuten durch irgendeine Nebentätigkeit “sinnvoll” ergänzt. 90 Minuten Fernsehen? Keine Chance, nach spätestens drei Minuten hab ich das Tablet vor mir und schau bei Twitter vorbei. Ganz bewusst Musik hören? Ne, nach zwei Minuten lege ich nebenher Wäsche zusammen. Einfach mal auf den Bus warten und dabei die Sonnenstrahlen genießen? Klar kann ich, aber erst, nachdem ich nebenher auf dem Smartphone die Nachrichten gecheckt hab. Vielleicht ist ja seit den Minuten, die ich das letzte Mal drauf geschaut habe, was Neues passiert.
    Sowas schockiert mich. Ich bin es nicht mehr gewohnt, einfach mal alles sein zu lassen. Den Augenblick um seiner selbst Willen zu genießen. Ob das an dem Beruf liegt, der von einem permanentes Multitasking erfordert, oder den ungekannten Möglichkeiten der ständigen Vernetzung und Erreichbarkeit, kann ich nicht sagen. Aber dieser permanente Drang, sich mit etwas aktiv zu beschäftigen, muss auch mal Pause machen. ICH muss auch mal Pause machen. Daher hab ich mir letzte Woche, als es am Wochenende mal wieder richtig kalt war, einfach mal eins gemacht: Nichts. Kein PC, kein Tablet, kein Smartphone. Stattdessen völlig old school: Eine Kanne Tee, ein gutes Buch und eine schöne Decke  zum Einmummeln. Es war fantastisch! Und auch wieder bestürzend, dass ich Dinge wie Muße tatsächlich wieder erlernen muss. Die Langsamkeit neu entdecken. Und ich bin hier bestimmt nicht der einzige, dem es so ergeht. Denkt mal drüber nach. Vielleicht in den Weihnachtsferien, die uns hoffentlich allen den Akku neu aufladen.

    SAMSUNG DIGITAL CAMERA
    Ein kleines Stückchen Glück
    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    0
  • Technik,  Unterricht

    Apps im Unterricht (Folge 4): Unlimited Soundboards

    avat_schielen_technikAls Kind der 80er Jahre hat man völlig andere Medien lieb gewonnen als es die heutige Generation tut. Während man 2013 alles götzenartig verehrt, was einen angefutterten Apfel auf seiner Rückseite trägt, waren anno 1984 derartige Geräte noch fernste Zukunftsmusik. Fernseher gab es nur im Wohnzimmer, Computer waren erst Jahre später salonfähig (bei mir erst am 1995). So musste sich der Mini-Mess damit begnügen, was ihm Nikolaus, Osterhase, Christkind oder einfach Eltern ins Kinderzimmer stellten. Zum Beispiel einen Kassettenrekorder.

    SAMSUNG
    Für den Mini-Mess war die Welt noch eine Scheibe. Oder mehrere Kilometer Band aus Ferrit…

    Dieses heute oft als antik angesehenes Stück Technik war für mich als Steppke das Tor zu einer anderen Welt. Nämlich zu der des Hörspiels. So wie viele andere auch bin ich mit dem Hörspiellabel Europa und deren Helden groß geworden. Habe mit den drei ??? gebibbert, Hans Clarin in der Rolle des Hui Buh gelauscht und mich in der Grusel-Serie aufgrund von Mörder-Mumien, Horror-Ameisen und Dracula vs. Frankenstein-Spin-Offs zu Tode erschreckt. Diese Faszination des Akustischen wollte ich schon lange mal in den Unterricht tragen.  Hätte ich gewusst, wie einfach das technisch umsetzbar ist, hätte ich es schon bedeutend früher getan.
    Wenn es um Apps zum Abspielen von Sounds geht, wird der Suchende sowohl in iOS-Welten als auch der Android-Galaxie sofort fündig. In den entsprechenden Stores tummeln sich Tausende von Apps, die auf das Abspielen von Geräuschen programmiert sind – nur leider sind diese Geräusche statisch vorprogrammiert. Apps, die man selber mit Geräuschen füttern kann, sind schon etwas schwieriger zu finden – vor allem, wenn man mehrere Sounds gleichzeitig abspielen möchte, wozu es ja recht schnell kommen kann. Und so stieß ich auf eine schlichte App namens ¨ Unlimited Soundboards¨, die alles beinhaltet, was ich brauche. Klar, dass Design ist spröde und uninspiriert, aber wozu Wert auf Optik legen, wenn die Schüler das gute Stück lediglich in Aktion hören sollen. Die Handhabung der App ist supersimpel: Über eine schlichte Pfad-Navigation importiert man seine Sounds als MP3 oder WAV auf sein Tablet, versieht sie mit einem Namen… und das war’s auch schon.

    Screenshots_2013-11-18-20-40-32
    Ich sagte es ja: Handhabung supersimpel

    Sobald nun der Name des entsprechenden Sounds angetippt wird, geht das Klassenhörspiel los – und bewirkt wahre Wunder. Ein paar Aktivitäten klappten bislang besonders gut:
    Rollenspiele: In modernen Fremdsprachen der Klassiker, wenn es um Schulung von kommunikativen Fähigkeiten geht. Wer aber mal in einer mündlichen Schulaufgabe saß und stundenlang denselben drögen, uninspirierten Dialogen gelauscht hat, ist froh, wenn diese Arbeitsform etwas aufgefrischt wird. Mit einer entsprechenden Soundkulisse waren die Kinder sofort viel eifriger bei der Sache. Allein schon ein bisschen Vogelgezwitscher und Schrittgeräusche reichen aus, um ein Rollenspiel, das in den Wäldern vor Seattle spielt, zu beleben. Ein weiterer Vorteil: Während in traditionellen Rollenspielen der Ablauf ja durch Rollenspielkärtchen vorgegeben ist, kann man mithilfe von Unlimited Soundboards jederzeit einen unerwarteten Soundeffekt einspielen und die Schüler spontan darauf reagieren lassen. So kann man mit einem einzigen Touch im besagten Waldspaziergang einen Bär, einen Polizeiwagen mit Sirene oder ein Raumschiff auftauchen lassen – das ist nicht nur für die spielenden Schüler eine prima Abwechslung, sondern auch für das Publikum, das gespannt auf den Storytwist wartet.

    Whodunnit: Ein kleines Spiel, mit dem ich in den unteren Klassen Fragen üben und die Kinder an einer Kriminalstory teilhaben lasse. Die Kleinen müssen mit geschlossenen Augen in der Klasse sitzen, während ich in der Zwischenzeit einen Schüler ans Pult bitte, der mithilfe der Klassenliste einen “Mörder” auswählen wird. Um den “Mord” zu vertonen, darf er nun Soundeffekte in Unlimited Soundboards anwählen, z.B. Schritte, gefolgt von knarrenden Türen, auf die dann ein Revolverschuss, ein Schwerthieb oder – für die Hartgesottenen – eine Kettensäge folgt. Die Schüler hören dieses ¨Mordhörspiel¨ über die Beamerlautsprecher, und müssen nach dem Öffnen der Augen nun durch Fragen an den Schüler am Tablet herausfinden, wer für den Mord verantwortlich ist. ¨Has he got brown hair?¨, ¨Has he got glasses?¨ ¨Has he got a white shirt?¨ ¨ Is he twelve years old?¨ – Auf diese Weise engt sich von Frage zu Frage der Täterkreis ein, bis am Ende klar ist, wer’s war. Diese Aktivität lässt sich über mehrere Runden beliebig fortsetzen – und die Kleinen lieben es! Die letzte Doppelstunde ging fast komplett für die virtuelle Hasch-Mich-Jagd drauf. Damit hätte ich nie gerechnet.

    Soundteppiche: Letztendlich nichts anderes als eine akustische Variante eines Einstiegsbildes – nur mit einem entscheidenden Vorteil: Ohne visuelle Reize sind die Schüler angehalten, genau zuzuhören. Perfekt, um wuslige Klassen zu Beginn einer Stunde ruhig werden zu lassen. An die gehörten Geräusche lassen sich dann oft neue Arbeitsaufträge knüpfen: Was war das für ein Geräusch? Wo kennt man es her?  Wann hört man es? Erfinde eine Geschichte, in der die gehörten Klänge vorkommen… Da lässt sich einiges machen. Und für viele Kinder ist es eine wirklich neue Erfahrung, einfach mal nur mit geschlossenen Augen dazusitzen und zu lauschen. Entspannung pur 🙂
    Ich werde mit Unlimited Soundboards bestimmt noch etwas weiterarbeiten. Sollten mir noch ein paar Audio-Aktivitäten einfallen, werde ich’s hier auf die Menschheit loslassen. Also aufgemerkt und… was sonst: Ohren spitzen!

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    0
  • Uncategorized

    Mehr Bildung auf den/-m Tisch!

    avat_schielen_technikAch, irgendwie merkt man, dass meine Wirkungsstätte von humanistischer Bildung gesegnet ist. Man sieht’s an der Büstengalerie unserer Schule, wo uns Plato, Aristoteles und Cicero tagtäglich argwöhnisch begutachten. Oder an den lateinischen Sprüchen am Schulgebäude. Oder an den Schiefertafeln, die mit Ausdrücken wie φύσις, λόγος oder dem Άνθρωπος πολύτρoπoς
     noch von den Ergebnissen der letzten Griechischstunde künden. Aber man merkt es auch an unserem Schulmobiliar, das – wie ja bekannt ist – mindestens ebenso antik ist. Anders ist es nicht zu erklären, dass ich auf einem ganz besonderen Exemplar folgende altbekannte Verse ausfindig machen konnte:

    cruor

    Na, wer erkennt’s?

    Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
    0