• Alltag

    Weihnachten wie früher… sort of

    Da hab ich gut gestaunt, als unter dem Weihnachtsbaum ein Booknook lag.
    Booknook, Sie wissen schon, diese kleinen Bausätze, wie man sie online und in Buchhandlungen vermehrt findet. Mit Hilfe der beigelegten Anleitungen lassen sich daraus putzige Ziernischen für das heimische Buchregal zusammenbasteln. So ein bisschen wie Lego. Oder Modellbauen. Also sowas:
    Let's get the party started... Zeitgleich kam meine Mutter plötzlich mit einer Plastiktüte Nostalgie deluxe an: Knapp zwei Dutzend von Hörspielkassetten aus meiner Kindheit fanden sich darin, alles bunt durchgewürfelt: Pumuckl, kleine Hexe, der Schlupp vom grünen Stern, diverse Grimms-Märchen, Alice im Wunderland, Alf. Alles Perlen, die ich vermutlich seit 35 Jahren nicht mehr gehört habe. Aber damit ist diese Weihnachtsferien Schluss. Die Tage vor dem Jahreswechsel sind bei mir immer wieder mal von Nostalgie und einer gewissen Grundmelancholie geprägt, und diese blasts from the past heute sind die perfekte Gelegenheit sich nochmal ein bisschen dem Gefühl einer sorglosen Kindheit hinzugeben.
    Eine exquisite Auswahl meiner Zaubertüte Hörspielkassetten…

    Und so sitze ich wie anno 1985 dieses Weihnachten unter dem Weihnachtsbaum und puzzle mir mein Booknook aus knapp 300 Teilen zusammen, während ich mein Tape Deck mit der kleinen Hexe füttere. Es ist wie früher. Naja. Fast. Das merke ich nach knapp einer Stunde…

    Shakespeares Coriolan und Goethes Faust in der Größe eines Fingernagels

    Die bittere Realität

    Als ich zu einer buchstäblichen Schöpfungspause wieder aufstehen möchte, merke ich es. Meine Knie, die vor 35 Jahren mein Mini-Ich problemlos abgefedert haben, signalisieren mir sehr deutlich, dass sie das im Jahre 2024 nur mit Widerwillen tun. Unter Ächzen und Stöhnen der versammelten Gemeinschaft erhebe ich mich von meiner Arbeitsfläche am Boden wie ein Großvater in seinem nicht mehr ganz so besten Alter. Beim Aufrichten macht sich dann auch noch der untere Rücken bemerkbar – und das, wo ich im Fitnessstudio genau diese Muskelpartien regelmäßig auf der Schrägbank trainiere. Mit ordentlich Gewichtscheiben auf der Brust. Aber das ist alles für die Katz bei einer sentimentalen Regression ins Kindesalter. Die Muskeln verkrampfen und ich verweile erstmal für ein paar Minuten auf allen Vieren. Es ist kein Hexenschuss, aber auch deutlich mehr als ein sich abzeichnender Muskelkater.
    Und als wäre das nicht schon peinlich genug, frisst das Tapedeck just in diesem Moment das Band der Hörspielkassette. Die kleine Hexe wird immer dumpfer, leiert. Und stoppt dann. Eine Kindheitserinnerung wurde gerade vernichtet. Ich würde die Kassette ja gerne retten, um das Schlimmste zu verhindern. Aber Rücken und Knie versagen ihren Dienst.
    Tja, Monsieur, die Nostalgietour ist hiermit vorbei.
    Die Realität ist eingezogen.
    Du bist alt.
    Zumindest ist aus dem Booknook noch was geworden…
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  • Allgemeines,  Alltag

    eMail für dich ♥️

    Kurz vor Weihnachten trudelte eine kleine eMail ein. Unscheinbar und – passend zum humanistischen Gymnasium – zur Sicherheit nochmal ausgedruckt und in mein Fach gelegt. Fast hätte ich sie übersehen – wäre sehr schade gewesen. Sie wirkt nämlich seit Tagen nach.

    Genau DAS ist der Grund, warum man sich immer wieder die Mühe macht.

    Vielen Dank, Frau Doktor!

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  • Allgemeines,  blog,  Pädagogik,  Unterricht

    Runde 8 der Edublogparade 2024

    Es wird mal wieder Zeit für eine neue Folge in der Blogparade des Jahres 2024. Susanne und Erik haben dazu aufgerufen und ein tolles Thema gewählt: (Fast) rechtzeitig zum Tag der Lehrkräfte wird die Frage gestellt, warum man in den heutigen Zeiten überhaupt noch Lehrer werden soll. Denn der Berufsstand hat in den letzten Jahren gut gelitten:

    • Negative Publicity über Jahre,
    • unbezahlte Überstunden,
    • eklatanter Mangel an Lehrkräften
    • leere Kassen im Bildungsbereich
    • ständige Mehrung von Zusatzaufgaben, administrativer oder bürokratischer Art
    • hohe Krankheitsstände und Burnout-Raten

    Wozu also das auf sich nehmen? Das kann ich objektiv vermutlich nicht bewerten – aber privat. Daher erzähle ich einfach mal, warum ICH damals Lehrer geworden bin. Vielleicht findet sich ja jemand in meinem Geschreibsel wieder

    Vom Hausabreißer zum Arzt: Alles dabei

    Als Kind hatte ich so wie alle anderen beständig schwankende Wünsche, was meine Berufswahl angehen würde. Los ging es mit der Berufung des Hausabreißers. Als bei uns in Schwabing Mitte der 80er Jahre die alte Bibliothek dem Erdboden gleichgemacht wurde, war ich fasziniert von der Wucht, mit der die Abrissbirnen in die Fassaden gedonnert wurden. Das wollte ich auch! Allerdings nicht lange. Im Kindergarten war es die mittlerweile fast schon stereotype Vorstellung eines jeden Jungen vorherrschend ein Feuerwehrmann zu werden. Ab Gymnasium wollte ich alles werden, vom Tontechniker hin bis zu Chirurg oder Anwalt. Der Lehrberuf war für mich gar nicht so naheliegend, auch wenn ich ihm unbewusst schon über Jahre ausgesetzt war. Und damit meine ich nicht ausschließlich meine eigene Schule, an die ich großenteils tolle Erinnerungen habe.

    Mein Vater – der Held

    Mein Vater war selbst passionierter Lehrer und Schulleiter eines Gymnasiums im Rosenheimer Umland. Durch ihn bekam ich hautnah die Schattenseiten des Berufs vorgelebt, von denen in den Medien nie gesprochen wird: Die Überstunden in Hochzeiten, die unser Abendessen regelmäßig kalt werden ließen, die gelaufenen Ferien, wenn wieder Beurteilungen anstanden. Die Selbstverständlichkeit, mit der erwartet wurde, dass man auch mal seine Freizeit dafür aufopfern musste, um die Schule voranzubringen. Dann war da aber auch wieder die tiefe Dankbarkeit, mit der dieses Engagement belohnt wurde. Die ehemaligen Abiturienten, die regelmäßig bei uns vor der Haustür standen, um sich persönlich für die tolle Schulzeit bei meinem Vater zu bedanken. Die positiven Zeitungsartikeln in der Presse, die meine Mutter für die Familie sammelte wie Kinder ihre Paninibildchen. Und auch die Erfüllung, mit der mein Vater immer wieder am Mittagstisch von seinen Erlebnissen im Unterricht erzählte. Mein Vater hatte nicht nur einfach einen Beruf. Er hatte eine Berufung.

    Mein Werdegang

    Dass mir Unterrichten selbst Spaß macht, wurde mir in der 10. Klasse schlagartig bewusst, als ich in Deutsch ein Referat zu deutscher Exilliteratur halten sollte. Das Vermitteln von Inhalten, das Aufbereiten, die didaktische Reduktion, das machte mir über ein reguläres Maß hinaus irre Spaß – und zwar so, dass ich ernsthaft darüber nachdachte, diesen Beruf selbst zu ergreifen. Der Wunsch hielt sich über mehrere Jahre, über das Abitur hinaus und über den Zivildienst. Es war ernst.
    Als es langsam Richtung Studium gehen sollte und sich das Thema Lehramt herausschälte, platzte mein Vater vor Stolz. Wir hatten nie offen darüber geredet, dass seine Profession eines Tages meine werden könnte. Aber auf einmal stand das im Raum. Prompt er lud mich zu einem “Männergespräch” für zu einem griechischen Restaurant in Miesbach ein, in dem er mir damals alles über den Lehrberuf erzählte: wie er ihn wahrnahm, wie er sich nichts anderes vorstellen könne als das, aber auch über die Belastungen, die dieser Beruf nach sich zog. Er sollte recht behalten.

    Das Studium selbst war für mich eine kleine Achterbahnfahrt mit all den Problemen, die man heute noch von Studierenden im Seminar oder auf den sozialen Medien hört: realitätsfremde Dozierende, die kaum oder nie vor Klassen standen, Einfordern von unnötigen Zusatzqualifikationen für seine Fächer, kaum Möglichkeiten zu Unterrichtspraxis, riesige Diskrepanz zwischen Lehrstoff in den Seminaren und dem tatsächlichen Nutzen für den Unterricht. Aber das Ziel stand für mich fest. Im Studium, im Auslandsjahr, im Referendariat. Und die Realität lernte man schnell kennen: Der Job ist irre anstrengend. Um ihn gut zu machen, fordert er gnadenlos ein. Aber langweilig wird er nie. Jede Stunde ist anders, jede Lerngruppe ebenso, auch der Lehrplan ändert sich ständig und zwingt permanent zu neuen Mikroentscheidungen in Bezug auf Inhalt, soziale Formen und Organisation. Er ist intim, weil man seine eigene Persönlichkeit auf so vielen Ebenen einbringt und im Unterricht auf Klassenfahrten, Exkursionen oder Auslandsaufenthalten auch mal mehr sein muss als Lehrkraft. Dompteur zum Beispiel. Oder Reiseleiter. Oder Sekretär. Oder Papa, wenn sonst keiner da ist. Das macht den Beruf hochemotional und die Lehrkraft nahbar… Man freut sich wie Bolle über jeden Lernerfolg seiner Schützlinge und ist zu Tode beleidigt, wenn sie mal einen Test kollektiv in den Sand setzen.
    Der Job ist sinnstiftend, da wir in diesen unruhigen Zeiten einen Ruhepol zu schaffen versuchen, in dem für junge Heranwachsende konzentriertes, sicheres Lernen möglich ist. In dem wir Bildungsinhalte vermitteln, die unsere Schützlinge zu mündigen, klugen und weltoffenen Bürger machen. Wo wir Demokratieprozesse in der Schulentwicklung über Klassenrat, Schulforum und AKs einüben, um dem Nachwuchs die Werte nahezubringen, die eine moderne, offene Gesellschaft aufrechterhalten. Wenn das kein Grund ist in der Frühe aufzustehen, was dann?

    Ich habe in den 15 Jahren, die ich im Beruf bin, meine Entscheidung kein einziges Mal bereut. Natürlich gibt es Tage, an denen man sich schlaflos hin und her wirft, wenn Kummer einen bis in die Träume verfolgt. Aber das liegt an Details. Äußere Zwänge, toxische Personalien oder eine Entscheidung vom Ministerium, die ungut im Magen liegt. Aber an der Entscheidung, die richtige Wahl im Beruf getroffen zu haben, zweifle ich keinen einzigen Tag. Lehramt ist mein Traumjob, aber ein easy Halbtagsjob ist er definitiv nicht – wenn man ihn ernst nimmt.

    Weitere Beiträge gibt zum Thema :

    1. Erik Grundmann
    2. Jan Martin Klinge
    3. Katharina Mowitz
    4. Lars Fengler
    5. Gesa von Lærari
    6. Maria Kruse
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  • Allgemeines,  Alltag,  blog

    Runde 5 der Edublogparade 2024: Warum schreibe ich einen Blog?

    Vorbemerkung: Eine Reihe von bildungsaffinen Bloggern hat sich zum Ziel gesetzt, 2024 häufiger thematisch gemeinsam zu bloggen. Die Themenvorschläge werden an dieser Stelle gesammelt, alle Beiträge zum aktuellen Thema werden unter dem Beitrag gesammelt.

    Folge 5 der Edublogparade2024 geht ans Existenzielle. Zumindest für uns bloggende Lehrkräfte: “Warum schreibe ich einen Blog?” lautet die Frage. Und darüber sinniere ich. Wieder mal. Das Thema spukte mir schon vor ein paar Jahren im Kopf herum und brachte mich zu einem Artikel, der sich irgendwo in den Tiefen dieses Archiv verbirgt. Ich muss ihn nur suchen… (and for later: hier ist er übrigens). Ich lese das gute Stück allerdings erst, nachdem ich fertig bin – allein um zu sehen, ob sich was an meiner Grundmotivation geändert hat. Kann ja gut sein. Denn die digitale Welt hat das definitiv.

    Drei Dinge auf einmal: Neugier

    Am Anfang war es pure, ungezügelte Neugier am Ausprobieren. Anfang 2013 wurde ich im Netz zunehmend auf die Blogs von Lehrkräften in Deutschland aufmerksam. Als ich dann merkte, dass es sogar Lehrende aus Bayern gab, die sich auf diesem Format bewegten, war das Interesse geweckt. Als dann auch noch die Verquickung mit Twitter bei vielen Blogs auffiel, fing ich auch auf technischer Ebene Feuer.

    Drei Dinge auf einmal: Vernetzung

    Nach den ersten Schritten kam dann der nächste Grund ganz automatisch: Vernetzung. Mit Blog und Kurznachrichtendienst öffnete sich eine Tür in eine andere, viel größere Welt. Zum physikalischen Lehrerzimmer vor Ort kam ein digitales dazu. Und das war weiter, größer und bunter als alles, was ich bis dahin gekannt hatte. Im späteren Twitterlehrerzimmer tummelten sich alle Bundesländer, alle Fächer, alle Schularten. Und mit dem großen Blick über den Münchner Tellerrand in andere Kollegien bekam ich eine Tonne an Ideen, lange bevor sie bei uns an der Schule ankamen:

    Ich war der erste mit einem Tablet an der Schule. Bereits 2014 versuchte ich mich an einer kabellosen Verbindung nach Inspiration eines Artikels von Matthias Heil. Der Corona-Lockdown wurde durch den Ideenpool online Wochen vorher mit Alternativformaten kompensiert, bevor wir von Staatsseite Unterstützung durch Videotelefonie bekamen. Die Liebe zu Lernplattformen und digitale Übungsformate fing ausschließlich online Feuer. Und in das tolle Team, mit dem ich am ISB arbeiten darf, kam ich nur aufgrund meines Blogs, auf den man aufmerksam geworden war.

    Drei Dinge auf einmal: Kontemplation

    Für mich war der Blog immer eine tolle Möglichkeit, Sachen loszuwerden, die mich im Schulkontext beschäftigten. Positives wie auch Negatives. Dinge, die mir sonst den Schlaf rauben würden, kann ich im Blog ablegen, im internen Monolog mit mir bearbeiten, veröffentlichen – und mit etwas Glück habe ich am nächsten Tag auch ein paar Leser mit an Bord, die mit mir darüber in Dialog getreten sind. Ich kann ein paar Apps ausprobieren, einen Erfahrungsbericht dazu verfassen – und bestenfalls jemand dazu inspirieren selbiges zu tun. Ist das nicht großartig?

    Oh ganz vergessen: Spaß

    Den hätte ich fast vergessen. Der schwingt bei all dem natürlich mit. Der Austausch, das Entdecken, das Vernetzen ist existenziell für mich geworden. Und jeder Kenntnisgewinn über neue Methoden oder Tools fühlt sich an wie ein neues Tor zu eine neuen kleinen, coolen Welt. Und das ist bis heute so.

    Times are a-changing

    Diese vier Gründe halten meinen Blog bis heute am Laufen. Zugegeben, es ist ein leicht instabiles Gebäude, dieses Fundament. Der Alltag ist nämlich gerne mal ruppig und raubt einem dieser Pfeiler gerne mal den ihm gebührenden Platz. Denn auch nach Jahren Routine in der Schule selbst ist in Digitalien zwar gut was los, aber nicht immer Gutes:

    Die DSGVO führte vor ein paar Jahren zum Blog-Tod einiger gut gehender Angebote. Das Twitterlehrerzimmer ist zerfallen und in BlueLZ, thLZ, das Instalehrerzimmer und das FediLZ zerfleddert. Dadurch sind social media zunehmend im Bildungsbereich unterwegs und haben viele Leute dorthin abgezogen. Der Bedarf an long reads in Blogs ist den Kurzformaten in Form von 10 Sekunden-Stories und Kurznachrichten gewichen. Selbst Kommentare zu Blogartikeln haben sich vorrangig in die sozialen Medien verschoben. Sagen wir es, wie es ist: Blogs sind ein Boomer-Format geworden. Aber das ist ok für mich. Ich brauche Inhalte jenseits von POV-Videos, in denen Leute mit zweifelhaften schauspielerischen Talenten ihren Schulalltag nachstellen. Ich brauche was anderes als Leute, die auf Instagram vorrangig ihre Links zu ihrem kostenpflichtigen Lernmaterial an den Mann und die Frau bringen. Oder mit ihren Klassen Dance Challenges durchführen. Ich brauch das nicht. Ich bin zu alt dafür. Oder wie Roger Murtaugh aus Lethal Weapon sagen würde:

    I’m too old for this shit.

    Weitere Beiträge zum Thema auf den folgenden Blog:

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  • Alltag,  Technik

    Like it’s 1996…

    Horror, ich habe mein Handy zuhause liegen lassen. Und das an einem Tag, wo ich vor 16.00 Uhr nicht zuhause bin. Zu dumm, dass mir das erst aufgefallen, als ich in den Öffis Platz genommen hatte. Also viel zu spät. Wieder aussteigen und wieder zurückfahren, um das unverzichtbare Utensil zu holen, war zeitlich einfach nicht drin. Naja, dann zähneknirschend hingenommen, für die nächsten zehn Stunden ohne mein Smartphone zu sein.

    So wurde es eben ein Arbeitstag wie vermutlich 1996. Nur ein PC und eine eMail. Und deswegen folgt nun eine Liste über…

    …Dinge, die über den Tagesverlauf nicht möglich waren:

    • Musik hören auf dem Weg zur U-Bahn
    • Vokabeln lernen in der U-Bahn
    • Nachrichten lesen und beantworten
    • eMails on the go lesen und beantworten
    • Freistunden mit Surfen versüßen
    • social media lesen und beantworten
    • Techniker für die Schul-IT wegen mehrerer Fehler Bescheid geben
    • Kollegenkreis mit Sparwitzen von punnyworld versorgen
    • Auf akut auftretende Kollegiumsfragen reagieren
    • Zwischen Tür und Angel einen Arzttermin ausmachen
    • Espressomaschine von unterwegs vorheizen
    • Sprachnachrichten abhören und beantworten
    • spontan Fotos machen und verschicken

    War mega.

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    3.3
  • Allgemeines,  Alltag,  Unterricht

    Runde 4 der Edublogparade 2024: Lehrkräfte, die uns beeindruckt haben

    Es ist Zeit für Runde 4 der Edublogparade 2024. Das Thema: Lehrkräfte, die Teenager beeindrucken – jaja, sowas kommt vor. Und für jeden passiert das aus anderen Gründen. Die einen fahren durch ihr schieres Sachwissen Respekt ein, andere überzeugen durch ihre Art. Mein Exemplar hatte beides. Und auch wenn ich ihn nur kurz als Sprachenlehrer hatte, ist er mir bis heute in Erinnerung geblieben.

    Es ist 1996…

    Wir bekamen ihn in der zehnten Klasse in Englisch und Französisch (und wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, war er sogar unser Klassenlehrer) – oder besser gesagt: wir sollten ihn bekommen. Das Schuljahr ging nämlich ohne ihn los. Aus Krankheitsgründen fiel er bis zum Halbjahr aus. Die beiden Sprachenfächer übernahmen solange zwei Kolleginnen und Kollegen von ihm. Mit denen kamen wir durch die Bank gut aus. Das war aber auch kein Wunder: Wir galten als Klasse als insgesamt sehr verträglich. Und so startete das Jahr nach anfänglichem Durcheinander – ohne Klassenlehrer fehlt schon etwas die Richtung – ganz ok. Es gab die typischen Ups and Downs eines Schuljahres für eine Mittelstufe. Frankreichaustausch, erste Schulaufgaben, Klassenparties, Kontakt mit Alkohol, Tanzkurs. Die Routine eines Schuljahres ließ uns vergessen, dass wir in zwei Hauptfächern Ersatzlehrkräfte stecken hatten und uns der Klassenlehrer fehlte. Und dann kam das Halbjahr. Und mit ihm kam er.

    Er war eine echte Erscheinung. Groß, athletisch, dynamisch – und mit einem perfekten Sprachenakzent sowohl in Englisch als auch Französisch. Mich beeindruckte diese Authentizität von Anfang an. Und die legte er auch bei allem anderen an den Tag. Er verstellte sich nicht. In den 90ern, wo wir an unserem Kleinstadtgymnasium schon noch das eine oder andere biedere Exemplar an Unnahbarkeit am Pult sitzen hatten, pfiff er auf Distanz. Er ging von Anfang an auf Tuchfühlung und Nähe. Persönliche Geschichten von sich und seiner Familie gehörten für ihn zur Tagesordnung, ebenso wie das ständige Sprechen über unsere Hobbies und Freizeitaktivitäten – natürlich in der jeweiligen Fremdsprache. Sein Interesse wirkte nie geheuchelt. Es war echt. Und er nutzte es im Unterricht regelmäßig, um uns ins Geschehen reinzuziehen:

    Lektionstexte zu Jugendthemen, die uns zu aufgesetzt vorkamen, ließ er kurzerhand von uns umschreiben. Rezepte, die in unseren Lehrwerken abgedruckt waren, wurden konsequent nachgekocht und im Unterricht verzehrt und in Rezensionen bewertet. Musik und Filme, die uns bewegten, waren immer wieder Teil von Diskussionen. Unsere privaten Anliegen und Interessen waren immer wieder Teile von Aufgaben in Prüfungen, die er absichtlich einbaute und uns so das Gefühl gab ständig gehört zu werden.

    Aus heutiger Sicht mag das selbstverständlich klingen. Aber ich bin noch Teil einer Schülergeneration, in der man von manchen Lehrkräften ausschließlich mit Nachnamen angesprochen wurde. In der man Klassenarbeiten namentlich und nach Zensuren verteilte. Oder offensichtlicher Willkür oft schutzlos ausgeliefert war. Bei ihm war das nie Thema. Man hatte “Wohlfühlunterricht”. Es gab immer was geboten. Unvergessen die Stunde, als er beim Thema Bürgerrechtsbewegung unvermittelt auf das Lehrerpult stieg und Martin Luther Kings berühmte Rede auswendig aus dem Kopf vortrug. Komplett mit theaterreifer Gestik, Mimik und Betonung. Er hat uns einen waschechten Dead Poets’ Society-Moment beschert, den ich so nie wieder erlebt habe. Spätestens ab da hatte er uns gewonnen.

    Ein Jahr später

    Umso trauriger waren wir damals dann, als in der elften Klasse nur noch ein Teil von uns ihn in Französisch bekam. Die Klasse wurde in Französisch aufgeteilt. Wieso, wussten wir nicht. Meinereiner war bei einer anderen Lehrkraft im Unterricht. Auch dieser war nicht schlecht. Aber er war nun mal nicht so wie im letzten Jahr. Die Spuren, die er bei uns im Französischunterricht hinterlassen hatte, waren deutlich zu spüren – und es schmerzte, dass sie nicht vollständig ausgefüllt werden konnten. Er war einfach one of a kind. Und so haben wir ihn alle bis heute im Gedächtnis behalten. Auf den wenigen Abitreffen, auf denen wir uns zusammenfinden, fällt sein Name immer wieder. Wir reden über seinen aufregenden Unterricht. Über seine herzliche Art. Und dann auch über die große Leere, die er zurückließ, als er nicht mehr war.

    Das war in den Osterferien der elften Klasse, als er mit einem Teil von uns auf Schüleraustausch in die Vereinigten Staaten aufbrach. Und nie wieder zurückkehrte. Was in den Ostertagen damals tatsächlich passiert war, ist uns bis heute nicht hundertprozentig bekannt. Wir wurden in der Schule lediglich mit den Fakten konfrontiert: Suizid. Auf dem Schüleraustausch. Mich schaudert es heute noch, wenn ich an den Ausnahmezustand zurückdenke, in den uns dieses Wort schleuderte.

    Die Klassenkameraden und Begleitlehrkräfte kamen verfrüht und mit blassen Gesichtern zurück. Viele seiner Kolleginnen und Kollegen, die wir als Fels in der Brandung erlebten, brachen vor unseren Augen im Unterricht weinend zusammen oder rannten tränenüberströmt aus dem Klassenzimmer, wenn das Thema in Durchsagen zur Sprache kam. Es wurde auch absolut nicht im Unterricht bearbeitet. Auffangen durch gab es nicht. Keine Beratungslehrkraft oder Schulpsychologe trat in Erscheinung. Es gab nur uns und dieses explosive Bündel an giftigen Emotionen: Trauer, Hilflosigkeit, Wut, Fassungslosigkeit, Angst. Wie wir damit umgehen sollten, war uns überlassen: Sowohl dem Kollegium als auch uns.

    Ich weiß noch, dass wir als ehemalige Klasse seiner Familie einen langen Brief schreiben wollten. Andere hatten Pläne über eine Radiostation für ihn und seine Familie ein Lied zu spielen. Was daraus geworden ist, kann ich nicht mehr sagen. Das ist schon bald 30 Jahre her. Aber ich denke regelmäßig in der Oberstufe an ihn, wenn es beim Thema Civil Rights Movement um Martin Luther King geht – und ich wirklich jedes Mal darüber nachdenke, auf einen Tisch zu klettern und auswendig I have a dream an mein Publikum zu schmettern. Ich hab es noch nie durchgezogen. An Legenden reicht man halt einfach nie so richtig ran.

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    4.7
  • Allgemeines,  blog

    Don’t rain on my Blogparade

    2023 brachte viel Turbulenz ins digitale Kollegium. Das ehemalige Twitterlehrerzimmer blutete in Wellen aus und probierte den Exodus in ein neues Land. Derer gab es viele. Einige wenige fanden Erfüllung auf der Insel Mastodon. Ein Großteil frohlockt in Bluesky. Auch im Threadsland scheint es sich gut zu leben. Warum der eine hier, der andere aber dort die neuen Zelte aufschlägt, hat Gründe:

    Genervt

    Mal ist es dort zu ruhig, hier zu laut, hüben zu politisch gefärbt, drüben zu niveaulos. Die einen bleiben ihrer neuen Heimat eisern treu, andere versuchen überall zuhause zu sein und üben sich ambitioniert in der ermüdenden Kunst des Crosspostings. Der eine ist genervt, weil man auf nun überall denselben Käse liest, der andere, weil der Käse Plattform-exklusiv ist. Wieder andere sind genervt, weil Accounts die alten Kamellen hervorholen, die schon auf (E-)X-Twitter vor sieben Jahren Klicks gebracht haben, und mit dem Posten von alten Tweets wieder auf Followerjagd gehen. Damit werden dieselben Aufreger und Trends von 2015 auf einmal wieder in die Timeline gespült. Und auch das nervt. Genauso wie der gefühlte Allgemeinzustand. Es ist tatsächlich schade zu sehen, wie aus dem ehemaligen Miteinander ein Neben- und leider oft auch Gegeneinander geworden ist. Ein bisschen mehr Gruppenflausch wäre mal wieder schön. Und so schwer wäre das tatsächlich auch nicht. Denn in dem weißen Rauschen des social media overkill vergisst man allzu gerne, dass es neben X, Mastodon, Bluesky und Threads durchaus Alternativformate für Bildungsthemen gibt. Nämlich das Blog.

    Entnervt

    Blogs haben mich damals erst in Richtung social media gepusht. Über Blogs kam ich in das Metier der online Bildungslandschaft fernab von dem, was Buchverlage damals als den heißen digitalen Scheiß zu verkaufen suchten. Über Blogs und deren Kommentare kam ich in Kontakt mit ambitionierten Leuten, die ihre Art des Unterrichtens in die Welt trugen. Das war lange vor Stories in diversen sozialen Medien, in denen Menschen mit zweifelhaftem schauspielerischen Talent Schülergruppen nachäfften, ihre eigenen Werke in Sales aufzwangen, oder ihre stark vereinfachte Sicht der Dinge in 15 Sekunden-Clips pressten. Vielleicht ist das Medium Blog ein bisschen langsamer als das Bombardement des Microbloggings auf vielen Plattformen. Aber genau daran liegt ja auch der Reiz. Zeit nehmen. Rauschen filtern. Einfach lesen. Zur Ruhe kommen. Nach dem ganzen Hin und Her vielleicht genau das, was wir brauchen. Probieren wir ‘s aus!

    Blogparade

    In einer Diskussion unter einem aktuellen Artikel von halbtagsblog kamen Jan-Martin, Arne, Kristina und ich auf die Idee mal wieder eine kleine Reihe von Blogparaden auf den Weg zu bringen. Das Konzept dazu ist bekannt: Man einigt sich auf ein, zu dem sich die Blogschaffenden ein paar Gedanken machen und zu einer festgelegten Deadline auf ihrem Blog publik machen. Einen Themenpool legen wir derzeit über zumpad an. Jeder, der möchte, kann ein Thema einbringen. Egal was, egal wer. Wir würden uns in regelmäßigen Abständen eines davon herausgreifen und dazu eine Blogparade ausrufen. Wie, was und wann – schau mer mal. Jetzt werden erstmal Themen gesammelt. Legen wir los!

    Hier geht’s zur Liste mit möglichen Themen

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    4.7
  • Allgemeines,  Alltag

    Geklauter Jahresrückblick

    Ich nehme mir eigentlich jährlich vor, keinen Jahresrückblick zu machen. Aber irgendwie kommt dann doch wieder einer um die Ecke, der mich umstimmt, und dann landet doch wieder was hier auf diesen Seiten. Dieses Mal kommt der Impuls von Arne auf seinem Blog, der die Idee von Carola hat. Das Format ist schnell und dem This or That-Stil nachempfunden, der dieser Tage auch bei Instagram so seine Verwendung findet. Na, dann wollen wir mal.

     

    Haare länger oder kürzer?

    Gleich. Aber grauer.

    Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

    Ich glaube, es läuft auf eine Kurzsichtigkeit heraus. Aber ich müsste mal zu einem Optiker und mich um eine Brille kümmern (das sag ich übrigens auch jedes Jahr an Silvester).

    Mehr ausgegeben oder weniger? 

    Wenn ich an die neue Küche denke, mehr. Als Konsequenz aber aufs Jahr gesehen eher weniger. Wegen des Umzugs haben wir dieses Jahr den Urlaub gestrichen. Und auch sonst hab ich das eine oder andere Abo gekündigt. Es bleibt am Monatsende tatsächlich gut was übrig.

    Der hirnrissigste Plan?

    Mehrere Fremdsprachen gleichzeitig lernen zu wollen. Den Plan hab ich aber aufgegeben. Ich bin ja lernfähig.

    Die gefährlichste Unternehmung?

    Mein erster ETF. Mehr Leben am Limit halte ich nicht aus.

    Das leckerste Essen? 

    Uh. Schwer. In Bad Aibling gibt es einen hervorragenden Griechen, der sehr landestypische Hausmannskost auftischt. Das aber phänomenal gut. Wir gehen immer mit vollen Bäuchen und sehr zufrieden raus. Wer es mal ausprobieren will: Hier ist er.

    Das beeindruckendste Buch? 

    Ich kam dieses Jahr so gut wie gar nicht zum Lesen. Ich bin immer wieder erstaunt, was Blogging Buddies wie Herr Rau oder Armin so weglesen. Ich bekomme das einfach nicht hin.

    Der ergreifendste Film? 

    Ist mir ein bisschen peinlich, aber der neue Pumucklfilm war einer der wenigen Streifen, die mich wirklich zum Weinen gebracht haben.

    Die beste Musikentdeckung?

    Ich weiß, ich bin eigentlich zu alt für Teeniekram, aber wer sich mal Zeit nimmt, in Taylor Swift reinzuhören, bekommt Pop vom Feinsten um die Ohren. Die Songs sind hervorragend produziert, melodisch auf Ohrwurm frisiert und die Texte wirklich hintergründig. Frau Swift kann was!

    Das schönste Konzert? 

    Dieses Jahr leider kein einziges besucht.

    Die meiste Zeit verbracht mit…? 

    Arbeit. Das wird wohl auch jeder Kollege mit einem Vollzeitdeputat so empfinden.

    Die schönste Zeit verbracht mit…? 

    meinen Liebsten.

    Vorherrschendes Gefühl 2023? 

    Ist Kopfschütteln ein Gefühl? Ich hab bei mehreren Dingen dieses Jahr die Welt nicht mehr verstanden. Die Kurzsichtig- und Kopflosigkeit einiger Personen macht mich zuweilen sprachlos. Und dass das 2024 fundamental anders wird, damit ist wohl nicht zu rechnen.

    2023 zum ersten Mal getan? 

    An einem Hinterhofflohmarkt in München als Verkäufer teilgenommen. 

    2023 (nach langer Zeit) wieder getan? 

    Eine Wohnung gekündigt und umgezogen – und gemerkt, wie sehr ich diese Zeit der Ungewissheit hasse.

    3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

    Ewige Wartezeiten bei Reparaturen der Technik durch die Stadt München

    Aiwanger-Skandal

    ein eingeklemmter Nerv, der mich über Wochen nachts nicht länger als zwei Stunden schlafen ließ.

    Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

    Mebis

    2023 war mit 1 Wort…? 

    Unrund

     

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    4.3
  • Allgemeines,  Unterricht

    Merry Christmas!

    Letzte Stunde mit meiner fünften Klasse vor den Ferien. Und am Ende prangt am Whiteboard ein gemalter, breit grinsender Weihnachtskot. Wie es dazu kam, fragt einfach nicht. 😁 Aber irgendwie fasst er das Jahr gut zusammen. Es ging einiges schief 2023. Das Wort “Krise” hing dick über den Monaten. Egal, wohin man sah. Energiekrise, Ukrainekrise, Regierungskrise, Immobilienkrise, Bildungskrise, Inflationskrise. Dazu dann noch ein paar handfeste Skandale in den politischen Reihen, Kommunikationsprobleme mit unserem Sachaufwandsträger und anderen Stellen, und fertig ist ein explosives Gemisch, das eigentlich nur einen Schluss zulässt: 2023 kann weg.

    Zum Glück gab’s auch die kleinen Erfolgsmomente, die man nie vergessen soll: Privat ist alles paletti. Alle sind gesund und wohlauf, ich bin in eine tolle neue Umgebung gezogen. Auch die Arbeit macht Spaß. Es knirschte dieses Jahr gefühlt deutlich mehr im Gebälk als die Jahre vorher, aber das liegt vorrangig an den äußeren Umständen und festgefahrenen Strukturen, an denen wir uns immer wieder reiben, anstatt endlich mal einen Weg raus zu finden. Aber die Arbeit mit den Klassen macht Spaß, die Systembetreuung ist anstregend, doch erfüllend, und die Stelle beim ISB fühlt sich immer noch sehr inspirierend an und bietet mir eine Mini-Möglichkeit zum wöchentlichen Eskapismus. Also von daher jede Menge Gründe zum Freuen und Lachen. Wie der Weihnachtskot. Aber geschafft bin ich. Es war wirklich gut was los. Und die Ferien sind wohlverdient – und zum Glück weitgehend frei von Korrekturen. Erholt euch! Ich tu’s ganz sicher!

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  • Allgemeines

    Der Pumuckl ist wieder da

    Es wird im Kinosaal totenstill, als plötzlich die Skyline der Münchner Innenstadt auf der Leinwand erscheint. Altbekannte Musik erfüllt den Raum, und aus einem Dachfenster klettert ein rothaariger Wicht in Richtung Titelscreen, begleitet von der kultigen gelben Jugendstil – Schrift. Ganz wie damals 1982 . Der Pumuckl ist wieder da.

    Pumuckl: Ein großes Stück Kindheit

    Die Geschichten um den kleinen Kobold sind für mich früheste Kindheitserinnerungen (noch lange vor den 3 ???). Ich bin mit den Schallplatten aufgewachsen, auf denen noch Alfred Pongratz den Meister Eder sprach. Die ruhige Sprechstimme des Erzählers August Riehl ist bei mir auf ewig in die Gehirnwindungen gebrannt, und auch heute reißt es mich, wenn seine Stimme unvermittelt in alten Beiträgen des bayerischen Rundfunks auftaucht. Das gilt natürlich auch für Pumuckl selbst. Keine Folge bleibt ignoriert, wenn sie mal wieder im Fernsehen läuft. Vorbeizappen ist nicht möglich, ich bleibe immer wieder dran kleben und freue mich wie ein kleines Kind über das unvorhergesehene Wiedersehen mit den alten Bekannten. Sie alle spielen und leben in einem München, das ich aus meiner Kindheit kenne und liebgewonnen habe:

    Die Charaktere umweht der berühmte oberbayerische Grundgrant, aber jeder ist durch und durch herzlich und ehrlich. Sie alle sprechen Dialekt, den man so in der Landeshauptstadt nur noch an wenigen Ecken hört, leben und arbeiten in Häusern und Wohnungen, die es so nicht mehr gibt. In schmutzigen Altbauten mit knarzenden Holzdielen, mit Drehlichtschaltern, scheußlichen Blumentapeten. In den verrauchten Wirtshäusern, in denen der Schreinermeister und seine Freunde immer ihr Sauerkraut futtern, sitzen heute die hippen Zugroasten in Markenklamotten und süffeln ihren Afterwork-Spritz für 9,20 Euro. Das München der Serie ist ein anderes als heute… aber auch wieder nicht. Denn viele Drehorte gibt es immer noch. Den Kabelsteg über den Isar-Kanal zum Beispiel, auf dem der Diener Jakob Herrn “Ederer” begrüßt. Oder den Tierpark Hellabrunn, wo Pumuckl im Meerschweinchenkäfig traumatische Stunden durchlebt. St. Lukas, die berühmte Kirche aus dem Vorspann, die bei mir seit jeher als Pumuckl-Kirche bekannt ist, steht noch. Nur die Werkstatt vom Meister Eder – die gibt’s nicht mehr.

    Die harte Realität

    Die wurde Mitte der Achtziger in der Widenmayerstraße abgerissen, als die Dreharbeiten abgeschlossen waren. Und damit war auch die Fernsehserie begraben; erst recht nach dem Tod von Meister Eder-Darsteller Gustly Bayrhammer, der 1993 an einem Herzinfarkt verstarb. Er hatte der Serie mit seinem Schauspiel zu Kultstatus verholfen. Ohne ihn fehlte Pumuckl die Lebensgrundlage. Er war der ruhende Gegenpol des immer zappeligen Kobolds gewesen, der mit geradezu stoischem Wesen dem Klabauternachfahren (und natürlich dem kindlichen Publikum) immer wieder die Welt erklärte. Bestrebungen, aus dem Stoff etwas Neues zu machen, gab es dennoch:

    Mehrere Spielfilme wurden produziert, eine neue Serie, die auf einem Schiff spielt. Pumuckls menschlicher Gegenpart waren nun Schiffsköche oder Verwandte von Meister Eder. Aber es war einfach nicht dasselbe. Die Originalserie blieb unerreicht, eine Stück Münchner Stadt- und Kulturgeschichte der frühen 80er Jahre. Ein irgendwie zeitloses Juwel für meine Generation, entkoppelt vom poppigen Zeitgeist, den man dieser Dekade immer wieder nachsagt.

    Heimkehr?

    Und dann kommt über 40 Jahre später auf einmal eine neue Serie daher, die sich zum Nachfolger deklariert. Für mich völlig unerwartet. Und dann auch noch von einem Privatsender produziert, der mit München so gar nichts am Hut hat. Dazu auch noch die Ankündigung, dass man Hans Clarins Stimme mit Hilfe von KI wiederbelebt und einem mittlerweile computeranimierten Pumuckl in den Mund gelegt hat. Das klingt alles ein bisschen abgefahren. Eine Spur zu modern für die Nachfolge einer Serie, in der die Filmtricks immer so putzig durchschaubar waren; in der man selbst als Kind die unsichtbaren Schnüre sehen konnte, an denen Schlüssel und andere Objekte wie von Geisterhand durch den Raum schwebten.

    Aber dann kommt wenige Minuten nach Filmbeginn diese eine Kameraeinstellung, wie man sie seit 1982 aus der Serien kennt: Die Perspektive ist erhöht und filmt von rechts in den Hinterhof hinunter, mit der Schreinerei Franz Eder im Zentrum. Sie eröffnet und beschließt fast jede Folge in der Original-Serie, bietet so seit über 40 Jahren für 25 Minuten eine Bühne für ein kleines Stück Koboldsanarchie. Jedes Mal. Wie ein Ritual. Es ist ein bisschen wie Nach-Hause-Kommen.

    Ein Stück Heimat: Der neue alte Hinterhof aus der neuen Pumuckl-Serie (Quelle: youtube.com)

    Ich spüre den ersten Kloß im Hals, als die Kamera die Schreinerei von innen filmt. Gleich neben der Tür hängt das schiefe Medizinschrankerl an der Wand genauso wie damals, links auf der Bank das berühmte dunkelblaue Pumuckl-Bett mitsamt Schiffsschaukel, hinten im Raum steht der kleine Ofen, mit dem die heizungslose Schreinerei betrieben wurde. Holzlatten fliegen wieder wie von Geisterhand um. Farbdosen und Kannen rutschen aus Regalen. Irgendwie immer noch genauso liebenswert unperfekt in Szene gesetzt wie damals. Das würde heute mit Computertechnik definitiv eindrucksvoller gehen. Aber das ist eine Pumuckl-Folge. Die braucht kein effektheischendes CGI. Außer für den Kobold selbst.

    Als der zum ersten Mal auf der Leinwand erscheint (übrigens wieder nach Kontakt mit einem Leimtopf), ist der große Moment da, auf den große Kinder wie ich seit Jahrzehnten gewartet haben. Fast symbolisch hat er dem Zuschauer den Rücken zugewandt und zittert, als hätte er Angst, sich wieder zu zeigen und die Erwartungen an seine Fans nicht zu erfüllen. Dann dreht er sich um. Macht zum ersten Mal den Mund auf. Und mir kommen die Tränen.

    Neubeginn oder Kopie?

    Es ist echt wie damals. Gut, die Animationen des Kobolds sind einen Hauch flüssiger, der Stimme fehlt ein bisschen die Explositivität eines Hans Clarin aus Fleisch und Blut. Aber was da technisch auf die Beine gestellt wurde, ist der Wahnsinn. Für mich ist der neue Pumuckl die erste echte KI-Begegnung im Filmgeschäft, die über ein bisschen Technikspielerei hinausgeht. Und wenn das einen Altphilologen im Kinosaal unter lauter Kleinkindern zum Weinen bringt, dann hat das echt Potenzial. Es wird nicht das letzte Mal bleiben.

    Die nächsten 80 Minuten sind gespickt mit liebevollen Anspielungen an das Original: Berühmte Musikthemen klingen in vielen Szenen wieder durch – vor allem am Grab von Meister Eder, wo mehrmals berühmte Melodien im Hintergrund anzitiert werden. Viele Schauplätze und Themen kommen wieder:Verstecke im Kohlenkeller, Bewerfen von Erwachsenen mit Schnee… äh… Wasserbomben, irrtümliche Beschuldigung von Kindern, schlechtes Gewissen beim Kobold und wie immer Wiedergutmachung. Ein Eder, den man aufgrund seiner scheinbaren Selbstgespräche wieder mal für verrückt hält – und der es zähneknirschend erträgt. Man kennt das alles. Aber es ist charmant abgeändert. Immer eine Reminiszenz, niemals plumpe Kopie. Dazu schauen noch altbekannte Gesichter in den Folgen vorbei.

    Ilse Neubauer spielte damals die Frau des Hausmeisters, der beim Schneeschippen immer sein berühmtes Liedchen vom Neid in den Tälern anstimmte. Nun sperrt sie den Erben der Werkstatt die alte Wirkungsstätte des Schreiners auf, wurschtelt gedankenverloren an den Geranien vor der Werkstatt herum, als sie Eders Neffen über die letzten Jahrzehnte vor Ort erzählt: “Ihr Onkel war ein feiner Mann. So etwas gibt’s heute gar nicht mehr. Und jetzt ist er gestorben. Erst er, dann der Bernbacher, der Schmidt und mein Mann. Jetzt bin nur noch ich da.” Sie schaut traurig und wehmütig ins Leere. In Gedanken an eine unbeschwerte Zeit, die schon viele Jahre hinter ihr liegt. Hinter uns. Unwiederbringlinch. So dachten wir zumindest. Dass sie dank moderner Technik jetzt noch einmal für uns aufflammen darf, ist ein echtes Geschenk

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    4.7