Tja, und da liegt es wieder. Ein schöner Stapel mit Abiturprüfungen. Das erste G9-Abi, das sich in Englisch beweisen muss. Das letzte Mal habe ich viel über die Korrekturen geschrieben und getrackt, was denn ein komplettes Abitur so an Zeit bedeutet. Das habe ich jetzt hinter mir und sehe deswegen auch keinen großen Sinn, darüber noch einmal zu schreiben.Viel interessanter fand ich in diesem Zusammenhang die neuen Regelungen mit der Abschlussprüfung. Denn aufgrund des Themas KI und Handynutzung während Prüfungen wird dieses Mal ein ganz schöner Aufwand betrieben:. Schülern ist zum ersten Mal zur Prüfung ein gewisser Dresscode vorgeschrieben worden. Alles mit Knöpfen oder Kapuzen ist verboten. Stifte muss die Schule selbst stellen. Wenn die Schüler mit ihren eigenen Schreibgeräten schreiben wollen, weil es der Glücksfüller vom Lieblingsonkel ist, müssen die Stifte im Vorhinein abgegeben und inspiziert werden. Auch Radiergummis und Spitzer haben wir dieses Mal zur Verfügung gestellt. An manchen Schulen ist auch die Rede davon gewesen, Frequenzscanner einzusetzen, die die Umgebung nach eventuellen Handystrahlen absuchen für den Fall, dass jemand am Klo ein Smartphone deponiert hat, um ins Internet zu gehen.
Allein dieser vororganisatorische Aufwand ist immens und stellt uns in der Prüfungzeit gleich nochmal ein paar neue Hindernisse in den Weg. Die Abiturprüfung selbst ist auch gleich wieder so ein Din: Das Hörverstehen wird wie immer am Tag vor der eigentlichen Prüfung Probe gehört. Vor knapp 7-8 Jahren trudelten deswegen immer gepresste CDs vom Ministerium ein, die es dann abzuhören galt. Seit ein paar Jahren macht man das einfach per Download-Portal, das aber auch nicht so einfach ist: Die ZIP-Datei mit den enthaltenen Audiodateien kann man schon Tage vorher herunterladen. Das dazugehörige Passwort wird separat verschickt – und zwar am Tag vor der Abiturprüfung. Allerdings ist es jetzt nicht so, dass man einfach diese Datei auf einen Stick zieht und das war’s. Der Schulleiter muss die ZIP-Datei in ein extra zur Verfügung gestelltes Tool hochladen mit dem Passwort “füttern”, sodass die darin enthaltene MP3-Datei entschlüsselt wird. Diese wird dann auf USB-Sticks gezogen, die hinterher mit einem weiteren Passwort per BitLocker gesperrt sind. Was für ein Aufwand.
Die Prüfung selbst ist, zumindest soweit wir sehen können, insgesamt ganz machbar. Allerdings ist uns nicht klar, warum gewisse Aufgaben, die seit zwei Jahren penibel mit Probeabituren und illustrierenden Prüfungsaufgaben eingeübt werden sollen, auf einmal in der eigentlichen Prüfung gar keine Rolle spielen. Die Cartoon-Based Composition, die uns ja als große Neuerung als Aufgabentyp angekündigt worden war, taucht in keiner der Textproduktionsaufgaben auf. Weder im grundlegenden noch im erhöhten Aufforderungsniveau. Das ist schon ein bisschen schräg.

Hast du eine Meinung dazu? Dann hinterlasse einen Kommentar oder eine Wertung.
0