• Alltag,  Technik,  Unterricht

    Retrospektive 2020/21

    Old habits die hard – vor allem bei den Altphilologen. Wir bleiben gerne bei Altbewährtem, halten an Traditionen fest und halten inne, wo andere einfach den Deckel druff machen wollen, um weiter zu machen. Dabei wäre ein bisschen Rückblick für dieses denkwürdige Schuljahr durchaus angebracht. So durcheinander war es noch nie – und wird es hoffentlich auch niemals mehr werden…

      • Alleine die verschiedenen Unterrichtsformen. Wir hatten alles: Präsenzunterricht, Wechselunterricht für die unteren Klassen bei Präsenzunterricht der Oberstufe. Distanzunterricht. Distanzunterricht mit Präsenzunterricht in der Oberstufe. Mal verpflichtend mit Maske für alle. Dann ohne Maskenpflicht. Mal mit regelmäßiger Testung im Unterricht alle zwei Tage. Dann mal alle drei. Für nächstes Jahr bekamen wir schon angekündigt, dass wir wieder mit Testpflicht und Maske beginnen werden. Anders als letztes Jahr nimmt man die Ankündigung allerdings mit einem Achselzucken hin. Hatten wir ja schon alles…
      • Die Klassen haben sämtliche dieser Phasen brav mitgemacht. Dieses Jahr war in den Distanzphasen deutlich mehr Zug drin, weil das Format nun einfach von den Lehrkräften vorausgesetzt wurde. Folglich sind die Lernrückstände auch nicht so vehement, wie wir befürchtet haben.  Zu den Brückenkursen haben sich jeweils nur eine Handvoll Schülerinnen und Schüler angemeldet. Viel mehr Nachholbedarf gibt es da im sozialen Gefüge der Klassen selbst. Meiner Sechsten fehlt insgesamt fast ein komplettes Jahr, in dem sie sich als Klassenverband wahrnehmen durfte. Folglich dürsteten sie nach der Rückkehr in den Präsenzunterricht nach Aufmerksamkeit. Ständig stand am Ende der Stunde ein Pulk von gut gelaunten Jungen und Mädchen draußen, die einfach nur reden wollten. Über die Schule, über Tests. Über die Klasse. Über sich. Insgesamt wirkten sie ganz zufrieden und nahmen dankbar jede Geste an, mit ihnen gemeinsam etwas zu unternehmen. Daher organisierten wir in Absprache mit der Schulleitung und unter höchsten Hygienebestimmungen einen Spontan-Aufenthalt in einem Schullandheim in der Umgebung. Oder einen Open-Air-Kinoabend im Schulhof. Die Kinder waren begeistert und einfach glücklich über das Stückchen Normalität, das ihnen diese kleinen Veranstaltungen zurückgegeben haben.
      • Das Thema Videounterricht ging dieses Jahr in eine neue Runde. Nach ersten Gehversuchen mit Jitsi und Zoom migrierte die komplette Schule zu Webex Teams und landete nach diversen Einzelausflügen zu Big Blue Button Anfang dieses Jahres zu MS Teams. Und allen Unkenrufen zum Thema Datenschutz zum Trotz: Von all den Plattformen lief die Microsoft-Variante mit Abstand am absolut verlässlichsten. Es gab keinerlei Probleme mit Mikrofonen oder Kameras, die Streams liefen immer stabil. Wenn es mal haperte, lag es jedes Mal an der Überbelastung des Netzwerkes bei den Familien zuhause, in dem sich parallel beide Geschwister und Elternteile in Videokonferenzen tummelten. Solche Stolpersteine kann Teams ebenso wenig lösen wie der Nachfolger, der ab nächsten Schuljahr zum Einsatz kommen soll. Das viel zitierte Vis-a-vid soll das große Manko des Datenschutzes endlich ausmerzen. Ob es aber die Verlässlichkeit des Vorgängers erreichen wird, bleibt abzuwarten. Für Schulen in München hat die Stadt daher die Lizenz für MS Teams noch einmal um ein Jahr verlängert, damit man sich vorsichtig mit Vis-a-vid vertraut machen kann. Denn ganz so intuitiv wie MS Teams ist das Programm nicht. Ich werde berichten.
      • Mebis – der Lebensretter

        Neben Teams war wohl dieses Jahr keine Plattform so wichtig für mich wie Mebis. Dabei sah es zu Beginn nicht wirklich danach aus: Bereits im letzten Schuljahr hatte Mebis ordentlich Prügel einstecken müssen. Als im Dezember dann die Schulen zum zweiten Mal geschlossen werden mussten, und die Plattform erneut zusammenbrach, wurde unser Kultusminister deutlich und in aller Schärfe angezählt. Die Drohung wirkte: Mit Januar 2021 lief Mebis wie ein Uhrwerk. Große Abstürze oder Wartezeiten gehörten der Vergangenheit an. Mit dem Vertrauen in die Plattform stieg bei mir auch wieder die Neugier am Entdecken. Und wieder mal zeigte sich, wie mächtig so eine Lernplattform in ihren Möglichkeiten ist – vorausgesetzt, man ist sich ihrer Möglichkeit bewusst. Die zahllosen Fortbildungen, die die ALP Dillingen jede Woche selbstlos anbot (großes Dankeschön an dieser Stelle für dieses riesige Angebot!), halfen dabei immer wieder aus und führten mit Sessions zu Bootstraps, Tests, Fragekataloge, Test-Bedingungen in Tiefen, derer ich mir vor einem Jahr nicht mal ansatzweise bewusst gewesen wäre.

      • Um von dem Wissen ein bisschen zurückzugeben, habe ich dieses Jahr meine ersten Schritte als Referent hinter mir. Neben den schulinternen Fortbildungen, die ich mit einer Handvoll Kolleginnen und Kollegen im Rahmen unseres Medienkonzeptes durchführe, habe ich dieses Jahr meine ersten außerschulischen Veranstaltungen als Moderator hinter mir. Und was soll ich sagen? Es war toll! Egal, ob eine kleine Session für die ALP in Dillingen, eine regionale Lehrerfortbildung für Oberbayern Ost oder ein massive Online-Seminar. Dank interessierter Teilnehmender und tollen Mitreferenten (Christian Mayr und Clemens Pfefferle) hat das Konzipieren wie auch die Durchführung riesigen Spaß gemacht. Und sogar noch Lust auf mehr. Zum Beispiel nächstes Schuljahr auf den Mebis-Tagen. Ich bin gespannt!
      • Das Thema Lehrergesundheit wird, wie ich buchstäblich am eigenen Leib erfahre, über die Jahre immer relevanter. Kleine Zipperlein, die man früher einfach so weggesteckt hat, dauern jetzt deutlich länger zum Genesen. Eine Erkältung dauert keine zehn Tage mehr. Ein kratziger Hals wächst sich wahrscheinlicher zu einem Schnupfen aus.  Und gelegentlich, wenn man nicht aufpasst, auch zu etwas Größerem: Anfang des Jahres führte eine nicht auskurierten Erkältung zu einem angegriffenen Gesichtsnerv, der mir für fast zwei Wochen die halbe Gesichtshälfte lahmlegte – an sich nur eine vorübergehende Beeinträchtigung, die nicht weh tut, aber die Aufregung beim Arzt, der mit stundenlangen Tests alles ausprobiert, um einen drohenden Schlaganfall auszuschließen, wünsche ich niemandem.  Aus dem Stress habe ich definitiv meine Lehren gezogen. Wenn ich krank bin, bin ich krank. End of Story.
      • In all dem Durcheinander gab es zumindest eine Konstante: Nämlich meine eigene Technik. Mein Setup hat sich in den letzten Jahren überhaupt nicht geändert. Nach wie vor arbeite ich mit der Kombination Samsung Tab S3 und Microsoft Wireless Display Adapter sehr gerne. Die Kombination ist bestimmt nicht mehr die modernste. Vor allem das Tablet könnte nach mittlerweile drei Jahren ausgetauscht werden – vor allem angesichts der einen oder anderen Ladehemmung, die das Gerät immer wieder zeigt. Aber so richtig durchringen konnte ich mich noch nicht. Was jetzt Ende des Jahres noch aufschlug, waren die Lehrerdienstgeräte, sodass sich jetzt auch noch ein Lenovo Yoga X 13 dazu gesellt hat. Wie ich das im Klassenzimmer einsetze, weiß ich noch nicht so recht. Ob es ein Tablet ersetzt, erst recht nicht, da mir das Handling im Unterricht echt noch Probleme bereitet. Für Handgriffe, die ich beim S3 in Windeseile erledigt habe, brauche ich beim Yoga oft das Dreifache an Zeit. Ob ich mich dafür noch einmal umtrainiere… Diese Frage werde ich mir erst nächstes Jahr beantworten.

    Es war ein wirklich langes Jahr. Vor allem gegen Ende ging mir schon sehr die Puste aus. Ein bisschen hat man das wohl auch am Blog gemerkt, als die Beiträge immer rarer wurden. Aber wenn in solchen Zeiten selbst das Bloggen eher als weitere BElastende Aufgabe denn eine ENTlastende, dann muss ich meine Prioritäten verlagern. Und genau das werde ich jetzt tun. Verlagern. Mich. Nämlich nach draußen. Erholt euch gut!

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  • Allgemeines

    Jahresrückblick 2020

    Auch wenn in diesem Jahr so einiges anders war als sonst, wollen wir uns doch ein letztes Mal um so etwas wie Normalität bemühen und Traditionen aufrecht erhalten: Zum Beispiel den Jahresrückblick kurz vor Silvester.  Wie Corona alles durcheinander gebracht hat, merkt man erst, wenn man sich mal die Retrospektive von letztem Jahr ansieht.

    Als Systembetreuer war ich dieses Jahr – das kann man mit Fug und Recht behaupten – der begehrteste Mann in der Schule. Was ab Mitte März bei mir los war, hätte ich vor zwölf Monaten nie für möglich gehalten. Über vier Wochen standen die Leitungen täglich über 12 Stunden am Tag nicht still. Egal, ob Telefon, eMail, Info-Portal, Mebis, Telegram, Whatsapp, Eltern-Portal oder Webex Teams. Permanent gingen Nachrichten ein. Von Kollegen, von befreundeten Lehrern, von Eltern, von Schülern, vom Direktorat. Jeder mit einer eigenen Anfrage: Wo ist das Mebis-Passwort? Wie komme ich in Webex-Teams? Bei mir wird das digitale Klassenzimmer nicht angezeigt. Warum? Warum können wir nicht Zoom nutzen? Warum nicht Discord? Oder Microsoft Teams? Wer setzt die Nachrichten zu Corona auf die Homepage? Kann man aus dem Klassenzimmer streamen? Darf man aus dem Klassenzimmer streamen? Wer setzt ein Schreiben auf zu den Online-Verhaltensregeln während einer Videostunde? Du? Wo bekomme ich Webcams her? Hat die Schule noch Mikrofone übrig?
    Das Bombardement hielt über Wochen an. Und es gab wirklich ein paar Tage, an denen ich erst nach 12 Stunden vom Rechner aufgestanden bin – mit einem riesigen Schädel und einem seltsamen Klopfen im Ohr, das gewaltig nach sich anbahnenden Hörsturz klang. Aber es lief. Insgesamt erstaunlich gut sogar.
    Was wir als Kollegium in dem letzten halben Jahr auf die Beine gestellt haben, ist schlichtweg beeindruckend. Vor allem mit dem Wechsel zu Microsoft Teams hat es so einen richtigen Ruck gemacht. Die Software läuft ohne nervende Installation auf jedem Rechner der Schule direkt im Browser, kommuniziert problemlos mit Mikrofonen und Webcams, sodass selbst Technophobe gut damit zurecht kommen. Die Freizeit wurde flächendeckend und bereitwillig für Fortbildungen zu digitalen Tools genutzt. MS Teams, H5P, LearningApps, LearningSnacks, Mebis, PowerPoint. In alles wurde hineingeschnuppert und im Anschluss mit Interessierten geteilt. So eine Mentalität wäre vor einem Jahr noch kaum denkbar gewesen.
    Mit dem Blog selbst geht’s in Jahr zwei der Wiedergeburt eigentlich ganz gut. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Besucherzahlen mehr als verdoppelt, liegen aber natürlich weit entfernt von den fabulösen Werten vom Halbtagsblog, aber immerhin wurde ich vor ein paar Monaten als „berühmtester Lateinlehrer auf Twitter“ betitelt (Quelle leider verlegt). Daran kann man aufbauen 😉
    Zusätzlich Mini-Fame gab’s dieses Jahr auch bei meiner ersten Online-Fortbildung zusammen mit Christian Mayr zum Thema H5P. Aufbauend darauf steht im kommenden Januar meine erste RLFB in unserem schönen Regierungsbezirk Oberbayern Ost auf dem Plan. Ich bin gespannt und hoffe, all das, was ich die letzten Monate gelernt habe, an interessierte Kollegen weitergeben kann. Weitergeben, was ich mal wieder im Twitterlehrerzimmer gelernt habe, dem dieses Jahr ein ganz besonderer Dank gilt. In der Lockdown-Zeit, wo viele Schulen wegen Corona noch in Schockstarre gefangen waren, fand man dort nichts als tätige magistri magistraeque, die unzählige Tipps für sinnvollen digitalen Unterricht auf Lager hatten. Dazu noch permanent Empfehlungen zu im Distanzunterricht erprobten Tools und Plattformen, die man alle dankbar annahm und gewinnbringend an sein eigenes Kollegium weitergeben konnte. Vielen Dank dafür nochmal! Ohne euch wäre ich (und viele andere) damals echt aufgeschmissen gewesen.
    Aber genug davon! Das Fondue brodelt, das Baguette ist aufgeschnitten und in der Schublade wartet von letztem Jahr noch ein unterwältigendes Tischfeuerwerk, das gegen Mitternacht enttäuschen möchte.
    Rutscht gut rüber und bis bald im neuen Jahr!

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  • Allgemeines,  Alltag,  Pädagogik,  Prüfungen,  Technik,  Unterricht

    Retrospektive 2014/2015

    avat_jubeSo, und wieder ein Jahr vorbei! Während die anderen Lehrer schon längst in vollständiger Tiefenentspannung verweilen, geht es mit den Ferien in Bayern jetzt erst los. Was für ein Schuljahr! Und wie immer steht am Ende bei mir kleine Retrospektive, um das alte Schuljahr Revue passieren zu lassen und auch gedanklich einfach abzuschließen. Natürlich auch mit dem Hintergedanken, die Dinge, die jetzt nicht so optimal liefen, im nächsten Jahr besser zu machen. Passiert ist viel.

    • Mein Setup  ist weiter optimiert worden. Der Samsung Dongle flog aufgrund des ständigen Kabelgewirrs raus und wurde durch den EZcast ersetzt, der mich für die Zukunft von der Hardware-Diktatur Samsungs befreit. Denn den Miracast-Standard, über den der EZcast sendet, beherrschen sämtliche Android-Geräte ab einer bestimmten Version. Sollte also das nächste Tablet (eher unwahrscheinlich) oder das nächste Smartphone (deutlich wahrscheinlicher) nicht von Samsung sein, lässt sich das neue Gerät problemlos ins aktuelle Setup einbauen.

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      Im Setup etwas ausgemistet. Und mir einen feschen Handbeamer in die Tasche geholt 🙂

      Der EZcast selber verrichtet nach wie vor seinen Dienst. Die ganzen Unkenrufe, die dieses chinesische Produkt gerne mal zu hören bekommt, kann ich derzeit nicht bestätigen. Gelegentliche Aussetzer gab es über das Schuljahr zwar schon, aber die waren beim Samsung Dongle auch das eine oder andere Mal zu spüren. Ganz interessant: An einem besonders heißen, schwülen Tag Anfang Juli hat der EZcast seinen Dienst hartnäckig verweigert. Weiß jetzt nicht, ob das Zufall ist, aber eventuell ist der Einfluss der Umgebungstemperatur tatsächlich ein Faktor, der den kleinen Streaming-Wicht stresst.

    • Der Bildungsauftrag entgleitet dem bayerischen Lehrer jedes Jahr aufs Neue, wenn alle Noten gemacht sind. Stattdessen darf man sich als Dompteur und Organisator beweisen, wenn es um die ganzen Zusatzaufgaben geht, die nach dem berühmten Notenschluss anfallen: Schülerbemerkungen fürs Zeugnis tippen, Noten nachrechnen, Noten eintragen, Zeugnisbemerkungen seiner eigenen Klasse verfassen, Bemerkungen und Noten ins System eingeben, Organisation eines Ziels für den Wandertag, Schreiben und Verteilen eines Elternbriefes zum Wandertag, Geld einsammeln für den Wandertag, Durchführung des Wandertages, Elternbrief für den Museumstag, Einsammeln von Geld für den Museumstag, Durchführung des Museumstages, nebenher Zeugnisentwürfe ausdrucken und Korrektur lesen, nochmaliges Ausdrucken der Zeugnisse und Korrekturlesen, Unterschreiben und Siegeln der Zeugnisse, beim Aufbau des Sommerfestes helfen, sich am Abiturscherz zum Affen machen, sich zum Abiball schick machen und dort erscheinen…
      Die Liste ließe sich wunderbar fortsetzen. Natürlich fällt zu den meisten dieser Veranstaltungen ordentlich Unterricht aus und lässt auch die häusliche Vorbereitung mächtig zusammenschrumpfen. Aber an den einen oder anderen Tagen hätte ich ernsthaft lieber gerne vier Stunden regulär Unterricht vorbereitet und durchgeführt anstatt mit 32 Fünftis von Pontius und Pilatus zu wuseln. Zum Glück mach ich das schon ein paar Jahre und kann daher den Junglehrern künden, dass man dieses Herumeiern zum Jahresende von Mal zu Mal lockerer hinnimmt – ganz egal, wie stressig sich das aktuell anfühlt. Mein Credo: Letztendlich ist’s halt „nur“ Schule…
    • Wo wir gerade bei Sachen sind, die stressen: Was ich wirklich bis heute einfach nur halbscharig hinbekomme, ist die rechtzeitige Abgabe von Schulaufgaben. Dieses Einsammeln und Hinterherrennen von Arbeiten, das alphabetische Ordnen und Versehen mit einem Erwartungshorizont… Ich find das alles ganz furchtbar. Dabei bemühe ich mich immer wieder aufs Neue, rechtzeitig alles einzureichen, aber vor allem zu Hochzeiten liegt das gerne mal länger auf Eis als es eigentlich sollte.
      Ein Hauptproblem ist, dass ich die Erwartungshorizonte immer handschriftlich mache, nach diesen korrigiere und diesen dann erst beim Einreichen der Schulaufgabe abtippe. Dabei könnte ich mir so viel an Zeit und Nerven sparen, wenn ich den Erwartungshorizont gleich beim Erstellen der Schulaufgabe mittippen würde – wozu ich mich nächstes Jahr wirklich mehr zwingen möchte. Ihr seht, Einsicht ist der erste Weg zur Besserung 😉
    • Die Einstellungssituation von Junglehrern am Gymnasium ist leider nach wie vor traurig, da bei den aktuellen Staatsnoten kaum Planstellen rausspringen – trotz großspuriger Schlagzeilen, die leider nur die anderen Schularten betreffen. Das hat spürbare Konsequenzen auf das Arbeitsverhalten der Referendare im Kollegium, das sich tatsächlich zu wandeln beginnt. War in den letzten Jahren aufgrund der angespannten Einstellungssituation noch entsprechender Kampfgeist in Aktivitäten und Engagement zu spüren, mischt sich mittlerweile eine gehörige Portion von Resignation dazu. Viele Junglehrer gehen schon gar nicht mehr davon aus, überhaupt noch im System unterzukommen und arbeiten daher oft nur noch vor sich hin, ohne einen Sinn in ihrem Tun zu sehen. Absolut traurig, wenn ich sehe, was für Damen und Herren noch vor sechs Jahren alleine in Latein mit Planstellen gesegnet wurden – Leute, die mit 3,4 gerade so durchs erste Staatsexamen gerutscht sind. Und die sitzen nun fest im Sattel, während Leute mit aktuellen Schnitten von 1,4 auf der Straße stehen. „Zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ – kann das wirklich die Devise für die Versorgung von Lehrern sein?
    • Dieses Jahr habe ich wieder eine Menge neuer Sachen kennengelernt, die ich unbedingt für meinen Unterricht nutzbar machen möchte. Sehr vielversprechend erscheinen mir für gewisse Zwecke Sketchnotes, allerdings hindert mich mein Perfektionismus daran, meine Kunstwerke in der eigentlich veranschlagten Zeit fertigzustellen. Ich sitze stundenlang an meinen Entwürfen und verliere mich darin. Das ist einerseits wahnsinnig entspannend, aber sehr zeitraubend. Ich hoffe, dass es durchs Üben besser wird.
    • Fürs nächste Jahr werde ich mal ein bisschen in das Flipped-Classroom-Prinzip schnuppern und mich auch um entsprechendes Material bemühen – für mich wieder eine Gelegenheit, gefährlich viel Geld für Equipment auszugeben…
    • An keinem Jahr wie diesem merke ich, wie wichtig für das berufliche Seelenleben ein funktionierendes menschliches Miteinander ist: Ein Kollegium, das sich toll miteinander versteht, ohne dass sich Grüppchen separieren, ein Chef, der zu seinen Leuten volles Vertrauen hat und ihnen den Rücken stärkt, eine gut gehende, freundliche Kommunikation zwischen den Lagern – all das prägt den Schulalltag überall, und wenn’s irgendwo zwickt, hat das unmittelbare Auswirkungen auf den Schulkörper, um mal bei Livius‘ Magenparabel zu bleiben. Zum Glück sind meine Kolleginnen und Kollegen ausnahmslos toll, und der Chef ein herzlicher Papa, mit vollstem Vertrauen in seine Kinder. Ich kann mich glücklich schätzen, in einer Schule zu arbeiten, in der die Chemie einfach stimmt. Man geht einfach gerne zur Arbeit!
    • Im Vergleich zum letzten Jahr ging mein Videospiel-Konsum noch ein gutes Stück zurück und tendiert aktuell fast gegen Null. Ich hänge irgendwo bei Assassin’s Creed 3 fest. Viel Lust weiterzumachen habe ich irgendwie nicht. Das Spiel hat deutliche Längen, die wirklich nerven. Ob mir 2015/16 ne neue Konsole ins Haus kommt, ist noch sehr unsicher. Da stehen ganz andere Sachen auf der Priority List.
    • Die Arbeit mit Schülern macht von Jahr zu Jahr mehr Spaß, wenn das Fachliche nicht mehr wie im Referendariat alles andere überstrahlt, wo man zu Beginn vorrangig damit beschäftigt ist, seinen Unterricht auf die Reihe zu bekommen. Je mehr dieser Teil zum Tagesgeschäft wird, bietet sich immer mehr Raum, mit den Großen und Kleinen auch persönlicher zu werden. Vor allem in diesem Jahr hatte ich viele tolle Begegnungen mit Schülern, die mich nachhaltig bewegt haben. Es sind diese Momente, die einem Lehrer zeigen, dass man im Leben seiner Schützlinge nach wie vor wichtig ist und seinen Job irgendwo richtig macht.
    • Trotz allem merke ich auch dieses Jahr, dass Bildung immer noch an soziale Stellung geknüpft ist. Schüler, in deren Familie kein Wort Deutsch gesprochen wird, können sich bei uns an der Schule nur für ein paar Jahre halten, ehe sie in eine andere Schulart wechseln müssen. Deutsch ist nach wie vor ein Hindernis, das es zu meistern gilt. Und ohne zusätzliche finanzielle Anstrengung durch die Familien, die oftmals das Geld dazu nicht haben, ist das in der Regel kaum zu schaffen…

    Man sieht, es gibt auch im nächsten Jahr Raum für weitere Optimierung: Am Unterricht, am Setup, an sich gibt’s immer was zu tun. Für jetzt ist das Kapitel 14/15 aber geschlossen. Jetzt bleibt nur noch, die Wohnung von dem Mief der letzten stressigen Wochen zu befreien – und dann die Akkus wieder aufzuladen.
    Erholt euch gut!
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