Laut Waage circa 1468 Gramm. đ Ein riesiges Konvolut an BlĂ€ttern, Bögen, Geheften und Papieren ziert seit letzten Freitag den Schreibtisch und harrt gespannt seiner Endkorrektur. Aber das tue auch ich. Denn nach zwei Jahren Zusammenarbeit wartet man gespannt, was der Kurs am Ende zustande bringt. Aktuell sieht es ganz gut aus.
Schöne Aufgaben
Das liegt zum einen Mal an den Aufgaben: Keiner der Texte war ĂŒbermĂ€Ăig abgefahren oder schwer. Der eine oder andere Cartoon zur Interpretation war eventuell etwas diffiziler zu beschreiben, aber das groĂe Schockerlebnis blieb aus. Mit Themen wie der Geschichte von Wikipedia oder digitalen Medien war man gut am Puls der Zeit, der literarische Text bot mit Fragen zur Charakterisierung und ErzĂ€hlperspektiven den ĂŒblichen Standard, auf den man den Kurs ĂŒber Monate zielgenau vorbereitet hat. Ganz interessant fand ich, dass den PrĂŒflingen durch die Bank gewisse Details im Text völlig neu waren. Niemand – absolut niemand – konnte mit einem Namen die Douglas Adams etwas anfangen. Sein Hitchhiker’s Guide to the Galaxy wurde mehrere Male als a book called bezeichnet, als sei es ein gĂ€nzlich beliebiger Titel. Auch die Fuggerei ist den meisten schlichtweg unbekannt. Einige sahen den Begriff als architektonischen Stil fĂŒr GebĂ€ude an, den man im Augsburger Stadtbild ĂŒberall findet. Umspielt wurden solche WissenslĂŒcken durch die Bank von allen recht charmant. Aber komplett verbergen lieĂen sie sich nicht. Gut ausfallen werden die Arbeiten dennoch – auch wegen der BewertungsmaĂstĂ€be.
Fluffige Bewertungen
Die einzelnen Teile der PrĂŒfung sind gefĂŒhlt etwas zu wohlwollend gewertet. Alleine die Listening Comprehension macht mit gerade mal 30 Minuten Bearbeitungszeit nicht mal 10% der insgesamt 315 Minuten PrĂŒfungszeit (!!!) aus. Gewichtet wird sie allerdings mit 20%. Wer dort die komplette Punktzahl erreicht hĂ€tte und im Anschluss nach Hause gegangen wĂ€re, hĂ€tte drei Punkte (Note 5+) erreicht, ohne auch nur einen englischen Satz zu geschrieben zu haben. Der Erwartungshorizont der einzelnen Aufgaben ist sehr umfangreich und vergibt selbst fĂŒr kleine Details wohlwollend Bewertungseinheiten. Alleine in der literarischen Charakterisierungsaufgabe werden zahlreiche Aspekte gewertet, die ich in einer Schulaufgabe als nice to have angesehen hĂ€tte, aber nicht groĂ gezĂ€hlt hĂ€tte. Der Hauptcharakter ist Afro-American? Punkt. Er studiert Kunst? Punkt. Er kommt aus Atlanta? Und noch ein Punkt. Ich weiĂ, das gehört zu einer Charakterisierung dazu, aber das wĂ€re in einer Schulaufgabe bei mir perfektes FĂŒllmaterial fĂŒr eine Einleitung gewesen. Mehr aber auch nicht. Aber ich will ja keinem die Punkte abstrittig machen und halte mich brav an die Vorgaben, sodass aus der Aufgabe jeder mit guten Inhaltsnoten rausmarschiert.
Aber selbst KomplettausfĂ€lle bei einzelnen Aufgaben im schriftlichen Teil wĂ€ren durch die Bewertung gut abgefedert. Eine Themaverfehlung in einer der vier Aufgaben wiegt bei weitem nicht so schwer, wie in einer regulĂ€ren Schulaufgabe. In einem Englischabitur wirklich abzuschmieren ist echt schwer möglich – was ich natĂŒrlich niemandem wĂŒnschen möchte. Ich bewerte inhaltlich nach den MaĂstĂ€ben, die der Erwartungshorizont stellt, und sprachlich nach den meinigen. Aber man fragt sich schon, wie aussagekrĂ€ftig am Ende so eine Zensur ist, die auf dem Englischabitur steht.
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Tief im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben schlummert die kleine Stadt Dillingen. Direkt an der Donau gelegen, erhebt sich die pittoreske Altstadt mit ihren historischen GebĂ€ude. Und mittendrin: die berĂŒhmte Akademie fĂŒr Lehrerfortbildung und PersonalfĂŒhrung, die jedem Lehrenden in Bayern ein Begriff sein dĂŒrfte. Besucht haben sie aber die wenigsten – zumindest in den letzten Monaten wegen Corona. Seit kurzem hat sie wieder ihre Pforten fĂŒr LehrkrĂ€fte geöffnet. Unter anderem auch fĂŒr mich.
The Hogwarts of Teaching: Die Akademie in Dillingen
Ende April fĂŒhrte mich mein Weg fĂŒr ein paar Tage im Zuge eines ISB-Arbeitskreises zum ersten Mal an die Akademie. Sie wirkt fast wie ein kleines Mini-Hogwarts mit ihren historischen Hallen, die ursprĂŒnglich einer Jesuiten-UniversitĂ€t angehörten, und den liebevoll gepflegten Innenhof anlagen, in denen Ende April ĂŒberall Narzissen blĂŒhen. Im Inneren erheben sich meterhohe Hallen, die Interessierten den Weg in die entlegensten Ecken fĂŒhren. Völlig unvermittelt steht man plötzlich in einer wunderschönen Kapelle oder steckt seinen Kopf in einen barocken Bibliothekssaal. Ăber die GĂ€nge huschen immer wieder berĂŒhmte Gesichter aus dem Twitterlehrerzimmer ĂŒber den Weg, die hier ihren Sitz haben. Da kommt Mrs Green aus der TĂŒr, Christian Mayr erscheint, um uns zu begrĂŒĂen – und drauĂen im Garten flaniert Sebastian Schmidt auf dem Weg zum nĂ€chsten Workshop. Das alles fĂŒhlt sich wohlig warm und vertraut an – und inspirierend.
Die Arbeitsphasen hier sind sehr intensiv, aber unglaublich bereichernd. Hier arbeiten Leute zusammen, die einfach Bock haben etwas auf die Beine zu stellen und die Dinge voranzutreiben. Und so wird in den nĂ€chsten Tagen so einiges geleistet: Man berĂ€t, konferiert, kreiert, kollaboriert, gibt Feedback, arbeitet kollaborativ an Verbesserungen; teilweise auch in Hybridsitzungen, in denen man abwesende Mitglieder einfach per Vis-a-vid zuschaltet – und abends haut man sich die Wampe in einem hervorragenden indischen Restaurant direkt gegenĂŒber voll đ Klingt toll? Ist es auch!
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Die Osterferien gehen zu Ende – und mit ihnen eine mehr als zweijĂ€hrige (!) Zeit in der Schule, die Ă€uĂerlich von Corona geprĂ€gt ist: Nachdem vor den Ferien die Maskenpflicht groĂflĂ€chig aufgehoben wurde, endet nach der nĂ€chsten Woche nun als NĂ€chstes die regulĂ€re Testpflicht im Unterricht. Wer dann infiziert im Klassenzimmer sitzt, lĂ€sst sich nicht mehr feststellen. Ob das eine gute Entscheidung war, werden wir in den nĂ€chsten Wochen sehen. Aber in den verschiedenen Kollegien geht man in die nĂ€chste Phase der vorgegaukelten RealitĂ€t mit einem gewissen Magengrummeln. Man erwartet Chaos. Beziehungsweise ich.
Umso wichtiger daher zumindest im heimischen Arbeitszimmer fĂŒr die nĂ€chste Runde fĂŒr etwas Ruhe zu sorgen. Ein FrĂŒhjahrsputz stand auf dem Programm und förderte lang geglaubte SchĂ€tze Plunder ans Tageslicht: Dutzende von gebrannten CDs, Uniunterlagen von lĂ€ngst vergessenen Seminaren, Hunderte von LernkĂ€rtchen aus dem Referendariat, alte Ordner, Bewerbungsmappen, Stifteboxen, ZettelkĂ€sten, Overheadfolien. Und BĂŒcher, BĂŒcher, BĂŒcher.
Goodbye, LernkÀrtchen aus dem Referendariat
Schnell war klar: Das Zeug muss raus. Daher alles rabiat weggeworfen, was veraltet ist. BĂŒcher zu Momox oder – wenn kein Ankauf möglich – zu ebay oder den Kleinanzeigen (bei momox gehen gefĂŒhlt aktuelle Lehrwerke ganz gut. Ausrangierte Ă€ltere Materialien bringen bei eBay was ein, wo Momox gar nicht erst ankauft). Analoge BĂŒroartikel werden ans Kollegium und Sekretariat verschenkt, Elektronik ab auf den Wertstoffhof oder auf Kleinanzeigen. Das Ergebnis ist bereits nach drei Tagen bemerkenswert. Mein BĂŒcherregal ist knapp 9 Kilo leichter (!!!) und von ca 3 Metern alter Literatur befreit, der Schreibtisch kommt ohne einen tatsĂ€chlichen Stift aus. Mein altes Tablet verrichtet nun brav in Freising seinen Dienst. Und Momox bietet mir fĂŒr meinen ausrangierten Lesepark knapp 60âŹ. Ganz ordentlich. Also buchstĂ€blich đ
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Es wird mal wieder ein bisschen Zeit fĂŒr ein bisschen H5P-Zauberei. Allerdings ist es dieses Mal keine fulminante, aufwendige TĂ€uschung, sondern eher eine kleine Trickserei aus dem Standard-Repertoire: Das Single Choice Set gilt als eine der einfachsten Aufgabentypen bei H5P, um zu einer gestellten Frage aus eine Reihe an vorgegebenen Antworten die richtige auszuwĂ€hlen. Gleichzeitig ist es aber einer der meist genutzten H5P-Apps. Denn das Single Choice Set findet sich in einer Reihe von kombinierten AktivitĂ€ten wie der Virtual Tour wieder. Daher schauen wir uns mal ein Single Choice Set genauer an. Folgendes zum Beispiel:
Wie wird’s gemacht?
Wie immer wird das Single Choice Set aus der Liste an verfĂŒgbaren AktivitĂ€ten im H5P-Hub ausgewĂ€hlt. Dort öffnet sich die altbekannte Maske, in der es wie immer ein paar grundlegende Kategorien festzulegen gilt.
Altbekannte bei den Kategorien des Single Choice Set
Unter Titellegt man zunĂ€chst einen aussagekrĂ€ftigen Namen fĂŒr die AktivitĂ€t fest. In der Liste der Fragen werden die Fragen eingestellt, die zu beantworten sind. Eine Frage ist hierbei Minimum, weitere lassen sich problemlos mit dem blauen Button Frage hinzufĂŒgen erstellen. Unter Alternativen trĂ€gt man die möglichen Antworten zu der zu prĂŒfenden Fragestellung ein. Die oberste Option ist hierbei stets die korrekte.
Et voilĂ ! Wir sind fertig. Alles andere ist Kosmetik.
Zusatzoptionen
Unter der GesamtrĂŒckmeldungkann man wie immer Notengrenzen und vorgefertigte Feedbacks einstellen, die den Klassen nach getaner Arbeit angezeigt werden. Die Verhaltenseinstellungeneröffnen einige Optionen, die Auswirkungen auf die AktivitĂ€t wĂ€hrend der DurchfĂŒhrungen haben. Hier lassen sich Wartezeiten zwischen den Antworten ebenso einstellen wie Soundeffekte, die bei (Nicht-)Bestehen der Fragen abgespielt werden oder eine Bestehensgrenze, die fĂŒr den erfolgreichen Abschluss des Fragesets nötig ist.
Klein aber fein: Die Verhaltenseinstellungen.
Wie diese AktivitĂ€t von hier zu den SchĂŒlern kommt, lest ihr hier.
Wenn ihr weitere Ideen fĂŒr die AktivitĂ€t habt, schreibt mir in den Kommentaren.
Und schon gehtâs weiter mit AktivitĂ€t 19.
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Die letzte Woche vor den Ferien startete mit einer altbekannten Neuerung, die schon in der Vergangenheit immer wieder rĂŒckgĂ€ngig gemacht wurde: Erneut war es den Klassen gestattet, die Maske im Unterricht abzunehmen. Eine Woche vor den Osterferien. Inmitten von Regionen, in denen die Inzidenz bei knapp 2000 liegt. Bei befreundeten Kollegen in Rosenheim kommt da sogar eine Tausenderschippe drauf. Wie sich das rĂ€chen wird, werden wir erst nach den Ferien erfahren. Aber ein Blick nach Ăsterreich offenbart uns ein mögliches Szenario.
Die Anzahl an Kindern, die ihre Masken dennoch oben lassen, ist bei uns an der Schule erfreulich hoch. Ab der Mittelstufe ist fast ausnahmslos jeder mit einem modischen Mund-Nasenschutz bekleidet. Anders als in den örtlichen Fitnessstudios, wo man nun FFP2-unbekleidet schwitzt und Ă€chzt. So kurz vor den Ferien definitiv ein Grund, zum Sporteln vielleicht doch wieder nach drauĂen zu gehen.
Passt ja ganz gut, immerhin steht der FrĂŒhling ja erneut vor der TĂŒr. Am besten nochmal Sonne und Energie tanken, bevor es anschlieĂend ins Schuljahresfinale und das Abitor geht. Dann auch komplett ohne Testungen. Was mit den ganzen Test-Kits passiert, die bei uns zu tausenden in Kisten verpackt sind, oder mit den Pool-Tests, fĂŒr die angeblich bindende VertrĂ€ge mit den Laboren abgeschlossen wurden, schauen wir mal. Es bleibt spannend. Aber jetzt erstmal entspannen. Osterferien sind. Und die werde ich sicher brauchen.
Zum Beispiel zum Nachlesen in den Blogs und von den neuesten ZerwĂŒrfnissen im Twitterlehrerzimmer, die an mir mal wieder komplett vorĂŒbergezogen sind. Dass es dort immer wieder zu GrabenkĂ€mpfen derartiger SchĂ€rfe kommt, finde ich schade. Vor allem vor dem Hintergrund, dass wir als LehrkrĂ€fte eigentlich mit dem De-Eskalieren von Konflikten schon eine entsprechende Erfahrung haben sollten. FĂŒr einige ist die digitale PrĂ€senz doch dann schon ein StĂŒck Egotour. Schade.
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Triff mich, wie ich diese Woche meine 8. Klasse beim Quieken messe. Wir haben nĂ€mlich nach unserer Flauschaktion ein groĂes Problem, das akuten Handlungsbedarf erfordert: Welches der Tierbabys ist das flauschigste? Um diese existentiellen Frage auf den Grund zu gehen, lasse ich kĂŒnftig bei jeder Einstiegssequenz eine App laufen, die die akustische Gunstbezeugung der Klasse in Dezibel misst. Das Tier, das am meisten quiekende Zustimmung in Form von “Ahhs” oder “Ooohs” erhĂ€lt, gewinnt. Wer wird der Sieger dieses weltbewegenden Ereignisses sein? Sind es die KĂ€tzchen? Die Dackelwelpen? Die Chinchillas? Oder das Axolotl? Bleiben Sie dran! Es wird spannend!
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Die achte Klasse hat genug von schlechten Nachrichten: Die Corona-Zahlen explodieren, tĂ€glich sind neue Freunde in QuarantĂ€ne, KlassenlehrkrĂ€fte infiziert, der Stundenplan durch die stĂ€ndigen Krankmeldungen ein einziger Flickenteppich. Dazu der Krieg, die Disinformation, die alptraumhaften Bilder in Nachrichten und sozialen Medien, die die Kriegsgreuel an diese Generation nĂ€her denn je bringen. Nicht zu vergessen, die ĂŒbel gelaunten Erwachsenen, die mit Wutreden gar nicht mehr aufhören können: Nutzlose Regierung, irrsinnige Corona-Nicht-Regelungen, hohe Benzinpreise, HamsterkĂ€ufe von Sonnenblumenöl. Es ist furchtbar. Davon hat die Klasse nun genug. NatĂŒrlich lĂ€sst sich das nicht alles komplett ausblenden. Aber drauf rumreiten muss ja auch nicht sein. Ein bisschen Zerstreuung muss her.
“Können wir die Lateinstunden nicht immer mit etwas Schönem beginnen?”, heiĂt es aus der zweiten Reihe. Aber womit denn? “Egal”, lautet die Antwort und meine Initiative ist gefragt. Aber wie soll die aussehen? Als Lateinlehrer ist die Zeit in der achten Klasse knapp. Mit gerade mal drei Stunden pro Woche muss die Unterrichtszeit gut durchgeplant und getaktet sein. Minutenlange Phantasiereisen, um die Kinder etwas aufzufangen, können wir uns im Moment nicht leisten und wĂŒrden das nur mit LernrĂŒckstĂ€nden bezahlen. Es muss kurz und knackig sein. Und so entscheide ich mich erstmal fĂŒr die billigste Art der Herzensheischerei: Ich lege wortlos Bilder von Tierbabies auf. Mit riesigem Erfolg. Die Klasse ist begeistert. In Nullkommanichts ist die Truppenmoral geboostet und wir widmen uns mit glĂ€nzenden Augen dem Unterrichtsstoff. Tierisch gut! Und so kommt nun jede Stunde ein neues Mini-Lebewesen in den Lateinunterricht: Welpen, KĂ€tzchen, Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen. Und dann zum Kontrast ein paar fragwĂŒrdige Exoten aus Gottes wunderschönem Tiergarten: Haarlose Katzen. Ein Nacktmullbaby. Egal, was es ist, die Klasse findet alles toll, bittet am Ende der Stunde regelmĂ€Ăig, den Baby-Zoo auch fĂŒr die Lehrkraft am Beamer zu lassen. Ein kleiner Insider-Gag mit groĂer Wirkung. Der kleine Flausch zu Unterrichtsbeginn ist ihr kleines Refugium geworden. Wichtiger denn je.
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Wenn schon die letzten Weihnachtsferien bei mir schon von eklatantem Nichtstun geprĂ€gt waren, habe ich in den Faschingsferien echt einen drauf gesetzt. Ich habe wirklich nichts gemacht. Nada. Wo andere im Kollegium mal fĂŒr eine Woche in die Berge zum Skifahren sind oder andere sich die sĂŒdeuropĂ€ische Sonne auf den Bauch haben scheinen lassen, habe ich fĂŒr eine knappe Woche das Leben eines Einsiedlers gefĂŒhrt. Mein Akku war einfach zu leer und brauchte ein paar Ladezyklen um wieder voll zu werden. Und so wie es aussieht, haben wir fĂŒr die nĂ€chste Zeit einen entsprechenden Energietank bitter nötig…
Der erste Tag geht recht ruppig zur Sache. Die einen Klassen lassen nun die berĂŒhmten Pooltests ĂŒber sich ergehen, die anderen die ĂŒbliche Schnelltestroutine. ErwartungsgemÀà ist die Trefferquote mit positiven Ergebnissen hoch. Viele haben sich aus den Skigebieten eine kleine Ăberraschung mitgebracht. Die gesamte Verwaltungsmaschinerie, die das nach sich zieht, hĂ€lt Sekretariat wie auch LehrkrĂ€fte der ersten Stunde ordentlich auf Trab und verhindert jegliches Unterrichten. Das und der Krieg. Die Angst ist in jeder einzelnen Klasse spĂŒrbar. Alle wollen sich den Kummer von der Seele reden. Auch ich. Aber wirklich helfen tut es nicht. Wir sind alle fassungslos ob der Bilder, die uns erreichen. Die Greuel verhindern den ganzen Tag ein tatsĂ€chliches ZurĂŒckkehren zum Unterrichtsstoff. Alles fĂŒhlt sich auf einmal lapidar an. Lediglich in der neunten Klasse lĂ€sst sich die Krise erschreckend gut fĂŒr das bellum Gallicum nutzen – vielleicht begibt sich der eine oder andere collega auf eine Ă€hnliche Gedankenreise.
Den Auftakt in die Stunde bildet eine Collage, die ich aus wahllos gewÀhlten Schlagzeilen der letzten Woche zusammengestellt habe. Sie thematisieren die radikale Zensur, die in Russland die letzten Tage durchgesetzt wurde:
Schlagzeien von spiegel.de und guardian.co.uk
Letztlich bleibt damit fĂŒr viele russische Zuhörer und – leser im eigenen Land nur noch ein einziger Informationskanal, ĂŒber den man sich mit Nachrichten versorgen kann: das staatlich kontrollierte Fernsehen. Alternative Quellen zur Beschaffung von Meinungen und Perspektiven existieren fĂŒr die meisten schlichtweg nicht. Genauso wie bei Caesar: auch hier erhalten wir sĂ€mtliche Informationen aus einer einzigen Schrift. Wir lesen ĂŒber das Kriegsgeschehen in Gallien genauso wie gerade die russischen BĂŒrger aus einer einzigen “staatlichen Quelle”. Denn Caesar ist nicht einfach nur AnfĂŒhrer in einem militĂ€rischen Konflikt. Er ist Politiker. Er ist Hauptakteur in seinem eigenen Werk. Und er muss sicher stellen, dass sein Bericht so klingt, dass er glaubwĂŒrdig erscheint und man ihm alles darin Geschilderte auch abnimmt. Aber können wir das als Leser?
Sind die Helvetier tatsĂ€chlich so kriegslĂŒstern und egoistisch wie es im bellum Gallicum geschrieben steht? Greift Caesar tatsĂ€chlich nur deswegen ein, weil er von den anderen gallischen StĂ€mmen zu Hilfe gerufen wird? Wie viel ist davon wahr? Und stört es uns, dass uns eine alternative Perspektive fehlt? Wir ertappen uns nur allzu gerne dabei, wie man beim Lesen dem Autor Caesar auf den Leim geht. Die Helvetier? Saubeutel! Einfach in die Nachbargebiete einfallen! Dieser Divico? Was fĂŒr eine Diva! Erst Frieden erbetteln wollen, aber dann völlig ĂŒberzogene Forderungen stellen und beleidigt abdampfen. Denen gehört völlig zu Recht der Hintern verhauen! FĂŒr den Leser ist im bellum Gallicum schnell gefĂŒhlt klar, wer in dem Konflikt der Böse ist. Aber ist dem auch tatsĂ€chlich so?
Dieses gekonnte StĂŒck der Leserlenkung lĂ€sst sich aktuell auch in der eindimensionalen Medienlandschaft in Russland erfahren: Auch dort ist klar, wer der Bösewicht ist. Das Nachbarland ist von gewaltbereiten Nazis durchsetzt, die vor allem russisch-stĂ€mmige MitbĂŒrger unterdrĂŒcken (so wie die Helvetier ihre Nachbarn). Klar, dass man hier zu Hilfe eilen und entmilitarisieren muss. Die Parallelen enden hier aber nicht: Caesar hat seinen Konflikt erst auf eine Grenzregion zum römischen Reich beschrĂ€nkt, bevor er anschlieĂend eben mal im Vorbeigehen in das komplette Land einmarschiert ist. Die Parallelen zu den Invasionsstufen auf russischer Seite sind erschreckend Ă€hnlich. Und wie bei Caesar am Ende Gallien nicht genug ist, und es schlieĂlich ein paar vorsichtige Kundschaftsmissionen in Richtung Germanien gibt, stellt man sich am Ende der Stunde die Frage: Bleibt es bei der aktuellen Invasion tatsĂ€chlich nur bei einem Land? Oder geht es einfach weiter?
Nach vier Jahren war es langsam wieder Zeit fĂŒr einen Tabletnachfolger. Mein Tab S3 war eben wie das von Jan-Martin Klinge etwas in die Jahre gekommen: Der Akku hielt zwei Schultage, die Ladezeiten einiger Programme wurden langsam etwas zu groĂ, und gewisse Apps wurden dank Android 9 nicht mehr aktualisiert. Und so kam mir ohne groĂes Tamtam ein Nachfolger ins Haus. Der Nach-Nach-Nach-Nachfolger um genau zu sein.
Halt! Ein neues Tablet – trotz LehrerdienstgerĂ€t?
Danke fĂŒr die Frage! Die ist nĂ€mlich durchaus berechtigt: Mitte des Jahres war ich noch tatsĂ€chlich am GrĂŒbeln, ob ich ĂŒberhaupt ein Tablet brauche. Immerhin lag da seit Juli ein schickes LehrerdienstgerĂ€t auf dem Schreibtisch, das eigentlich um ein Vielfaches leistungsstĂ€rker ist, als jedes Tablet device, das es zur Zeit auf dem Markt gab. Eigentlich. Denn durch die aktuellen Limitierungen durch den SachaufwandstrĂ€ger ist das Convertible so limitiert, dass ich vieles im Unterricht gar nicht umsetzen kann. Also nahm ich Ende November wieder mal eigenes Geld in die Hand und griff zum Tab S7.
“Vorfreude”
Mit dem GerÀt zieht nun nach einem HTC Flyer, einem Samsung Note 8.0 und dem Tab S3 nun GerÀt Nummer vier in meine Lehrertasche. Vielleicht ist es das Alter, in dem man nicht mehr wie ein Kleinkind an Weihnachten auf die Geschenke hinfiebert, oder die Tatsache, dass es in der Branche aktuell keine nennenswerte Neuerungen gibt. Aber das GerÀt lag erstmal einen knappen Monat einfach in der Verpackung herum. Das alte ging ja noch irgendwie. Aber in den Weihnachtsferien hatte ich endlich Zeit. Also raus aus der Packung und erstmal angeschaut.
Alt vs. Neu: Links das Samsung Tab S3 und rechts das Tab S7
Alt vs. Neu – Das ĂuĂere
Insgesamt ist das Tab S7 in den AusmaĂen leicht anders geraten als noch das S3. Im Gegensatz zu seinem Ur-ur-ur-urenkel kommt das GerĂ€t komplett ohne physische Knöpfe daher. DafĂŒr aber in echten 16:9 AusmaĂen daher: Fast 3cm ist das S7 breiter als das S3 – Das klingt im ersten Moment nach nicht viel, macht sich aber nach Jahren mit dem VorgĂ€nger schon bemerkbar. Auch in der Höhe ist es noch eine Spur höher – und wird dadurch auch etwas schwerer. Mit knapp 500 Gramm ist es nicht ganz so wuchtig wie ein Convertible, aber doch ein kleines Schwergewicht im Vergleich zum Tab S3.
Von Alt auf Neu – Die Migration
Der Umzug vom alten Samsung zum neuen ist kinderleicht: Einfach beide GerĂ€te mit USB-C-Kabel verbinden (unbedingt hierbei die richtige Polung beachten, damit das Ăbertragen auch tatsĂ€chlich funktioniert), Samsungs Smart Switch runterladen – und los geht’s. Unkompliziert, aber auch ratsam: Denn auf diese Weise ist es möglich, auch Apps auf das neue Tablet hinĂŒberzuretten, die aufgrund von bankrotter Entwickler oder KompabilitĂ€tsproblemen im Google Store mittlerweile fehlen. Apps wie Notegraphy oder EZPDF Clear, mit dem ich seit sieben Jahren arbeite, konnte ich so vor dem Vergessenwerden retten. NatĂŒrlich landet in diesem Umzug auch der komplette MĂŒll des alten Tablets auf dem neuen. Von daher sollte man bei einer Migration vorher nochmal genau ĂŒberlegen, was man von den darauf gespeicherten Sachen auch tatsĂ€chlich benötigt.
Im Gebrauch
So ist die Installation auch nach maximal 30 Minuten vom Tisch und das GerĂ€t kann in Betrieb genommen werden. Und da merkt man erst, auf was man so in den letzten Jahren mit dem S3 alles verzichtet hat. Das Display ist gestochen scharf, der Sound dröhnt unerwartet wuchtig aus seinen vier Boxen, die Arbeitsgeschwindigkeit ist prĂ€chtig, die drahtlose Smart View Verbindung ĂŒber Miracast funktioniert auch noch mit dem alten Streaming Stick ohne Murren. Sagen wir, wie es ist: Das Arbeiten mit dem S7 macht SpaĂ.
Die Displays im Direktvergleich
Einziger Wermutstropfen ist der eingesparte Kopfhörerausgang, der in den aktuellen Tablet- und Smartphonemodellen zunehmend verschwunden ist. FĂŒr manche mag das ein zu verschmerzendes Luxusproblem sein. FĂŒr mich allerdings ist das im Alltag wirklich ein echter Ărgernis: Mit dem S3 war es noch möglich, den Ton neben HDMI auch ĂŒber besagte Klinken-Buchse auszugeben. Ein echter Segen, wenn die Boxen des Beamers im Klassenzimmer zu poplig waren. So konnte man den Ton ĂŒber ein externes Soundsystem ausgeben und auf diesem Wege das Klassenzimmer beschallen. Mit dem S7 geht das nicht mehr. Ăber Miracast werden sowohl Ton als auch Bild drahtlos an das verbundene EndgerĂ€t geschickt. Und wenn das nur Mini-Boxen auf Lager hat, ist das Pech. Alternative Soundausgabe ĂŒber den USB-C-Anschluss ist grundsĂ€tzlich möglich. Aber dafĂŒr darf man wieder 15⏠fĂŒr einen entsprechenden Adapter auf den Tisch legen, den man wieder in der Tasche rumschleppen darf. Das ist ganz schön nervig! Ebenso wie die Handhabung mit dem ach so geliebten sPen, der dem GerĂ€t beiliegt.
Die Stiftspitzen des Tab S7 (hinten im Bild) sind noch einen Tick dĂŒnner als die der VorgĂ€nger.
Dabei gĂ€be es grundsĂ€tzlich nur Positives zu berichten: Nach dem Zahnstocher-Stift im 8.0 wurden die Samsung-SchreibgerĂ€te immer edler. Schon beim Tab S3 war der Stylus ein beeindruckendes Exemplar der Gattung Stift. Im S7 ist das nun noch einmal weiterentwickelt. Der Pen liegt toll in der Hand, das SchreibgefĂŒhl ist sehr natĂŒrlich. Probleme machen mir allerdings der sonst so verlĂ€ssliche Aktionsknopf auf der flachen Seite des Stiftes, nach dem ich immer wieder umstĂ€ndlich fummeln muss, um ihn auch tatsĂ€chlich zu finden. Eventuell bin ich noch zu sehr den Stift des VorgĂ€ngers gewohnt und es ist alles eine Frage der Ăbung. Aber auch nach drei Monaten habe ich den Dreh immer noch nicht so raus. Ebenso wie diese neuen Funktionen im Stift, die nun auch abseits vom Bildschirm funktionieren. Mit gedrĂŒcktem Aktionsknopf des sPen werden nun nach bestimmten Handbewegungen vordefinierte Befehle ausgelöst, mit denen Screenshots erstellt, Seiten weiter geblĂ€ttert oder Kameras ausgelöst werden. Alles ganz nett, aber das Rumgewedel in der Luft nervt mich persönlich ganz schön. Zumal die Bewegungen sehr willkĂŒrlich sind und fĂŒr jede App umstĂ€ndlich erlernt werden mĂŒssen. Zudem sind die meisten Befehle auch wunderbar direkt am Bildschirm machbar. Lediglich das Fernauslösen der Kamera empfinde ich als sinnvolles Gimmick. Schade nur, dass ich mit dem Tablet so gut wie nie Fotos schieĂe.
AuĂerdem sind diese Luftbewegungen nur bei geladenem Stift möglich. Das hat mich zu Beginn schon etwas schockiert. Denn die Spens kamen bisher komplett ohne internen Akku aus. Zum Laden muss der Stift hinten an die RĂŒckseite des GerĂ€tes geclippt werden, wo er magnetisch haften bleibt… bis er bei der kleinsten Bewegung in der Schultasche runterfĂ€llt. Der sPen ist mir in der Tasche dermaĂen oft abhanden gekommen, dass ich es mir komplett abgewöhnt habe, ihn dort anzubringen. Lieber beherberge ich ihn in der SchutzhĂŒlle vom Tablet. Dort lĂ€dt er zwar nicht, wodurch die Luftbewegungen nicht mehr möglich sind. Aber die nutze ich ohnehin nie. Die Grundfunktionen sind auch so möglich. Die gehen ĂŒbrigens auch noch mit den sPens der anderen Generationen. Die Stifte sind also insgesamt abwĂ€rtskompatibel. Puh đ
Fazit
So ist das S7 ein tolles Maschinchen, das mir zwar ein bisschen Umgewöhnung abverlangt (fehlender Klinkenausgang, sPen-Handling), aber insgesamt doch groĂen SpaĂ macht. Grundlegende Ăberraschungen finden sich am GerĂ€t aber nicht. FĂŒr mich ist das GerĂ€t einfach ein schickeres und schnelleres S3. Innovative Neuerungen, die Arbeitsprozesse beschleunigen oder grundlegend verĂ€ndern, sucht man vergeblich. Aber das hat nichts mit dem GerĂ€t selbst zu tun. Oder mit Samsung. Diese Entwicklung sieht man seit Jahren schon bei sĂ€mtlichen Herstellern. Wenn ich mich noch zurĂŒckerinnere, was fĂŒr ein Sprung damals das ArbeitsgefĂŒhl der Wechsel machte, den ich damals vom HTC Flyer zum Samsung Note 8.0 erlebt habe. Das waren echt Welten!
Macht eine gute Figur: Das Tab S7
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Hinter mir liegt einer der surrealsten Schultage meiner mittlerweile nicht mehr so jungen Karriere. Es ist der Donnerstag vor Fasching. Unsinniger Donnerstag – so nennt man ihn bei uns. Und selten war der Ausdruck treffender als heute. Denn so richtig Sinn will das alles nicht ergeben. Wo normalerweise die Kinder heute in den Schulen kleine Streiche spielen, ist heute nichts davon zu spĂŒren. Das geht schon im Lehrerzimmer los: Eisiges Schweigen allenthalben. Aus dem “der wird doch nicht” der letzten Tage ist ein “der hat echt tatsĂ€chlich” geworden. Man verfolgt mit einer gewissen Grundangst die Nachrichten, die auf einmal nicht mehr von Pandemien und Impfquoten kĂŒnden. Sondern von Krieg. Krieg in Europa. Das habe ich das letzte Mal in den 90ern erlebt, als ich noch zu jung war, um alles zu kapieren. Genau so dĂŒrften sich aktuell meine neunte Klasse fĂŒhlen, die gleich zu Beginn des Tages auf dem Programm steht. CĂ€sars bellum Gallicum. Der Stoff könnte nicht aktueller sein: Eine GroĂmacht, die unter fadenscheinigen GrĂŒnden eine Invasion startet, um einem dort ansĂ€ssigen und unterdrĂŒckten Volksstamm zu helfen -und sich plötzlich das ganze Land einverleibt. Ein Krieg, der von innenpolitischen Spannungen ablenken soll. Eine gigantische Desinformationskampagne mit expliziter Leserlenkung. Schlecht gefĂŒhrte Diplomatie zur Abwendung eines drohenden Krieges. Machtgier. Verletzte Eitelkeiten. Drohungen. Verzweifelte Bittsteller. Alles. Das gesamte Werk gerĂ€t heute zu einer Metaebene. Wir reden ĂŒber alte Kriege und gleichzeitig ĂŒber einen, der vor unseren Augen passiert. 2000 Jahre alt der Text. Derselbe alte Wein. Neue SchlĂ€uche.
Und wir schlagen uns seit zwei Jahren die Köpfe ein wegen eines Impfstoffes. Was fĂŒr verdammte first world problems wir doch haben!
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